Fr, 21. Oktober 2016

ALMANAC, INFLUENCE X

Hall of Fame (Wetzikon)
23.10.2016

Ex-Rage Gitarrist Viktor Smolski beehrte am Freitagabend mit seinem neusten Projekt Almanac das Hall Of Fame in Wetzikon. Als Support-Act waren die CH-Prog-Metaller Influence X am Start. Weshalb Almanac wieder einmal nicht in Vollbesetzung aufmarschierten und der Auftritt von Influence X plötzlich auf der Kippe stand, erfahrt ihr im folgenden Konzertreview.

Geprägt und gezeichnet von einer intensiven Konzertwoche führt mich mein Weg am heutigen Freitagabend wieder einmal ins Hall Of Fame nach Wetzikon. Neuerdings geistert ja die schnittige Abkürzung «HoF» für die Location in diversen Artikeln und Facebook-Beiträgen herum. Mir gefällt sie irgendwie nicht. Da bleibe ich lieber bei Hall Of Fame.

Almanac sind ein neues Sternchen am Symphonic und Power Metal-Himmel. Tausendsassa Viktor Smolski hat das Projekt im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Ein neues Kapitel in seinem Musiker-Dasein. Nach regelmässig ausverkauften Hallen und Shows mit Rage, muss er nun mit Almanac wieder mit verhältnismässig kleineren Locations vorliebnehmen. Mit drei Sängern (Jeannette Marchewka, Andy B. Franck und David Readman), einem Bassisten (Armin Alic), einem Drummer (Michael Kolar), einem Keyboarder (Enric Garcia), einem Gitarristen (Herrn Smolski selbst) und gelegentlicher Unterstützung des Barcelona Philharmonia-Orchesters wird dem Zuhörer allerdings einiges geboten. Das Debütalbum «Tsar» erhielt mehrheitlich positive Kritiken. Potenzial sich in der Metal-Szene zu etablieren, ist durchaus vorhanden.

Ein einmal mehr sehr spärlich besuchtes Hall Of Fame deutet dann auch ziemlich rasch an, dass Almanac definitiv noch kein grosser Name sind. Und so besteht das heutige Publikum eher aus Kennern der Szene, einigen Hall Of Fame-Dauergästen und selbstverständlich auch ein paar Medienleuten. Heute darf ich übrigens das erste Mal in meiner noch jungen Metaljournalisten-Karriere mit einem Pressepass um den Hals herumlatschten. Ein cooles Gefühl. Das macht mich stolz.

Zusammen mit meinem Kollegen Ralf Wyssenbach (WRPhotography) genehmige ich mir einen ersten Trunk und wenig später plaudern wir auch schon mit den Mitgliedern von Almanac, die sich direkt selbst um ihren Merch-Stand kümmern. Aus den Boxen dröhnen Klänge von Sonata Arctica und Children Of Bodom. Möge der Konzertabend beginnen.

INFLUENCE X

Um 20.45 Uhr sollen dann die Schweizer Progressive Metaller von Influence X den Abend eröffnen. Doch dieser Plan scheitert. Es gibt technische Probleme mit dem Keyboard. Das Tech-Pult empfängt kein Signal von Vito Staedlers Spielgerät. Im Dunkeln und nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, wird verzweifelt nach der Problem-Ursache gesucht. Scheitert der Auftritt an diesen Problemen? Nein! Nach etwa 20 Minuten scheint irgendjemand dann den richtigen Knopf gedrückt zu haben. Jetzt läuft die Maschinerie. Influence X nehmen umgehend den Betrieb auf.

Progressive Metal ist häufig eine kleine Lotterie. Entweder haut es dich aus den Socken oder schickt dich direkt ins Land der Träume. Auch bei der Show von Influence X bin ich hin- und hergerissen. Immer wieder erkennt man gute Ansätze. Leider dominieren während es ganzen Auftritts aber mehrheitlich die langweiligen, gemächlichen Parts. Irgendwie habe ich heute Abend null Bock auf Melancholie. Eventuell hätte man sich dann doch eher eine Power Metal-Band als Support-Act mit ins Boot holen sollen.

Das Publikum – bestehend aus allerhöchstens 25 Personen – ist äussert ruhig. Ein kleiner Schreihals durchbricht ab und zu die Stille. Offenbar ein «Die-Hard» Influence X-Fan. Sänger Ramin Daenzer wirkte ein wenig Scheu. Ich an seiner Stelle hätte das Publikum öfters miteinbezogen und zum Mitmachen animiert. Metalheads beissen ja – zumindest normalerweise – nicht.

