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Metalinside.ch - Eluveitie - Elu & Friends Z7 Pratteln 2017 - Foto pam
Fr–Sa, 6.–7. Januar 2017

ELUVEITIE & FRIENDS VI – Eluveitie, Saltatio Mortis, Sodom, Varg, Gurd u.v.m.

Z7 (Pratteln, CH)
/ 11.01.2017
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Stronger than ever!

(Dutti) Das Konzertjahr 2017 eröffne ich mit dem Eluveitie & Friends-Festival im Z7 in Pratteln. Die bereits sechste Ausgabe dieser Veranstaltung wird erstmals während zweier Abende durchgeführt. Dazu haben Eluveitie diverse Gäste eingeladen und es ordentlich krachen lassen. Weitere Details entnehmt ihr dem nachfolgenden Festival-Review.

TAG 1 (Freitag, 06.01.2017) – ELUVEITIE, SALTATIO MORTIS, KOENIX, IRIJ

An dieser Stelle möchte ich euch gerne nachträglich ein heavy 2017 wünschen. Ich hoffe, dass ihr alle euren Silvester-Kater überlebt habt und nun für die neue Konzert- und Festival-Saison bereit seid. Ich starte meine 17er-Tournee heute Abend in Pratteln beim Eluveitie & Friends-Festival in Pratteln. Bereits zum sechsten Mal laden Chrigel und Co. zu ihrer eigenen kleinen Party. Für den ersten Sausen-Abend habe sich Saltatio Mortis, Koenix und Irij als Gäste beziehungsweise «Friends» angekündigt.

Eluveitie gehen mit ihrem Festival gerne jeweils ein wenig auf Wanderschaft. Ich persönlich würde die ganze Geschichte gerne wieder einmal in Winterthur – sowohl die Heimatstadt von Elu als auch meiner Wenigkeit – erleben. Stattdessen führte mich die Reise schon nach Frauenfeld, Wetzikon und heute Abend nun nach Pratteln, in das mir nicht ganz unbekannte Z7. Regelmässig erhalten auch junge oder unbekannte Truppen bei diesem Event einen Slot und können sich so einem grösseren Publikum präsentieren. Mir sind da beispielsweise von vergangenen Eluveitie & Friends-Festivals insbesondere die Auftritte der deutschen Pagan-Gruppe Odroerir oder der Zürcher Metal-Jünglinge Atropas in Erinnerung geblieben. Ich bin gespannt, ob sich meine Band-Sammlung auch am heutigen Abend erweitern wird. Von den Acts des Abends sind mir nämlich nur Saltatio Mortis und die Gastgeber selbst bekannt.

Winterliche Stimmung und «Arsches-Kälte» in Pratteln. Da wird das Anstehen in der Warteschlange vor dem Tickethäuschen oder dem Eingang schnell einmal zum Überlebenskampf. Allerdings verleiht der am Boden liegende Schnee der Landschaft eine durchaus idyllische Atmosphäre. Der Hotspot des Abends scheint die Garderobe zu sein. Auch hier bildet sich bereits ein hübscher Menschenwurm. Beim Anstehen vernehme ich dann die ersten lauteren Klänge aus dem Halleninnern. Mist, dann haben Irij wohl schon angefangen. Jetzt aber rasch den Mantel abgeben und rein ins Vergnügen.

À propos Kälte. An diesem Wochenende läuft parallel ebenfalls noch das Ice Rock-Festival in Wasen im Emmental. Wie ich den Aussagen einiger «Überlebender» des ersten Festival-Tages entnehmen konnte, herrschten dort gar noch eisigere Temperaturen. Für Metalinside war unser Kaufi vor Ort und somit überlasse ich detaillierte Erlebnis-Schilderungen selbstverständlich seinem Bericht.

IRIJ

Drinnen stehen die Leute offenbar noch ein wenig planlos herum. Nur die wenigsten richten ihre Blicke gegen die Bühne. Ich mache selbstverständlich erstmals den obligaten Abstecher zur Bar und decke mich mit meiner ersten Z7-Blondine im neuen Jahr ein. Anständig wie ich bin wünsche ich meiner Favoriten-Bar-Maid noch «ä guets neus» und begebe mich danach zu meiner Säule. Den alten Pfosten habe ich schliesslich auch schon lange nicht mehr gesehen. Aber kommen wir nun zur ersten Darbietung des Abends und damit zum Treiben auf der Bühne.

