Di, 29. Oktober 2013

QUEENSRYCHE

Moonwalker Aarburg
02.11.2013

Queensrÿche – beinahe das Konzert des Jahres!

Queensrÿche sind eine spezielle Band für mich. „Rage for Order“ war 1986 einer der Hauptgründe, warum ich Metalfan wurde. Im November 1986 waren sie die erste Metalband, die ich live zu sehen bekam – im Vorprogramm von Bon Jovi in der Festhalle Luzern. Und schliesslich haben die Jungs aus Seattle mit „Operation: Mindcrime“ schlicht und einfach die beste Scheibe aller Zeiten veröffentlicht.

Den langsamen Zerfall der Band fand ich natürlich nicht so toll. Mittelmässige Alben, der misslungene Versuch  mit „Operation: Mindcrime II“, der traurige Auftritt am BYH 2010 und dann noch der Rosenkrieg zwischen ex-Sänger Geoff Tate und dem Rest der Band. Ein Trauerspiel, welches dazu führte, dass zur Zeit zwei Bands unter dem Namen „Queensrÿche“ unterwegs sind. Dieser Konflikt sollte demnächst vor Gericht endgültig entschieden werden.

Wer aber die RICHTIGEN Queensrÿche sind, darüber besteht eigentlich kein Zweifel mehr…

Geoff Tate hat sich mit prominenten Leuten wie Kelly Gray, Simon Wright und Rudy Sarzo verstärkt. Die andere Band mit den Originalmitgliedern Eddie Jackson, Michel Wilton und Scott Rockenfield hat sich indessen Todd LaTorre als neuen Sänger ins Boot geholt. Mit dem ex-Crimson Glory Sänger hat sich die Band auf ihre Wurzeln und ihre Stärken besonnen. Die Fans wollten an den Konzerten die Songs hören, die die Band gross gemacht haben, und nicht das langweilige Zeugs aus den 2000er Jahren. Geoff Tate hat das offenbar nie kapiert…

Mit Todd hat die Band auch ein wirklich starkes Album abgeliefert, welches alles seit mindestens „Promised Land“ problemlos in den Schatten stellt (siehe Review). Die Ankündigung, dass bei den Live-Shows Klassiker vom Schlage „Queen Of The Reich“ ausgegraben werden sollten, führte bei mir zu fast grenzenloser Euphorie! Und so konnte ich dieses Konzert in Aarburg kaum erwarten…

Zuerst ein Wort zur Location. Ich war das erste Mal im Moonwalker. Eigentlich ein netter Club – aber für diese Show schlicht und einfach falsch und viel zu klein! Der Laden war proppenvoll, ich würd schätzen, dass so zwischen 400 und maximal 500 Besucher da waren. Die Bühne war extrem klein, die Musiker hatten kaum Bewegungsfreiheiten und von einer anständigen Lichtshow kann keine Rede sein. Nicht mal ein Backdrop hatte Platz… Diese Band gehört mindestens ins Komplex oder ins Z7 – ohne Wenn und Aber!

Diesen Umständen zum Trotz – Queensrÿche lieferten eine Show, die einer Zeitreise glich! Seit 1986 hab ich die Band an einigen Konzerten erleben dürfen (manchmal sogar müssen…), aber mein absoluter Lieblingssong „Queen Of The Reich“ haben sie nie gespielt. Und jetzt, 27 Jahre nach der Premiere: der Opener, gesungen von Todd LaTorre, der bereits hier das erste Mal zeigt, dass man Geoff Tate keine Träne nachweinen muss! Die Screams trieben einem Freudentränen in die Augen – Hühnerhaut all over! Mit „Speak“ folgte ein erster Hammer von „Operation: Mindcrime“, gleich gefolgt vom „Rage for Order“ Doppelpack in Form von „Walk in the Shadows“ und „The Whisper“. Es sollten leider die einzigen Songs dieser Scheibe bleiben.

