Aktuelle Aktion EMP
Di, 9. Dezember 2014

PARKWAY DRIVE, HEAVEN SHALL BURN, CARNIFEX, NORTHLANE

Volkshaus (Zürich, CH)
11.12.2014

Im Vorfeld des Konzertes vom 9. Dezember 2014 im Volkshaus wurde viel Werbung gemacht, man hörte eigentlich nur Superlativen, wie z.B. „Das ist die Show des Jahres“, oder „So ein Lineup wird es in diesen Kreisen nicht mehr geben“. Umso gespannter pilgerte ich an diesem frühen Abend nach Zürich um mir selber ein Bild zu machen und zu beurteilen, ob die grosse Vorfreude berechtigt war oder eben nicht.

Bereits bevor Northlane die Bühne bestiegen viel mir einiges auf: Die Bühne wurde bis auf den letzten Platz ausgenützt. Vieles war noch „versteckt“, dies heizte natürlich die Vorfreude noch entsprechend an und ich malte mir jetzt schon ein imposantes Bühnenbild bei Heaven Shall Burn und Parkway Drive aus. Für Northlane (und Carnifex) wurde nur der vorderste Teil der Bühne genützt. Ich fragte mich diesbezüglich, wo die Herren dann stehen würden, Platz war da nicht wirklich viel für die Band. Die Frage sollte bald beantwortet werden. Mit ein wenig Verspätung (Start etwa um 18.45 Uhr) – Northlane waren auf 18.30 Uhr angekündet – erlosch dann das Licht und die erste Band bestieg die Bühne.

Northlane

Das Volkshaus war zu dieser Zeit schon recht gut gefüllt, wie angenommen hatte die Band nicht wirklich viel Bewegungsfreiheit auf der Bühne. Dass das Volkshaus nicht die allergrösste Bühne hat, weiss man, ob dieser Sachverhalt der Stimmung Abbruch tun würde?

Northlane starteten gleich voll durch, ich kannte die Band bis dato nur von Tonträgern. Für mich – wie wohl auch für viele andere Besucher – die Live-Premiere der Band. Ein druckvoller Sound und eine von Beginn an gute Stimmung, welche unter anderem auch vom sympathischen Fronter verbreitet wurde, heizte die Fans bereits tüchtig an. Die Aufforderungen zu Circle Pits wurden zwar noch nicht konsequent umgesetzt, aber trotzdem schien es, als würden die Herren den Nerv der Anwesenden treffen. Dies konnte man am herzhaften Kopfnicken und an den emporgestreckten Händen ablesen. Der Fronter Marc Bridge, welcher ja erst seit kurzem der Kopf der Band darstellt, da der ehemalige Fronter Adrian Fitipaldes kurz vor der Tour aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen die Band verliess, machte einen hervorragenden Eindruck. Irgendwie erinnerte er mich an Mitch Luker, der verstorbene Shouter von Suicide Silence. Authentische Songs, eine Mischung aus tiefen Growls und „Pig Squeels“, welche da bereits zu dieser frühen Stunde auf die Fans einprasselte. Das kurze Set, es waren ungefähr 30 Minuten Spielzeit, verbreitete eine explosive Mischung und konnte mitreissen. Einziger Minuspunkt war vielleicht, dass durch viele „ähnliche“ Songsstrukturen die Stimmung mit der Zeit wieder ein wenig in sich zusammen fiel und dass die Bewegungsfreiheit auf der Bühne schon arg knapp bemessen war für diese Art von Musik.

Fanzit: Ziemlich beeindruckender Start der Combo aus Australien, welchen ich nicht so authentisch erwartet hätte, die Band ist Live noch viel druckvoller als auf Ihren Tonträgern. Dass die Jungs viele neue Anhänger finden konnten sah man auch daran, dass der Merchandise-Stand im Foyer sehr gut besucht war.

Carnifex

Nach einer sehr kurzen Umbaupause (was sehr geschätzt wurde) und immer noch den gleichen Platzverhältnissen auf der Bühne ging es mit den weitaus bekannteren Carnifex weiter. Das Volkshaus nun bereits wirklich sehr gut gefüllt erwartete von dieser Band doch einen mitreissenden Auftritt, wie ich von verschiedenen Fans in meiner Nähe während der Umbaupause mitbekam.
Los gings, und auch hier konnte die Band die Fans von Anfang an zu sportlichen Höchstleistungen motivieren. Es sei vorweggenommen, dass aus meiner Sicht die Begeisterung weniger lang anhalten sollte als bei Northlane. Dafür gab es auch mehrere Gründe, welche den Auftritt von Carnifex am heutigen Abend nicht zu einer Bestleistung avancieren liess: Im Gegensatz zur ersten Band war der Soundmix subjektiv wahrgenommen nicht stimmig, so verschwand die Stimme von Frontmann Scott Lewis des Öfteren im Nirvana zwischen Drums und Gitarren. Zudem konnte Northlane trotz (dem immer) undankbaren Startslot heute einfach eine starke Show liefern, die den Auftritt von Carnifex um Längen übertrumpfte.