Irij sind eine Electro Folk Rock Band rund um Ex-Eluveitie Geigerin Meri Tadic. Ganze elf Jahre lang Meri Mitglied von Eluveitie. Sozusagen war sie von Anfang an dabei. Ende 2013 folgte dann die Trennung und seither widmet Meri sich neuen Projekten. Dazu gehört auch die Band Irij, mit der sie nun auf der Bühne steht.

Wenn ich den «Coca Cola»-Vergleich ins Rennen schicken darf, klingt das Ganze nach Eluveitie-Light oder gar Eluveitie-Zero. Wer in seiner Freizeit gerne Bäume umarmt, dürfte mit dem Sound von Irij bestens bedient sein. Das Publikum lässt jedenfalls jegliche Euphorie vermissen. Gelegentliche Sound-Schwierigkeiten versprechen ebenfalls nicht gerade Besserung. Irij könnte ich mir auch problemlos aus gewisse Distanz, in einer Wiese liegend, anhören. Da braucht es nicht zwingend eine Konzerthalle dazu. Einige brauchbare Ansätze sind zwar vorhanden, aber der Funke will trotzdem nicht rüber springen. Meri ist äussert aktiv unterwegs. Mal am Keyboard, mal am Mikro und mal einfach mit ihrer Geige in der Gegend herumlatschend. Mit einer durchaus sympathischen Anekdote verabschiedet sie sich schliesslich von uns: «Unsere CDs findet ihr am Merch-Stand und mich findet ihr an der Bar».

KOENIX

Komplett anderes Publikumsbild dann beim Auftritt der Berner Mittelalter Truppe Koenix. Mit ihren mitreissenden Melodien ziehen sie die Hörerschaft umgehend in ihren Bann. Da wird während des gesamten Auftritts fleissig geklatscht und getanzt. Grosses Kino, wie die Jungs die ganze Halle zum Feiern animieren. Sackpfeifen, Laute, Drehleier etc. Koenix zeigen uns die ganze Vielseitigkeit der mittelalterlichen Instrumente. Bemerkenswert ist zudem, dass sie eigentlich komplett ohne Gesang auskommen. Gelegentliche Rufe ins Publikum bleiben die einzige Aktivität am Mikrofon. Ausserdem haben Koenix doch tatsächlich eine Pyro-Show am Start. Not bad! Im Z7 habe ich schon ewig keine Pyro-Elemente mehr erlebt. Soundtechnisch klingen die Herrschaften wie Saltatio Mortis in ihren Anfängen oder Corvus Corax. Koenix sind an sogenannten Mittelalterlich Phantasie Spectaculum- Events (MPS) sicherlich bereits ein Renner. Heute Abend beweisen sie sich allerdings auch in der Welt der «normalen» Konzertbühnen. Nach 50 Minuten Spielzeit lassen die Jungs ein ziemlich schweissgebadetes Publikum zurück. Ein überzeugender Auftritt. Für mich persönlich ein erstes Highlight des diesjährigen Eluveitie & Friends-Festivals.

SALTATIO MORTIS

Kurz vor dem Auftritt des nächsten Acts befinden sich mit Abstand die meisten Leute in der Halle. Es scheinen einige Saltatio Mortis-Anhänger anwesend zu sein. Zumindest die zahlreichen SaMo-Shirts sprechen eine deutliche Sprache. Ich persönlich habe die deutschen Mittelalter-Totentänzer noch nie live erlebt und bin gespannt, wie die Spielmänner auf mich wirken werden.

