Metalinside.ch - Grave Digger - Z7 Pratteln 2017 - Foto Kaufi
Fr, 27. Januar 2017

Grave Digger, Mystic Prophecy, Victorius

Z7 (Pratteln, CH)
30.01.2017

Etwas Power Metal gefällig? Bitte sehr – ein tolles Package bittet im Z7 zum Tanz!

Drei Bands, die einerseits sicherlich die gleiche Zielgruppe ansprechen und doch unterscheiden sie sich markant. Da sind die jungen Victorius mit ihrem High Speed Power Metal. Da sind die gestandenen Mystic Prophecy mit ihrem stampfenden, schnörkellosen Sound. Und da sind Grave Digger, die das ganze Genre mitbegründet haben. Dieses sehr geschmackvoll zusammen gestellte Billing verspricht jedenfalls viel Spass!

Victorius

Die Leipziger Victorius haben den Auftrag, den Abend zu eröffnen und dem Publikum etwas einzuheizen. Mit dem neuen Album „Heart Of The Phoenix“ in der Hinterhand, müsste das auch einigermassen problemlos zu schaffen sein. Los geht’s mit dem schnellen „Hero“, direkt gefolgt von „Under Burning Skies“ vom Debut Album „The Awakening“. Ersatzdrummer Ronnie Garz kann somit gleich mal zeigen, was er so drauf hat. David Bassin benutzt seinen Mikrofonständer derweil als Taktstock und liefert eine tolle Gesangsleistung ab, während dem sich die Gitarristen Dirk Scharsich und Florian Zack packende Duelle liefern. Auffallend ist zudem einmal mehr der hervorragende Sound. Prima abgemischt, glasklar und nicht ZU laut. Das trifft dann auch auf die nachfolgenden Bands zu.

Mit „Empire Of The Dragonking“ folgt die erste Single des aktuellen Outputs, bevor mit dem saugeilen „Blood Alliance“ auch die 2015er Scheibe „Dreamchaser“ das erste (und leider das einzige) Mal berücksichtig wird. Mit „Metalheart“ (nein, das ist kein Cover von Accept!) beenden die Ostdeutschen nach 35 Minuten ihren starken Auftritt. Dass man mit einer solch kurzen Spielzeit Kompromisse eingehen muss, ist selbstverständlich. Dennoch hätte ich mir schon noch einen oder zwei weitere Songs von „Dreamchaser“ (anstelle von „Lake Of Hope“ zum Beispiel) gewünscht. Aber abgesehen davon machen Victorius alles richtig – ein prima Auftakt!

Mystic Prophecy

Zeit für eine Band, die unverständlicherweise immer unter dem Radar fliegt. Trotz neun durchwegs guten Alben… Man wünscht sich wirklich, dass Lia und seine Truppe mal etwas durchstarten könnten!
Zu was die Band fähig ist, zeigt sie jetzt während knapp 50 Minuten. Das ist ein Power Metal Feuerwerk der edelsten Sorte und Mystic Prophecy zocken eine Setlist zum Niederknieen! Das nennt sich jetzt wohl wirklich „Best Of“! Der Klassiker „Savage Souls“ als Opener, die besten Songs vom aktuellen Silberling „War Brigade“ sind dabei (ok, „War Panzer“ ist der einzige kleine Schwachpunkt) genauso wie die weiteren Klassiker „Evil Empires“ und „Ravenlord“.

Die Gitarrenfraktion Pohl / Ragazas gibt gewohnt Vollgas, vor allem Markus Pohl steht kaum eine Sekunde still. Und Roberto Liapakis führt souverän wie eh und je durch das Programm. Wie immer mit Hut – ich glaub langsam, das Ding ist angeschraubt!

„Metal Brigade“ ist auch heute ein Höhepunkt. Das Publikum hat beim Mitsingspielchen zwar etwas Mühe, aber Lia kann trotzdem die (nicht sehr zahlreich anwesenden) Fans noch motivieren. Und wer nicht motiviert ist, kriegt mit dem Thrasher „Burning Out“ gleich einen zünftigen Nackenschlag hinterher!

Wie (fast) immer beendet das Black Sabbath Cover „Paranoid“ den Auftritt von Mystic Prophecy. Ich finde es immer irgendwie schade, wenn eine Band mit einem solchen Backkatalog und dazu bei kurzer Spielzeit auf ein Cover zurückgreift. Ist das denn wirklich nötig? Bassistin Joey Roxx meint nach der Show dazu: „Unsere Spielzeit wurde heute etwas verlängert, darum haben wir den noch gezockt. Warum? Weil er kurz ist und Spass macht zum spielen! Wenn wir die normale Zeit gehabt hätten, hätten wir ihn gekippt, das wäre kein Problem gewesen. Aber so ist das auch ok.“

Akzeptiert – und immerhin ist’s „Paranoid“ und nicht das unsägliche „Sex Bomb“… Was gibt’s somit noch zu sagen? Nichts – ausser dass Mystic Prophecy einfach abräumen! Starke Leistung, eigentlich wie immer!

Grave Digger

Jung und hungrig ist durch. Gestanden und unterbewertet ist durch. Zeit für eine Band, die seit weit über 30 Jahren ihr Unwesen treibt und sich in den letzten Jahren wieder deutlich erstarkt zeigt: Grave Digger!

Einmal mehr präsentieren die Gladbecker ein aufwendiges Bühnenbild: ein riesiges Backdrop mit dem Cover des brandneuen Albums „Healed By Metal“, rechts und links neben dem Drum Podest stehen schicke Figuren. Nicht ganz so eindrücklich wie die Särge beim letzten Bang Your Head!!! Festival, sieht aber trotzdem cool aus. Der Tod himself ist der erste auf der Bühne und nimmt seinen Platz hinter den Keyboards ein, bevor die übrigen vier Grabschaufler die Bühne zu eben diesem „Healed By Metal“ entern. Dieses Werk steht selbstverstürlich im Zentrum der Show: Insgesamt fünf Songs (also die Hälfte des Albums) sind auf der Setlist vermerkt. Der Rest des Programms verteilt sich auf neun (!) ältere und alte Outputs!

