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Tarja Turunen - The Shadow Solf (CD Cover Artwork)
Fr, 5. August 2016

TARJA TURUNEN – The Shadow Self

Opera Metal, Symphonic Metal
02.08.2016
Tarja Turunen - The Shadow Solf (CD Cover Artwork)

The dark side of …

Innert kürzester Zeit gibt es die zweite Review für die finnische Speerspitze des Opera-/Symphonic-Metal – zumindest was Tarja selbst als Sopranistin betrifft. Nach der Vorspeise „The Brightest Void“ geniessen wir jetzt also den Hauptgang von Tarja im 2016.

Der Albumtitel symbolisiert die dunkle Seite von Tarja. Gemäss Tarja selbst, ist dies die „pure black“ Seite von ihr, welche sie antreibt, Musik zu komponieren und Texte zu schreiben. Sie sieht dies also als eine sehr positive, kreative Seite, die Seite von ihr, die sich in gewissen Situationen anders verhält als die „normale“ Tarja.

Gegenüber dem Prequel startet die Hauptausgabe gemächlicher, haut nicht grad mit einem heavy Riff rein, sondern mit Pianoklängen. Was aber nicht heisst, dass es jetzt nur noch gemütlich zu und hergeht und die harten Riffs Marke Alex Scholpp lassen nicht lange auf sich warten. Persönlich gefällt mir der Opener von The Brightest Void mit „No Bitter End“ besser. „Innocent“ wirkt für mich irgendwie nicht ganz fertig, noch etwas gebastelt. Zu einem singt Tarja ein paar „innocent“ zu viel und der Pianomittelteil wirkt etwas improvisiert. Aber da jammere ich jetzt auf hohem Niveau. Und live war es dann auch nicht mehr ganz so schlimm … gut da fehlte dann auch das Pianosolo.

Speziell wird’s dann bei Startnummer zwei „Demon’s In You“. Zu einem mit dem funkigen Beginn, bevor es dann gewohnt deftig wird – es ist jetzt schon klar, das ist definitiv das härteste Tarja Album bisher. Zu anderem dann auch mit dem Beitrag der Arch Enemy Grunzerin Alissa White-Gluz, die da im Hintergrund die sich zerfleischende Irgendwas mimt. Das gibt dem Song was Düsteres, vor allem im Vers, bei welchem auch Tarja nicht ganz die Opera-Stimme auspackt. Schön Melodiös wies dem Schreibenden gefällt geht’s im Refrain zu und her, in welchem auch Alissa clean singt. Irgendwie erinnert mich der Song auch an die Apokalyptischen Reiter, die ja Meister im Stilmixen sind und auch oft zwischen cleanem und gutturalen Gesang wechseln. Definitiv was, dass man sich mehrmals reinziehen muss und mit jedem Hörgang besser wird, wenn er sicher auch den einen oder anderen Symphonic-Fan, der nichts mit Grunts anfangen kann, etwas vor dem Kopf stossen wird.

Gaaaaanz geil war der Song live in Wacken, wo Alissa dann auch mit auf der Bühne war. Wow, das war nicht nur was für die Augen, sondern definitiv auch für die Ohren. Hammer wie sich die beiden gegenseitig zu einer Höchstleistung pushen.

„No Bitter End“ war in der Video-/Single-Version schon auf The Brightest Void enthalten. Bei dieser Album-Version gibt’s einen ruhigeren Einstieg und somit ist der Song etwas länger. Sonst höre ich jetzt grad keine grossen Unterschiede raus. Aber so oder so, mir gefällt’s. Ein sicherer Wert der von Anfang an hängen bleibt. Drum wie erwähnt eigentlich der perfekte Opener. Gefolgt von einem der grossen Highlights: „Love To Hate“ kommt etwas musicalmässig, mit weniger Tempo, dafür mehr Orchester, mehr Melodie daher. Für einmal steht nicht das Riff der Gitarre, sondern der Geige im Vordergrund. Ein wahres Instrumentenfeuerwerk wird auf den Hörer losgelassen. In welchem schliesslich auch die Gitarre nicht zu kurz kommt.

Gerne mehr davon. Denn was ich bei Tarja immer wieder etwas vermisse, sind die ganz epischen, symphonischen Songs, die sofort hängen bleiben – halt wie damals bei Nightwish. Love To Hate geht in diese Richtung – wie auch „Supremacy“ (OK, das ist ein Muse Cover), „Undertaker“ und „Living End“. Da sind ja jetzt plötzlich grad im Multipack vorhanden. Letzterer mit noch etwas reduzierten Tempo und … Dudelsack. Den hör ich glaub bei Tarja zum ersten Mal. Sehr schön. Wow, das ist definitiv einer der genialsten Tarja Songs überhaupt. Der Refrain ist ein Traum, der komplette Song eine glatte 10. Hühnerhaut pur. Mein Lächeln wird breiter bis an die Ohrenläppli. Da fühl ich mich als Symphonic-/Opera-Liebhaber doch wunderbar aufgehoben an diesem reichhaltigen Hauptgang. Ui, jetzt komm ich ins Schwärmen. Das ist definitiv der Song, auf den ich bei Tarja schon lange drauf gewartet habe!