Gegen 21.45 Uhr neigt sich die erste Show des Abends langsam ihrem Ende entgegen. Überzeugt hat die Band nicht wirklich. Trotzdem hagelt es einen Anstandsapplaus der kleinen Zuhörerschaft. Morgen in der Früh geht es für Influence X weiter nach Rom zur Plattentaufe einer italienischen Band. Deshalb können sie heute nicht mehr allzu lange feiern. Des Weiteren werden sie im Sommer 2017 offenbar ein neues Album veröffentlichen.

ALMANAC

Es ist Viertel nach zehn. Nun betreten die Chefs – begleitet von einem pompösen Intro und eingekleidet in ihre hübschen Uniformen – die Bühne. Mit dem Titeltrack ihrer Debüt-Platte eröffnen Almanac den heutigen Abend. Das Publikum hat inzwischen nicht wirklich Zuwachs erhalten, macht aber trotzdem gehörigen Lärm.

Was sofort auffällt ist das Fehlen eines Sängers. Hüne Andy ist nicht mit von der Partie. Wie ich zuvor erfahren habe, ist er an diesem Wochenende mit seiner anderen Band Brainstorm im Einsatz. Dies ist ein erster Dämpfer. Ich hätte die Truppe nämlich gerne – wie zuletzt bei ihrem Auftritt am Summer Breeze-Festival – in Bestbesetzung erlebt. Aber in der Musik verhält es sich heute ähnlich wie in allen anderen Berufen. Man übt eine Haupttätigkeit aus und hat nebenbei noch diverse Neben- oder Teilzeitprojekte am Laufen. Übrigens fehlt auch von Keyboarder Enric jede Spur.

Die heute anwesenden Almanac-Mitglieder bieten aber trotzdem eine solide Show. Gitarren-Virtuose Smolski setzt sich dabei besonders in Szene. Zu Anfang ist er mit der Technik noch nicht ganz zufrieden. Danach zaubert er aber überragende Gitarren-Soli aus dem Ärmel und lässt sein Instrument regelrecht kreischen und heulen. Der Typ weiss mit seiner Gitarre umzugehen.

Jeanette und David harmonieren gut zusammen, können aber trotzdem die Abwesenheit ihres Gesangspartners nicht komplett vergessen machen. David klebt immer wieder am Bühnenrand und sucht den Kontakt zum Publikum. Aufgrund ihres Korsetts sorgt Jeannette bei mir oftmals für Ablenkung. Ihre zwei schlagfertigen Argumente sind nicht zu übersehen. Als souveräner Metaljournalist überwinde ich diese kleinen Konzentrationsschwächen meinerseits aber selbstverständlich äusserst rasch. Jeannette hat nur lobende Worte für das Publikum. «Ihr macht Lärm für 2000, nein 3000.».

Meine Höhepunkte waren die beiden Tracks «Children Of The Future» und «Hands Are Tied».

Ganz abgeschlossen hat Viktor mit seiner Vergangenheit allerdings noch nicht. Die heutige Setlist beinhaltet auch Songs aus der Rage- und Lingua Mortis Orchestra-Ära (z.B. «Dies Irae»). Mit Material vom Album «Tsar» hätte sowieso nicht der ganze Abend gefüllt werden können. Inskünftig hoffe ich dann aber schon ausschliesslich auf Almanac-Material. Aber dazu muss die Truppe dann wohl zuerst ein weiteres Album nachlegen.

Fanzit

Und damit endet meine Konzertwoche. Am Sonntag folgen dann noch Suicidal Angels und Support. Aber das wird dann Gegenstand eines anderen Reviews sein.

Almanac konnten mich heute wieder einmal überzeugen. Viktor Smolski hat da wirklich eine spannende Geschichte ins Leben gerufen. Sicherlich ist die Kombination aus Klassik und Metal nicht jedermanns Sache. Mir gefällt es. Ich hoffe, die Band schon bald mit neuen Songs im Gepäck in der Schweiz begrüssen zu dürfen. Dann liegt sicherlich auch ein wenig mehr Spielzeit drin.

Neben dem letzten Bierchen bleibt dann auch wieder einmal Zeit für ein Foto mit der Band. Danach mache ich mich auf den Heimweg. Hall Of Fame, wir sehen uns dann bei meinem nächsten Metalinside-Einsatz in euren Hallen.


Wie fandet ihr das Konzert?

23.10.2016
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