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Mo, 13. Oktober 2014

Edguy, Unisonic, Masterplan

Z7 (Pratteln, CH)
16.10.2014

Edguy und Co – Eine ganze Menge Spass im Z7!

Tobias Sammet hat mit Edguy vor ein paar Monaten sein stärkstes Album seit mindestens zehn Jahren  veröffentlicht und wie es bei fast allen Bands so läuft, folgt nach einer neuen Scheibe immer auch die dazugehörende Tour. Mit dabei als Support („Vorgruppe“ ist in diesem Fall fast eine Beleidigung!) sind Masterplan sowie Kai Hansen’s „Supergroup“ Unisonic. Also ein ganz edles Package, welches sich die Ehre im Z7 gibt!

Masterplan

Kurz vor halb Acht beginnen Masterplan ihren 35-minütigen Set. Vor 12 Jahren als „Helloween-Ableger“ gegründet, sind auch heute noch vor allem ihre ersten beiden Alben mit Jorn Lande den Fans ins Gedächtnis gebrannt. Rick Altzi ist nicht Jorn Lande, das weiss man – aber er macht seine Sache dennoch sehr gut. Und die Band macht auch das einzig richtige: sie heizt den Fans mit den alten Songs mächtig ein. Von den sieben gespielten Nummern sind ganze fünf von ihrem Debut Album! Mit „Keep your Dream alive“ hat’s grad ein einziger Titel des neuen Albums auf die Setlist geschafft. So entwickeln sich Roland Grapow und seine Mannen zum perfekten Opener, das (noch nicht ganz volle) Z7 dankt es ihnen mit ordentlichem Applaus.

Unisonic

Es gibt in der Metal Szene ganz wenige Leute, die einfach nur so sprühen vor Charisma, denen die Leute einfach aus der Hand fressen. Spezielle Figuren halt. Kai Hansen zeigt einmal mehr, dass er zu dieser Kategorie gehört – und dies obwohl er an diesem Abend „nur“ der Leadgitarrist einer funktionierenden „Supergroup“ ist! Denn auch seine Mitstreiter bei Unisonic wissen durchaus, wie man sich auf der Bühne so zu verhalten hat – sind ja auch allesamt gestandene Recken! Kosta Zafirou und Dennis Ward haben mit Pink Cream 69 die Bühnen unsicher gemacht, Mandy Meier kennt die Welt vor allem durch seine Zeit bei Gotthard und jetzt bei Krokus. Und Sänger Michi Kiske braucht keine Vorstellung mehr – der macht in Sachen Charisma sogar Kai himself Konkurrenz.

Und genau dieser Michi Kiske sorgt für die erste Überraschung: an Stöcken kommt er auf die Bühne gehumpelt und setzt sich in Badehose und Lederjacke auf einen Barhocker: sein linkes Knie ist geschient… Hut ab: manch ein anderer „Rockstar“ hätte wohl grad die ganze Tour abgeblasen. Kiske hingegen nimmt’s mit Humor („Knie kaputt. Ich bin heute der Quotenkrüppel“ – und erntet dafür laute „ooooooooooohhhhhhhhh“ vom Publikum…) und meint ganz einfach, dass er ja nicht mit dem Knie singen muss. Zum Glück – denn seine Stimme ist nach wie vor nicht von dieser Welt! Selbst in diesem gewöhnungsbedürftigen Outfit und einfach auf dem Hocker sitzend zeigt Kiske eine fantastische Performance! Natürlich unterstützt von seinen Jungs, die ebenfalls Vollgas geben und einen über 50-minütigen Querschnitt durch Unisonic’s zwei bisherige Alben präsentieren.

