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So, 11. Dezember 2016

A Night With Blind Guardian

Z7 (Pratteln, CH)
14.12.2016

Blind Guardian liefern das Konzert des Jahres? Durchaus möglich!

Vor knapp 20 Monaten spielten Blind Guardian eines der ersten Konzerte im Rahmen ihrer „Beyond The Red Mirror“ Tour im Z7. Am 11. Dezember 2016 ist nun das Ende erreicht und die Krefelder bitten dafür noch einmal zum Tanz. Welcome to „An Evening With Blind Guardian“!

In einer Videobotschaft hat Sänger Hansi Kürsch einen ganz speziellen Abend versprochen. Lange soll er dauern und zudem wird das ganze „Imaginations From The Other Side“ Album gespielt. Was für Vorzeichen! Eine Vorgruppe ist auch nirgends irgendwo in Sicht – und wenn ich ehrlich bin, find ich das in diesem Fall sogar richtig gut so… Allerdings staune ich schon etwas, dass kurz vor dem offiziellen Beginn um 19h die Halle kaum zur Hälfte gefüllt ist. Das sollte sich zum Glück dann aber noch ändern – wäre ja schlimm, wenn man mit diesem Programm das Z7 nicht vollbringen würde!

Intro

Die Bühne ist leer. Also fast. Schlagzeug und Podeste mit Keyboard und für den Basser stehen da, Mikroständer ebenso. Doch sonst? Nix. Kein Backdrop, keine sonstige Bühnenaufbauten – nix! Es ist offensichtlich: heute steht bei Blind Guardian nur die Musik im Zentrum, auf alles andere Brimborium und jeglichen Firlefanz wird verzichtet.

Die Deutschen haben in all den Jahren unzählige grossartige Songs geschrieben. Sehr viele davon sind mit der Zeit auch schon live gespielt worden. Auch die neun Klassiker vom besten BG Album „Imaginations From The Other Side“ hat man in all den Jahren schon erleben dürfen – aber heute gibt’s das ganze Album am Stück! Doch zuerst sind noch andere Nummern an der Reihe. Und so beginnt der Abend standesgemäss und eigentlich wie erwartet. „The Ninth Wave“ markiert den Einstieg, direkt gefolgt von „Welcome To Dying“ und dem unvermeidlichen „Nightfall“. Was sofort auffällt: die Band ist in einer unglaublichen Verfassung! Die Jungs geniessen diesen speziellen Auftritt sichtlich und was Hansi bereits jetzt aus seiner Stimme holt, ist echt kaum zu fassen!

Nach „Fly“, dem einzigen Song, der irgendwie fast wie ein Fremdkörper wirkt, folgt eine erste Überraschung in der Setlist: „Time What is Time“ vom 92er „Somewhere Far Beyond“ Album hat man in der Schweiz (wenn überhaupt) schon lange nicht mehr vor den Latz geknallt bekommen und für mich persönlich ist’s grad auch die Premiere. Gerne mehr davon! Am liebsten gleich noch den Titeltrack… Doch auf den müssen die Fans – ich nehm’s vorweg – leider auch heute verzichten.

Imaginations From The Other Side

Und dann ist es soweit. Licht aus und zu einem Intro werden verschiedenste Drachenfiguren auf den grossen Vorhang projiziert. Mit dem ersten Schlagzeug Ton fällt dieser Vorhang und zum Vorschein kommt ein riesiges Backdrop mit dem „Imaginations“-Cover. Was jetzt folgt ist kaum mehr in Worte zu fassen…

Eines der besten Alben aller Zeiten, das beste Album der Krefelder, ein Göttersong jagt den nächsten. Mir stellen sich immer mal wieder sämtliche Haare auf, das ist der schiere Wahnsinn. Die Fans im wohl nahezu ausverkauften Z7 feiern Titel wie „Script For My Requiem“ (Hallo, Pam…!), „Mordred’s Song“, „Bright Eyes“ oder mein persönlicher Lieblingssong „And The Story Ends“, während dem Hansi zu absoluter Höchstform aufläuft. Der nimmt heute aber sowas von Null Rücksicht auf seine Stimme, singt und schreit rau, aggressiv und kompromisslos! Ist ja die letzte Show der Tour, da kann man das wohl machen – und verdammt, das tönt alles unglaublich geil! Und neben ihm zaubern die Gitarrenhelden André Olbrich und Marcus Siepen ein geiles Solo nach dem anderen aus ihren sechs Saiten. Frederik Ehmke und Barned Courbois liefern das Fundament zusammen mit Tastenmann Peter Schüren. Es gibt kaum genug Superlativen, welche man hier verwenden könnte – Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn! Denn auch der Sound ist schlicht perfekt: glasklar und eine angenehme Lautstärke. Was nicht heissen soll, dass es leise ist!

