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Jeff Waters - Annihilator (Promo)
Sa, 15. Juni 2013

Annihilator – Interview mit Jeff Waters

Thrash Metal
16.09.2013
Jeff Waters - Annihilator (Promo)

Little4 und beinahe Big4

Im Rahmen seiner Promosession in Berlin konnte Danny per Telefon mit Mastermind JEFF WATERS über ANNIHILATOR, seine Geschichte und das neue Album „Feast“ sprechen. Dabei erfahren wir, warum er nur beinahe Teil von METALLICA und MEGADETH geworden ist und das er Camaros liebt.

Metalinside (Danny): Hallo Jeff. Du bist seit dreissig Jahren im Musikbusiness und hast mit ANNIHILATOR eine grosse Fangemeinde. Gibt es irgendetwas Besonderes, das deine Fans von dir noch nicht wissen?

Jeff Waters: Oh Boy, was für eine Frage. Das ist eine gute Frage, was bedeutet, dass sie schwierig zu beantworten ist. Na komm Danny, musst du wirklich mit der schwersten Frage anfangen?

MI: Bist du sicher, dass das die härteste Frage sein wird?

JW: Nein, wenn ich an deine zweite und dritte Frage denke, werde ich nervös. Was soll ich da sagen…Gibst du mir zuerst die anderen Fragen und ich überlege mir dann was?

MI: Okay, das machen wir so. Also zur nächsten Frage. Gibt es ein Geheimnis für den Erfolg von ANNIHILATOR?

JW: Was war der letzte Teil deiner Frage?

MI: ANNIHILATOR, das ist deine Band!

JW: Ja, und was war deine Frage? Sie ist mir gerade entfallen…

MI: Was ist das Geheimnis eures Erfolges?

JW: Oh, ja. Einige Dinge, die während der Geschichte der Band geschahen, die normalerweise den Tod einer Band bedeuten oder sehr negativ wären, haben uns geholfen. Schau dir einmal die ersten vier ANNIHILATOR-Alben „Alice in Hell“, „Never, Neverland“, „Set the World on Fire“ und „King of the Kill“ an. Wir sind eine der wenigen Bands, die vier erfolgreiche CDs nacheinander auf den Markt bringen, jedes Mal mit einem anderen Sänger und mindestens vier verschiedenen Line-Ups. Eigentlich wollte ich gar keine richtige Band. Ich habe Musik geschrieben, Gitarre gespielt, über Tage Soli entwickelt, Lyrics geschrieben… das ist nicht einfach für eine Band. Das war eigentlich noch mein Soloprojekt, okay?

Aber ich denke, dass das etwas Positives für ANNIHILATOR war, weil wir verschiedene Styles hatten, verschiedene Sänger. Jede CD war anderes, hatte ihren eigenen Charakter. Wahrscheinlich haben viele Leute gedacht: „Ich mag diese ANNIHILATOR-Platte nicht. Aber ich kaufe mir mal die nächste, vielleicht ist die ja eher mein Geschmack.“ Das half uns wahrscheinlich geholfen.

Etwas Anderes ist bestimmt, dass ich mein Leben der Musik gewidmet habe. Ich liebe Metal, besonders Thrash Metal. Und das wollte ich immer tun. Das ist mein Job und ich liebe diesen Job und ich wollte nie etwas anderes tun.

Und als dritte Antwort auf deine Frage; wir sind nicht nur eine Metalband, spielen nicht nur Thrash oder Speed Metal, wir integrieren viele verschiedene Elemente in unseren Songs. Manchmal ist das ein Blueselement, ein grooviges Stück oder sogar Punk. Dann die Texte, manchmal völliger Blödsinn, manchmal sehr ernsthafte Geschichten. Wir haben immer wieder wundervolle Ideen.

MI: Im Thrash Metal gibt es mit ANTHRAX, SLAYER, MEGADETH und METALLICA die BIG FOUR. Warum gibt es nicht die BIG FIVE mit ANNIHILATOR?

JW: Also, die BIG FOUR sind die BIG FOUR, weil sie viele Platten verkauft haben, weil sie kommerziellen Erfolg haben und weil sie sind, wer sie sind. Aber der nächste Level von Bands, ich würde sie gerne die LITTLE FOUR nennen, wären dann Bands wie TESTAMENT, ACCESS, OVERKILL und ANNIHILATOR.

