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Metalinside.ch - Excelsis - Drachentöter Festival Wangen a. A. 2013 - Foto pam
Sa, 1. Juni 2013

Drachentöter Festival – Excelsis, Kel Amrûn, Finsterforst u.m.

Salzhaus (Wangen an der Aare, CH)
06.06.2013

Drachentöter aus dem Ämmital

Excelsis – die Drachentöter und Folk-Metal Pioniere aus dem Emmental – laden zur CD-Taufe. Eingeladen sind nebst der Folk-Metal-Gemeinde weitere Bands die Genres und so wird daraus ein Festival mit 5 Bands.

Leider habe ich es nicht geschafft vor acht im Salzhaus zu sein und so beinhaltet diese Review die ersten beiden Bands des heutigen Abends – Abinchova und Pertness – nicht. Beziehungsweise habe ich von Pertness nur die letzten zwei, drei Lieder mitgekriegt – also zu kurz um eine seriöse Review zu machen. Einzig die Soundqualität in dem ehemaligen Salzlager – vor allem in den Höhen – hat mich nicht grad aus den Socken gehoben. Hoffen wir mal, dass es mit den nachfolgenden Bands besser wird.

Kel Amrûn

Und das tut es. Kel Amrûn – die achtköpfige Mittelalter-Folk-Truppe mit einer Prise 1001 Nacht – machen nicht nur optisch gute Laune. Zu ihren authentischen Klängen tanzen sich die vordersten Reihen im Kreise in Trance. Die dabei verwendete Instrumentenvielfalt ist gleichzeitig faszinierend und einzigartig. Alle haben gemeinsam, dass sie ohne Strom geblasen, geschlagen oder gestrichen werden, d.h. akustisch auch funktionieren würden.

Die Truppe lebt ihre Musik wohl nicht nur auf der Bühne. Würde mich nicht erstaunen, wenn die wie eine grosse Familie in Stoffzelten oder gar in einer Burg haust. Sie wirken alle extrem authentisch und kommen sympathisch rüber. Man fühlt sich wirklich grad mitten einem Jahrmarkte oder Burghof oder in einem exotischen Ort dieser Erde auf dieser Zeitreise der Musik.

Lukas Flückiger aka Lüku – Kopf und Sänger der Gruppe – fasst das Ganze bei der Ankündigung des letzten Songs von heute Abend treffend zusammen: „Der Ritt auf dem wilden Slejpnir“. Die Viking-Metal-Fraktion kennt die Legenden um das achtköpfige Ross Odins natürlich in und auswendig. Lukas erklärt allen anderen, dass auf dem Boden, welchen das Pferd mit seinen acht Hufen berührt, Fliegenpilze wachsen. Pilzli muss man sich bei Kel Amrûn sicher keine schmeissen, um sich von der ekstatischen Musik in Trance zu tanzen. Aber es war schon was wie ein Ritt auf einem wilden Ross.

Die eifrig Tanzenden haben dann auch nach dem als letzten Song-Angekündigten auch noch nicht genug. Sie wünschen sich mehr von dem gedudle und getrommle. Die Zigeuner-Truppe nutzt die tolle Stimmung, um ein Schweizer „Liedli“ nachzureichen. Doch auch dem ist nicht genug, die Zugabe Rufe werden lauter und so kommen sie zum zweiten Mal nochmals auf die Bühne, nachdem sie sich eigentlich schon höflich verbeugt und verabschiedet haben.

Und jetzt gibt es einen Circle Pit? Zu akustischer Musik? Lukas fordert die Meute einen grossen und darin noch einen kleineren Kreis zu bilden. Und so dreht man sich dann sich an den Händen haltend im Kreise – der innere in der Gegenrichtung. OK, nicht grad ein herkömmlicher Circle Pit, aber mindestens cool anzuschauen. Immer wieder schön, dass reiner Folk auch bei eingefleischten Metalheads funktioniert. Kel Amrûn hatte scheinbar nach deren Worten diesbezüglich ein bisschen bedenken. Und so schon vorab, sie hatten die beste Stimmung heute Abend – zumindest was den Tanz-Pit betrifft

Excelsis

Es folgt der Höhepunkt des Abends. Wenn ich vorher geschrieben habe, dass Kel Amrûn authentisch wirken und man sich vorstellt, dass die in Stoffzelten und Burgen wohnen, so gilt dies bei Excelsis nicht weniger. Einfach dass noch ein paar Drachen um die Turmspitzen fliegen. Wobei ich nehme es denen nicht ab, dass diese die Drachen auch wirklich töten. Zu sympathisch und „lieb“ wirken die „Drachentöter aus dem Ämmital“. Eher Drachenflüsterer – und das meine ich jetzt nicht despektierlich, sondern nur positiv.

