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Tarja Turunen - Spirgarten Zürich 2015 - Foto pam
Mi, 16. Dezember 2015

Tarja Turunen

Theater Spirgarten (Zürich, CH)
18.12.2015

Wenn Tarja ruft, dann ist der pam nicht weit

Denn Tarja hat noch nie enttäuscht. Die schönste Stimme des Metals und überhaupt beehrt die Schweiz seit Nightwish Zeiten mindestens einmal pro Jahr. So auch im 2015 und dieses Mal endlich auch mal richtig richtig klassisch oder nur klassisch. Die ausgebildete Sopranistin hat es sich zur Tradition gemacht, um die Weihnachtszeit mit ein paar begnadeten Musikern traditionelle (Weihnachts-)Lieder klassisch zu performen.

Vor ein paar Wochen gab Tarja eine CD mit Ave Marias in zig verschiedenen Versionen raus – eine Version genialer als die andere. Wie sie uns verrät liebt sie Ave Marias und hat sogar eine eigene Version, welche sie auch heute zum Besten geben wird. Der heutige Abend steht also ganz in Ehren Mutter Gottes. Die ersten zwei Songs des Abends sind somit auch schon mal zwei davon. Und vom ersten Ton an ist klar, dass a) hier mit Cello (Max Lilja – ex-Apocalyptica/Tarja), Flügel (Florian Steiner) und Violine (Anna-Maria Barth) drei Hammermusiker am Start sind, die nicht nur den musikalischen Teppich für Tarjas 3-Oktaven-Stimme auslegen, sondern sich auch immer wieder selbst in Szene setzen (dürfen).

Das Ganze wurde von Max arrangiert und so kommt auch sein Cello heute Abend nicht zu kurz. Aber ich persönlich finde, es kann nie genug Cello haben. Damit das Ganze nicht zu trocken wird, gibt es durchaus auch spassige Momente, wo Max alle möglichen schrägen, lustigen und schönen Töne aus seinem Cello rausholt und so auch mit Tarja und den anderen Mitmusikern ein bisschen spielt, diese herausfordert bzw. damit natürlich bei Tarja nur ihr schönstes, breitestes Lachen hervorbringt.

Gut, wirklich nötig ist das ja nicht. Wer Tarja schon mal live erlebt hat, der weiss, dass sie auf der Bühne eigentlich fast nur am Smilen ist. Wenn sie das macht, was sie halt am liebsten macht. Siehe auch Interview mit Tarja von 2014 zu diesem Thema. Einmal mehr bin ich auch heute und wohl die meisten in diesem fast vollen, legendären Theater Saal in Züri Altstetten, einfach per se hin und weg von dieser einzigartigen Ausstrahlung.

Die Songauswahl bzw. das gegenüber den Metalkonzerten noch mehr eingesetzte Opernorgan, mag aber wohl auch ein bisschen polarisieren. Das Publikum ist auch durchmischter als sonst. Ich würde mal sagen zur Hälfte Metalheads, zur Hälfte klassische Musikliebhaber. Dem einen oder anderen Metalhead dürfte es dann auch das eine oder andere Ave Maria zu viel haben und auch der Operngesang etwas too much sein. Aber eigentlich war das ja jedem klar, der sich vorher etwas über das heutige Konzert informiert hat. Dennoch gab es Leute, die über die Art von Tarja heute überrascht waren. Wenn man dann hört, ich mag keinen Operngesang, dann frag ich mich schon, warum man dann heute überhaupt hier ist.

Anyway, meine Begeisterung mag das nicht mindern und ich lass mich verzaubern von Tarjas einmalig warmer Stimme, ihrer Ausstrahlung und bezaubernden Liedern. Nebst Ave Maria gab es auch ein paar finnische Klassiker und auch solche wie der The Little Drummer Boy und als Zugabe dann noch den Weihnachtssong unserer Breitengraden – auf Deutsch gesungen – Stille Nacht, heilige Nacht. Ebenfalls als Zugabe und nicht ganz unerwartet, schlussendlich für viele das Highlight heute Abend, einen alten Nightwish Klassiker mit „Walking In The Air“. Ich gebs zu, auch bei mir war der Hühnerhaut-Faktor hier am höchsten. Es ist schlussendlich – ob klassische Performance oder mit Metalkapelle – halt doch immer noch am schönsten wenn unsere finnische Göttin Songs aus der Nightwish Ära auspackt. Ich wünschte dabei jeweils, Tuomas sässe dabei im Publikum, um zu hören und sehen, was er uns seit 2006 vorenthält. Bei diesem Song wird’s dann auch grad stimmungsvoller, während bei den restlichen Songs sich die Besucher alle gesittet und ruhig wie im Opernhaus verhalten. Einzig die Fotografen, die einen Song durchknipsen dürfen – wohl beim falschen – stören diese angenehme Ruhe mit ihrem Dauergeknipse. Asche auf mein Haupt, ich habe wohl nur 30 Mal oder so abgedrückt und nur mit Einzelfeuer geschossen. Da hätte ich von meinen Kollegen mit ihren Riesenrohren etwas mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Drum geh ich davon aus, dass die Fotoerlaubnis wohl bei Walking In The Air gegolten hätte, weil es da weniger aufgefallen werde.

Janu, auch das mag schlussendlich meinen Eindruck von diesem einmaligen Konzerterlebnis nicht trüben. Meine hohen Erwartungen wurden durchwegs erfüllt; von Tarja sowieso wie immer und von den Begleitmusikern eher noch übertroffen, weil da habe ich mir zuvor auch nicht gross Gedanken gemacht.

Fanzit

Wer Klassik und Opern mag, der kam heute Abend definitiv auf seine Kosten. Alle anderen hatten zwar was fürs Auge, aber mussten wohl mit etwas angespanntem Hinterteil auf den Stühlen gesessen sein. Ich freu mich jetzt schon aufs nächste Tarja, ob Metal oder Oper ist mir eigentlich egal, ich komm bei beidem auf meine Kosten. Und einmal mehr wird mir bewusst, was wir Metalheads an Tarja haben. Denn eine solche Stimme begibt sich sonst nicht in die schäbigen, verrauchten, stinkigen Metalschuppen der Welt, sondern auf die klassisch-schönen und modernen Opernbühnen.

Setliste Tarja Turunen

  1. Ave Maria (David Popper cover)
  2. Ave Maria (Francesco Paolo Tosti cover)
  3. Christmas Song
  4. Varpunen jouluaamuna
  5. Musician’s Solo
  6. Pie Jesu (Andrew Lloyd Webber cover)
  7. Ave Maria (Michael Hoppé cover)
  8. Ave Maria (Tarja Turunen)
  9. The Little Drummer Boy (Musicians’s Solo 2)
  10. Panis Angelicus (César Franck cover)
  11. White Christmas (Bing Crosby cover)
  12. Musician’s Solo 3
  13. Ave Maria (Giulio Caccini cover)
  14. Ave Maria (Franz Schubert cover)
  15. Walking In The Air (Howard Blake cover)
  16. Stille Nacht, Heilige Nacht (Joseph Mohr & Franz Gruber cover)

Fotos von pam


Wie fandet ihr das Konzert?

18.12.2015
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