MI: Du wärst ja beinahe Teil dieser BIG FOUR geworden, denn Ende der Neunziger Jahre wurdest du für eine Audition als Gitarrist für MEGADETH eingeladen. Was genau ist da geschehen

JW: Was genau da geschehen ist; ich war 1989 eingeladen, an eine Audition zu gehen. Da waren aber auch noch Marty Friedman und „Dimebag Darrell“ Abbott. Dimebag hat sich dann für Pantera entschieden, ich mich für ANNIHILATOR. Und das Gute daran ist doch, dass Dave Mustaine sich für einen der besten Gitarristen entschieden hat, den es je gab; Marty Friedman – möge er in Frieden ruhen. Viele Jahre später hat sich dann mit Dave Mustaine ein neuer Kontakt ergeben, wir haben gemailt, telefoniert, gemeinsam Konzerte gemacht. Und so wurden wir über die Jahre gute Freunde. Und da war auch immer wieder die Frage, ob ich als Ersatz einsteigen wollte. Das ist aber nie zustande gekommen, und für MEGADETH gab es mit Chris Broderick eine wirklich gute Lösung.

Und dann gibt es da noch eine Beziehung zu einer der anderen BIG FOUR Bands, die ich erst vor einigen Tagen erfuhr – METALLICA. Vor Jahren, als James Hetfield diesen Unfall auf der Bühne hatte und sich mit Pyro verbrannte, fielen zwei Namen als Ersatz für ihn, bis er wieder gesund sein würde: John Marshall und Jeff Waters. Ich wusste das bis letzte Woche nicht, als ich mit Jason Newsted gesprochen hatte. Als METALLICA-Fan ist das natürlich etwas ganz Besonderes, auch wenn nur darüber nachgedacht wurde – und es wurde wirklich nur darüber nachgedacht – ist das doch sehr schön.

MI: Im August wird euer neues Album „Feast“ auf den Markt kommen. Ich konnte es mir schon anhören und finde es grossartig. Kannst du etwas zur neuen CD erzählen?

JW: Nun, also, wir nahmen einen Drummer, mein Partner Dave Padden und ich schrieben einige Songs, wir spielten die Basslinien ein, masterten das Ganze und machten ein Album draus. Wir hatten nicht wirklich ein Konzept oder ein konkretes Ziel. Wir denken, dass es ein gutes Album ist, das es zeigt, wie wir Musik machen, kreativ sind.

Wir haben auf jeden Fall ein gutes Gefühl. Und wir haben uns Zeit gelassen, es gab noch nie eine so lange Pause zwischen zwei Alben, es dauerte drei Jahre. Wir haben in dieser Zeit viele Festivals und Tourneen gespielt und andere Dinge gemacht, zum Beispiel 70’000 Tons of Metal. Dave ging zurück in sein Leben, ich ging zurück in mein Leben. Dann kamen wir wieder zusammen, fanden ein gutes Label UDR in Deutschland mit einem tollen Touragenten. Und so werden wir bald wieder auf Festivals und Tourneen spielen und Spass haben.

MI: Hast du einen Lieblingstrack?

JW: Ja, da gibt es einige. Einer davon ist „No Way Out“. Der Song bezieht sich auf ein Gerichtsverfahren um eine junge Frau, die ihren Freund umgebracht haben soll, Jodie Arias. Das hat während langer Zeit die News im Fernsehen bestimmt, teilweise vier Mal die Woche. Und es geht immer noch weiter. Meine Verlobte und ich haben uns das angesehen und wir wurden sehr wütend. Und Musik braucht Emotionen. Und weil „No Way Out“ diese Wut widerspiegelt, gefällt er mir so gut.

Auf den letzten Alben haben wir keine melodischen Songs mehr geschrieben und so wollte ich wieder einmal einen Lovesong schreiben. Und das haben wir gemacht und ihn in der Mitte des Albums platziert. So gibt es am Anfang und am Ende einen Sturm und dazwischen wird es schön ruhig.

MI: An ANNIHILATOR finde ich besonders, dass ihr öfter verschiedene Stilelemente mischt oder integriert. Zum Beispiel „No Surrender“, das klingt zu Beginn ziemlich jazzig, groovig. Woher kommt das?

