Soilwork

Melodic Death Metal
20.11.2013

Sabi & Sime interviewen Sänger Björn „Speed“ Strid vor dem Soilwork-Konzert im Z7 am 18. November 2013

Metalinside: Hallo Björn, Vielen Dank, dass Du Dir so kurzfristig vor Eurem Gig noch Zeit nimmst. Wie läuft Eure Tour soweit?

Björn: Wir sind seit ca. 3 Wochen auf Tour und es läuft ziemlich gut. Im Moment ist es ein ziemlich harter Wettkampf um Zuschauer, da recht viele Bands gerade unterwegs sind. Die Vorverkaufszahlen waren recht unterschiedlich. Wir hatten z.T. recht schwache Vorverkäufe, aber die Gigs waren dann doch ziemlich gut besucht. Ich weiss nicht, wie es heute wird, aber in Deutschland verkauften wir sehr viele Tickets an der Abendkasse, was uns natürlich sehr angenehm überraschte.

MI: Tourt Ihr nur durch Europa?

Björn: Ja, im Moment schon. Wir kommen gerade von unserer Asientournee, wo wir Shows in Australien und China spielten. Davor spielten wir zum ersten Mal in Mexiko. Es war ein ziemlich verrücktes Jahr. Aber jetzt fühlt es sich gut an, der Heimat wieder ein wenig näher zu sein, verstehst Du? Wir tourten ja auch noch 9 Wochen durch Nordamerika.

MI: Und wann wird die Tour zu Ende sein?

Björn: Anfangs Dezember werden wir die letzte Show spielen.

MI: Und dann geht’s in die Ferien?

Björn: Oh ja, wir machen dann 3 Monate Pause. Wobei wir nicht einfach rumhängen, sondern wir werden wahrscheinlich an neuem Material arbeiten. Das nächste Ding wird dann eine weitere Europa Tournee werden, aber nur eine kurze. Wir möchten da gerne den Fokus auf diejenigen Länder legen, welche wir bei der diesjährigen Tour ausgelassen haben. Das werden dann vor allem die südeuropäischen Länder sein.

MI: Welcher war der beste Gig auf der jetzigen Tournee?

Björn: (überlegt kurz) Hmmm… ich glaube, der in Hamburg. Ein paar Jahre zuvor wollte uns dort noch niemand sehen, aber dieses Mal war‘s einfach fantastisch. Die Leute gingen voll ab, und das an einem Montag, wo das Publikum erfahrungsgemäss etwas müder ist als sonst!

MI: Und welcher der Schlechteste?

Björn: (ohne zu überlegen) Stockholm!

MI: (verwundert) Stockholm???

Björn: (lacht) Oh Yeah!! Stockholm ist normalerweise immer der Hammer. Aber es war auch einem Montag. In der Regel spielen wir da immer an einem Donnerstag, Freitag oder Samstag. Dann gehen die Leute auch richtig ab! Dieses Mal schienen sie einfach sehr, sehr müde zu sein. Es war schon recht enttäuschend. Aber ich verstehe auch, dass die Leute wieder früh raus müssen. Zudem sind die Schweden nicht wirklich spontan. Aber ich bin sicher, nächstes Mal wird es wieder besser. Wir versuchen dann auch an einem anderen Tag zu spielen.

MI: Hast Du ein paar lustige Tour-Stories für unsere Leser?

Björn: Lustige Tour-Stories? (überlegt länger) Hmmm… eigentlich verläuft diese Tour ziemlich ruhig. Es gibt sozusagen nichts zu beichten, was Ihr nicht schon irgendwo gehört hättet. Die Leute betrinken sich, stellen dumme Sachen an usw. Aber China zu betouren ist an sich schon sehr verrückt. Wir spielten in Peking und Shanghai, aber auch in den nördlichen Provinzen in der Nähe der russischen Grenze. Die Stimmung da war ziemlich depressiv und der Smog machte uns schwer zu schaffen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man da leben kann. Wie z.B. die Stadt Harbin. Hast Du schon mal was von Harbin gehört?

MI: Nein, noch nie gehört.

Björn: Das ist eine 10 Millionen Metropole, da gibt’s jeden Tag 700 neue Autos auf der Strasse. Einmal war der Smog so dicht, man konnte die Hand kaum vor den Augen sehen. Darauf wurde die ganze Innenstadt für den Verkehr gesperrt. Das kam sogar auf CNN!

MI: So, nun lass uns mal über Euer neues Album „The living infinite“. Ihr habt damit überraschenderweise ein Doppelalbum veröffentlicht, was ja heutzutage eher selten vorkommt. Ich finde, es ist sehr gelungen. Es beinhaltet viel Abwechslung, hat schnellere und langsamere Sachen, bietet die nötige Härte und nicht zuletzt ist der Gesang der variiert ausgefallen.

