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Fr, 25. November 2016

THY SHADE – The Last Goodbye

Opera Metal, Symphonic Metal
12.12.2016

In der Tat, die Kombination zwischen Klassik und Symphonic Metal ist jetzt nicht gerade eine komplett unbekannte Geschichte. Aber Thy Shade liefern mit ihrem Debüt-Silberling «The Last Goodbye» ein solch starkes Album ab, dass man die Truppe nichtsdestotrotz inskünftig zwingend auf dem Schirm haben muss.

Intro

Thy wer? Überrascht und gleichwohl interessiert nahm ich mich der Aufgabe an, das Erstlingswerk der US-amerikanischen Symphonic Metal-Band Thy Shade zu beurteilen. Bei der Band handelt es sich um ein Projekt der Sopranistin Diana Shade. «The Last Goodbye» – so lautet der Albumtitel – wurde am 25. November via Massacre Records veröffentlicht. Damit bin ich wissenstechnisch jedoch bereits am Ende. Somit kann ich mich total unbelastet in die Songs hineinstürzen.

Das Album

Den Auftakt macht das 72 Sekunden lange «Prelude». Ein durchaus vollbepacktes Intro mit breitem Klang-Spektrum. Bereits hier wird die Mischung zwischen Klassik- und Metal-Elementen erstmals angedeutet. Eventuell ein erster Hinweis auf die restlichen Melodien des Albums? Finden wir es heraus.

«Change» startet direkt ziemlich temporeich, ehe Dianas Stimme den Hörer in ihren Bann zieht. Die Dame kann definitiv singen. Mit diesem Stimmorgan muss sie sich keinesfalls hinter irgendwelchen Genre-Kolleginnen (wie beispielsweise Simone Simons oder Dianne van Giersbergen) verstecken. Ein paar gelungene Gitarren-Soli wurden ebenfalls noch eingebaut. Ein sehr solider Track. Der Titel-Track kommt dagegen eher gemächlich daher. Dafür erleben wir das gesamte Spektrum von Dianas Stimmlagen. Ihre klassische Gesangsausbildung ist deutlich hörbar. Diese Opern-Gesangspassagen zählen im Symphonic Metal seit jeher zu meinen Favoriten. Und die gute Diana hat wie bereits weiter oben erwähnt einiges auf dem Kasten. Am besten lässt sich dieser Song wohl mit einem Gläschen Rotwein geniessen.

Die nächste Nummer hört auf den Namen «Fantasy» und kommt wieder mit mehr Speed um die Ecke. Mir persönlich ist die ganze Geschichte jedoch ein wenig zu poppig angehaucht und wirkt phasenweise leider ziemlich eintönig. Wirklich fantasievoll ist das nicht.

Bei «Adagio» heulen zu Beginn die Gitarren. Kurz darauf kommt dann auch noch Chorgesang zum Einsatz, der dem Song eine epische Note verleiht. Diana erhält zusätzlich noch männliche Gesangsunterstützung. Leider konnte ich die Identität des Herren nicht lüften. Sein Tenor-Gesang und Dianas Sopran-Stimme harmonieren allerdings prächtig. So klingt es also, wenn Klassik und Metal aufeinandertreffen und zu einem grandiosen Ganzen verschmelzen. Chapeau!

Song Nummer sechs – «Final Chapter» – besticht durch markante Keyboard-Parts und ordentlich Tempo. Diesen Track muss Diana ebenfalls nicht alleine bestreiten. Dieses Mal holt sie sich allerdings einen Shouter/Growler mit ins Boot. Ähnlich wie bei der Tenor-Unterstützung zuvor im Song «Adagio» punktet auch diese Kombination auf ihre Art. Unglücklicherweise ist mir auch der Name dieses Herrn nicht bekannt. Das tut der Song-Qualität jedoch keinen Abbruch.