Kiske begutachtet und kommentiert zwischendurch mal die T-Shirts der Besucher („ah, Helloween! Ja, geht auch…“) und führt ansonsten souverän durch die Show. Das Z7 ist mittlerweile ordentlich voll und die Fans kommen richtig in Feierlaune. Auch wenn es nicht der beste Song ist, so ist der Helloween Gassenhauer „I Want Out“ jedoch klar der Stimmungshöhepunkt und „Unisonic“ bildet direkt danach den Abschluss des Konzerts. Ich habe lange nicht mehr eine Vorgruppe – nein, falsch: einen SUPPORT ACT gesehen, welcher dermassen abräumt! Das ist eines Headliner würdig! Und die Kombination Kiske/Hansen ist auch 25 Jahre nach Helloween immer noch etwas vom Edelsten, was die Metal Szene zu bieten hat. Habe fertig!

Edguy

Muss man denn jetzt sogar Angst haben, dass der Headliner hier abstinken wird? Es gibt sicher Bands, da wäre man zumindest gespannt, wie die sich aus der Affäre ziehen würden. Aber hey – jetzt kommt der ultimative Entertainer! DER Showman! Der Typ, der nichts und niemanden fürchtet! Ein Typ, der einfach SPASSSS haben will!

Unter riesigem Jubel betreten Edguy um Viertel vor Zehn die Bühne, Tobi erscheint, singt die erste Zeile von „Love Tyger“ – und sieht sofort alles andere so aus, als ob er Spass hätte: das Mikrofon funktioniert nicht! Na gut – soll das Publikum halt sofort etwas arbeiten fürs Geld, Tobi kriegt ein neues Arbeitsgerät (welches später auch nochmals rumzickt…), der Spass ist zurück und der Opener kann nun richtig zum Besten gegeben werden. „Mit „Out of Vogue“ folgt eine erste Überraschung in der Setlist – es soll nicht die letzte sein. Die Band zeigt sich arschtight, eine absolute Wucht und der Master himself ist ebenfalls in Bestform. Sowohl physisch wie auch stimmlich. Ich hab Tobi also schon schwächer gehört – hier und jetzt liefert er eine tadellose Leistung ab. Das Publikum feiert dementsprechend, die Stimmung im mehr als anständig gefüllten Z7 ist fantastisch. In der vordersten Reihe sind übrigens ein paar Australier zu finden, die mittels Plakat darauf aufmerksam machen, dass sie nach dieser Show nach Hause fahren werden. Wäre interessant gewesen rauszufinden, wie lange sie diesem Tourtross gefolgt sind…

Tobi verspricht gleich zu Beginn: „alte Songs, neue Songs, mittelalte Songs“ – ööhm: was anderes wird eigentlich auch nicht erwartet! Aber dass Edguy Hits wie „Ministry of Saints“ und „Superheroes“ als Nummer drei und vier in der Setlist verbraten, zeigt natürlich die Qualität des Materials, welches die Deutschen mittlerweile angehäuft haben. Auch die neuen Songs passen hervorragend dazu: wenn auf „Defenders of the Crown“ gleich „Vain Glory Opera“ folgt, ist von Qualitätsverlust oder so nichts zu spüren. Nur eine Menge Spass auf und vor der Bühne! ¨

Hinter dem Schlagzeug: der Drummer! Ansage Tobi… und der Drummer heisst bekanntlich Felix Bohnke und darf ein Solo zum Besten geben. Als er gegen Ende den „March of the Empire“ aus Star Wars trommelt, ist der Übergang zum Titeltrack des neuen Albums natürlich gegeben. Zu „Space Police“ wird die übergrosse Titelfigur des Albums aufgeblasen, welche danach für den Rest der Show über die Bühne wacht.

Ach, apropos „alte / neue Songs“ und so: das 2011er Album „Age of the Joker“ wird komplett links liegen gelassen. Nicht mal „Robin Hood“ schafft es auf die Setlist. Doch eher erstaunlich… Umgekehrt kommt dafür der „Theater of Salvation“-Klassiker „Babylon“ zum Zug. Kann man sich auch nicht beklagen. Zumal hier auch noch ein Schnipsel Iron Maiden dargeboten wird: das Publikum zeigt sich absolut textsicher, als Tobi zwischendurch „The Trooper“ anspielt.