Um 20.20 Uhr betreten Saltatio Mortis dann schliess die «Spielwiese». Mit acht Mitgliedern wird es gleich ziemlich voll und eng auf der Bühne. Die Herrschaften lassen sich davon allerdings nicht wirklich beirren. Frontmann Alea sticht einem sofort ins Auge. Mit seinem weissen Outfit hätte er allerdings auch gerade so gut in einer Boygroup mitmischen können. Doch bereits beim zweiten Track entledigt er sich seiner Weste und entblösst seinen muskelbepackten Oberkörper. In Sachen «Kraftwürfel» hat die Schweizer Fussball-Nati Xherdan Shaqiri und Saltatio Mortis haben eben diesen Alea. Stillstehen kennt der Typ überhaupt nicht. Wie ein Gummiball hüpft er die ganze Zeit auf der Bühne herum. Für mich bleibt der Sixpack-König jedoch Oli Herman von Reckless Love. Offenbar standen am heutigen Abend bisher definitiv zu wenig Frauen auf der Bühne. Sonst würde ich mich ja wohl kaum die ganze Zeit freiwillig über Männer-Oberkörper unterhalten. Auch für einen Ausflug ins Publikum ist sich Alea nicht zu schade. Das Stagediving übersteht er souverän und ohne Schrammen. Ja, auch die Samenspender… äh sorry… Saltatio Mortis liefern eine ordentliche Show ab. Allerdings meine ich, dass die Stimmung bei Koenix noch ein wenig näher am Siedepunkt dran war. Für den Lacher des Abends sorgt schliesslich Alea. Beim Verlassen der Bühne verwechselt er das Männer-Klo doch tatsächlich mit Eingang des Backstage-Bereichs. Ein aufmerksamer Security-Mitarbeiter bewahrte den offenbar leicht verpeilten Sänger glücklicherweise vor der sicheren Urin-Hölle.

ELUVEITIE

Um Punkt 22 Uhr steht schliesslich der Höhepunkt des Abends auf dem Programm. Es wird Zeit für den Auftritt der Gastgeber. Die Wiedergeborenen Folk-Metaller präsentieren sich heute erstmals in neuer Zusammensetzung Kay Brem (Bass), Rafael Salzmann (Gitarre), Michalina Malisz (Drehorgel), Nicole Ansperger (Geige), Chrigel Glanzmann (Gesang, Flöte, Mandola, Dudelsack, Bodhran), Fabienne Erni (Gesang, Harfe, Mandola), Matteo Sisti (Flöte, Dudelsack, Mandola), Alain Ackermann (Schlagzeug) und Jonas Wolf (Gitarre). Wie sich das neue Team schlagen?

Chrigel pfeift ziemlich früh auf das auf dem Veranstaltungs-Flyer versprochene Akustik-Set. Er möchte heute lieber mehr Metal spielen. Das Publikum bejubelt diese Entscheidung und auch meine Wenigkeit hat überhaupt nichts dagegen einzuwenden. Trotzdem wollen sich offenbar nicht alle Elu antuen. Bei Saltatio Mortis hatte es deutlich mehr Publikum. Aber Chrigel und Co. lassen sich die eigene Party dadurch keinesfalls vermiesen. Besondere Aufmerksamkeit gilt heute der Dame an der Harfe, die ebenfalls für die weiblichen Gesangspassagen zuständig ist. Die Rede ist von Fabienne Erni. Sicherlich ist sie keine Anna Murphy, aber mich überzeugt sie trotzdem. Ich finde ihren Gesang sehr angenehm und ihre Stimme passt hervorragend zu Eluveitie. Nun ist die Zeit der missratenen Experimente – wie beispielsweise den Einsatz von Liv Kristine am letztjährigen Wacken Open Air – vorbei. Liv ist ohne Zweifel eine bärenstarke Sängerin. Aber ihr Stimmchen ist mir zu weich für Elu. Zudem wirkte sie an Wacken alles andere als textsicher. Keine Ahnung, ob man sie fünf Minuten vor Auftritt spontan zur gemeinsamen Zusammenarbeit aufgefordert hat. Aber egal. Lassen wir das. Jetzt ist ja Fabienne an Bord – und das ist auch gut so.

Auch Herrn Glanzmanns Gesang präsentiert sich in Bestform. Bei den letzten Elu-Shows, die ich erlebt habe, wirkte er auf mich irgendwie ein wenig heiser. Heute sitzen die Schreie. Und auch seine Bandkollegen schaukeln ihre Instrumente souverän durch die heutige Setlist. Chrigel kann die Hörerschaft gar zu einer grossen «Wall Of Death» motivieren. Mein Highlight des Auftritts ist die Darbietung des Songs «Call Of The Mountains». Unglücklicherweise kann ich die schweizerdeutsche Version dieses Liedchens leider nicht mehr hören und bin dankbar, dass heute Englisch angesagt ist. Doch, Eluveitie machen auch in ihrer neuen Zusammensetzung riesigen Spass. Gerne wieder (und damit meine ich nicht nur morgen Abend).