Das mir der Sound der Folk Metal Pioniere gefällt ist klar, sonst wäre ich heute nicht da. Sie bieten aber live genau das, was man von deren Hammersound ab Konserve erwartet. Und eben, dazu viel Charme und Ausstrahlung. Um in deren Sprache zu bleiben, einfach alles liebi und geili Sieche. Und das von Münggu getragene Sea Shepherd Shirt auf der Bühne und im Foyer verkauft, bestätigt diesen Eindruck zusätzlich.

Apropos Pioniere: Excelsis spielen schon seit 1996 Folk Metal. Halt, gab es dieses Genre damals schon? Genau … zumindest noch nicht annährend in einem solchen Ausmass wie heute. Also, wer hat’s erfunden? Lassen wir dies jetzt mal im Raum stehen. Zumindest wissen wir jetzt alle, dass sie im Emmental nicht nur Chäs produzieren. Und was auch klar ist, Metal auf Mundart, der sich auch geil anhört, ist sicher ein Trademark von Excelsis.

Immer wieder erscheint Redner Lüku (genau, der Sänger von Kel Amrûn) auf der Bühne für Intros und schaurig-emotionale Momente. Da bin ich einmal mehr 100% mit Sänger und Kopf von Excelsis – Münggu – einig: „Einfach e geile Siech.“ Lüku hat schon auf früheren Platten die Sprecherrolle übernommen – dies jetzt auch wieder auf der heute zu taufenden.

Als weiteres Mini-Highlight kommt bei ein, zwei Songs der Weltmeister im Schnoregiegele (Mulörgeli bzw. Mundharmonika spielen) auf der Bühne und tut, genau, schnoregigele. Gegen Ende lässt sich auch Münggu nicht lumpen, blast anstelle seines imposanten, schwarzen Dudelsacks in seine Blockflöte von der 2. Klasse.

Anschliessend kommt einmal mehr Lüku auf die Bühne und erzählt uns die eine oder andere Geschichte. Die letzte endet mit der Schlachtruf: „Denn miär sin Ämmitaler. Ämmitaler Drachetöter.“ Das ist dann der Übergang zum ersten nicht neuen Song von heute Abend. Und dann aber grad richtig – zu einem älteren Klassiker und der Titelgeber des Festivals – The Dragonslayer – darf natürlich nicht fehlen.

Es ist sicher mutig, an einem Festival-Set bis auf zwei nur neue Songs zu spielen. Aber deswegen sind wir ja auch da, um eben die neue Scheibe zu sehen und vor allem zu hören. Der erste Eindruck ist schon mal sehr gut. Für eine seriöse Review müsste man sich aber dem Silberling schon ein bisschen Zeit widmen und die Songs mehrere Mal anhören können.

Man zollte sicher ein bisschen Tribut an die Stimmung, indem man sich entschieden hatte, voll auf neue Songs zu setzen. Der eine oder andere konzentrierte sich heute Abend ein bisschen mehr auf die Musik als aufs Pogen und Tanzen. Und ja, mitsingen ohne die Lieder zu kennen ist auch nicht ganz so einfach.

Zum Abschluss bedankt sich Münggu wie es sich für einen freundlichen Zeitgenossen gehört, bei allen die in irgendeiner Weise zur neuen Platte, zum Festival oder zur Geschichte von Excelsis beigetragen haben. Oder in den Worten von Münggu „Excelsis Gutes tun.“ Der eine oder andere bedankte, darf dann auch auf die Bühne kommen und mit Excelsis deren Mitgröller „Annebäbeli“ mitsingen

Das war’s. Und ich wage zu behaupten, alle im Salzhaus waren begeistert und von den Emmentalern angetan. Die neue Scheibe hört sich vielversprechend an und wir alle werden diese sicher Anfangs Juli kaufen, wenn sie dann offiziell rauskommt. Ein paar Exemplare dürfen sie nach Freigabe der Plattenfirma bereits heute vorab verkaufen.

