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TARJA - Z7 Pratteln 29. Oktober 2013 - Foto: pam
Di, 29. Oktober 2013

TARJA

Z7 (Pratteln, CH)
08.11.2013

Das Kribbeln in der Magengegend schon Stunden vor dem Konzert verrät, heute ist wieder eines der ganzen speziellen Konzerte angesagt: Tarja Turunen.

Alleine der Gedanken daran, lässt mich ganz nervös auf meinem Stuhl hin und her rutschen. Und das obwohl ich die Grande Dame des Symphonic-/Opera-Metals mit und ohne Nightwish schon gut 15 Mal live erlebt habe. Dazu kommt, dass ich beim letzten Konzert im 2012 im Komplex 457 in Zürich zum ersten Mal nicht restlos begeistert war. Im Nachhinein haben wir jedoch den Grund für die nicht gewohnte Performance erfahren. Tarja war schwanger, was damals allgemein noch nicht bekannt war und so wohl nicht ganz auf der Höhe – sowohl stimmlich als auch von ihrer sonst unerreichten Ausstrahlung her.

Naomi  – die Tarja Tochter – ist inzwischen schon ein Jahr auf der Welt und ihr Mami war die letzten Monate auch schon wieder sehr fleissig. Nebst der genialen Live-DVD – Act 1 (siehe Review) – erschien dieser Sommer ihre dritte Soloscheibe (Colours In The Dark – siehe Review). Ein weiterer Meilenstein in ihrem Schaffen als die renommierteste Stimme des Symphonic-Metals. Sie hat damit einmal mehr bewiesen, dass sie die regierende und kaum vom Thron zu stossende Metal-Opera/Symphonic-Queen ist.

Dazu kamen diverse Video-Drehs – inklusive das Duett mit Sharon den Abel (Within Temptation) – und seit ein paar Wochen die grosse Welttournee zum neusten Meisterwerk. Und jetzt steht sie kaum einen Meter vor mir auf der Bühne im Z7, dort wo sie uns noch nie enttäuschte. Unvergessen das Konzert, wo sie mehrere Songs mit der Band Unplugged mitten im Publikum – ohne Absperrung und Security – sang.

Tarja sieht trotz Geburt schlanker und schöner aus denn je. Verpackt ist diese finnische Göttin in einem Hauch von Nichts. Ihre makellose Haut strahlt durch den transparenten Umhang. Auch ihre so in den Bann ziehende Ausstrahlung ist zurück, als hätte sie die letzten Monate in Fukushima verbracht. Noch bevor sie einen ersten Ton gesungen hat, ist klar, wir haben unsere Tarja zurück. Die Tarja, die Nightwish mit ihrer Stimme, Ausstrahlung und Schönheit gross gemacht hat. Die Tarja, die auch bewies, dass sie nach ihrem Rausschmiss bei Nightwish, unter eigenem Namen, mit eigener Band ihr Ding durchziehen kann und dem Metal treu bleibt – trotz ihrer klassischen Ausbildung und 3-Oktaven-Stimme geschaffen für die Opernbühnen.

Selten war es schöner zu fotografieren – welches ich die ersten drei Songs auch bis zum Exzess mache – und dennoch zittern einem dabei die Hände, das Herz rast und die Ohren wackeln aus Verzückung. Tarja’s Stimme übertrifft einfach alles, was man im Metal kennt und wohl je gehört hat. Tarja verzaubert heute alle und wir sind wie in Trance. Tage später wo ich diese Zeilen schreibe, die Fotos sichte, bin ich immer noch hin und weg, beim Gedanken an dieses Konzert, an den Auftritt von Tarja.

Die neuen Songs kommen live auch ganz gut. Je öfter ich das Album „Colours In The Dark“ höre, desto genialer werden die neuen Lieder. Als zweiter Song singt Tarja heute Abend „500 Letters“ – welches auch auf der CD der zweite Song ist. Ein Highlight an einem Konzert das eigentlich nur aus Highlights besteht. Hühnerhaut! Und das soll heute nicht das letzte Mal sein. So viel Hühnerhaut wie heute im Z7 ist ja eigentlich auf dieser kleinen Fläche in der Schweiz verboten.

So nebenbei sei erwähnt, dass Tarja wieder eine All-Star-Band mit dabei hat. Ein Teil davon ist ihr schon seit dem Beginn ihres Debuts treu: Mike Terrana (Drums: Ex Rage, Masterplan, Axel Rudi Pell, Yngwie Malmsteen etc.), Max Lilja (Cello: Ex Apocalyptica), Alex Scholpp (Gitarre), Anna Portalupi (Neu/Bass) und Christian Kretschmar (Keyboard).

Die Band darf sich bei „Never Enough“ – während sich Tarja umkleidet und den Funksender wieder fixiert, nachdem sie diesen mehrere Lieder in den Händen hielt – so richtig austoben und ihr Können demonstrieren. Anfangs duellieren sich Gitarre und Cello, bis dann sich die Bassistin in den Battle der Instrumente einmischt. Wie von einer Kanzel herab zertrümmert Mike Terrana rechts auf der Bühne mit aller Wucht und Power die Szenerie. Jetzt gibt es kein Halten mehr und wir wähnen uns in einem kaum mehr aufzuhalten Jam-Express.

