So, 9. Februar 2014

ULVER, RM74

Dynamo (Zürich, CH)
11.02.2014

Die Musik von Ulver jemandem zu beschreiben, der die Band nicht kennt, ist fast unmöglich. Zu Beginn machten sie es einem noch einfach und starteten Anfang der 90er mit Black Metal, was ja unschwer einzuordnen ist. Mittlerweile greifen sie auf eine aussergewöhnliche Stilvielfalt zurück und entwickelten sich in eine komplett andere Richtung: Sie vereinen düsterem Art Rock, Ambient, Postrock, Wave und Neofolk und kreieren so eine hochinteressante Soundlandschaft, welche sie bei ihren Liveauftritten mit Projektionen und Lichttupfern extravagant in Szene setzen.

Kontrastreicher als die Norweger könnte eine Band nicht sein. Der als Opener vorgesehene Duncan Evans, welcher von charismatischen Liedermachern wie Tom Waites und Roy Harper beeinflusst ist, musste den heutigen Auftritt leider kurzfristig absagen. Dafür sprang spontan RM74 ein. So nennt der Schweizer Remo Mäder sein aussergewöhnliches Musikprojekt, welches perfekt zum Programm von Ulver passte.

Allein die Bühnenaufmachung im grossen Saal des Dynamo, mit all den Grabkerzen und den unzähligen Instrumenten, liess die Besucher staunen. Irgendwie kam man sich vor, wie in einem Museum, warum auch die meisten an der Bühne entlang liefen und die Einzelteile mit weit geöffneten Augen „begafften“, als wären es Original-Gemälde von Willi Sitte. Um ca. 20:15 Uhr nahm dann RM74 auf der Mini Bühne vor der Haupt Bühne Platz und man fragte sich „Was der wohl mit all dem Zeug machen wird?“ Mit wenig Aufwand, aber mit vielen Extras, erzeugte der Berner Klänge, als kämen sie von einer anderen Welt. Atmosphärisch, theatralisch, emotional, aussergewöhnlich und völlig ohne Gesang. Das Hauptinstrument war der Bass, den er manchmal quälte, um ihn dann wieder sanft zu zupfen. Passender hätte die Einleitung zu Ulver nicht sein können.

Oben sprach ich im Zusammenhang mit Ulver von „kontrastreich“. Ich würde eher mal sagen, der Auftritt lag einem so schwer im Magen wie Bohnensuppe mit Schweinshaxe zum Frühstück. Ich möchte betonen, dies ist nicht negativ zu verstehen. Um kurz vor 21:00 Uhr ging es los. Individuell eröffneten sie das Konzert mit dem Glockengeläute des Fraumünster: „Wir haben das heute Morgen in Zürich aufgenommen. Wunderschön ist das, ihr könnt stolz sein.“ Der Sound von Ulver in der abgedunkelten Venue drückte aufs Gemüht und war dementsprechend schwer verdaulich. Aber so ist Ulver! Die Norweger haben Tiefe und schaffen es, mit ihrer Musik Schmerz und Dramatik greifbar zu machen. Hier bewegt man sich in klanglichen Sphären, die fast schon betäubend wirken.

Mit DJ-Pult, Percussions und einem Gong der mit einer Kette bedient wird, rücken die regulären Instrumente wie Synthesizer, Gitarre und Schlagzeug fast ein wenig in den Hintergrund. Anspruchsvolle Inszenierung die man mal erlebt haben muss.

Ob an dieser Veranstaltung Kleinkinder im Alter von 2-4 Jahren unbedingt am Bühnenrand herumhüpfen müssen? Nun ich versuche mir einen Kommentar dazu zu verkneifen. Ich denke eher nicht, auch wenn ich grundsätzlich aufgeschlossen durch die Welt gehe. Ein eindrücklicher Abend und ein interessantes Ereignis, diese Band einmal live erleben zu können.


Wie fandet ihr das Konzert?

11.02.2014