Für mich persönlich der Schwachpunkt der Show: „Rock me Amadeus“. Ich finde den Song a) im Original schon lahm, b) auf dem Edguy Album völlig deplaziert und c) auf diesem Konzert absolut überflüssig. Es gibt so viele geile Songs aus den 80ern – warum Edguy genau diesen hier gecovert haben, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Irgendwie hab ich allerdings das Gefühl, dass diese Meinung nicht unbedingt geteilt wird – die Leute haben erstaunlicherweise ordentlich Spass daran. Für mich ist’s halt die (einzige!) Spassbremse.

Was bei Tobi auch nie fehlen darf, ist eine Ballade. Für einmal ohne anzügliche Ansagen zocken Edguy ihr Meisterwerk „Land of the Miracle“, ohne Frage der wohl beste Heiratsbeschleuniger der Band – und hier scheine ich wieder einer Meinung mit dem Rest des Publikums zu sein. Frenetischer Applaus, den Tobi lappidar kommentiert: „wenn ihr wüsstet, was ich jetzt gleich sagen werde, dann wärt ihr nicht so nett zu uns!“ Und kündigt wenig überraschend den „letzten Song des Abends“ an. „Aber hey: immerhin ist es ein geiler Song!“ Und damit hat er recht: „Tears of a Mandrake“ beendet auf fulminante Art und Weise nach knapp 90 Minuten den regulären Teil der Show.

Und im Kollegenkreis spekulieren und wünschen wir, was wir als Zugabe gerne hätten…: „The eternal Wayfarer“ wär einer meiner Wunschsongs, „The Piper never dies“ würden ALLE gerne hören, „King of Fools“ scheint gesetzt, „Fucking with Fire“ und „Trinidad“ wären auch Wunschkandidaten – aber als erstes kommt dann mit „Lavatory Love Machine“ doch noch ein anderer Klassiker zum Zug, welcher inbrünstig mitgesungen (oder so…) wird. Aber Hauptsache Spass! Traurigerweise wird sonst keiner unserer Wünsche erfüllt – Edguy spielen „King of Fools“ und dies wird jetzt einfach auch der perfekte Abschluss eines fantastischen Abends.

Fanzit

Der Jubel und der Applaus sind ohrenbetäubend und es gibt wohl wirklich niemanden in der Halle, der hier keinen Spass gehabt hat! Und somit haben Tobi und seine Jungs sowie die beiden Anheizer Bands alles richtig gemacht.

Für Unisonic war’s die letzte Show auf der Tour. Aber wer jetzt Kai und Co und Edguy doch noch zusammen sehen will, dem sei das Knockout Festival in Karlsruhe am 20. Dezember ans Herz gelegt – Edguy sind hier soeben als Headliner bestätigt worden.

Für mich bleibt die Hoffnung, dass jetzt am besten gleich grad das ganze Package im Januar in die Karibik fährt – frei nach dem Motto „Fun in the Carribean Sun“…!

Setlist Masterplan

  1. Enlighten Me
  2. Heroes
  3. Crimson Rider
  4. Keep Your Dream Alive
  5. Crystal Night
  6. Soulburn
  7. Kind Hearted Light

Setlist Unisonic

  1. For The Kingdom
  2. Exceptional
  3. Starrider
  4. Your Time Has Come
  5. When The Deed Is Done
  6. King For A Day
  7. Throne Of The Dawn
  8. I Want Out
  9. Unisonic

Setlist Edguy

  1. Love Tyger
  2. Out Of Vogue
  3. Ministry Of Saints
  4. Superheroes
  5. Defenders Of The Crown
  6. Vain Glory Opera
  7. Drum Solo
  8. Space Police
  9. Babylon
  10. Rock Me Amadeus
  11. Land Of The Miracle
  12. Tears Of A Mandrake
  13. Lavatory Love Machine*
  14. King Of Fools*

*Zugabe

Fotos Edguy, Unisonic, Masterplan Z7 2014 (Kaufi)


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16.10.2014
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