Tarja Turunen - Z7 Pratteln 2016 - Foto pam
Di, 18. Oktober 2016

TARJA, VISIONS OF ATLANTIS, SCARLET AURA

Z7 (Pratteln, CH)
/ 20.10.2016

Das finnische Stimmwunder Tarja Turunen zu Gast im Z7

Ein Abend, bei dem nicht nur Nightwish-Fans – egal, ob aktuelle oder ehemalige – voll und ganz auf ihre Kosten kamen. Madame Turunen überzeugte mit überragendem Gesang und sichtlicher Spielfreude. Generell standen an diesem Dienstagabend die singenden Metal-Damen im Fokus.

In dieser Woche dreht sich bei mir – welch Überraschung – alles um Konzerte. Vom heutigen Dienstag bis am Freitag und dann nochmals am Sonntag. Das nenn ich doch mal ein echtes Intensivprogramm.

Den Auftakt macht die ehemalige Nightwish-Sängerin Tarja Turunen. Seit ihrem Rauswurf bei den finnischen Symphonic Meistern 2005 wandert sie auf Solo-Pfaden. Im August dieses Jahres erschien ihr neustes Werk «The Shadow Self». Ich hoffe, dass Tarja heutet einen ähnlich starken Auftritt wie am diesjährigen Wacken Open Air hinlegt. Dort hat mich ihre Performance schlicht und weg umgehauen.

Bevor ich jedoch über den Konzertabend im Z7 sprechen kann, möchte ich nochmals ein paar Worte zu meinem Verhältnis zu Nightwish und Tarja verlieren. Beide Parteien werden in meinem metallischen Leben wohl immer einen besonderen Stellenwert haben. Dank Nightwish – damals noch mit Tarja als Sängerin – bin ich überhaupt erst zum Metal gekommen. Dieser einzigartige Mix aus lauter, «gitarrenlastiger» Musik und opernhaftem Gesang hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Seither bin ich grosse Anhänger des Symphonic Metal-Genres. Leider habe ich Nightwish «nur» mit Anette Olzon und Floor Jansen live erlebt. In Sachen Tarja bleiben mir lediglich die Alben aus ihrer Nightwish-Ära.

Über die Details ihres Rauswurfs wage ich mich nicht zu äussern. Schliesslich war ich ja nicht dabei. Die lieben Medien haben ja sowieso bereits ihre Meinungen dazu niedergeschrieben. Ist Tarja damals wirklich zu einer solch untragbaren Diva geworden? Hat sie dem nachdenklichen Herr Holopainen effektiv nicht mehr in den Kram gepasst? Diese Fragen können nur die involvierten Parteien selbst beantworten. Ich für meinen Teil bin nach wie vor ein Riesen-Nightwish-Fan. Das jetzige Frontmädel Floor Jansen macht ihre Sache ausgezeichnet und hat auch keine grossen Schwierigkeiten mit der Interpretation der alten Tarja-Songs. Nichtsdestotrotz verfolge ich auch Madame Turunens Solokarriere mit gewissem Interesse.

Unser Magazin-Chef pam durfte übrigens im März 2014 ein interessantes Interview mit Tarja führen. Unter anderem kamen natürlich auch die oben erwähnten Themen zur Sprache. Nachlesen könnt ihr alles wie gewohnt auf der Metalinside-Homepage.

Doch nun wollen wir uns wieder dem heutigen Konzertabend zuwenden.

SCARLET AURA

Der Prattelner Metal-Tempel ist bereits ziemlich gut gefüllt. Tarja scheint offenbar ein echter Publikumsmagnet zu sein. Für den Auftakt sind aber die rumänischen Melodic Metaller Scarlet Aura zuständig. Blondine und Frontgöre Aura Danciulescu sticht sofort ins Auge. Ein heisses Gerät. Die Musik lässt mich dagegen ziemlich kalt. Ein Mix aus 08/15 und Dienst nach Vorschrift. Das Publikum nimmt die ganze Darbietung gelangweilt zur Kenntnis.

Ein wenig Abwechslung kommt auf, als sich Frau Danciulescu als vermeintlicher Karneval-Fan outet. Ob als Indianer-Häuptling mit entsprechendem Kopfschmuck oder Engelchen mit beweglichen Flügeln – es ist eine richtige Kostümparty. Aber auch mit diesen Mitteln lässt sich das Stimmungslevel des Publikums nicht steigern. Tja, eine attraktive Frontfrau allein garantiert noch keine gute Show. Und sowieso gibt es auf diesem Planeten meiner Meinung nach nur eine wahre «Metal-Barbie». Dieser Titel gebührt ganz klar Maria Brink von In This Moment.

VISIONS OF ATLANTIS

Die nächste Dame im Programm: Meine Lieblings-Französin Clémentine Delauney. Die meiner Meinung nach etwas zu dünne Gesangsgöttin würde definitiv keinen Tornado überstehen. Aber glücklicherweise ist es in der Halle ja windstill.

Diverse Bandengagements ziehen sich durch ihren Lebenslauf. Serenity, Melted Space und dann eben auch Visions Of Atlantis. Mit der letztgenannten Truppe war Clémentine auch schon des Öfteren zu Gast im Z7.