JW: Ein klein wenig, das Intro, das du ansprichst, klingt für mich ein wenig nach den RED HOT CHILLI PEPPERS. Es ist etwas jazzy und funky, für mich eben der CHILLI PEPPERS Style. Aber das Intro ist ja nur etwa 15, 16 Sekunden lang. Und da ist ein anderer Song, der dritte – ich kann mich gerade nicht an seinen Namen erinnern, aber ich glaube, es ist der dritte Song („Smear Campaign“, Anmerkung des Schreiberlings). Eine der METALLICA-CDs, die ich nicht kaufte „St. Anger“, ich sah mir nur die DVD an und fand sie sehr interessant. Den Song widme ich allen METALLICA-Fans, da er sehr ähnlich klingt. Und das ist interessant, weil ich die CD nicht oft hörte. Ich habe ihn wohl doch genug gehört, denn irgendwie „klinkte“ sich der Song da einfach so ein. Das finde ich wirklich spannend.

MI: Ihr habt jede Menge Alben gemacht und Songs geschrieben. Gibt es da einen Lieblingssong?

JW: Ja, einige würden sagen „Alison Hell“, das war für uns auch ein sehr wichtiger Song. Aber andere würden sagen es ist „Set The World On Fire“ oder „King of the Kill“ wären die bedeutendsten. Ein Lied „The Fun Towers“.
Aber für mich persönlich, ich mag einen unserer einfachsten Songs „King of the Kill“. Er ist sehr energetisch, ich spiele ihn immer noch sehr gerne. Also fast 20 Jahre nachdem ich ihn geschrieben habe, spiele ich ihn gerne, freue mich jeden Abend darauf, ihn zu spielen. Das ist nämlich das Lied, mit dem ich meine Stimme und mein Gitarrenspiel aufwärme.

MI: Jede Band hat sich irgendwann inspirieren lassen, hat Bands oder Musiker als Vorbilder gehabt. Welche Bands oder Musiker haben dich beeinflusst?

JW: Du meinst Bands oder Musiker oder Stile? Eigentlich Alles. Als Kind hörte ich „Desolation Boulevard“ von SWEET oder KISS mit „Love Gun“ oder VAN HALEN und natürlich AC/DC, THE SCORPIONS oder ACCEPT, weisst du. Oder „Live In Japan von DEEP PURPLE. Dann wurde es etwas heftiger mit BLACK SABBATH, JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN, SLAYER, METALLICA, EXODUS, ANTHRAX und dann VENOM. Ja, da stoppte es dann. Das ist wohl das Ende, das mein Gitarrenspiel beeinflusste, das unseren Stil prägte. Da sind so viele Einflüsse in meine Musik, dass ich sie gar nicht alle nennen kann.

MI: ANNIHILATOR haben eigentlich Alles erreicht, weltweit Hunderte grosser und kleiner Bühnen bespielt, Festivals gerockt, viele Platten verkauft. Gibt es noch eine Steigerung, etwas, das euch in den Musiker-Olymp bringen würde?

JW: Wow, prhhh, ich weiss nicht. Eigentlich mit allen guten Bands die ich mag und mit guten Leuten zu touren. Ich würde gerne wieder mit TESTAMENT touren, ich würde gerne mit ANTHRAX und SLAYER spielen. Jeder möchte mit METALLICA auf Tour. Da sind auch KREATOR, DESTRUCTION.

MI: Ich habe dich gewarnt und komme jetzt zu meiner ersten Frage zurück. Was gibt es Besonderes an Jeff Waters, das unsere Leser vielleicht noch nicht wissen?

JW: Ich mag CAMARO-Autos, bin ein Computergeek, Militär-Flugzeuge, ich liebe Flugshows. Ich habe ausserhalb der Musik nicht so viele aufregende Seiten.

MI: Die Fans mögen das natürlich, wenn deine Begeisterung in der Musik liegt. Das kannst du also lassen, wie es ist. Ich komme zu meiner letzten Frage. Wenn du in die Zukunft schaust, gibt es da einen „grössten Wunsch“, für dich oder ANNIHILATOR?

JW: Oh, für ANNIHILATOR gibt es nur Eines – Überleben. Ich wünsche mir, dass die Band noch lange weiter besteht. Wenn ich so lange wie möglich Musik machen kann, die den Menschen gefällt, dann ist das toll. Natürlich wünsche ich mir, lange zu leben und zu reisen und tolle Menschen zu treffen und mit ihnen Musik zu machen.

MI: Jeff, schön dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast. Ich wünsche dir für deine Zukunft und für dein neues Album viel Erfolg.

JW: Danke Danny für das Interview und vielleicht sehen wir uns, wenn wir das nächste Mal in der Schweiz spielen.

 Juni 2013 (Danny)

16.09.2013
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