Firewind - Tour 2017
Fr, 24. Februar 2017

FIREWIND, MANIMAL, SCAR OF THE SUN

Hall of Fame (Wetzikon)
26.02.2017
Firewind - Tour 2017

Ein Abend, der mehrheitlich im Zeichen des Power Metal stand. Insbesondere die Schweden von Manimal lieferten einen bärenstarken Auftritt ab. Überschattet wurden dagegen die Shows der anderen beiden Bands von für das Hall Of Fame doch eher ungewöhnlichen, technischen Problemen. Alle weiteren Infos folgen auf den nachfolgenden Zeilen.

Es ist Freitagabend. Nach einer intensiven Woche im Büro und an der Höheren Fachschule herrscht bei mir dringender Konzertbedarf. Erlösung finde ich heute Abend im Wetzikon im Hall Of Fame. Von leichtem Regen begleitet latschen wir vom Bahnhof Wetzikon aus zum Ort des Geschehens. Vor der Lokalität angekommen, werden wir allerdings noch um etwas Geduld ersucht. Scheinbar geht der Einlass im Innern etwas schleppend voran. Deswegen müssen wir kurz draussen warten. Ungewohnt, aber absolut kein Problem.

Kaum haben wir dann das Hall Of Fame betreten, gehen auch schon die Lichter ein erstes Mal aus. Tja, Timing ist alles. In wenigen Augenblicken wird die erste Band die Bühne betreten. Somit verzichten wir auf den obligaten Abstecher an die Bar und stürmen direkt zur Absperrung vor der Bühne. Eisgekühlte Blondinen werden sicherlich auch noch nach der ersten Show erhältlich sein.

SCAR OF THE SUN

Firewind sind nicht die einzigen Griechen am heutigen Abend. Nein, mit Scar Of The Sun stehen echte Landsleute von Kostas Karamitroudis (a.k.a. Gus G.) auf der Bühne. Die 2005 gegründete Truppe spielt einen Mix aus Gothic und Doom Metal. Gelegentlich sind auch leichte Einflüsse des Death Metal hörbar. Mit «A Series Of Unfortunate Concurrencies» und «In Flood» hat die Truppe bisher zwei Alben veröffentlicht. Aber wenden wir uns doch nun dem Auftritt zu.

Sänger Terry Nikas trägt zu Beginn eine spezielle Brille auf der Nase. Das Ding könnte gerade so gut aus einem Sci-Fi Film stammen. Speziell! Modisch auffallen ist das eine, aber während einem Konzert sollte in der Regel eigentlich ausschliesslich die Musik überzeugen. Blöderweise ist genau das bei Scar Of The Sun über weite Strecken nicht der Fall. Bei Terry sitzen die Töne nicht immer und sein Mikro scheint während des gesamten Auftritts viel zu leise eingestellt zu sein. Gitarrist Greg Eleftheriou hilft gelegentlich an den Vocals. Ironischerweise funktioniert sein Mikro etwas besser. Einzig Drummer Thanos Pappas tut etwas für die Show und jongliert gelegentlich mit seinen Sticks. Da sein Schlagzeug jedoch in der Bühnenmitte thront, müssen seine Bandkollegen mit gelegentlichen Platzproblemen kämpfen. Glücklicherweise stürzt aber niemand von der Bühne.

Bis hierhin ist die Publikumsaktivität eher bescheiden. Ebenfalls ein Zeichen dafür, dass der Sound von Scar Of The Sun nicht gerade fürs «aus-den-Socken-hauen» zuständig ist. Ab und an fliessen zwar sehr geile Riffs mit ein, aber insgesamt ist dies leider zu wenig. Nach einer guten halben Stunde verlassen die Griechen um Punkt 21 Uhr die Bühne. Bleibt zu hoffen, dass uns die anderen beiden Gruppen besser überzeugen mögen.

MANIMAL

Heavy und Power Metal stehen als nächstes auf der Speisekarte. Serviert wird uns diese Kost von den Schweden von Manimal. Und die Jungs fackeln nicht lange. Mit dem Song «Trapped in The Shadows» von der gleichnamigen 2015er-Platte eröffnen die Schweden ihr Set. Auffallend ist die leichte Corpsepaint-Bemalung in den Gesichtern sämtlicher Bandmitglieder. Damit sehen die Herren aus wie die freundlichen Pandabären aus der Nachbarschaft.

Vergleiche mit Judas Priest, Hammerfall oder King Diamond sind absolut gerechtfertigt. Aushängeschild ist ohne Zweifel Sänger Samuel Nyman. Seine schrillen Screams erinnern sofort an einen gewissen Rob Halford. Auch sonst scheint er sich das eine oder andere beim grossen «Metal God» abgeguckt zu haben. Zu Anfang trägt er beispielsweise ebenfalls einen langen, schwarzen Ledermantel. Sprichwörtlich ins Auge stechen auch seine «Gothic Kontaktlinsen». Zudem sieht er irgendwie aus wie Floki aus der Serie «Vikings». Gitarrist Henrik Stenroos sorgt dagegen mit seiner Mimik für diverse Lacher. André Holmqvists Schlagzeug scheint mit der Doppelbelastung problemlos klarzukommen. Es wurde ja bereits zuvor von Scar Of The Sun benutzt.