FAZIT – Tag 1

Ein gelungener erster Tag des Eluveitie & Friends-Festivals geht zu Ende. Besonders überzeugend waren die Auftritte von Koenix und den Gastgebern selbst. Bei Eluveitie gilt ein speziell grosses Lob der neuen Dame am Gesang. Fabienne macht wirklich einen sehr guten Job.

Mit dem Nachtzug reise ich schliesslich zurück in die Heimat. Ein paar Stunden Schlaf sollten schliesslich noch möglich sein. Morgen folgt dann der metallischere Tag des Festivals und dazu werde ich sicherlich sämtliche Kräfte benötigen.

Setliste – Koenix

  1. Hurracán
  2. Dur Nacht und Wind
  3. Dampfwalzer
  4. Stärnemeer
  5. Arkadia
  6. Bi de Fahrende
  7. Wildwassertanz
  8. Sturm
  9. Summerching

Setliste – Saltatio Mortis

  1. Wo sind die Clowns
  2. Willkommen in der Weihnachtszeit
  3. Wachstum
  4. Des Bänkers neue Kleider
  5. Prometheus
  6. Früher war alles besser
  7. Idol
  8. Koma
  9. Nachts weinen die Soldaten
  10. Satans Fall
  11. Rattenfänger
  12. Eulenspiegel
  13. Worte
  14. Spielmannsschwur (mit Piano-Intro)

Setliste – Eluveitie (Freitag)

  1. Your Gaulish War
  2. Luxtos
  3. King
  4. The Call Of The Mountains
  5. Omnos
  6. Quoth The Raven
  7. Uis Elveti
  8. The Arcane Dominion
  9. Brictom
  10. Isara
  11. A Rose For Epona
  12. Thousandfold
  13. Nil
  14. Kingdom Come Undone
  15. Scorched Earth
  16. Havoc
  17. Tegernako
  18. Helvetios
  19. Inis Mona

TAG 2 (Samstag, 07.01.2017) – ELUVEITIE, SODOM, VARG, GURD, FINAL STORY

Noch ein wenig erschöpft vom Vorabend pilgere ich am heutigen Samstag nochmals nach Pratteln. Der zweite Tag des Eluveitie & Friends-Festivals steht an. Mit Sodom. Varg, GurD und Final Story haben sich Eluveitie heute laute und derbe Verstärkung geholt. Der Schnee scheint über Nacht ein wenig geschmolzen zu sein, aber das Z7 steht noch an seiner gewohnten Stelle. Am Tickethäuschen hole ich dann neben meinem Eintritts-Stempel noch den Fotopass für unseren Magazin-Chef Pam ab. Er wird leider wohl erst für die Show von Eluveitie vor Ort sein. Nichtsdestotrotz wird er sicherlich noch ein paar gelungene Aufnahmen für euch knipsen. Im Innern der Halle tue ich zuerst etwas gegen die trockene Kehle und wende mich dann der Bühne zu.

FINAL STORY

Um halb sechs übernimmt der erste Act des heutigen Abends das Kommando. Die aargauische Post-Hardcore Truppe heizt dem Publikum von Beginn an ordentlich ein. Synchron headbangende Gitarristen und aufsteigende Rauchsäulen sind die Show-Highlights. Leider treibt der Sound der Band die Boxen des Z7 ab und zu an ihre Grenzen, sodass wir ein mühsames «Gechrose» zu hören kriegen. Das anwesende Publikum kann mit der Energie von Final Story dummerweise nicht wirklich mithalten und verharrt im stoischen Black Metal-Modus.

GURD

Basler Thrash Metal steht als nächstes auf der Speisekarte. Seit 1994 hämmern GurD durch die Konzertsäle dieser Welt. Die Männer rund um Leader-Figur V.O. Pulver liefern zwar einen soliden Auftritt ab, können dabei aber trotzdem nicht vollends überzeugen. Auch bei ihnen wirkt das Publikum nicht wirklich aktiver. Zudem haben GurD mit gelegentlichen Sound-Problemen zu kämpfen. Auffallend sind die Bühnenplakate, die das Album-Cover des Silberlings «Fake» zeigen. Wir haben das Bild liebevoll «Monster-Zombie-Zungenkuss»-Porträt getauft.