Ausgesprochene Hardcore-Carnifex-Fans werden mir jetzt natürlich die Leviten lesen, aber ich habe Carnifex schon anders erlebt als am heutigen Abend.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass heute die Interaktion mit dem Publikum, wahrscheinlich auch aufgrund der kurzen Spielzeit (wie bei Northlane zwischen 30-40 Minuten), ausgelassen wurde. Nur ganz vereinzelt wurde mit den Fans kommuniziert. Hier könnte man wieder über die alte Frage diskutieren, was denn nun besser ist: Einen oder zwei Songs mehr spielen zu können oder dafür das Publikum anzusprechen und zu interagieren. Schwieriger Entscheid.

Fanzit: Solide Leistung von Carnifex, die Band konnte jedoch Northlane heute nicht die Stirn bieten, was vor allem auf den Sound zurückzuführen ist, welcher bei Northlane deutlich besser abgemischt war.

Nach Carnifex folgte eine etwas grössere Umbaupause, die Vorfreude auf die beiden Headliner steigerte sich und die Fans verpflegten sich im Foyer, besuchten die Merchandise-Stände oder genehmigten sich ein wenig frische Luft. Zurück im Theatersaal fiel auf, dass zwei Drum-Kits auf der Bühne standen. Ah, da war doch was, habe ich nicht im Voraus gelesen, dass beide Bands ohne Umbaupause spielen würden und sich einfach mehrmals abwechseln? Ganz sicher war ich nicht mehr, aber dies sollte sich ja bald zeigen. Ein Imposantes Bühnenbild, welches sich da bot, beide Drum-Kits erhöht, vorne nun viel Platz für die Gitarrenmannen und die Front-Röhren. Auch die „Dekoration“ wurde sehr gut gewählt und bestach durch Einfachheit und nicht zu viel „tamtam“.

Die Spannung stieg, wer nun wohl jetzt die Bühne entern würde? Klar war das noch nicht, denn ein Backdrop war nicht ersichtlich. Erst als dann ein Donnerknallen die Aufmerksamkeit fokussierte und ein Regen voller „Goldkonfettis“ auf das Publikum niederregnete realisierte man schnell, dass Marcus Bischoff und seine Mannen von Heaven Shall Burn auf die Bühne stiegen.

Heaven Shall Burn – Part 1

Heaven Shall Burn legte gleich brachial los. Die Stimmung war bereits am Siedepunkt angelangt. Wahnsinn wie es die deutschen Jungs einmal mehr bewerkstelligten, innert kürzester Zeit wortwörtlich alle Dämme brechen zu lassen. Dies lag mitunter einfach auch an der immer wieder sympathischen Art und Weise von Fronter Marcus Bischoff, welcher wiederholt zu Circe Pits anstachelte, jedoch auch mehrere Mal dazu aufrief, dass gestürzten Personen und allfällig verletzten Jungs und Mädels geholfen werden soll. Zum Abschluss des ersten Teils von Heaven Shall Burn wurde ein Cover von Parkway Drive zum Besten gegeben. Tolle Idee um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten. Ich auf jeden Fall habe noch nie einen solchen Wechsel von Bands miterlebt. Gefällt.

Parkway Drive – Part 1

Nach den letzten Tönen von HSB wurde es kurz dunkel im Volkshaus und bereits legten Parkway Drive los. Den Wechsel der beiden Bands bekam man wirklich kaum mit, es handelte sich hier um ein paar Sekunden, so muss es sein. Wenn die Stimmung beim ersten Teil von HSB auf dem Siedepunkt war, kochte nun das Wasser definitiv über. Es war bereits jetzt klar, dass heute Abend von der Stimmung her ganz klar Parkway Drive das Rennen machen würde. Das Publikum fast nicht mehr zu halten, in den vordersten Reihen Chaos und die ersten Körper fegen über die Köpfe hinweg. Die Fans zeigten sich extrem textsicher und bereits bei den ersten Akkorden eines neuen Songs schwappte wieder eine Welle der Verzückung durch das vollbesetzte Haus. Zum Schluss des ersten Teils, wie könnte es anders sein, wurde ein HSB-Cover angestimmt. Nein, nicht nur irgendeines, sondern „The Weapon they Fear“.

