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M'era Luna Festival 2013
So–Mo, 11.–12. August 2013

M’era Luna Festival

Flughafen Hildesheim-Drispenstedt DE
12.08.2013
M'era Luna Festival 2013

M’era Luna Festival –  Der etwas andere schwarze Laufsteg

Nach Angaben des Veranstalters haben so viele Besucher wie noch nie beim M’era Luna in Hildesheim gefeiert. Ob die dortigen Aktivitäten wirklich unter Feiern gingen, ist eine andere Frage. Dass rund 40 Bands am zweitägigen Festival auf den beiden Bühnen standen und für musikalische Unterhaltung sorgten, war nämlich für einige Szenegänger eher nebensächlich. Wichtig war vielmehr, dass die Landebahn des Hildesheimer Flughafens, der perfekte Laufsteg für die 25‘000 mehr oder minder kreative Menschen, trocken und sauber blieb.

Ein Festival bei denen ihr vom Boden essen könntet (Nein, nicht weil so viel weggeworfenes Essen rumlag). Ein Festival fast ohne Besoffene (Ja, es hätte genug Alkohol gegeben). Ein Festival an dem die Toi Tois verhältnismässig sauber waren (Nein, die Büsche, Wege und Absperrgitter mussten nicht übermässig leiden). Ein Festival, bei dem die Organisation Mülltrennung vorgab und Automaten für die Pfandrückgabe aufgestellt hatte (Ja, es gab Leute, die wegen 4 Dosen in einer riesen Schlange standen). An einem solchen Festival kann das Stage Diven, Wall of Deaths und Circle Pits ja nur verboten sein und das Beste; die Verbote wurden eingehalten! Wer jetzt denkt, das Festival sei nur für biedere Leute, Unheiligfans und Hausfrauenrocker, der hat sich getäuscht.

Sehen und Gesehen werden

Am M’era Luna geht es nämlich vor allem um’s Sehen und Gesehen werden. Das Gothic Festival hat darum seinen ganz eigenen Charme. Auch in diesem Jahr besiedelten wieder äusserst fantasievoll Verkleidete den Hildesheimer Flugplatz: Von schwarzen Engeln, über blutverschmierte Bräute, zu Steam Punks, Cyber Goths, reizende Damen mit anmutigen Reifröcken bis hin zu Mittelaltergesindel, alle waren vertreten. Ein Augenschmaus.

Wer sich unter den vielen Vollprofi Verkleidungskünstlern underdressed fühlte, konnte sich, sofern die Qual der Wahl ihn nicht hinderte, bei den vielen Ständen mit Klamotten und Accessoires eindecken. Wer durch die enorme Auswahl gestresst war, durfte sich anschliessend auf dem Festival Gelände sogar massieren lassen und sich wieder etwas entspannen. Ein anderer Grund für das gut genutzte Massageangebot, z.B. Nackenverspannung durch Headbangen, konnte man an diesem Festival ausschliessen.

Rund 40 internationale Gothic taugliche Bands rockten die Stages

Das diesjährige Line up des M’era Luna Festivals konnte sich echt wieder sehen lassen. Grössen wie HIM, ASP, Nigthwish und Mono Inc versuchten den Besuchern einzuheizen. Doch diese blieben fast beängstigend cool. Es wurde zwar brav geklatscht, die Hände flogen auf Kommando in die Höhe, wogen hin und her, aber eine ausgelassene Stimmung, die pure Euphorie, das absolute Abgehen, das suchte man vergeblich. Wer es wagte, herum zu hüpfen, der hörte entweder wegen den strafenden Blicken der Nachbarn auf oder weil man sich alleine doch etwas albern vorkam. Dabei hätte es echt viele Gründe zum hüpfen und toben gegeben.

Rockiger Start

Zu fast schon unheiliger Zeit (11:00 Uhr) ging das Festival am Samstag los. Und bereits die zweite Band Lord Of The Lost wäre sehenswert gewesen; hätte man doch nur mehr Zeit fürs Anstehen vor dem Security Checkpoint eingerechnet. Die Hamburger Dark-Rock Band donnerte wenigsten unüberhörbar los, so dass wir doch noch etwas aufs Ohr bekamen.

Die zweite Band End of Green, welche ich auf meiner persönlichen Liste hatte, war enttäuschend langweilig. Nach dem guten alten Prinzip, alle guten Dinge sind drei und wer‘s beim vierten Mal immer noch nicht besser macht, beschloss ich die Band für eine leckere Falafel stehen zu lassen. Gut gestärkt wollten wir in den Hangar, um Eisenfunk und den wild herum zappelnden Cybers einen Besuch abzustatten. Weite gefehlt, denn vor der Halle bildete sich eine riesen Schlange und man brauchte echt viel Geduld, um da rein zu kommen.

Es kamen aber wieder bessere Zeiten, als Saltatio Mortis mit dem sportlichen Frontmann Alea die Bühne rockte. Die Mittelalter Rock Band überbrachte so dann auch die frohe Botschaft, dass sie nächste Woche eine neue Platte rausbringen werden. Zusammen mit dem Sänger Martin Engler von Mono Inc, mit welchen sie zuletzt auf Tour waren, gaben sie zum Schluss noch ein Song zum Besten.

Unheilig wär unschön

Die Gothic Rockband Mono Inc ist bereits ein Schritt weiter. Ihr neues Album kam bereits raus und so konnten die Hamburger drei Stücke davon präsentieren und die nächste Tour für November und Dezember ankünden. Stolz erklärte Engler, dass er von NDW Urgestein Joachim Witt, den er für einen Song auf die Bühne holte, inspiriert wurde. Er sei von ihm überredet worden auch mal deutsche Texte zu schreiben und einen kleinen Stilwechsel zu versuchen. Das Resultat: Ernüchternd! Die Welt braucht keine weiteren Unheilig Formate. Ansonsten war die Show mit denselben Elementen wie am Greenfield und den Auftritten der letzten Tour versehen. Ein Blick ins Mono Inc TV, auf dem Ausschnitte aller Konzerte gezeigt werden, lohnt sich bei dieser sympathischen Band auf jeden Fall.

