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Blind Guardian

Power Metal
08.01.2013

«Es wird kaum Auftritte von BLIND GUARDIAN im 2013 geben. Das wäre auch nicht nicht ratsam, weil wir an unsern nächsten Alben arbeiten. »

Metalinside (Danny Frischknecht): Hi Hansi. Es freut mich, dass du Zeit gefunden hast, um mir einige Fragen zu beantworten.

Zuerst zu eurer Band:
Ihr seid seit 1987 als Blind Guardian im Geschäft und hattet in dieser Zeit relativ wenige Wechsel im Lineup. André Olbrich und du, ihr seid von Anfang an dabei. Wie schafft man eine solche Konstanz über diese lange Zeit?

Hansi Kürsch: Da gibt es kein Patentrezept, auf der anderen Seite war das relativ einfach. André und ich und weitgehend auch die andern Musiker von damals hatten eine Vision, was BLIND GUARDIAN sein sollte. Wir haben uns immer intensiv Gedanken über die passenden Musiker gemacht, darauf geschaut, wer zu uns passt. Die Erfolge haben uns auf diesem Weg bestärkt. Für die Wahl der Musiker, die zu uns und in unsere Bandvision passten, haben wir uns immer genügend Zeit genommen und das hat sich gelohnt.

MI: In diesen 25 Jahren habt ihr 13 Alben veröffentlicht, im Schnitt also alle zwei Jahre eines. Nach 1998 hat die Kadenz aber nachgelassen. Gibt es Gründe dafür?

HK: Ja, seit 1998 – nach „Nightfall In Middle-Earth“ – waren wir immer länger auf Tour. Das brachte jeweils mindestens ein Jahr an Zeitverlust. Kommt dazu, dass wir nach diesen vielen Alben mehr Zeit brauchen, um neue Ideen herauszuarbeiten. Zu Beginn gingen wir etwas unkritischer ans Werk als heute, wir benutzten mehr Standards als wir das heute tun.

MI: Was ist das Geheimnis eures Erfolgs?

HK: Ich wage mich jetzt etwas weit vor; wir versuchen, uns nicht zu wiederholen, wollen uns stetig weiterentwickeln. Das hat nicht immer allen gefallen – vor allem den eingeschworenen Fans. Vieles war im ersten Moment untypisch für BLIND GUARDIAN, ist dann aber doch gut angekommen. Und es wird bis heute honoriert. Zudem engagieren wir uns live etwas weniger, das behält die Fans hungrig (lacht).

MI: Deutschland hat eine ausgeprägt starke Metalszene, die sämtliche Genres umfasst. Hast du dafür eine Erklärung?

HK: Auch wenn das vielleicht etwas seltsam klingt, ich glaube, das basiert auf der Arbeiterklassengesellschaft der Achtzigerjahre. Die deutsche Metalszene baute damals stark auf der Ruhrgebietszene auf. Abgesehen von England hatte damals nur Holland eine ähnliche Szene und auch die fusste auf den Regionen mit einer grossen Arbeiterklasse. Die englische Szene sah ähnlich aus, wenn auch viel grösser; die meisten Bands und Musiker kamen aus Industriegebieten. Zudem haben viele Bands eine Art Eigennote entwickelt, vielleicht durch die SCORPIONS. Und das geschah nicht nur über die sprachlichen sondern auch die musikalischen Akzente. Das bescherte den deutschen Bands damals grosse Erfolge zuerst in Südostasien. Daraus ist eine Tradition entstanden, trotz Veränderungen über die Jahre konnten deutsche Bands Akzente setzen und immer wieder eigene Feinheiten einbringen . Sie entwickelten eine deutsche Handschrift.

MI: In einem Interview hat mir DORO erzählt, dass die Neunzigerjahre für viele Metalbands eine schwierige Zeit waren. Der Siegeszug des Grunge führte dazu, dass Metal wenig bis gar nicht mehr gefragt war.

Seit 2000 kriegt die Szene aber wieder enormen Zuspruch, WACKEN beispielsweise ist ja schon beinahe „gesellschaftsfähig“ geworden. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

HK: Für uns waren die Neunzigerjahre nicht so kritisch. Es war eine sehr spannende Zeit. Unsere Entwicklung verlief einigermassen konträr zum Markt, also eher positiv. Allerdings ist DORO länger im Geschäft, war in den Achtzigern bereits sehr aktiv. Diese Erfahrung fehlt mir, damals spielte ich noch in Amateurbands (lacht).

