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Amorphis - Under The Red Cloud Tour Edition Bonus - An Evening With Friends At Huvila (CD Cover Artwork)
Fr, 24. Februar 2017

AMORPHIS – Under The Red Cloud (Tour Edition)

Dark Progressive Metal, Death Metal, Doom Metal, Melodic Metal
01.03.2017
Amorphis - Under The Red Cloud Tour Edition Bonus - An Evening With Friends At Huvila (CD Cover Artwork)

INTRO

Nun springen also auch noch Amorphis auf diesen “Tour-Editionen-Trend-Zug” auf. Am 24. Februar wird diese spezielle Version ihres 2015er-Albums «Under The Red Cloud» in den Plattenläden oder Online-Shops eures Vertrauens erhältlich sein. Die Box enthält zwei Silberlinge. CD Nummero eins beinhaltet die komplette «Under The Red Cloud»-Platte inklusive zweier neuer Bonus-Tracks («Come The Spring» und «Winter’s Sleep». Das eigentliche Highlight befindet sich allerdings auf CD 2. Im Sommer des letzten Jahres gaben die Finnen einen speziellen Auftritt am Helsinki-Festival im Huvila-Zelt zum Besten. Dabei hatten sie diverse Gäste – wie beispielsweise Anneke van Giersbergen – auf der Bühne, welche die Band in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben. Die neun Songs dieses Auftritts sind nun auf dieser CD 2 verewigt worden.

Ach, ihr kennt Amorphis gar nicht? Dann sollte sich das aber schleunigst ändern. Die Truppe wird meiner Meinung nach jeweils massiv unterschätzt. Die Band besteht seit 1990 und ist in Sachen Stil definitiv nicht «schubladisierbar». Mit Tomi Joutsen haben die Herren einen Sänger an Bord, der die Wechsel zwischen Growls und klarem Gesang nahezu perfekt beherrscht. Esa Holopainen ist ein echter Gitarren-Virtuose und lockt seinen Saiten-Königinnen immer wieder sackstarke Soli heraus. Amorphis lassen ab und an gerne auch orientalische Einflüsse in ihren Songs zu. In den Texten der Truppe ist die finnische Mythologie das dominante Thema. «Under The Red Cloud» ist das inzwischen zwölfte Studio-Album der Band. Möglichkeiten für Hörproben sind somit mehr als genügend vorhanden.

Wie ich bemerkt habe, befindet sich auf unserer Metalinside-Homepage kein Review zur «normalen» Version von «Under The Red Cloud». Somit werde ich mir erlauben, euch nun eine etwas ausführlichere Kritik zu liefern.

DAS ALBUM –  «Under The Red Cloud» (Tour Edition)

Mit angenehmem «Geklimpere» starten wir in den Titeltrack. Bereits relativ früh sind die altbekannten Amorphis-Melodien zu hören und lassen den Hörer wieder in ferne Welten abtauchen. Nach gut einer Minute übernehmen dann die Gitarren und Tomi das Zepter. Er zeigt hier bereits ein erstes Mal seine stimmliche Variation in ganzer Pracht, wobei die «clear voice»-Passagen hier deutlich Überhand haben. So oder so ist Tomis Stimmorgan sehr angenehm anzuhören. Eine durchaus ansprechende Album-Eröffnung mit eingängiger Melodie.

Weiter geht es mit «The Four Wise Ones». Der Song nimmt zu Anfang an ziemlich Tempo auf. Man fühlt sich wie ein Wolf, der gerade durch den Wald sprintet. Hier haben wir nun den «bösen» Tomi fleissig am Werk. Sein Gesang weist bei diesem Track Death und Black Metal-Spuren auf. Auch die Keyboard-Parts stechen erneut hervor. Plötzlich ist eine etwas gläserne, weibliche Stimme zu vernehmen. Sie hört sich an, als würde sie unter Wasser singen. Ein gelungener Kontrast zu Tomis grobem Stimmorgan. Das kleine Duett hat durchaus seinen Reiz.

