Metalinside.ch - Knöppel - Schüür Luzern 2016 - Foto pam
Mi, 21. Dezember 2016

Knöppel, Jack Stoiker

Schüür (Luzern, CH)
10.01.2017
1361

Hey, Wichsers, Jack Stoiker der Hardcore-Ostschweizer-Barde lädt zum Schüga … ähm, Poga

Und dies nur als Vorband von sich selbst: Den «Wichsern von Knöppel». OK, der Drummer sei ein Guter (Anmerkung: Der Drummer ist der einzige der drei, der nicht bei Jack Stoiker auf der Bühne steht …).

Jack Stoiker

Jack Stoiker, ein Original, ein Legende die dem St. Galler Dialekt endlich das gibt, was er verdient: Feuchte Meitli-Unterhosen und freudig-gröllende Töfflibuebe. OK, zumindest feuchte Augen, Backenmuskelkater und so der Punkgott will auch Nackenweh.

Die altehrwürdige Schüür ist schon gut gefüllt als Jack Stoiker noch am Knöppel Merch-Stand rumsteht. Und als dann Jack Stoiker mit Jack Stoiker bzw. Midi und ewiggrinsendem Marc am Bass loslegen, brodelt die Suppe. Auf zur Vorspeise mit wie immer in der Schüür mit einem oder ein paar Naturperlen aus der Bügelflasche.

Jack Stoiker ist wohl die unbekannteste Cervelat- bzw. Bratwurst-Promi der Schweiz. Oder zumindest der unsexieste nach Beat Schlatter. Doch kennt wohl die halbe Schweiz zumindest den einen oder anderen Song aus seiner spitzen Feder. Dass die Texte inhaltlich schon deftig sind, geht mit dem St. Galler Dialekt schon nah an die Schmerzgrenze. Für viele. Für mich nicht unbedingt, denn ich find Ostschweizer Dialekt hat was und ich wohl eine masochistische Seite. Und als (Kanton) Schwyzer sag ich mal so in die kalte Winternacht raus: Endlich mal was auf Dialekt, dass «nid vu Bärn» ist. Und der Hardcore-Nasendialekt passt auch perfekt zu den perfiden Texten von Stoiker. Stellt euch seine Songs in Bärndütsch vor? Keine Street Credibility. Nichts staucht einen Nicht-Ostschweizer mehr, als im Ostschweizerdialekt zusammengestaucht zu werden, wegen ein bisschen Senf auf einer Olma-Bratwurst.

Jack Stoiker wird oft als Comedian bezeichnet. Für mich ist er jedoch mehr ein Rock n ‚ Roller – er darf sogar «In The Ghetto» vom grössten Rock n‘ Roller aller Zeiten covern und ja, auch ein bisschen verunglimpfen («Uf em Liintuech») – vor allem wenn Midi eines seiner seltenen, deftig verzerrten Soli auspackt und für ein paar wenige Sekunden loswuselt. Jack Stoiker machen Spass, Freude und … irgendwann hat der Schreiber genug davon. Soundmässig sollte doch mehr gehen …

Knöppel

… und das tut es mit klassischem Punkrock von Knöppel. Wir wurden zwar von Jack Stoiker wie eingangs erwähnt von denen gewarnt, ja sogar ermuntert nach ihrem Set – dem von Jack Stoiker – nach Hause zu gehen. Ausser dem Schlagzeuger seien ja alles Wichser. Und das ist ja bei Knöppel Programm. Auf ihrem Debut «Hey Wichser» kommt in jedem Song mindestens einmal «Wichser» vor. Und während wir immer zusammenzucken, wenn dieses Unwort vorkommt, sollten wir uns wieder mal erinnern, wie oft wir in englischen Songtexten gefucked werden … und das ist sicher ein Teil der Botschaft. Aber ganz ehrlich will ich jetzt nicht gross nach Erklärungen und eben solchen Botschaften suchen. Ich bin heute an einem der raren Jack Stoiker bzw. Knöppel Konzerte, weil ich den Sound geil finde – vor allem eben bei Knöppel – und ja, natürlich sind die Texte schlicht legendär.

Und in der Schüür geht’s bei den Songs wie Prada & Co. auch punkrockmässig schön ab. Es wird fleissig gepogt, wie es sein muss. Wir sind hier also nicht auf Stühlen und lauschen den Klängen, sondern gehen zu den Songs, die alle mindestens einmal das Wort Wichser enthalten, schön ab und trinken das eine oder andere Ostschweizer Bier. Schüga gibt’s in der Schüür zwar nicht, dafür Naturperle von den Appenzellern.

Fazit

Leute, wer die Chance hat, Jack Stoiker und vor allem Knöppel mal live zu erleben, keine Sekunde zögern. Ihr habt einen coolen Abend vor euch. Und vor euch auf der Bühne auch eine unglaublich faszinierende Person. Bei Midi aka Jack Stoiker weiss man nie so recht, ist der einfach so? Spielt er einfach das ewige Landei mit dem Puch Maxi? Oder ist es einfach pure Kunst, die wir da erleben? Kopf schütteln tun ja viele bei seinen Texten (was ja per Definition schon Kunst wäre) … und wir jetzt auch bei seinem Sound.

PS: Zieht euch auch seine CD rein. Prädikat: Kaufen!

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