Björn: Oh Danke!

MI: Wessen Idee war es denn, ein Doppelalbum zu veröffentlichen? Hattet Ihr so viel gutes Material?

Björn: (grinst) Ich glaube, das war meine. Ich war der Meinung, dass wir einfach wieder eine neue Herausforderung brauchten. Es nun unser neuntes Album und wir wollten nicht einfach wieder Scheibe mit 10 oder 11 Songs auf den Markt werfen. Das war uns zu langweilig. Wir wollten einen Schritt weiterkommen und unsere Grenzen überschreiten, denn es gibt so tolle Songwriter in der Band. Und so pokerten wir halt ein wenig, aber es scheint aufzugehen.

MI: Meiner Meinung nach ist es recht schwierig, ein Doppelalbum mit durchwegs interessanten Songs zu füllen.

Björn: Oh ja, das ist verdammt schwierig. Aber irgendwie haben wir es als Band geschafft, ein Album zu veröffentlichen, welches keine langweiligen Phasen aufweist. Darauf sind wir echt stolz!

MI: Und wie laufen die Verkäufe?

Björn: Gut, wir sind echt positiv überrascht. Es verkauft sich sogar um einiges besser als der Vorgänger.

MI: Dann seid Ihr also ziemlich zufrieden?

Björn: Oh ja. Aber am meisten schätzen wir, dass so viele Leute zu unseren Shows kommen. Da wir so viel unterwegs auf Tournee sind, schätzen wir es sehr, dass wir immer vor einer relativ grossen Crowd spielen können.

MI: Als Ihr das Material für Euer neues Album geschrieben habt, war da jeder in der Band ein wenig involviert? Hast Du alle Texte selber geschrieben?

Björn: Ja, da hatte jedes Bandmitglied seinen Teil dazu beigetragen, auch bei den Texten. Wir nahmen 26 Songs auf und ich schrieb zu 20 die Texte. Ich selber schrieb die Musik für 8 Songs, der Rest kam von den anderen Jungs.

MI: Und die Arrangements der Songs macht ihr dann zusammen?

Björn: Das gestaltet sich manchmal als recht schwierig, da wir ziemlich verstreut leben. Wir schreiben die Songs mehrheitlich zuhause, nehmen die Dinger auf und schicken uns die Ideen hin und her. Daher proben wir eigentlich nur, bevor wir ins Studio oder auf Tournee gehen. Aber lustigerweise funktioniert das wunderbar.

MI: Woher nimmst Du die Ideen für Deine Texte?

Björn: Ich beziehe meine Ideen immer aus der Realität. Ich war nie der Science Fiction oder Fantasy Fan. Meine Texte basieren auf Fakten und nicht erfundenem Zeugs. Ich schreibe über Sachen, die gerade passieren oder mich in irgendeiner Art beschäftigen. Auf dem aktuellen Album hat es zudem viele abstrakte Texte über Sachen, wo wir selber die Antwort dazu suchen.

MI: Was macht Ihr, wenn Ihr nicht gerade auf Tour seid? Gibt es eine Zeit, wo Ihr auch mal gar keine Songs schreibt?

Björn:  (lacht) Selten. Ich habe neben Soilwork noch eine Classic Rock Band mit eigenen Songs am Start. Die Musik ähnelt der der späten 70er. Nach der Tour werde ich mich wieder dieser Band widmen. Ich glaube, ich brauche definitiv ein Hobby. Und zwar eines, das mit Musik gar nichts am Hut hat!

MI: Wie wärs mit Fischen?

Björn: Ich lebe zwar in der Nähe vom Meer, aber es hat mich nie gereizt, rauszufahren und zu fischen. Vielleicht sollte ich es mal ausprobieren.

MI: Eine letzte Frage. Ich habe Euch am diesjährigen Metal Days Festival in Tolmin (SL) gesehen. Es war ein ziemlich heisser Tag und es schien, Du hast ziemlich gelitten. Wie habt Ihr es auf der Bühne empfunden?

Björn: Oh ja, das war schon verdammt heiss, aber wir konnten damit umgehen. Trotz der Hitze gingen die Leute bei uns ja voll ab und das hat uns motiviert. Aber ich kann Dir sagen, das Wacken Festival war schlimmer. Wir hatten 43 Grad auf der Bühne. Ich dachte jede Sekunde, dass ich gleich kotzen muss oder gar zusammenklappe. Das war kein Spass mehr!

MI: Vielen Dank für das Interview, Björn. Ich wünsche Dir noch viel Glück für die heutige Show und den Rest der Tour!

Björn: Danke und geniesst die Show!

Pratteln, 18. November 2013 (Sabi & Sime)

20.11.2013
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