Die Schweden legen einen überragenden Auftritt aufs Parkett. Beim Publikum kommen sie hervorragend an und werden zurecht umjubelt. Da werden Firewind bei ihrem Auftritt dann nochmals eine Schippe drauflegen müssen. Beim letzten Song «Irresistible» steht Samuel dann plötzlich mit Zwangsjacke auf der Bühne. Ganz in Alice Cooper-Manier befreit er sich nach und nach von dem einengenden Kleidungsfetzen. Einfach eine geile Show!

Nach ihrem Gig sind die Jungs auch am Merchandise-Stand äussert populär. Da ein Foto, hier ein Autogramm – es läuft gut für Manimal. Auch ich gönne mir ein «Groupie-Foto» mit der Band. Fast ein wenig Mitleid habe ich hingegen mit Terry von Scar Of The Sun. Einsam steht er daneben und drückt verlegen auf seinem Smartphone herum. Irgendwie interessieren sich die Leute bloss für Manimal. Das mag zwar hart sein, aber die Schweden waren nun einmal schlichtweg besser.

FIREWIND

Vor dem Auftritt des Headliners ist nochmals etwas Stärkung in Bier-Form erforderlich. Da wenig überraschend Jessi hinter dem Tresen herumflitzt, kann ich das altbekannte «Grosse Blondine händigt mir kleine Blondine aus»-Spielchen spielen. Danach geht es subito wieder an die Bühnenfront. Diese «Grieche die sieche!» müssen jetzt liefern.

Ein inzwischen ganz ordentlich gefülltes Hall Of Fame begrüsst dann schliesslich die Mitglieder von Firewind. Mit «Ode To Leonidas» vom neuen und erst kürzlich veröffentlichten Silberling «Immortals» legen die Heavy/Power-Metaller gleich richtig los. Allerdings müssen leider auch sie vorrübergehend mit Sound-Problemen kämpfen. Sänger Henning Basse ist zu leise und der Bass viel zu dröhnend. Vor dem Song «Head Up High» wird es Bandleader und Gitarrist Gus G. dann zu bunt. Etwas angepisst wendet er sich mit einer kurzen Ansprache in Richtung Mischpult. Man solle diese Probleme doch bitte zu lösen versuchen. Weder das Publikum noch die Band hätten ansonsten Freude am Auftritt. Und die Techniker finden dann tatsächlich die richtigen Knöpfe. Der restliche Auftritt verläuft nämlich reibungslos.

Gespielt werden ausschliesslich Songs der «Immortals»-Platte. Von zehn Tracks finden ganze sieben Stücke den Weg in die heutige Setlist. Trotzdem finden Firewind ebenfalls noch genügend Platz für ältere Nummern, wie beispielsweise «Between Heaven And Hell» oder «The Fire And The Fury». Da kommen effektiv sämtliche Fan-Typen auf ihre Kosten.

Es zeigt sich während der gesamten Show deutlich, dass Firewind primär von Bandleader Gus G. lebt. Unermüdlich haut der griechische Gitarren-Virtuose ein Solo nach dem anderen raus und zeigt dabei sichtlich Spielfreude. Henning Basse verfügt über eine solide Stimme und weiss diese auch einzusetzen. Zusammen mit Drummer Johan Nunez bildet er den nicht-griechischen Teil der Band. Dafür schätzt er es, mit dem Publikum endlich wieder einmal Deutsch sprechen zu können. Ein paar Sprüche in Richtung Gus, der natürlich kein Wort versteht, dürfen selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Bob Katsionis kann sich heute Abend definitiv nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Neben dem Keyboard übernimmt er parallel ab und zu die zweite Gitarre.

Mit «Live And Die By The Sword» und «Falling To Pieces» als Zugaben-Stücke beenden die Griechen schliesslich ihr Set. Unter tosendem Applaus verlassen die Herren die Bühne. Ein durchaus gelungener Auftritt.

FAZIT

Zu kritisieren habe ich heute Abend ganz klar die technischen Probleme, die insbesondere bei den Auftritten beider griechischer Bands auftraten. Dadurch büssten die Shows teilweise ein wenig Qualität ein. Als regelmässiger Hall Of Fame-Besucher kann ich allerdings mit gutem Gewissen behaupten, dass solche Probleme sehr selten vorkommen. Hoffen wir einmal, dass das auch so bleiben wird.

Für mich kommen die Sieger des Abends aus Schweden. Mit ihrem furiosen Auftritt konnten Manimal sicherlich ein paar neue Fan-Herzen für sich gewinnen. Diese Truppe kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Hätten Firewind nicht einen genialen Gus G. in ihren Reihen, wäre Manimal allenfalls sogar die stärkste Band des Abends gewesen. So oder so werden wir sicherlich noch einiges von dieser Truppe zu hören bekommen.

Setliste – Scar Of The Sun

  1. Among Waters And Giants
  2. An Ill-Fated Wonder
  3. Versus The World
  4. Ode To A Failure
  5. Sand
  6. The Truth About The Lies
  7. Gravity

Setliste – Manimal

  1. Trapped In The Shadows
  2. Shadows
  3. The Dark
  4. The Darkest Room
  5. Psychopomp
  6. Human Nature
  7. Invincible
  8. Irresistible

Setliste – Firewind

  1. Ode To Leonidas
  2. We Defy
  3. Head Up High
  4. Few Against Many
  5. Between Heaven And Hell
  6. Back On The Throne
  7. Hands Of Time
  8. Wars Of Ages
  9. Lady Of 1000 Sorrows
  10. World On Fire
  11. The Fire And The Fury
  12. Mercenary Man
  13. Tyranny
  14. Live And Die By The Sword*
  15. Falling To Pieces*

*Zugabe


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26.02.2017
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