Es ist augenfällig: die Band hat Bock. Ich meine: RICHTIG Bock! Motiviert bis in die Haarspitzen heizen Chris Boltendahl und Co dem Publikum ein. Chris hat enormen Spass und strahlt fast pausenlos, so fröhlich und zufrieden hab ich den Fronter auch noch nicht erlebt. Gitarrist Axel Ritt zaubert derweil Soli aus seinen sechs Saiten, dass es eine wahre Freude ist. Nicht umsonst wird immer wieder das Spotlight auf ihn gerichtet!

Dann ist da noch die Setlist. Da lassen sich die Herren heute nicht lumpen, ganz im Gegenteil! Klar – Klassiker der Marke „Excalibur“, „Highland Farewell“ oder den unumstösslichen „Rebellion (The Clans Are Marching)“ und „Heavy Metal Breakdown“ fehlen auch heute nicht. Doch sonst haben die Totengräber einige Überraschungen auf Lager! Da wäre als erstes „Killing Time“ von „Tunes Of War“, den hat man schon eine Weile nicht mehr live erlebt. Gleiches gilt für das göttliche „Lionheart“ von „Knights Of The Cross“. Herrlich!

Die erste Therapie war offenbar noch nicht so erfolgreich, also verspricht Chris eine zweite Sitzung, damit wirklich alle durch Heavy Metal geheilt werden. Wobei… ich sehe kaum jemanden, der Heilung nötig hätte. Egal – im Zweifelsfall lassen wir uns eine Therapie wie Teil eins gerne nochmals über uns ergehen! „The Dark Of The Sun“ ist ein Standard in jeder Show, für meinen Geschmack wäre das jetzt mal etwas, was man austauschen könnte. Alles andere als Standard ist dafür eine Nummer von „Excalibur“. Nein – heute ist es nicht „The Round Table (Forever), sondern „Morgane Le Fey“! Den hab ich live noch nie erlebt, ein fantastische Überraschung! Passend folgt im Anschluss gleich „Excalibur“ selbst, bevor der Tod (respektive Keyboarder Marcus Kniep) mit Dudelsack an den Bühnenrand tritt. Auf geht’s nach Schottland – „The clan’s are marching `gainst the law, Bagpipers play the tunes of war!“ Endlich kommt auch im Publikum etwas mehr Stimmung auf, doch das Ende der Show ist jetzt natürlich bereits in Sichtweite.

Die erste Zugabe ist wiederum eine äusserst tolles Goodie: „The Last Supper“! Auch dies ein Song, den man lange nicht mehr gehört hat… Das aktuelle „Call For War“ ist im Anschluss zwar nicht schlecht, aber schon ein ziemlicher Unterschied. Der zweite Zugabenblock ist dann genauso wie es zu erwarten war: „Highland Farewell“ und „Heavy Metal Breakdown“ beenden eine saugeile Show der einzig wahren Totengräber im Heavy Metal!

Eines bleibt noch anzumerken: im Gegensatz zu den Metal Fans sind Grave Digger bei der Presse offenbar ein ziemlicher Magnet. Nun ist es ja sicher nicht so, dass die knipsende Zunft von Metalinside, Metal Factory, Schwarzeliste oder Musig Pub TV das alleinige Recht auf Bilder im Z7 hätte. Manchmal wird’s eng im Graben, aber man kennt sich und nimmt Rücksicht. Aber warum da ganz offensichtlich wirkliche Fanboys mit Photopässen ausgerüstet werden, damit sie am Bühnenrand klebend mit dem Handy (!!) Fotos machen können, das mag verstehen wer will…

Fanzit

Keine 500 Leute verirren sich an einem Freitagabend ins Z7. Bei diesem Billing? Really? Das ist schon fast eine Schande! Denn Grave Digger, Mystic Prophecy und Victorius hätten allesamt massiv mehr Zuspruch verdient! Was man aber den drei Bands zu Gute halten kann und muss: SIE haben so gespielt, als ob es doppelt so viele Zuschauer wären! Vor allem der Headliner sammelte Punkte mit einer wahnsinnigen Spielfreude und einer aussergewöhnlichen Setlist, aber auch die beiden Support Acts bleiben den Fans in bester Erinnerung. Ein weiterer toller Abend im Konzerttempel Z7!

Setliste Victorius

  1. Hero
  2. Under Burning Skies
  3. Empire Of The Dragonking
  4. Blood Alliance
  5. End Of The Rainbow
  6. Lake Of Hope
  7. Metalheart

Setliste Mystic Prophecy

  1. Savage Souls
  2. The Cruzifix
  3. Killhammer
  4. Evil Empires
  5. To Hell And Back
  6. Metal Brigade
  7. Burning Out
  8. Ravenlord
  9. War Panzer
  10. Paranoid

Setliste Grave Digger

  1. Healed By Metal
  2. Lawbreaker
  3. Witch Hunter
  4. Killing Time
  5. Ballad Of A Hangman
  6. Season Of The Witch
  7. Lionheart
  8. Free Forever
  9. Tattooed Rider
  10. The Dark Of The Sun
  11. Hallelujah
  12. Morgane Le Fey
  13. Excalibur
  14. Rebellion (The Clans Are Marching)
  15. The Last Supper *
  16. Call For War *
  17. Highland Farewell **
  18. Heavy Metal Breakdown **

*erste Zugaben
**zweite Zugaben

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