Aber es ist schon richtig, in den Neunzigern galt die Regel schon, dass Metal eher auf dem absteigenden Ast war. Der Erfolg des Grunge führte dazu, dass Metal auch etwas belächelt wurde – Arbeitermusik halt. Für BLIND GUARDIAN war es glücklicherweise eher umgekehrt, uns brachten die Neunziger gute Erfolge.
Und ja, WACKEN ist heute wirklich hoffähig geworden. Es hat aber im Laufe seiner Entwicklung enorm viel zur Entwicklung der Metalszene beigetragen. Und das ist vielleicht auch ein Synonym dafür, dass Metal hat sich von der reinen „Arbeitermusik“ weiterentwickelt hat.

MI: In den Bios vieler Bands wird ein Auftritt am WACKEN besonders hervorgehoben. Ist WACKEN eine Art Ritterschlag für Bands?

HK: Ich glaube, das wird überbewertet. Im Ausland hat das eher einen Stellenwert, da WACKEN halt ein sehr renommiertes, grosses Festival ist.

MI: Im Februar erscheint euer „rumdumsorglos-Paket“ für Fans von BLIND GUARDIAN. 15 CD’s, 13 Digipacks, Booklet und nur 8000 Exemplare. Verkaufen sich solche Packages im Zeitalter von iTunes und Co. noch? Und kannst du etwas zum Verhältnis zwischen Downloads und analogen Tonträgern bei euren Verkäufen sagen?

HK: Es wird sich herausstellen, dieses Package ist bestimmt eine ambitionierte Hausnummer, die gehen bestimmt nicht einfach so raus. Da macht der Preis natürlich die Musik.

Für uns ist das auch eine Art von Archivierung. Und, die Plattenfirma wäre kaum darauf gekommen, ohne Chancen zur Vermarktung zu sehen. Wir von uns aus hätten diese Geschichte wohl eher nicht angepackt.

Bei unseren Verkäufen liegt die Anzahl an Digitalnutzern bei etwa 10%. Sie steigt an, macht aber im Gegensatz zu anderen Genres wenig aus. Der typische Metalhead will was in der Hand haben, sammelt seine CD’s. Ich selber lade auch mal etwas herunter, meist wenn ein Album nicht so der Burner ist oder mich nur einzelne Tracks interessieren. Unser Package gibt es auch nicht als Download.

Für uns sind die Downloads auch nicht wirklich interessant, da die Einnahmen, ausser bei iTunes, gegen null tendieren.

MI: Eure Website und euer Facebook-Profil geben keine Auskunft darüber, wann es wieder auf Tour geht oder welche Konzerte und Festivals für kommendes Jahr geplant sind. Hast du eine frohe Botschaft für die Fans?

HK: Nein, es wird kaum Auftritte von BLIND GUARDIAN im 2013 geben. Das wäre auch nicht nicht ratsam, weil wir an unsern nächsten Alben arbeiten. Wir planen hier über längere Zeit. Momentan ist unser Orchester-Album fast fertig, viele Orchesterparts sind eingespielt. Man kann also sagen, dass wir in der Produktionsphase sind. Das zweite, „normale“ Album ist ebenfalls in Arbeit. Wir stecken etwa in der Mitte der Songschreibphase.

Wir fassen vorsichtig einen Termin im Herbst 2014 für unser reguläres Album ins Auge. Das Orchesteralbum würden wir dann gerne acht bis zwölf Monate später auf den markt bringen.

MI: Die Geschichte zeigt, dass man als Metalmusiker lange auf der Bühne stehen kann – siehe etwa Lemmy von Motörhead. Hast du eine Vorstellung, wie lange du noch von Konzert zu Konzert und von Festival zu Festival ziehen möchtest?

HK: Da habe ich eigentlich keine Vorstellung, wir haben uns auf jeden Fall noch kein Ende gesetzt. Zudem haben wir noch Potenzial für weitere 25 Jahre. (lacht)

Schon als wir anfingen, gab es diese Zeitdiskussion nicht.

MI: Damit wären wir bei deiner privaten Seite angelangt. Was unternimmt Hansi Kürsch, wenn er nicht im Übungsraum, im Studio oder auf der Bühne unterwegs ist?

HK: Dann verbringe ich 95 % mit meiner Famile, meiner Frau und meinem Sohn. Und ich lese, höre Musik und spiele. Bei der Musik klinkt sich meine Frau allerdings nach einer Weile aus – unser Musikgeschmack deckt sich nur teilweise. Wann immer es die Zeit und das Budget erlaubt reisen wir auch sehr gerne zusammen.

MI: Hansi, ich danke dir für deine Zeit und wünsche dir und BLIND GUARDIAN weiterhin viel Erfolg.

Zürich, 8. Januar 2013 (Danny Frischknecht)

08.01.2013
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