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Sonata Arctica - Tour 2017 (Flyer)
Mo, 27. Februar 2017

SONATA ARCTICA, TRIOSPHERE, STRIKER

Dynamo (Zürich, CH)
01.03.2017
Sonata Arctica - Tour 2017 (Flyer)

Dieser Moment, wenn die erste Band des Abends das einzige Highlight bleibt. Jep, die Kanadier von Striker konnten mit ihrem Vollgas-Metal absolut überzeugen. Für Triosphere und vor allem für den Headliner aus Finnland habe ich dann allerdings kaum noch positive Worte übrig. Anhänger von Sonata Arctica sollten sich die nun folgenden Zeilen besser nicht zu Gemüte führen. Es könnte stellenweise etwas hässlich werden.

Der ansonsten unbeliebte Montag kann mit einem Konzert am Abend durchaus etwas aufgewertet werden. Nach intensiven Stunden im Büro und im Studium freue ich mich schon auf etwas metallische Unterhaltung. Metal ist auch trotz Erkältung im Einsatz. Aber keine Angst, so rasch lasse ich mich nicht aufhalten.

Heute Abend begebe ich mich jedoch mit gemischten Gefühlen ins Dynamo. Sonata Arctica zählen grundsätzlich zum Kreis meiner Lieblingsbands. Seit sie sich musikalisch von ihren Power Metal-Wurzeln entfernt haben, ist unsere «Beziehung» etwas vorbelastet. Mit den neuen Alben kann ich nicht wirklich viel anfangen. Gewisse Songs sind nach wie vor top, aber die restlichen Progressive-Nümmerchen sind leider überhaupt nicht mein Fall. Zudem hat der eher schwache Auftritt vom vergangenen Oktober im Z7 doch einen faden Beigeschmack hinterlassen (siehe dazu das Review von Kaufi und mir, das ebenfalls auf dieser Homepage eingesehen werden kann). Nichtsdestotrotz gebe ich als langjähriger Fan Tony Kakko und Kompanie heute nochmals eine Chance und hoffe auf zahlreiche Power Metal-Hymnen. Allerdings stehen die Finnen ziemlich unter Druck. Falls sie dieses Mal nicht liefern sollten, werde ich künftigen Sonata-Shows wohl oder übel fernbleiben müssen.

Für den Support sind heute Abend Striker aus Kanada und Triosphere aus Norwegen zuständig. Letztgenannte durfte ich 2012 im Vorprogramm von Kamelot in Pratteln erleben. Offenbar haben sie bei mir aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich kann mich nämlich nicht mehr wirklich an ihren Auftritt erinnern. Striker kenne ich dagegen gar nicht. Von meinem Kollegenkreis wurde mir die Truppe gleich mehrfach empfohlen. Ich bin gespannt, ob sie den Vorschusslorbeeren gerecht werden können.

STRIKER

Kurz vor halb acht legen Strike dann auch schon los – und das mit abartigem Tempo und immens viel Energie. Die Jungs haben sich offenbar etwas vorgenommen. Musikalisch spielen sie einen Mix aus Heavy, Speed und Thrash Metal. Zu Beginn wirken sie noch etwas enttäuscht wegen des spärlich gefüllten Saals. Mit der Zeit wird die vorhandene Zuhörerschar jedoch langsam warm und ist deutlich empfänglicher für Sänger Dan Clearys Ansagen.

Drummer Adam Brown thront in der Bühnenmitte und klaut dadurch seinen Kollegen ziemlich viel Platz. Seine kräftigen Oberarme deuten entweder auf sehr viel Zeit hinter dem Schlagzeug oder regelmässige Besuche des Fitness-Centers hin. Ein echtes Biest! Die beiden Gitarristen Simon Fallon und Tim Brown haben während eines Solos auch einmal rasch Zeit für ein high-five. Simon verschwindet danach allerdings kurzzeitig hinter der Bühne. Offenbar scheint sein wildes Spiel zu viel für eine Gitarrensaite gewesen zu sein. Tja, Metal-Shows fordern nun einmal ihren Tribut. Tim besticht dafür mit seiner sehenswerten Totenkopf-Gitarre. Unermüdlich haut er ein Solo nach dem anderen raus. Es macht riesen Spass den Jungs zuzusehen. Dan verfügt über ein durchaus brauchbares Stimmchen.

