Fr, 17. Mai 2013

SEPULTURA

KiFF (Aarau, CH)
23.05.2013

Sepultura. Als 14 Jähriger Thrasher war „Schizophrenia“ mein grosser Rückenaufnäher auf der Marcel Scheiner Jeansjacke. Die Brasilianer waren für mich damals der sichere Hafen als meine bevorzugten Thrash-Metal-Bands – Metallica, Anthrax etc. – nicht wussten wie ihnen mit der Grunge-Welle geschah und wie sie auf die Grunge und Crossover-Welle reagieren sollten. So ziemlich enttäuschendes Material lieferten dann die klassischen Thrash-Metal-Bands ab. Mit „Arise“ kam dann für mich eine der geilsten Metal-Scheiben überhaupt raus und noch heute habe ich Hühnerhaut, wenn ich das Intro von Arise höre und somit einen Backflash in die frühen 90er habe. Sepultura haben den Thrash-Metal in die 90er gerettet und über die Jahre auch stark mitgeprägt.

Und heute spielen die Helden meiner Teenie-Zeit im KiFF in Aarau. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu wissen, dass dies heute ausverkauft sein wird bzw. ist.

Aber ist ja auch nicht so, dass Sepultura nicht regelmässig in der Schweiz spielen. Denn das tun sie und auch in grösseren Locations wie dem Z7. Ich gehöre jedoch zu der Garde von Sepultura-Fans, die bei „Roots“ genug von der Tribal-/Dschungel-Musik hatten. Und das sich dann der charismatische Kopf der Band, Max Cavalera, mit der Rest der Band verkrachte, tat das seine noch dazu. So folgte ich die letzten Jahre eher Max und seiner Band Soulfly als Sepultura. Nachdem auch Max‘ Bruder Igor 10 Jahre später (2006) bei Sepultura ausstieg und nochmals 5 Jahre später zum ersten Mal überhaupt wieder mit Max sprach, fand ich das Resultat dieser Versöhnung spannender: Cavalera Conspiracy.

Doch heute ist die Zeit gekommen, Sepultura mit den beiden übrigen gebliebenen Veteranen Paulo Jr. und Andreas Kisser sowie dem inzwischen auch nicht mehr ganz neuen Sänger Derrick Green eine Chance zu geben. Nun, immerhin ist Derrick inzwischen länger in der Band als es Max je war.

Und ich lasse mich gerne positiv überraschen. Und was einem nach zwei, drei Songs schon sehr stark auffällt, ist die lockere Atmosphäre auf der Bühne. Sepultura spielen zwar immer noch deftigen Thrash-Metal, aber irgendwie scheint man damit nicht mehr gegen die halbe Welt ankämpfen zu wollen. Paulo und Andreas scheinen es richtig zu geniessen, Klassiker und neuere Songs zusammen mit Derrick zu zum Besten zu geben. Paulo zeigt dann immer wieder ein warmes Lächeln, während Andreas sich von der Menge feiern lässt und mit diesen mitfeiert. Eifriges Händeabklatschen und Plekis verteilen in den vordersten Reihen zeigen wie nahbar die Jungs sind. Alle machen einen überaus sympathischen Eindruck.

Und Derrick? Ich habe selten einen Sänger gesehen, der seine Growls mit einer solchen Lockerheit rausbringt. Als wäre es das Leichteste der Welt. Gut, wenn man seine imposante Erscheinung in Betracht zieht, muss da ja zwangsläufig was Deftiges, Röhrendes rauskommen. Im Metal ist es ja egal von wo du kommst und wie du aussiehst, aber ich finde es trotzdem erfrischend, einen schwarzen Sänger in einer grössten Thrash-Metal-Bands überhaupt zu sehen. So viel zu den Clichés und zum Thema Black Music.

Wenn man also die aktuellen Sepultura auf der Bühne sieht, muss man einfach mal ausblenden, dass es mal eine Zeit mit den Gebrüdern Cavaleras gab. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn einem genau die Alben am besten gefallen, wo Max noch dabei war. Und so vermisse ich dann vor allem auch einige Klassiker aus dieser Zeit. Zum Beispiel „From The Past Comes The Storms“, „To The Wall“, „Inquisition Symphony“ (in ganzer Länge, das wäre der Hammer …), „Beneath The Remains“, „Inner Self“, „Desperate Cry“ etc. Ich bin überzeugt, dass Derrick diese Songs ebenfalls genial rüberbringen würde – wie er es mit anderen Klassikern, die gespielt wurden (Arise, Altered State, Refuse/Resist, Roots etc.), ja beweist.