Das darauffolgende «Bad Blood» entpuppt sich schliesslich als eine der besten Nummern der Platte. Ein Song der Marke «Typisch Amorphis». Tomi variiert erneut fleissig mit seinen beiden «Stimm-Gesichtern» und auch die Gitarren- und Keyboard-Parts fühlen sich in den Gehörgängen pudelwohl. Die Nummer hätte sicherlich auch während Live-Shows gehörig Potenzial. Die Headbanger unter euch werden dabei nämlich nicht zu kurz kommen.

«The Skull» wird mehrheitlich durch die Growls von Tomi dominiert und kommt somit ein wenig aggressiver um die Ecke. Allerdings wurden bei diesem Track auch ein paar Päuschen eingebaut, in denen nur die Gitarren und die Keyboards das Sagen haben. Von der Qualität her kann diese Nummer aber nicht so ganz mit ihren Vorgängerinnen mithalten.

Danach folgt aber der geilste und stärkste Song des Albums. Auf «Death Of A King» sind – insbesondere am Anfang – erstmals die markanten, orientalisch angehauchten Klänge zu hören. Ehe Tomi danach mit voller Wucht losbrüllt. Auch dieser Track animiert zum munteren Mähne schütteln. Hier passt die Mischung zwischen dem guten und dem bösen Tomi hervorragend. Die beiden Gesangsarten harmonieren prächtig. Der Refrain bleibt in den Gehörgängen hängen. Etwas nach der Hälfte des Songs wurde dann ebenfalls noch ein ansprechendes Gitarren-Solo eingebaut. Anspieltipp? Absolut!

«Sacrifice» wird sich wohl mit dem Vorwurf der Radiotauglichkeit auseinandersetzen müssen. Die Nummer kommt ohne Growls aus. Nichtsdestotrotz lässt sich die ganze Sache gut hören. Es geht doch auch einmal ohne Geschrei und Gebrüll. Die typischen Amorphis-Melodien und Klänge sind trotzdem erkennbar. Ein Tempo-Gitarren-Solo ist ebenfalls wieder integriert.

Wohin führt die Reise auf dem «Dark Path»? Zuerst vorbei an ruhigen, angenehmen Keyboard-Tönen. Danach übernimmt allerdings wieder der brüllende Tomi und der Song erhält einen Tempo-Schub. Während den längeren Growl-Passagen stelle ich fest, dass Tomi verhältnismässig klare Growls besitzt und man in noch einigermassen gut versteht. Klingt vielleicht paradox, ist aber so. Da gibt es doch weit schlimmere Grunzer in unserer lieben Metal-Gemeinde, bei denen das Verständnis der Lyrics zu einer gigantischen Herausforderung wird. Im letzten Drittel des Tracks gibt es nochmals eine kurze Verschnaufpause mit gemächlichem «Keyboard-Geklimpere». Danach schreit uns Tomi allerdings wieder mit Schmackes bis zum Ende an.

Beim nächsten Song lauert der Feind vor den Toren! Erneut dürfen wir den orientalischen Klängen lauschen – dieses Mal allerdings ein bisschen ausgiebiger. Aufgrund von Amorphis’ Stilvariation lässt sich nie genau voraussagen, was als nächstes kommt. «Enemy At The Gates» beginnt so beispielsweise beinahe «balladen-artig», ehe Tomi und die Gitarren wieder für böse und temporeiche Elemente sorgen. Genau mit dieser Komplexität und Experimentierfreudigkeit haben sich Amorphis in der Vergangenheit nicht nur Freunde gemacht. Alben der Finnen sind generell nie für einen Quickie geeignet. Da sind häufig schon mehrere Durchläufe nötig, um die einzelnen Nummern genau zu verstehen.

Folk-Elemente tauchen schliesslich im Song «Tree Of Ages» auf. Eine willkommene und überhaupt nicht unpassende Abwechslung. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Herr Joutsen growlt munter und unermüdlich vor sich hin. Live ist dies sicherlich ebenfalls eine Nummer, die etwas Publikums-Aktion hervorrufen könnte. Chrigel Glanzmann von Eluveitie ist übrigens hier für das Flötenspiel verantwortlich.