Backstreeboys meets Gothic

Bei The Crüxshadows mussten wir etwas schmunzeln. Ich glaube das letzte Mal, als ich ein Sänger gänzlich ohne Handmikrofon gesehen habe, sofern er kein Instrument spielte, war am Backstreetboys Konzert vor 20 Jahren. Der Musikmix der Synth Rock Band mit den elektrischen Violinen, E-Gitarre und dem Synthesizer gefällt mir zwar sehr gut, aber das freihändige herum hampeln, sah doch eher lustig als cool aus.

Coolness in Person Ville Vallo spielte dagegen seine Rolle mal wieder perfekt. Der Headliner HIM  überzeugte mich erneut schlicht und einfach mit der phänomenalen Stimme des Frontmanns. Es war egal, ob Ville Vallo etwas älter aussah – dank fehlenden Displays fiel mir das in den mittleren Reihen eh nicht so auf – es war auch egal, dass er die meiste Zeit mit Rücken gegen das Publikum stand, der Mann kann einfach singen. Live kommt auch wunderbar die etwas härtere Seite von HIM zu Geltung: Kreischende Gitarre und treibende Bässe, ein krönender Abschluss für den ersten Tag.

Der frühe Vogel…

Auch am zweiten Tag, ging es mit der Band Schwarzer Engel bereits um 11:00 los. Das Aufstehen war kein Problem, denn das M’era Luna bietet ausser einer kostenpflichtigen Afterparty, höchstens noch etwas Action im  Heidenviertel an. Zum Glück dauerte die Spielzeit der ersten Band nur 20 Minuten, denn länger hätte ich das doch nicht ausgehalten.

Ein echter Geheimtipp was Liveshows anbelangt

Positiv überrascht wurde ich dann von der Berliner Band Coppelius. Ihr Auftritt in Frack, Anzug und Zylinder war sehr kreativ gestaltet. Die Musik ist unter anderem von Iron Maiden beeinflusst und überzeugte durch den einmaligen Einsatz von Klarinette, Cello und Kontrabass. Klassisch wurden die Lieder und Sänger angesagt oder auch mal mit  Tafeln darauf hingewiesen, dass man jetzt applaudieren darf, oder dass die Darbietung ein Solo ist. Eine echt einmalige Show.

In der nächsten Runde waren die finnischen Vampire The 69 Eyes am Start. Frontmann Jyrki 69 ist anscheinend etwas in die Tage gekommen. Aber obwohl er es nicht mehr so oft schafft mit seinem Hintern zu wackeln und auf der Bühne mit seinen Tanzeinlagen die Mädels zu beindrucken, seine Stimme und der Rest der Band liessen die Puppen immer noch tanzen oder zumindest mich.

Romantisches Schwelgen

Nach den Mittelalterkrachern Tanzwut wurden dann wieder sanftere Töne angeschlagen. Staubkind versetzte die Zuschauer mit seinen melancholischen Texten und seinen sanften Tönen in eine ganz andere Welt. Sänger Sven Louis Manke wusste, was dem M’era Luna Publikum wichtig war und gab es ihnen: Romantik zum schwelgen. Er erzählte davon, dass er früher selber unter den Besuchern stand und ihm das Festival immer ganz besonders gefallen hat.

Auch Blutengel zeigten ihre romantischen Seiten und brachten eine herzzerreissende Ballade aus ihren Gothic meets Klassik Shows mit. Ebenso zeigten sie aber auch mit ihren heissen Tänzerinnen erotische Shows und liessen ihren Electro Sound auf die begeisterte Menge niederprasseln. Die Band zeigt die spannende Ambivalenz der Gothic Szene, die sich zwischen Sex und Romantik, sanft und wild oder halt Schwarz und Weiss bewegt.

Leider fiel die Band IAMX auf Grund einer Krankheit aus und so blieb uns nichts anderes übrig, als auf die letzte Band zu warten. Nightwish zog, wie es zu erwarten war, sämtliche Festival Besucher zur Main Stage. Es handelte sich bei diesem Auftritt um ihren letzten auf ihrer Tour und ich könnte wetten, dass sie etwas mehr Begeisterung oder zumindest ein Zugabe Ruf erwartet hätten. Die Band war instrumental wie gewohnt weltklasse und die neue Sängerin Floor Jansen erledigte ihren Job bravurös. Immerhin musikalisch ein würdiges Ende.

Nach dem Ende kommt übrigens der Anfang

Fürs M’era Luna 2014 sind bereits die ersten Bands bekannt und Tickets können bestellt werden. Die Organisation kündigte bereits das Synthie-Pop Schwergewichte, Dark Wave-Avantgardisten, Folkmetal-Instanzen wie And One, Deine Lakaien, Subway To Sally, Lacrimas Profundere, Faun, Leæther Strip, Letzte Instanz, Das Ich, Stahlmann, Feuerschwanz, The Beauty Of Gemina und Sündenklang an.


Wie fandet ihr das Festival?

12.08.2013
Weitere Einträge von

Band Lord Of The Lost, Coppelius, Eisenfunk, End of Green, Him, IAMX, Mono Inc., Nightwish, Saltatio Mortis, Schwarzer Engel, Staubkind, Tanzwut, The 69 Eyes, The Crüxshadows

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