VARG

Vom nächsten Act erhoffe ich mir da schon einiges mehr. Um 19.20 Uhr wird es nämlich Zeit für die deutschen Wolfs-Metaller Varg. Managarm, Freki, Hati, Fenrier und Skoll geben sofort Vollgas und sorgen erstmals am heutigen Abend dafür, dass auch das Publikum mitgeht und abfeiert. So soll es doch sein. Neben diversen Tracks des neusten Varg-Albums «Das Ende aller Lügen» bekommen wir auch ein paar ältere Highlights zu hören. «Naglfar», «Schwertzeit» und «Wir sind die Wölfe» sind schlichtweg oberstarke Hymnen der Wölfe. Mit ihren bemalten Gesichtern mögen Varg allenfalls furchteinflössend wirken, aber daran stört sich während ihres Auftritts niemand. Auch sie haben für kurze Zeit ein paar technische Probleme. Diese werden allerdings zackig behoben. Varg überzeugen definitiv und stellen so ihre überragenden Live-Qualitäten einmal mehr unter Beweis. Haltet schon einmal eure Augen und Ohren offen. Sie werden offenbar demnächst Daten und Orte für ihre diesjährige Wolfsfest-Konzertreihe bekanntgeben. Es würde mich keinesfalls überraschen, wenn auch ein Abstecher ins Z7 eingeplant wäre.

SODOM

Ein echter Klassiker der deutschen Metal-Szene belegt den nächsten Slot des heutigen Abends und sorgt wieder einmal für einen leichten Stilbruch. Es handelt sich um die Thrash Metal-Veteranen Sodom. Die Truppe rund um Aushängeschild Onkel Tom Angelripper knüppelt sich ohne grossartige Emotionen durch ihre Setlist. Solider Thrash Metal, der etliche Headbanger im Publikum hervorruft. Aufgrund von gelegentlichen Ausflügen an die Haus-Bar erlebe ich den Auftritt von Sodom nicht in seiner ganzen Pracht. Am Ende verlangt das Publikum lautstark nach einer Zugabe. Dieser Wunsch wird allerdings nicht erhört.

ELUVEITIE

Exakt wie am Vorband ist um 22 Uhr wieder «Elu-Time». Chrigel und Co. spielen ein ähnliches Set wie gestern. Erneut bekommen wir eine solide Headliner-Show zu sehen. Chrigel und Fabienne gefallen mir auch am heutigen Abend wieder ausgezeichnet. Zudem dürfen sich Eluveitie beim heutigen Auftritt an ein wenig mehr Publikum erfreuen. Ich sehe mir die ganze Sache für einmal nicht von meiner Säule, sondern vom hinteren Teil der Halle an. Diesen Platz kann ich durchaus empfehlen, falls man einmal nicht gerade Bock auf das grosse Getümmel hat und nicht bloss 120 Zentimeter gross ist.

Etwa in der Mitte der Show taucht dann endlich auch Pam auf und ich kann ihm seinen Fotopass überreichen. Seine Bilder des Abends werdet ihr euch wie gewohnt demnächst auf unserer Homepage beziehungsweise als Ergänzung zu diesem Bericht zu Gemüte führen können. Zudem hat Pam nach dem Auftritt noch eine Weile mit Mitgliedern der Band sprechen können. Wie er mir dann später verraten hat, wird es auf unserer Homepage auch schon bald ein exklusives Interview mit einem Eluveitie-Mitglied zu lesen geben. Weitere Details möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Stay tuned!

In der Menge erblicke ich gegen Ende des Eluveitie Auftritts dann ein mir vertrautes Gesicht. Ein blinder Metalhead, der mir schon an diversen Konzerten und Festivals aufgefallen ist. Ich habe auch schon mit ihm gesprochen, aber leider ist mir sein Name entfallen. Jedenfalls habe ich riesigen Respekt für ihn. Nur mit seinem Blindenstock bewaffnet geht seiner Leidenschaft nach und lässt sich nicht beirren oder aufhalten. That’s the true spirit!