Als Gegensatz dazu und fast schon etwas Böse wirkt „Diva“. Man stellt sich Tarja dabei singend mit einem fiesen Lächeln vor, das am Ende sogar noch hörbar wird. Meinen ersten Gedanken beim Text, Melodie, Songaufbau und den gesprochenen Stimmen mit finnischem Akzent im Mittelteil, die nach nicht vorhandenem Alkohol dürsten, ist, dass es sich hier um eine Abrechnung mit Tuomas von Nightwish handelt. Er hatte sie ja völlig zu Unrecht beim Rausschmiss als Diva betitelt. Vielleicht nimmt er auch ein bisschen „Imaginerium“ von NW auf die Schippe. In Wacken 2016 habe ich Tarja darauf angesprochen. Sie ist der Frage jedoch ausgewichen und betonte die musikalischen Elemente. Nun, das mag jeder so interpretieren wie er will, ich hab dann auch nicht nochmals nachgehakt.

Was auch immer dahinter steckt. Witziger Song, der sich gut anhört, irgendwie einfach fröhlich macht – hat auch was von der Filmmusik von Pirates Of The Carribean, welcher gemäss Tarja auch von diesem beeinflusst wurde und sogar in der Karibik aufgenommen wurde. Schöne Abwechslung, der wohl farbigste Song auf dem Album.

Mit „Eagle Eye“ gibt’s einen zweiten Song, der sowohl in der Vorspeise als auch im Hauptgang enthalten ist. Auch hier sind die Unterschiede zumindest nicht offensichtlich. Es gibt einen kleinen Unterschied in der Länge (hier 25 Sekunden kürzer), aber wie der entsteht erfasse ich nicht grad sofort. Somit dürfen Chad Smith von den Chilli Peppers (Drums) und Tarja’s Bruder Toni das komplette Mahl mitgeniessen. Der Song selber ist OK, doch trotz Verstärkung nicht ganz bei den stärksten Momenten der Platte. Chad Smith funkiger Drumstil hätte eigentlich fast besser zu „Demon’s In You“ gepasst, zumindest zu dessen Intro mit ebenfalls funkigen Gitarren. Aber das ist definitiv einmal mehr Jammern auf hohem Niveau.

Den Abschluss bilden „Calling From The Wild“, welches langsam startet und dann mit einem der besseren Gitarren-Riffs aus dem Haus Turunen trumpft, und einem der bisher längsten Tarja Songs mit über 12 Minuten: „Too Many“. Da bin ich fast geneigt zu sagen: „Too much“. Denn die 12 Minuten entstehen durch eine Art Hidden Track. Nach rund 8 Minuten ist mal fertig, bevor dann nach zwei drei Minuten Nichts, es zuerst metalmässig ziemlich deftig abgeht und dann wird’s gaaaaaanz Schlimm. Wenn auch nur kurz, aber geliebte Tarja, das geht gar nicht. Ein Techno-Beat! In den 90ern gab es ja mal eine Zeit, wo die Seuche auch den Metal zu infizieren drohte. Selbst von Ace Of Spades gibt es einen Techno Version – auf einer Motörhead Platte (Best-of)! Ich dachte davon seien wir geheilt. Am besten Fall man stellt vorher ab, am schlechtesten, man wird da plötzlich aus seinen Träumen gerissen und hört nur noch Bumbum. Auch wenn Tarja dazu noch singt, „This is a hit song“ – für mich nicht. Für mich ist es too much.

Fanzit

Nicht nur das bisher härteste Tarja Album, sondern gleichzeitig auch das symphonischte. Gerne mehr davon. Denn am besten hat mir Tarja halt nach wie vor bei Nightwish mit Nightwish Songs gefallen. Die gehen live auch nach wie vor ab, wenn Tarja an wann mal eines davon anstimmt. Meist jedoch die Coversongs wie „Walking In The Air“ oder „Over The Hills And Far Away“. Drum gibt’s eigentlich nur eine Empfehlung: Kaufen und geniessen. Für alle Symphonic-, Opera-, Female-Fronted-Metalfans sowie einfach alle die gerne gute, hochstehende Musik mit der besten Stimme weit und breit hören ein Muss.

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  1. Innocence
  2. Demons in You (feat. Alissa White-Gluz)
  3. No Bitter End
  4. Love to Hate
  5. Supremacy“ (Muse cover)
  6. The Living End
  7. Diva
  8. Eagle Eye
  9. Undertaker
  10. Calling from the Wild
  11. Too Many

Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9.5/10



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02.08.2016
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