Und so ging es weiter und weiter. Klassiker um Klassiker wurde gespielt mit dem Schwerpunkt auf dem Debut Album „The Warning“. Einfach herrlich, dass man Songs wie „NM 156“ oder „Child of Fire“ mal live geniessen durfte. Und Todd LaTorre sang wie ein junger Gott. Ja, seine Stimme ähnelt dem Vorgänger – aber das ist auch gut so! Augen schliessen – und man könnte glatt meinen, dass da der junge Geoff Tate am Werk ist…  Auch der Rest der Band zeigte sich von der besten Seite. Scott Rockenfield beeindruckte einmal mehr hinter seiner Schiessbude, Eddie Jackson zupfte stetig vor sich hin grinsend seinen Bass und vor allem Michael Wilton zauberte herrliche Solos aus seinen Gitarren. Aber auch Parker Lundgren bekam genügend Zeit, sein Können zu präsentieren.

Die Musik wurde hier wirklich in den Mittelpunkt gestellt, da Todd LaTorre mehrheitlich auf grossartige Ansagen verzichtete.

Ein Highlight unter all den Highlights war natürlich das fast zehnminütige Epos „Roads to Madness“ – mehr Atmosphäre geht nicht! Nervig war nur der besoffene Typ hinter mir, der da dauernd rumschreien musste, anstatt den Song zu geniessen…

Drei neue Songs haben es ebenfalls auf die Setlist geschafft. Während „Where Dreams go to die“ und vor allem auch „A World without“ perfekt passten, so wollte einzig “Fallout” nicht so richtig zünden. Dies ist aber auch der einzige kleine Makel…

Das nahende Ende wurde eingeläutet mit „My Empty Room“ und dem anschliessenden „Eyes of a Stranger“. Der Saal kochte und so wurde „Empire“ natürlich zu einem Selbstläufer. Nervig einfach der besoffene Typ, der beim Solo von Michel Wilton dauernd „Eddieeeee“ rief. So kann man sich auch selber disqualifizieren…

Wie erwähnt waren der Laden und die Bühne eher klein. So verzichteten Queensrÿche darauf, gross zu verschwinden und für Zugaben zurückzukehren. Das Publikum feierte die Band nach allen Regeln der Kunst ab, so dass es nur eine kurze Pause brauchte bis zu „Jet City Woman“. Es folgte der endgültige Rausschmeisser „Take hold of the Flame“ und spätestens jetzt hätte man vor Seligkeit heulen können. Nach knapp 100 Minuten endete ein ganz, ganz geiler Konzertabend.

Und nicht einmal ich werde jetzt über die Setlist rummotzen. Natürlich: es dürften ruhig noch mehr Songs von der „Operation: Mindcrime“ gespielt werden. Natürlich: die Überballade „Silent Lucidity“ hat gefehlt. Aber hey: eine Setlist, die mit „Queen of the Reich“ beginnt, mit „Take hold of the Flame“ endet und dazwischen „Roads to Madness“, „Warning“, „En Force“ sowie zig andere Klassiker beinhaltet, kann man nicht mehr kritisieren!

Wären Iron Maiden nicht gewesen – dies wäre das Konzert des Jahres gewesen! Aber natürlich auch so: es war ein Abend, der wohl nicht nur mir ewig und drei Tage in Erinnerung bleiben wird. Der Abend, an dem die WAHREN Queensrÿche in die Schweiz zurückkehrten…

 

Setlist:

  1. Queen of the Reich
  2. Speak
  3. Walk in the Shadows
  4. The Whisper
  5. En Force
  6. Child of Fire
  7. Warning
  8. X2
  9. Where Dreams go to die
  10. A World without
  11. Double Guitar Solo
  12. The Needle lies
  13. NM 156
  14. Roads to Madness
  15. Fallout
  16. My Empty Room
  17. Eyes of a Stranger
  18. Empire
  19. Jet City Woman
  20. Take hold of the Flame

Wie fandet ihr das Konzert?

02.11.2013
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