«O Divine Redeemer» nimmt erneut etwas Tempo raus und gibt so Gelegenheit für eine Verschnaufpause. Gebannt lauscht man den mitreissenden Klängen von Dianas Stimme. Ich bin so in Trance versetzt, dass ich kaum weiterschreiben kann. Hammer! Hier gewinnen erstmals die Klassik-Elemente leicht Überhand. Ein Nachteil ist dies allerdings überhaupt nicht. Ich könnte Diana wohl locker noch stundenlang zuhören.

Mein lieber Schwan. Auch bei der nächsten Nummer katapultiert Diana ihre Stimme wieder in luftige Höhen. Und ihr «Tenor-Freund» mischt ebenfalls wieder mit. «Dies Irae» überzeugt nicht durch Schnelligkeit, sondern epische, fantastische Stimmgewalt. Zugegebenermassen bin ich in Sachen Klassik eher mit bescheidenem Wissen ausgestattet. Mir ist jedoch bekannt, dass «Dies Irae» bereits diverse Male vertont oder verwendet worden ist. Anhänger der moderneren Zeit müssten in Film-Soundtracks von «Herr der Ringe» oder «Pirates Of The Caribbean» auf diese Melodie gestossen sein. Und auch in unserer geliebten metallischen Musik finden sich immer wieder moderne Vertonungen des Textes. So haben beispielsweise schon Rage, Epica oder Bathory den Text neu verpackt.

Die beiden nächsten Tracks «Bring The Light Back» und «Inneggiamo» halten die Plattenqualität weiterhin auf konstant sehr hohem Niveau. Insbesondere «Inneggiamo» sorgt gehörig für Hühnerhaut-Momente. Diana mutiert hier zur ultimativen Opernsängerin. Wunderschön! Scheint mir auch ein bereits existierendes Nümmerchen aus der Klassik zu sein, bei dem sich Thy Shade da bedient haben. Der Komponist ist mir jedoch nicht bekannt.

Einer geht noch? Absolut. Mit «Pie Jesu» sind wir bei Song Nummer 11 und damit dem Finale des Albums angelangt. Lassen wir uns fallen und von Dianas Stimme durch diesen ruhigen Abschluss tragen. Keine Hast. Nochmals ist einfach nur zuhören und geniessen angesagt. Wow!

Fanzit

In der Tat, die Kombination zwischen Klassik und Symphonic Metal ist jetzt nicht gerade eine komplett unbekannte Geschichte. Aber Thy Shade liefern mit ihrem Debüt-Silberling «The Last Goodbye» ein solch starkes Album ab, dass man die Truppe nichtsdestotrotz inskünftig zwingend auf dem Schirm haben muss. Diana Shade hat ein durchaus interessantes und hörenswertes Projekt auf die Beine gestellt. Einer der Hauptgründe für die hohe Qualität der Platte ist definitiv ihr mächtiges Stimmorgan. Möge sie niemals heiser werden. Bleibt zu hoffen, dass es nicht nur bei diesem Erstlingswerk bleiben wird und wir noch viele Jahre mehr über diese Band sprechen dürfen.

Anhänger von schnellem «Bombast-Symphonic Metal» sollten allerdings die Finger von der Scheibe lassen. Diese Platte ist eher etwas für die Geniesser unter euch. Teilweise muss man sich hinsetzen oder gar hinlegen, um die volle Wirkung der einzelnen Songs zu spüren bekommen.

Ich hoffe sehr, dass wir Thy Shade in Bälde einmal bei uns in der Schweiz begrüssen dürfen. Passende Locations wären ja genügend vorhanden. Da wird «The Last Goodbye» dann schon viel eher zu einem «Herzlich Willkommen».

Trackliste THY SHADE – The Last Goodbye

  1. Prelude
  2. Change
  3. The Last Goodbye
  4. Fantasy
  5. Adagio
  6. Final Chapter
  7. O Divine Redeemer
  8. Dies Irae
  9. Bring The Light Black
  10. Inneggiamo
  11. Pie Jesu

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Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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12.12.2016