Nach einer guten halben Stunde geht der starke Auftritt von Striker leider bereits wieder zu Ende. Die Mehrheit des Saals hätte den Klängen der Jungs wohl gerne noch länger zugehört. Die Truppe kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Das Scheinwerferlicht fällt dann auf einen Zettel auf der Bühne, auf dem «No Drinks On Stage» geschrieben steht. Getreu dem Motto der Rebellion stehen allerdings diverse Flaschen um den Zettel herum.

TRIOSPHERE

Gemäss offiziellen Angaben soll die nächste Band einen Mix aus Power, Symphonic und Progressive Metal spielen. Die Norweger entpuppen jedoch leider eher als laues Lüftchen. «Trio-sleep» oder «Trio-schnarch» wären deutlich passendere Bandnamen gewesen. Generell ist der Sound viel zu leise. Etwas mehr als Zimmerlautstärke dürfte in einem Dynamo Saal sicherlich ohne Probleme realisierbar sein. Die Herren Tontechniker scheinen dies aber wohl anders zu sehen.

Bassistin und Sängerin Ida Haukland kann stimmlich überhaupt nicht überzeugen. Auch ihre Ansagen zwischen den Songs kommen nur mässig an. Einziger Aktivposten ist der schwarzhaarige Gitarrist Marius Silver Bergesen, der ab und zu munter auf der Bühne herumhüpft. Auch das Publikum scheint langsam einzuschlafen. Und das wird wohl kaum nur an der Montags-Lethargie liegen. Nein, nach der heutigen Leistung kann ich Triosphere nicht weiterempfehlen.

Schade, denn zuvor haben Striker ein solch geniales Aufwärm-Programm hingelegt. Jetzt müssen Sonata Arctica das Publikum wieder wecken. Ob Ihnen das gelingen wird?

SONATA ARCTICA

Um halb zehn wird es wieder richtig laut im Saal. Unter tosendem Applaus betreten Tony Kakko, Elias Viljanen, Henrik Klingenberg, Pasi Kauppinen und Tommy Portimo die Bühne. Los geht es mit den beiden Tracks «Closer To An Animal» und «Life» von der aktuellen Platte «The Ninth Hour». Insbesondere bei «Life» singt das Publikum beim Refrain munter mit. Aber insgesamt fehlt es beiden Songs trotzdem irgendwie an Kraft. Das Ganze wird sehr zurückhaltend vorgetragen. Spielen die Jungs mit angezogener Handbremse oder packen sie mich live nun effektiv gar nicht mehr?

Mit «The Wolves Die Young» folgt dann schliesslich ein erster, persönlicher Hoffnungsschimmer. Zwar stammt die Nummer ebenfalls von einem neueren Album («Pariah’s Child»), aber er verfügt trotzdem über ordentlich Power. Der Trumpf sticht jedoch leide gar nicht. Die Nummer wird so lieblos vorgetragen, dass ich überhaupt keine Freude dafür verspüre.

Das 2007er Album «Unia» war die erste Sonata-Platte, welche ich mir damals gekauft habe. Ironischerweise begannen die Finnen genau auf dieser Platte mit ihren «Progressive-Experimenten». In der Bandgeschichte wird die Scheibe auch gerne als Wendepunkt bezeichnet. Für mich persönlich enthält «Unia» allerdings auch einige brauchbare Nummern. Dazu gehört beispielsweise «In Black And White». Und genau diesen Song stimmen Tony und Co. nun an. Euphorie? Fehlanzeige! Dieser Track entpuppt sich ebenfalls als waschechte «Live-Enttäuschung». Und was ist bitteschön mit Sonatas Mischer los? Formtief? Elias respektive seine Gitarre hört man kein bisschen. Dagegen sind Tommys Drums zu dominant. Der Grossteil des Publikums feiert jedoch unbekümmert mit den Finnen mit. Ähm… hören die das denn nicht?