Die Band aus Österreich spielt einen Mix aus Symphonic und Power Metal. Im Fokus stehen dabei die Duette zwischen Clémentine und ihrem Gesangspartner Siegfried Same. Auch heute Abend harmonieren die beiden wieder hervorragend. So macht das Zuhören Spass. Als Lohn gib es ausgiebigen Applaus der Zuhörerschaft. Am Ende ihres Auftritts versprechen uns Visions Of Atlantis nie wieder zu kommen – (bitte was?!) … ohne neue Songs (puh!).

TARJA

Kurz nach halb zehn nimmt dann endlich das Highlight des Abends seinen Auftritt in Angriff. Tarja hat eine volle, aber nicht komplett ausverkaufte Halle vor sich. Unter frenetischem Jubel eröffnet sie ihr Set mit «No Bitter End», der ersten Single-Auskopplung ihrer neuen Platte. Die Halle tanzt und feiert ihre Heldin. Diese Stimme ist einfach Wahnsinn. Ohne zu zögern ist mein Köper übersäht mit Hühnerhaut. Wow! Auch Tarja und ihre Bandkollegen stehen nicht bloss stoisch da. Es herrscht viel Bewegung auf der Bühne. Fürs Headbangen ist sich die Dame ebenfalls nicht zu Schade.

Bei «Demons In You» – ein weiteres Stück vom neuen Album – läuft die Stimme von Arch Enemy-Frontschreihals Alissa White-Gluz leider nur ab Band. Aufgrund der Erlebnisse während der Tarja-Show am diesjährigen W:O:A hatte ich die leise Hoffnung, den blauen Wirbelwind allenfalls auch heute live im Duett mit Tarja auf der Bühne zu erleben. Es hat jedoch nicht sollen sein. Schade.

Keine erkennbare Spur von einem Diven-Gehabe. Ich zähle an diesem Abend nur zwei Outfitwechsel. Zudem trägt Tarja ständig ein breites Lächeln im Gesicht und sucht immer wieder den Dialog mit dem Publikum, um sich für dessen Unterstützung zu bedanken. Spielfreude par excellence.

Absolutes Highlight ist die Komposition «NW Medley» – eine Mischung aus diversen, älteren Nightwish-Songs. Meine Gehörgänge erkennen die Melodien von «Ever Dream», «Slaying The Dreamer», «The Riddler» und «Tutankhamen». Mit dieser Nummer trifft Tarja bei mir und auch dem Rest des Publikums voll ins Schwarze. Ekstase pur. Die Menge singt munter mit. Für einen kurzen Augenblick werden die alten Nightwish-Momente wieder zum Leben erweckt. Eine echte Machtdemonstration des finnischen Stimmwunders. Einfach nur genial.

Danach folgt ein kleiner Ausflug in die Akustik-Welt. Tarja und Band nehmen auf Stühlen Platz und geben ein ruhigeres Nümmerchen zum Besten. Die Gruppe sieht aus, als hätte sie sich für eine kleine Jam-Session um ein Lagerfeuer versammelt. Dem Publikum bieten sie so auf jeden Fall optimale Foto-Sujets (Anm. von pam: Unvergessen, als Tarja und ihre Jungs vor ein paar Jahren die letzte Akkustik-Session dieser Art mitten im Publikum/Mosh-Pit ohne Security, ohne Absperrung machten … so viel zum Thema Diva …).

Im Zugaben-Teil haut Frau Turunen dann mit «Innocence», «Die Alive» und «Until My Last Breath» nochmals ein paar sackstarke Hymnen raus. Ihre Stimme weist nach wie vor keine Schwächen auf. Die hohen Töne sitzen perfekt. So schnell werde ich mein Hühnerhaut-Feeling heute wohl nicht mehr los.

Fanzit

A night to remember! Ein bahnbrechender Auftritt von Frau Turunen. Das Publikum und der Verfasser dieses Reviews sind verzaubert und mehr als nur zufrieden. Ganz grosses Kino. Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen.

Glücklicherweise konnte ich dank meines «motorisierten» Kollegen die ganze Show in vollen Zügen geniessen. Ich wäre heute definitiv nur widerwillig in Richtung letzter Zug gerannt. Da hätte ich vorher wohl eher im Z7 selbst übernachtet.

Am Ende stört mich eigentlich nur die Tatsache, dass ich Tarja nie zusammen mit Nightwish und somit in Original-Besetzung live erleben durfte. Eine nervige Lücke in meinem sonst so dichten Konzert-Palmarès. An dieser Stelle sei folgende Abschlussfrage erlaubt: «Nightwish, weshalb zur Hölle habt ihr Tarja damals gehen lassen bzw. rausgeworfen?» (Anm. von pam: Sehr gut Frage. Ich hatte das Glück Tarja – u.a. auch „Open-Air“ beim Z7 – mehrere Male mit Nightwish zu erleben … das war was vom Genialsten überhaupt. Wenn doch Dickschädel Tuomas nur über seinen Schatten springen würde … nur noch einmal).

Setliste Visions Of Atlantis

  1. At The Back Of Beyon
  2. Lost
  3. Seven Seas
  4. Winternight
  5. New Dawn
  6. Passinig Dead End

Setliste Tarja

  1. No Bitter End
  2. 500 Letters
  3. Eagle Eye
  4. Demons in You
  5. Lucid Dreamer
  6. The Living End
  7. Calling From The Wild
  8. Supremacy
  9. NW Medley
  10. Acoustic-Part
  11. Love To Hate
  12. Victim Of Ritual
  13. Too Many
  14. Innocence
  15. Die Alive
  16. Until My Last Breath

Fotos von pam


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 20.10.2016
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