Andreas Kisser fragt schliesslich auch vor dem Chaos-A.D.-Song „Biotech Is Godzilla“, ob ein paar Old-Schoolers hier seien. Er ergänzt: „It‘s OK to be old.“ Ich interpretiere das mal jetzt so, dass es OK ist, vor allem auch nach den alten Sachen zu fragen.

Bei punkigen Version von Motörhead’s „Orgasmotron“ singt Paulo den Leadpart (clean) und beweist, dass er durchaus auch das Talent hätte, der Band seine Stimme zu verleihen, wenn auch in einem anderen Stil.

Aber auch die neueren Sachen kommen gut an und es herrscht eine gute Stimmung im KiFF. Aufgrund der engen Platzverhältnisse beschränkt sich der Pogo auf exzessives Headbangen. Was der Power noch gut tun würde, wäre eine zweite Gitarre. Andreas Kisser ist ein Hammergitarrist, aber eine Rhythmusgitarre täte dem Gesamtpaket auf jeden Fall gut. Aber schon geil, wie Kisser locker auf der Bühne steht und sich immer wieder abwechselnd mit Derrick artig bei den Thrashern bedankt.

Ganz klarer Höhepunkt ist für mich „Arise“. Da gibt‘s auch für den Schreiber kein Halten mehr. „I see the world – old, old. I see the world – dead, dead. … We shall Arise.“

Nach dieser Thrash-Granate gönnt Sepultura uns und sich eine kurze Pause und verlässt zum ersten Mal die Bühne.

Nach einer kurzen Erholung, fragt uns Derrick im gebrochenen Deutsch „Willst du tanzen? Ja, ich auch. Aber es ist auch verdammt heiss zum Tanzen.“ In der Tat, das KiFF mit seiner tiefen Decke fühlt sich wie eine Sauna an. Trotzdem trommelt jetzt Derrick zusammen mit Eloy Casagrande fleissig drauflos und gemeinsam bieten sie zu „Ratamahata“ eine coole Percussion Show.

Anschliessend bedankt sich Derrick einmal mehr bei uns und vor allem auch beim KiFF und Personal sowie seiner Crew. Der finale Song „Roots“ (Bloody Roots) widmet er den Leuten im Hintergrund, die uns diesen geilen Konzertabend ermöglicht haben.

Roots toppt die Stimmung von Arise nochmals und einmal mehr bin ich schwer beeindruckt von Derrick‘s gewaltigem Stimmorgan. „Roooooooootts“ röhrt, dass die Wände wackeln. Definitiv eine der besten Thrash-/Death-Metal-Stimmen die ich bisher live erlebt habe.

23.35 Uhr. Fertig. Zu kurz.

Fanzit: Sepultura halten immer noch, was die grosse Historie verspricht. Klar, vermisst ein Old-Schooler wie ich ein paar ältere Songs (siehe oben), aber ich muss auch zugestehen, dass auch die neueren Sachen – die ich weniger gut kenne – ganz geil rüberkommen. So sehe ich es jetzt mal positiv, aus Sepultura wurde mit Soulfly zwei bzw. mit der Cavalera Conspiracy inzwischen drei. Was will man mehr, wenn man auf den Sound der Brasilianer steht? Cool wäre wie erwähnt ein zweiter Gitarrist und der einzig wirklich, wirklich negative Punkt heute Abend: Mit rund 75min Spielzeit war das Konzert viel zu kurz. Vor allem, wenn ja noch einige Hammersongs vorhanden wären … Ansonsten sah man nach dem Konzert nur zufriedene Gesichter.

 

Setliste:

  1. Intro (Instrumental)
  2. Troops Of Doom
  3. Refuse/Resist
  4. Kairos
  5. Sepulnation
  6. (Intro) – Altered State
  7. Convicted In Life
  8. Attitude
  9. Choke
  10. Treatment
  11. Biotech Is Godzilla
  12. Policia
  13. Orgasmotron (Motörhead Cover)
  14. Slave New World
  15. Territory
  16. Arise
  17. Ratamahata
  18. Roots

Konzert Review Bewertung

Autor Bewertung: 7.5/10



Wie fandet ihr das Konzert?

23.05.2013
Weitere Einträge von

Sepultura

Metalinside.ch - Tag 1 - 70'000 Tons of Metal 2018 - Foto pam
Do–Mo, 1.–5. Februar 2018, Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)

70’000 Tons of Metal 2018 – Kreator, Sabaton, Alestorm u.v.m.

70'000 Tons of Metal 2018
Fr, 7. Juli 2017, Independence of the Seas (Fort Lauderdale, USA/Karibik)

70’000 Tons of Metal 2018 – VVK hat gestartet und die ersten 17 Bands sind bekannt

  • Pressetext 07.07.2017