Und eine CD schmiss Münggu während der Tauf-Zeremonie ins Publikum und wie es sein soll, war einer vom Fanclub der glückliche Fänger. Einzig was ein bisschen fehlte, war die effektive Taufe des neuen Meisterwerks. Lüku erzählte zwar eine schöne Geschichte, aber effektiv getauft im Sinne des Wortes wurde „Vu Chrieger u Drache“ nicht. Aber das ist ja bei einem Auftritt wie diesem kaum erwähnenswert.

Finsterforst

Nach kurzer Umbaupause geht’s weiter mit den Finsterforst aus dem Schwarzwald und ihrem Black Forest Metal.

Und finster sind sie. Nicht nur ihre mit Dreck verschmierten Gesichter und Oberkörper – da wurde die Aufforderung zu „meh Dräck“ wohl etwas zu wortwörtlich genommen. Leider sind auch ihre Minen sehr finster. Ein gewaltiger Bruch zur so positiven und freundlichen Ausstrahlung von Excelsis und im speziellen Münggu. Das Ganze wirkt sehr distanziert und kühl. Kein wirkliches Hallo oder sonstige freundliche Wort zur der zumindest anfangs noch hoffnungsvoll wartenden Meute. Inklusive mir. Die Reihen lichten sich somit stetig, so dass das Salzhaus nach rund der Hälfte des Auftritts von Finsterforst nur noch zu gut einem Drittel gefüllt ist. Schade.

Soundmässig war es heute ein bisschen durchmischt. Das Salzhaus wurde ja dem Namen nach nicht als Konzerthalle gebaut – ich habe hier u.a. im WK Unihockey gespielt – und drum ist der Sound nicht immer der Halle überhaben. Vor allem bei Pertness – die ich nur noch kurz sah und hörte – aber auch jetzt bei Finsterforst. Bei Kel Amrûn und Excelsis war es im Allgemeinen ganz OK.

Bevor das Ganze zu einem Dorfkonzert verkommt, wo nur noch die bleiben, die halt Metal geil finden, machen wir uns, nachdem wir uns noch ein paar Shirts und CD poschten, auch mit einem Lächeln auf dem Gesicht von dannen.

Das Fanzit – Drachentöter Festival 2013

Excelsis haben meine Erwartungen komplett erfüllt und ich weiss, ich wiederhol mich, aber ich habe selten eine solche sympathisch auftretende Band erlebt. Das Drachetöter hat Spass gemacht und aus vor allem mit Kel Amrûn und Excelsis zwei Hammershows beschert. Jetzt freue ich mich eigentlich nur noch auf den Release des neuen Excelsis Album „Vu Chrieger u Drache“. Und dann gerne nächstes Jahr, aber dann vielleicht in einer für Konzerte etwas besser geeigneten Halle. Und Endoras?

Setliste Abinchova

  1. Hörensagen
  2. Hundert Raben
  3. Eule
  4. Wegweiser
  5. Unter der Erde
  6. Wandlung
  7. Pestfinger

Setliste Pertness

  1. Intro
  2. Cold Wind Of Death
  3. Seven Times Eternity
  4. The Eye Of The Storm
  5. Decline
  6. From The Beginning
  7. My Prophecy
  8. Frozen Time
  9. Farewell To The Past
  10. Invisible Chains
  11. Foggy Dew

Setliste Kel Amrûn

  1. Intro
  2. Jul
  3. 7-ner
  4. Quen El Festa
  5. Bel Amic
  6. Al Atnas
  7. Bela Calha
  8. Slejpnir
  9. Wild Danu
  10. (Zugaben)

Setliste Excelsis – Intro bis Outro sind alles neue Songs und entsprechend der Reihenfolge auf der neuen CD „Vo Chrieger u Drache):

  1. Intro (Sprecher Lüku)
  2. Brothers Of War
  3. Druids
  4. Heathen Princess
  5. The Fear (Lüku)
  6. Uechtland
  7. Chrieger
  8. „CD-Taufe“
  9. Dragonhole (Lüku)
  10. The Chapel
  11. The Fall Of The One
  12. Avenger (Lüku)
  13. Wissi Bärge (Blockflöte)
  14. Outro (Lüku)
  15. Dragonslayer
  16. „Danksagungen“
  17. Annebäbeli (mit diversen Freunden auf der Bühne

Fotos Drachentöter Festival 2013 – Excelsis, Kel Amrûn, Finsterforst


Wie fandet ihr das Festival?

06.06.2013
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Autor Bewertung: 9/10
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