«White Night» hebt sich vor allem durch den weiblichen Gesang von den anderen Songs des Albums ab. Das Duett mit dem growlenden Tomi funktioniert genial. Bei der Dame handelt es sich um Aleah Starbridge, der ehemaligen Sängerin von Trees Of Eternity, die im letzten Jahr leider den Kampf gegen ihre Krebserkrankung verloren hat (R.I.P.). 2016 war die Rock- und Metal-Szene ohne Zweifel der pure Horror…

Bei der normalen Version von «Under The Red Cloud» wären wir nun am Ende angelangt. Die Tour-Edition beinhaltet allerdings – wie bereits erwähnt – noch zwei Bonus-Songs. Der erste davon nennt sich «Come The Spring» und besticht durch hohe Geschwindigkeit. Mit einer Spielzeit von 03:27 Minuten ist das eher ein kurzes Nümmerchen. Tomi verzichtet für einmal komplett auf Growls. Jedoch schafft der Song es nicht, mich irgendwie zu berühren. Ganz anders sieht dies bei «Winter’s Sleep» aus. Abwechslungsreiche Melodien und wieder das einzigartige «Ego-Duett» von Tomis clean und growlenden Stimm-Passagen. Ein überragender Song, bei dem ich mich wundere, weshalb er es nicht auf die reguläre Platte geschafft. Definitiv mehr als nur ein Bonus-Song. Ein würdiger Album-Abschluss.

Damit sind wir allerdings nach wie vor nicht am Ende der Tour-Edition. Es folgt nun noch ein Kommentar zu CD 2. Die Live-Atmosphäre konnte gelungenen aufgefangen werden. Auch die Song-Auswahl finde ich hier überaus gelungen. Von «Under The Red Cloud» ist zwar keine Nummer enthalten, dafür servieren uns die Finnen diverse starke Hymnen ihrer alten Platten. Bei «Enigma» erhalten Amorphis beispielsweise Unterstützung vom finnischen Jazz-Musiker Sakari Kukko. Amorphis mit Saxophon? Speziell, but why not? Die Finnen waren ja schon immer sehr experimentierfreudig. Beim letzten Track «Her Alone» gipfelt die ganze Sache einem schönen Duett zwischen Tomi und Anneke van Giersbergen. Hammer!

FAZIT

Einzigartige, kraftvolle Melodien, geniale Mischung von Growls und klarem Gesang und einige Überraschungen und Experimente. Amorphis liefern mit «Under The Red Cloud» eines ihrer stärksten Alben ab. Soundtechnisch wird man die Finnen wohl nie in eine Schublade stecken können. Aber genau diese Eigenschaft hebt die Herrschaften von der breiten Masse ab. Bleibt zu hoffen, dass sie uns noch lange solch qualitativ hochstehende Alben liefern werden. Mit Produzent Jens Bogren haben sie jedenfalls den richtigen Partner an ihrer Seite.

Mit den Kauf-Empfehlungen für solche Tour-Editionen ist es immer so eine Sache. Hier kriegt man mit zwei Bonus-Songs und einer ganzen Live-CD definitiv etwas für sein Geld. Fans und Amorphis-Einsteiger können hier gerne zugreifen.

Reinhören und portofrei bestellen

Trackliste (CD 1 – Album “Under The Red Cloud”)

  1. Under The Red Cloud
  2. The Four Wise Ones
  3. Bad Blood
  4. The Skull
  5. Death Of A King
  6. Sacrifice
  7. Dark Path
  8. Enemy At The Gates
  9. Tree Of Ages
  10. White Night
  11. Bonus:
  12. Come The Spring
  13. Winter’s Sleep

Tracklist (CD 2 – Live-CD “An Evening With Friends At Huvila”)

  1. Enigma
  2. Far From The Sun
  3. Silent Waters
  4. My Kantele
  5. Silver Bride
  6. Sampo
  7. Alone
  8. The Wanderer
  9. Her Alone

Line-up Amorphis

  • Vocals – Tomi Joutsen
  • Guitar – Esa Holopainen
  • Bass – Niclas Etelävuori
  • Drums – Jan Rechberger
  • Guitars – Tomi Koivusaari
  • Keyboards – Santeri Kallio

AMORPHIS – An evening with friends (360 LIVE@HUVILA – JUHLAVIIKOT 2016)


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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01.03.2017
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