Und weiter geht’s mit Tarja. Als Tarja-Fan seit über 15 Jahren fällt es mir schwer, die folgenden Worte zu schreiben, aber ich glaub wir erleben grad die beste Tarja ever! Sie scheint die allerletzten Fesseln der Nightwish-Ära abgelegt zu haben. Sie strahlt beim Singen wieder wie damals zu den besten Nightwish-Zeiten. Sie bewegt sich auf der Bühne zwischen graziler Oper-Diva und powervolle Metal-Queen. Ihre Mimiken zeugen von ihrer klassischen Ausbildung, während die Metalposen On-The-Job bei Nightwish und in den letzten Jahren, wo Tarja die härtere Musik zu lieben lernte, dazu gekommen sind. Bei Tarja ist nicht nur die Stimme, sondern auch grundsätzlich ihr Auftritt, ihre Performance, ihr Ausstrahlung und nicht zuletzt ihr so charmanter finnischer Akzent way over the top. Niemand verkörpert den Spagat zwischen Oper und Metal in einer so perfekten Symbiose wie sie.

Vor „My Winterstorm“ – welches damals ihr erster Solo-Song  war – wird sich auch Tarja, sichtlich von der guten Stimmung bewegt, diesem Umstand einmal mehr bewusst. „2007 (nach ihrem Rausschmiss bei Nightwish) I had to start all over again.“ Zum Beispiel auf ihrer ersten Solo-Tour, damals im X-Tra in Zürich. Heute singt sie praktisch vor ausverkauftem Haus im Z7. Tarja’s Weg zeigt stetig nach oben. Jedes Jahr werden es ein paar Leute mehr. Tarja wurde nichts geschenkt, alles was sie erreichte, war harte Arbeit und der Glauben an sich selbst und an ihre treuen Fans: dem Winterstorm (wie sie diese nennt).

Tarja nimmt uns auf einen 1 1/2 stündigen Fantasy-Trip – auf ihre „Mystique Voyage“. Manch einer im Z7 möchte wohl von diesem Trip nicht mehr runter bzw. zurückkommen. Zur Zugabe spielt uns – wir sind ja in Basel – Mike den Marsch. The Ritual. Der Eröffnungs- und ein weiterer Songs vom neuen Meisterwerk.

Unser Glück ist wohl auch, dass Tarja gestern einen Day off hatte und gemäss ihrem Blog bei schönstem Wetter einen gemütlichen Tag in Zürich verbrachte. Sie wirkt nach wie vor frisch und voller Energie. Einer, gemäss ihrer eigenen Aussage, Lieblingsorte scheint ihr wohl eine Menge Energie gegen zu haben.

Kann man diesen Konzertabend noch toppen? Was sicher funktioniert, ist ein Nightwish-Song. Davon ist auch Tarja überzeugt: I Wish I Had An Angel. Gitarrist Axel singt den männlichen Part – nach meinem Geschmack besser als Marco beim Nightwish-Original. Ich find sogar, dass dies die beste Live-Version von diesem Song ist, die je gehört habe. Und der laute Applaus zeigt mir, dass es nicht nur mir so geht. Der Dezibelmeter schlägt alleine durch das Publikum an auf über 110 dBA! Nach wie vor ist klar, keine bringt die Nightwish Songs besser als Tarja. Sie ist und bleibt die bestmögliche Sängerin für Tuomas Symphonien.

Für etwas Auflockerung sorgt die Gestenkommunikation quer über die Bühne zwischen Cellist Alex und Drummer Mike. Es scheint zu stinken im Z7 – beide riechen unter ihren Achseln, deuten jedoch an, dass dies nicht von ihnen kommt. Zu unserer Entschuldigung: Es ist heiss. Tarja, brachte das Z7 zum Kochen wie schon lange nicht mehr. Das Z7 liegt ihr zu Füssen! Tosender und kaum endender Applaus brandet ihr während der Verabschiedung entgegen. Einziger Wermutstropfen: Die Hammerstimmung hätte eine spontane Zugabe verdient. So erwachen wir nach 90 Minuten oder vielleicht doch erst Tage später auf aus unserer Trance. Der Reise mit der finnischen Göttin.

Fanzit

Das war ein weiteres Highlight im 2013. Eines der besten Konzerte, welches ich je erlebte. Tarja in Bestform beweist, sie ist die unbestrittene Opera-/Symphonic-Queen. Danke Tarja, danke Naomi.

Setliste Tarja Turunen

  1. In For A Kill
  2. 500 Letters
  3. Sing For Me
  4. Falling Awake
  5. I Walk Alone
  6. Anteroom Of Death
  7. Never Enough (inklusive ausgedehnten Band-Solils/Jam)
  8. Until Silence
  9. Die Alive
  10. Mystique Voyage
  11. Neverlight
  12. Medusa
  13. Victim Of Ritual
  14. Wish I Had An Angel (Nightwish „Cover“)
  15. Until My Last Breath

Wie fandet ihr das Konzert?

08.11.2013
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