Zugaben

Blind Guardian sind zum Glück bekannt für ausgedehnte Zugabenblöcke. Und so nimmt es natürlich kaum einer ernst, als Hansi Kürsch nach knapp 90 Minuten mit besagtem „And The Story Ends“ den letzten Song ankündigt. Der nächste Teil der Show startet wieder wie erwartet: das Intro „War Of Wrath“, gefolgt vom Klassiker „Into The Storm“. Und auch hier wieder: sagenhaft, was Hansi aus seinen Stimmbändern herausholt! Und gleich die nächste Überraschung – ebenfalls vom „Nightfall In Middle Earth“ Album gräbt die Band „The Curse Of Feanor“ aus. Ein Song, der nun wirklich auf die Liste „Äusserst selten live gespielt“ gehört. Und das wird auch im Publikum dementsprechend gefeiert. Ruhig wird’s dann für einen Moment bei „Lord Of The Rings“, laut dafür bei „Valhalla“ – da singt bis ganz hinten praktisch jeder lauthals mit. Sehr beeindruckendes Ende nach knapp zwei Stunden!

Ende? Man könnte es fast meinen, denn es sind doch einige Leute, die sich bereits auf den Weg nach draussen machen. Dabei ist es noch nicht mal halb zehn, hallo? Und klar, das wirkliche Ende lässt noch auf sich warten! Denn es folgt noch mehr – als erstes ein weiterer Übersong: „Sacred Worlds“, womit auch das „At The Edge Of Time“ Album heute vertreten ist. Von Langeweile keine Spur und Hansi sieht das auch völlig richtig: das Publikum hat noch lange nicht genug und wirklich müde ist noch keiner… Etwas Walzermusik aus den Tasten von Schüren, dann packen die Jungs den Knüppel aus: „Majesty“! Ultraschnell, und doch sitzt jeder Ton. Sehr, sehr geil!

So, und jetzt alle die Handys hoch – das Ende naht: André und Marcus schnappen sich die Akustik-Klampfen, Hansi stimmt an: „Now you all know“ – und der Hinterste und Letzte antwortet „The Bards and their Songs!“ Ballade hin oder her: „The Bard’s Song“ ist wohl für immer und ewig einfach ein Highlight einer jeden Blind Guardian Show. Ähnlich wie bei Maiden’s „Fear Of The Dark“: nicht unbedingt der allerbeste Song der Band, aber Live schlicht und einfach kaum zu toppen! Wer’s nicht glaubt, findet sicher genügend Beweismaterial in Form von zig verwackelten und übersteuerten Videoclips, die von Dutzenden Leuten gemacht werden…

Nach fast zweieinhalb Stunden ist Schluss mit „Mirror Mirror“. Geplättet, völlig durch den Wind, fast fassungslos steh ich da und bin einfach nur begeistert ob der Performance, welche Hansi, André, Marcus, Frederik, Barend und Peter hier an den Tag (resp. Nacht) gelegt haben. Und wenn ich so rumschaue, geht’s wohl praktisch jedem in der Halle gleich…

Fanzit

Minutenlanger Applaus begleitet Blind Guardian von der Bühne. Eine Band, die heute unwiderstehlich war, eine Band die heute gezeigt hat, WER die Nummer 1 in Deutschland ist! Gegen eine solche Macht kann auch objektiv betrachtet kaum einer anstinken. Zumal sich die Krefelder in einer Form zeigten, in der selbst ich sie noch kaum je sah. Und es war beileibe nicht mein erster Besuch bei ihnen…
Wenn man dennoch das Haar in der Suppe suchen möchte, dann findet man es auch. Die eine oder andere zusätzliche Überraschung in der Setlist wäre schick gewesen, und dass „A Night At The Opera“ wieder sträflichst links liegengelassen wird, ist schon schade. Aber das alles wird natürlich problemlos kompensiert mit dem 10-Punkte Album „Imaginations From The Other Side“! Was unter dem Strich somit problemlos für einen Podestplatz in der Kategorie „Bestes Konzert 2016“ reicht!

Setlist

  1. The Ninth Wave
  2. Welcome To Dying
  3. Nightfall
  4. Fly
  5. Time What is Time
  6. Imaginations From The Other Side
  7. I’m Alive
  8. A Past And Future Secret
  9. The Script For My Requiem
  10. Mordred’s Song
  11. Born In A Mourning Hall
  12. Bright Eyes
  13. Another Holy War
  14. And The Story Ends
  15. War Of Wrath (Intro)*
  16. Into The Storm*
  17. The Curse Of Feanor*
  18. Lord Of The Rings*
  19. Valhalla*
  20. Sacred Worlds**
  21. Majesty**
  22. The Bard’s Song**
  23. Mirror Mirror**

*Zugabenblock 1
**Zugabenblock 2


Wie fandet ihr das Konzert?

14.12.2016
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