Heaven Shall Burn – Part 2

Wiederum nur Sekunden später standen wieder die Jungs von HSB auf der Bühne, bereit nun noch einen Zacken zuzulegen und die Halle in die vollständigen Einzelteile zu trennen. Bemerkung; Der jeweils zweite Teil des Sets der Bands war länger als die Startsequenz. Ich fragte mich nebenbei noch, ob der Wechsel der Bands eventuell nerven würde, das Gegenteil war der Fall; Der muntere Wechsel sorgte für noch mehr Abwechslung, die Langeweile, die einen manchmal übermannt, wenn die Konzertuhr vorwärts schreitet, war nicht da, es war ein rundum kurzweiliger Abend. Die Jungs von HSB kehrten mit „Black Tears“ zurück und starteten dann ein Feuerwerk von Hits. „Counterweight“ fehlte ebenso wenig wie „Like Gods Among Mortal“. Der letzte Song raffte dann nochmals alle hin, „Endzeit“ wurde eingeläutet. Marcus Bischoff stieg zum Schluss noch über den Fotograben und liess sich einige Meter übers Publikum tragen. Die Nähe zu den Fans wird hier noch gelebt. Ein letzter Wechsel zu Parkway Drive.

Parkway Drive – Part 2

Zum Start des zweiten Bundles hatte Fronter Winston McCall gleich mit Mic-Problemen zu kämpfen. Nach einigen Sekunden war der Spuk jedoch bereits vorbei und Parkway Drive legten nun zum Finale los. Ich muss es nochmals betonen; Die Meute tobte einfach unglaublich. Parkway Drive haben hier in der Schweiz einen extrem guten „Stand“ bei den Fans. Hier sei noch erwähnt, dass die Mischung der Bands an diesem Abend ganz klar die jüngere Generation von Metalheads ansprach. Natürlich nicht nur, aber die Alterskurve war gegen oben ziemlich ausgedünnt. „Dark Days“ zum Start, dann gleich nahtlos weiter zu „Deliver me“, „Swing“ und „Carrion“ um nur einige der herrlichen Kompositionen zu nennen, welche nun zum Besten geboten wurden. Erschöpft und ausgepowert endete der gelungene Abend um halb elf Uhr. Zufriedene Fans verliessen anschliessend das Volkshaus und verloren sich draussen bei milden, aber winterlichen Abendtemparaturen.

Fanzit

Mein persönliches Weihnachtspaketfazit: Engagierte Bands mit viel Fan-Nähe, kurze Umbaupausen, neuartiges System mit Wechsel der beiden Headliner, mehr oder weniger volle Hütte, Schweiss der von den Wänden lief, sympathische Ansagen, bis auf Carnifex für Volkshaus-Verhältnisse perfekter Sound, zufriedene Gesichter beim Verlassen des Geschehens, so muss aus meiner Sicht ein solches Vorweihnachtliches Tour-Paket sein. Punkt.

 

Setlist Northlane

  1. Genesis
  2. Scarab
  3. Rot
  4. Worldeater
  5. Masquerade
  6. Aspire
  7. Quantum Flux

Setlist Carnifex

  1. Deathwish
  2. In Coalesce With Filth and Faith
  3. Hatred and Slaughter
  4. Dark Days
  5. Die Without Hope
  6. Lie to My Face
  7. Hell Chose Me

Setlist Parkway Drive

Part 1:

  1. Wild Eyes
  2. Sleepwalker
  3. Karma
  4. Dream Run
  5. Idols and Anchors
  6. The Weapon They Fear (Heaven Shall Burn cover)

Part 2:

  1. Dark Days
  2. Deliver Me
  3. Romance Is Dead
  4. Home Is for the Heartless
  5. Swing
  6. Carrion

Setlist Heaven Shall Burn

Part 1:

  1. Voice of the Voiceless
  2. Land of the Upright Ones
  3. Combat
  4. The Omen
  5. Trespassing the Shores of Your World
  6. Unrest (Parkway Drive Cover)

Part 2:

  1. Hunters Will Be Hunted
  2. Black Tears
  3. (Edge of Sanity cover)
  4. The Disease
  5. Counterweight
  6. The Worlds in Me
  7. Like Gods Among Mortals
  8. Endzeit

Wie fandet ihr das Konzert?

11.12.2014
Weitere Einträge von

Carnifex, Heaven Shall Burn, Northlane, Parkway Drive

Greenfield Festival Interlaken 2021
Do–Sa, 9.–11. Juni 2022, Flugplatz Interlaken (Interlaken, CH)

Metalinside präsentiert: Greenfield Festival 2022 – Volbeat, KORN, Billy Talent, Powerwolf u.v.m.

Djent Metal, Hardcore, Heavy Metal, Metalcore, Nu Metal, ...
  • Pressetext 29.11.2020
Wacken Open Air 2019 (Flyer)
Do–Sa, 1.–3. August 2019, Wacken (Schleswig-Holstein, DE)

Wacken Open Air 2019 – Sabaton, Parkway Drive, Slayer, Cradle Of Filth u.v.m.

Metalinside.ch - Parkway Drive - Halle 622 Zürich 2019 - Foto Steve
Di, 12. Februar 2019, Halle 622 (Zürich-Oerlikon, CH)

Parkway Drive, Killswitch Engage