Um 23.30 Uhr beenden Eluveitie ihren Auftritt und bedanken sich artig beim Publikum. Chrigel teilt uns mit, dass sich die Band nun eine Weile zurückziehen wird, um in Ruhe das neue Album «EVOCATION II» fertigzustellen. Ich freue mich schon sehr auf die neue Elu-Platte. Eine Albumkritik könnt ihr sicherlich zu gegebener Zeit auf metalinside.ch nachlesen.

FAZIT – Tag 2

Auch der zweite Tag des diesjährigen Eluveitie & Friends-Festival wusste mehrheitlich zu überzeugen. Speziell die Auftritte von Varg und Eluveitie waren sehr gelungen. Mich hat die Ausweitung des Events auf zwei Tage überhaupt nicht gestört. Es wurde uns ein abwechslungsreiches Programm geboten und das darf auch gerne bei künftigen Elu & Friends-Events so durchgeführt werden. Einigen Nörglern könnte es vor allem am zweiten Tag trotzdem zu viele Stilbrüche gehabt haben. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Es mag zwar nicht mehr viel Winterthur in Eluveitie stecken, aber ich bin trotzdem nach wie vor sehr stolz auf diese Band. Das neue Line Up ist definitiv kein Rückschritt, sondern macht Lust auf mehr. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe nun für eine Weile in dieser Konstellation zusammenbleibt und nicht wieder Opfer des Wechsel-Karussells wird.

Einen kleinen Kritikpunkt beziehungsweise Anregung hätte ich trotzdem noch. Bei Events mit grossem Publikumsandrang würde ich das Garderoben-Häuschen sinnvollerweise mit mehr als nur einer Mitarbeiterin bevölkern. Ich musste an beiden Abenden verhältnismässig lange auf meinen Mantel warten.

Fazit und Ausblick zu Eluveite von pam

(pam) Dann nehme ich den Faden doch auf, wenn Dutti schon alles verratet, wann ich nach dem Hockeyspielen ankomme, mit wem ich plaudere und so ;-). Aber ja, in der Tat bin ich nach dem Wink des Schicksals – oder genauer gesagt des Geigenbogens – nach dem Konzert von Elu noch ein bisschen in der Halle geblieben, um zuerst mit Nicole und dann etwas länger mit Chrigel zu plaudern. Von beiden habe ich sehr offene, bandinterne Informationen erhalten, die jedoch nicht alle für die Öffentlichkeit gedacht sind. Nur so viel, Chrigel war nicht immer so happy – verständlich – wie er in den Medien als Kopf von Elu dargestellt wird, der langjährige Bandmitglieder rausschmeisst. Das Ganze – und auch die zum Teil primitiven Reaktionen der «Fans» gingen ihm sehr nahe. An all die Möchtegern-Fans und die immer gleichen «Ich- Muss-auch-noch-einen-Kommentar-Abgeben-obwohl-ich-eigentlich-keine-Ahnung-Habe»: Chrigel ist alles andere als ein «geldgieriger Sack», der einfach so ehemalige Bandkumpels rauswirft. Bei Elu werden solche Entscheide demokratisch gefällt, was aber bei den letzten drei Abgängen bekanntlich ja nur bei einer Person nötig war. Die anderen gingen auf ihren Wunsch und auch im Guten. Wenn Chrigel mehr Kohle möchte, dann hätte er jetzt sicher nicht noch eine Musikerin mehr auf der Bühne und würde sicher auch nicht auf Folk Death setzen. Er hat auch nur positive Worte für Cellar Darling übrig und freut sich auf deren ersten Erfolge bzw. über deren gelungenen Sound. Auch wenn er könnte, will er nicht dreckige Wäsche waschen, einiges Klarstellen, dafür lieber mit dem neuen Line-up nach vorne schauen.

