Sa, 17. Mai 2014

KROKUS, CRYSTAL BALL

Club Vaudeville Lindau
24.05.2014

Ein Schweizer Abend am Bodensee

Die Schweizer Legende Krokus ist auf Tour bei unseren nördlichen Nachbarn, mit ihnen sind die Landsmänner von Crystal Ball mit dabei. Schade nur, dass dieses Package keinen Stopp in ihrer Heimat macht! Aber Lindau am Bodensee ist zumindest nicht allzu weit entfernt, ich war jedenfalls bei weitem nicht der einzige Schweizer im Publikum…

Der Club Vaudeville ist eigentlich ein recht gemütlicher Laden. Parkplatzsituation und Einlass sind zwar etwas mühsam, dafür gibt’s draussen einen recht grossen Biergarten, der vor allem von der rauchenden Zunft belagert wurde. Eher ungünstig für die Fotografen: kein Graben und miserables Licht – sogar Chris von Rohr wünscht sich später etwas mehr Helligkeit! Ansonsten ist der Club richtig voll, trotz deutschem Pokalfinal. Obwohl das Spiel im Vorraum auf Grossleinwand übertragen wird, ist es drinnen recht eng und stickig. Aber es bleibt ziemlich gesittet, der Altersdurchschnitt dürfte näher bei 50 als bei 30 sein…

Erwähnen muss ich hier auch die Merch Preise: 20 Euro für T-Shirts sind mehr als anständig. Mich würd’s interessieren, wie teuer das alles in der Schweiz gewesen wäre…

Aufgrund des eher „gesetzteren“ Publikums bin ich recht gespannt, wie Crystal Ball hier ankommen. Pünktlich um 20h starten die Jungs um Steven Mageney mit ihrem Intro „Zarathustra“ ihren Part. Und bereits beim Opener „Break of Dawn“ zeigt sich, dass die Zuschauer durchaus Interesse am Support haben! Und es zeigt sich auch, dass in Deutschland keine Lautstärkeregelung gilt – es ist deutlich lauter als zum Beispiel im Z7. Der Sound ist zudem auch nicht das Gelbe vom Ei: Stevens Gesang ist direkt vor der Bühne kaum zu hören und wird von allen Instrumenten übertönt. Dies wird zwar gegen Ende der Show etwas besser, aber ideal wird es nie. Aber sonst kann man nichts Schlechtes über den Auftritt sagen: die Jungs sind motiviert, zeigen Spielfreude und vor allem Steven überzeugt und sammelt massig Sympathiepunkte.

In der Setlist dominieren natürlich Songs vom aktuellen Album „Dawnbreaker“. Und es zeigt sich hier, dass ihnen hiermit ein wirklich gutes Werk gelungen ist: „Walls fall down“ und vor allem „Anyone can be a Hero“ sind Highlights. Vom älteren Material überzeugt „He came to change the World“ – und natürlich der Rausschmeisser „Hellvetia“, bei dem Steven mit Schweizer Fahne auf die Bühne kommt! Auch wenn ich das Gefühl habe, dass viele im Publikum nicht zu bewandert sind mit dem Material von Crystal Ball – als nach knapp 45 Minuten die Show zu Ende ist, gibt es deutlich mehr als nur Höflichkeitsapplaus! Und ganz sicher haben sie heute Abend einige neue Fans dazu gewonnen. Starker Auftritt!

Als sich Krokus 2008 in der Formation Storace / Von Arb / Von Rohr / Kohler / Steady reformierten, schlug das nicht nur in der Schweiz grosse Wellen – und die Kritiker kamen selbstverständlich auch gleich hinter dem Ofen hervor. Zwei Alben hat die Band mittlerweile aufgenommen und auch wenn weder „Hoodoo“ noch „Dirty Dynamite“ an die alten Glanztaten heranreichen, so sind es doch mehr als nur anständige Werke geworden. Seit der Reunion hab ich Krokus zweimal live erlebt, aber nach dem gemäss Pam mittelmässigen Auftritt im Volkshaus vor einem Jahr, war ich sehr gespannt auf diese Show…

Lindau liegt in Bayern – und an diesem Abend findet wie erwähnt das deutsche Fussball Pokalfinal zwischen Bayern München und Borussia Dortmund statt. Ich habe noch nie so viele Fussball Shirts an einem Rockkonzert gesehen – das Interesse einiger Zuschauer ist also nicht nur bei der Musik…

Nach einer ewig dauernden Umbaupause geht kurz vor 21.30h endlich das Licht aus und die Solothurner starten mit einem ganz grossen Klassiker: „Long Stick goes Boom“! Und damit ist der erste Teilsieg bereits eingefahren, der Jubel ist gross… Es folgt ein Doppelschlag vom aktuellen Album „Dirty Dynamite“. „Hallelujah Rock’n’Roll“ fetzt gewaltig, „Go Baby Go“ fetzt etwas weniger. Aber das scheint egal zu sein, die Schweizer werden bereits mächtig abgefeiert.