Und das kann er. Die Band und im Speziellen Chrigel hatten eine harte Zeit hinter sich. Die Erwartungen der Fans und auch die von ihnen selbst an die neuen Mitglieder waren sehr gross. Vor allem eine Anna ersetzt man nicht einfach so easy peasy. Chrigel hatte Dutzende Sängerinnen ins Studio eingeladen und ein X-Faches davon an Anfragen erhalten. Lange sah es sehr schwierig aus, jemanden zu finden, der ins Bandgefüge passt und auch eine entsprechende Stimme hat. Bis dann Jonas – einer der nicht mehr ganz Neuen – Fabienne, seine Studienkollegin an der Zürcher Hochschule der Künste, ins Spiel brachte. Und da war sofort klar, mit Fabienne hat man einen nicht mehr ganz rohen aber definitiv Diamanten gefunden. Chrigel meint euphorisch, sie hätte die beste Stimme im Metal nebst Floor Jansen. Das ist doch eine grosse Ansage. Doch wer sie an den beiden Festival-Tagen erlebt hat – oder wie ich nur gut eine Stunde – kann da schon ziemlich beipflichten. Aber mehr von und zu Fabienne gibt’s in Kürze nach einem Interview mit ihr.

Die anderen Neuen, sind nicht mehr ganz so neu. Waren sie doch alle schon länger mit Elu unterwegs. Vor allem Matteo schon seit mehr als einem Jahr, Jonas, Alain und auch Michalina haben schon einige Auftritte mit Elu hinter sich – u.a. auch in Wacken. Chrigel kommt auch über diese richtig ins Schwärmen. Tommy Vetterli – einer der technisch versiertesten Gitarristen (Coroner, Ex-Kreator) und Produzent von Eluveitie – weiss nicht, ob er Jonas hassen und bewundern soll. Hassen, weil er ihn an die Wand spielen könnte. Aber die Bewunderung überwiegt natürlich. Und der 23-jährige Alain ist eine nimmersatte Drum-Maschine. Gemäss Chrigel trommelt er von früh morgens bis abends spät auf allem Möglichen rum.

Die Zukunft für Elu ist also besser denn je – wer hätte das nach den doch schockierenden News Anfangs 2016 gedacht. Die Band ist auch wieder mehr eine Familie. Man sah dies schon während deren Auftritt. Ich hatte die Jungs und Mädels vorher noch nie so erlebt – laufend haben sich zwei Grüppchenweise auf der Bühne gefunden, um gemeinsam abzurocken. Matteo hängte u.a. bei Jonas während einem ganze Song ein (siehe Foto). Speziell dann auch Nicole und Chrigel nach dem Konzert. Beide mit einem Dauersmile. Vor allem Chrigels Augen leuchteten und er strahlte beim Gespräch wie ein Maienkäfer, während er früher oft ein bisschen Müde und abgekämpft wirkte. Ich glaub, die neuen Jungen lassen den Übervater des Folk Death richtig neu aufblühen. Also keine Spur von Übersättigung durch die ewigen Touren der letzten Jahre. Eluveitie sind zurück – falls sie denn überhaupt mal weg waren, als eigentlich ja nie. Stronger than ever, um es in der Sprache bzw. Albumtitel einer anderen legendären Schweizer Metalband aus den 70ern zu sagen.

Und während meinem gut einstündigen, lockern Gespräch mit Chrigel über dies und das, war spannend zu erleben, wie die Fans mit einer gewissen Schüchternheit aber auch Erwartungen an Chrigel ran treten. Einer von ihnen kam z.B. extra aus Moskau für das Elu & Friends. Chrigel erkannte ihn aus Shows in Russland. Der Junge hatte für alle Bandmitglieder eine Tafel Schokolade aus seiner Heimat mitgebracht – diese dann auch noch alle mit einem Foto des jeweiligen Bandmitglieds versehen. Der andere kam extra aus Lyon und erwartete natürlich, dass Chrigel bzw. Eluveitie ihm das Gleiche tun und ihn bzw. Lyon einen Besuch abstatten werden.

Schön zu sehen, dass unser aktuell grösster und erfolgreichster Metal-Export und -Botschafter in der Person von Chrigel, so auf dem Boden geblieben ist. Zugänglich für Fans und Metalinsider wie mich – wobei, ich in erster Linie einfach auch ein Fan von Elu bin. Und nach dem heutigen Abend noch ein bisschen mehr als vorher. Wenn das denn überhaupt möglich war. Danke Elu, danke Chrigel!

Fotos von pam (leider nur Elu und nur aus dem Publikum)

Fotos von Gastfotograf Daniel Strub, www.great-moments.ch


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