Der Sound ist etwas besser als bei Crystal Ball, aber es ist immer noch (zu) laut, Marc ist zu Beginn ebenfalls nur schwer zu hören und auch Fernando’s Gitarre geht zwischendurch mal völlig verloren. Also soundmässig…
Trotzdem haben die nicht mehr ganz taufrischen Herren viel Spass! Und natürlich merkt man ihnen die Routine an – Krokus macht niemand mehr was vor! Chris (immer mit Sonnenbrille) macht zwischendurch Sprüche gegen Bayern München (das Spiel läuft zu dieser Zeit noch immer…), Marc ist der  souveräne Frontmann wie eh und je, hinter dem Schlagzeug prügelt sich Neo Drummer Flavio Mezzodi die Seele aus dem Leib und Mandy Meier spielt ein geiles Solo nach dem anderen – und das mit voller Inbrunst! Die Rückkehr von ihm ist definitiv ein grosser Gewinn für Krokus! Fernando und Mark zocken derweil ihren Part und ihrem Grinsen nach zu urteilen, haben auch sie beste Laune. Also wenn die Kritiker recht haben und Krokus diese Reunion (die jetzt bereits sechs Jahre dauert…^^) wirklich nur des Geldes wegen gemacht haben, dann kaschiert die Band dies zumindest an diesem Abend sehr gut…

Musikalisch ist „Tokyo Nights“ ein weiterer Höhepunkt und auch hier brilliert Mandy Meier. Generell ist es natürlich so, dass vor allem die Songs von „Metal Rendez-Vous“ am besten ankommen. Wen wundert’s – es ist ja auch das beste Album…

Nicht ganz ernst nehmen darf man wohl die Ansage von Marc, als er Lindau zur „Rock Capital of Europe“ erklären will – aber immerhin fetzt danach „Rock City“! Der kommt allerdings in gekürzter Form in einem Medley daher, zusammen mit „Better than Sex“ und „Dög Song“. Und hier merkt man jetzt schon einen kleinen Klassenunterschied…

„Screaming in the Night“ ist wie immer pure Gänsehaut und dann folgt mit „Hellraiser“ eine faustdicke Überraschung! Damit hab ich nicht gerechnet…Geil!
Mittlerweile ist Verlängerung beim Fussball. Marc hat grad etwas Probleme, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen, Chris hat grad das 1-0 der Bayern durchgegeben… Aber „Bedside Radio“ vertreibt alle Gedanken an Fussball! Der beste Song – leider viel zu früh in der Setlist…! Dieser Klassiker ist der Auftakt zum Ende: „Eat the Rich“, „Easy Rocker“ und noch ein Metal Rendez-Vous Klassiker in Form von „Heatstrokes“ beenden das Konzert zum ersten Mal. Die sicher 600 Zuschauer im proppenvollen Club (einmal raus – man kommt kaum mehr rein…) feiern die Schweizer lautstark ab und natürlich gibt’s noch einen Nachschlag.

Und genau jetzt nörgele ich an der Setlist herum…: „Hoodoo Woman“ als erste Zugabe passt natürlich. Aber „Live for the Action“ finde ich irgendwie einfach, nun ja, lahm? Deplaziert? Überflüssig? Egal – das Volk feiert…

Zugabenteil Nummer 2: „Headhunter“! Ich weiss, dass ich mit dieser Meinung wohl etwas alleine bin – aber ich find diese Nummer überbewertet. Ich war einfach nie ein grosser Fan davon… Und zudem scheint der Song zu schnell zu sein für das Publikum. Das sind mehrheitlich Leute um die 50 – da ist Rübe schütteln nicht mehr so einfach…

Als Rausschmeisser gibt’s jetzt noch „Mighty Quinn“. Und ich frag mich warum… Wenn ich Sabaton mit „Primo Victoria“ nicht schon über zwanzig Mal gesehen hätte – „Mighty Quinn“ wäre wohl der Song, den ich am häufigsten live gehört habe. Der wird ja mittlerweile wirklich (fast) immer und überall gecovert. Überflüssig!

Nun ja – das „normale“ Volk hat trotzdem seine Freude daran, und als nach gut 1 ½ Stunden Schicht im Schacht ist, werden die Schweizer mit tosendem Applaus von der Bühne verabschiedet!

Fanzit: Krokus spielten eine solide Show, es gab einige Highlights in der Setlist, einiges hätte man meiner Meinung nach besser anders gemacht (Zugaben…) aber insgesamt gesehen kann ich sagen, dass ich schon schlechtere Konzerte (auch von Krokus) gesehen habe! Der Funke wollte bei mir zwar nie ganz rüber springen, aber lohnenswert war der Ausflug an den Bodensee allemal! Dies auch dank dem starken Support von Crystal Ball – und dem 2-0 Sieg der Bayern…

 

Setliste Crystal Ball

  1. Zarathustra (Intro)
  2. Break of Dawn
  3. Walls Fall Down
  4. Dance with the Devil
  5. He Came to Change the World
  6. Power Pack
  7. Back for Good
  8. Powerflight
  9. Anyone Can Be a Hero
  10. Hellvetia

 

Setliste Krokus

  1. Addio a Cheyenne (Intro – Ennio Morricone)
  2. Long Stick Goes Boom
  3. Hallelujah Rock ’n‘ Roll
  4. Go Baby Go
  5. American Woman (The Guess Who cover)
  6. Tokyo Nights
  7. Fire
  8. Rock City / Better Than Sex / Dög Song
  9. Screaming in the Night
  10. Hellraiser
  11. Bedside Radio
  12. Eat the Rich
  13. Easy Rocker
  14. Heatstrokes
  15. Hoodoo Woma*
  16. Live for the Action*
  17. Headhunter**
  18. The Mighty Quinn (Bob Dylan cover)
  19. Always Look on the Bright Side of Life (Outro – Monty Python)

Wie fandet ihr das Konzert?

24.05.2014
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