Dann verlässt Tony für einmal seinen blau beleuchteten, «laserschwert-ähnlichen» Mikrofonständer und setzt sich auf ein Podest am Bühnenrand. Es folgt das erste, wirkliche Highlight des heutigen Sonata-Auftritts: Die Mega-Ballade «Tallulah». Diese wird äusserst souverän vorgetragen. Für einmal habe ich nichts zu meckern. Sonata Arctica sind unter anderem einfach Balladen-Könige. Das lässt sich nicht abstreiten. Weiter muss man den Finnen ihre Sympathie zugutehalten. Vor allem Tony hat sehr oft ein Lächeln auf den Lippen. Während «Tallulah» findet er zudem auch kurz Zeit für eine humoristische Einlage. Mit Blick in Richtung Tommy wird ein Passus in der Strophe «I see you walking hand in hand with long-haired drummer of the band» kurzerhand zu «short-haired drummer» umgeformt. Bassist Pasi überzeugt dagegen mit seinen Grimassen. Aber Sympathie ist leider nicht alles. Die musikalische Leistung sollte ebenfalls stimmen. Und diesbezüglich enttäuschen Sonata bis hierhin leider mehrheitlich. Einzig Tonys Gesangsleistung weist wie gewohnt keine Schwächen auf.

Es folgt ein Mix aus neueren Songs («Fairytale», «Among The Shooting Stars», «We Are What We Are») und älteren Nummern («FullMoon», «Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited»). Insbesondere «FullMoon» vom allerersten Sonata-Album «Ecliptica» ist jeweils eine echte Live-Granate. Dummerweise überzeugt aber auch dieser Song am heutigen Abend überhaupt nicht und hat eine eher einschläfernde Wirkung auf die Menge. Besser wird es dann dafür mit der Monster-Nummer «The Power Of One». Neben «Tallulah» ist das ganz klar die stärkste Nummer des Abends. Ich habe Hühnerhaut. Die Jungs können es ja doch noch! Aber weshalb zeigen sie es heute Abend bloss so selten? Man beachte zudem, dass beide Top-Songs der heutigen Setliste vom 2001er-Album «Silence» stammen – einer Platte aus der Power Metal-Ära der finnischen Wölfe.

Den Zugaben-Block eröffnen Tony und Co. mit «Misplaced». Irgendwie war diese Nummer auch schon temporeicher. Die schwache Interpretation passt allerdings zum heutigen Auftritt der Herrschaften. «Misplaced» ist übrigens die einzige Änderung im Vergleich zur Setliste des Z7-Auftritts vom vergangen Oktober. Eigentlich wäre locker genügend Material für mehrere Anpassungen des Sets vorhanden. Okay, es handelt sich immer noch um dieselbe Tour. Aber von einer Band wie Sonata Arctica erwarte ich durchaus etwas mehr Flexibilität in Sachen Setliste. Das ist doch legitim, nicht?

Es folgen nun «I Have A Right» und «Don’t Say A Word» – der beinahe schon obligate Abschluss-Song der Finnen. Aber ist das tatsächlich die stärkste Nummer der Finnen? «Don’t Say A Word» darf sehr gerne in der Setliste bleiben, allerdings dürfte für mich auch einmal ein anderer Song als «Grande Finale» auf den Plan treten. Auswahl gäbe es – wie bereits erwähnt – genug. Entlassen wird das Publikum dann mit dem ebenfalls stets fix eingeplanten «Vodka-Medley». Danach verlasse ich enttäuscht den Saal. Sonata konnten heute Abend meine Erwartungen leider (wieder einmal) nicht erfüllen und dem Druck nicht standhalten. Schlafen kann ich immer noch in meinem Bett. Dazu brauche ich eigentlich nicht extra ein Konzert.

FAZIT

Striker sind die Gewinner des Abends – ohne Zweifel. Schade nur, dass sie als erste Band antraben müssten. Das nächste Mal kann man den Jungs getrost etwas mehr Spielzeit gewähren. Ich würde sie mir sofort wieder ansehen. «Trio-schnarch» und Sonata Arctica haben mich dagegen ziemlich enttäuscht. Insbesondere der Headliner kriegt nun nochmals sein Fett weg.

«Victoria’s Secret», «The Cage», «Broken», «8th Commandment”, «Kingdom For A Heart», «Replica», «Letter To Dana», «Black Sheep», «Last Drop Falls», «Wolf & Raven», «Sing In Silence», «Blinded No More» oder die Über-Hymne «The End Of This Chapter» – es gibt so viele, überragende Sonata Arctica-Songs. Weshalb berücksichtigen Tony und Co. diese dann nicht – oder nur sehr dürftig – in ihren aktuellen Setlisten? Oder auch die gelungenen Cover-Versionen von «I Want Out» (Helloween) oder «I Can’t Dance» (Genesis) wären eine willkommene Abwechslung. Grundsätzlich wäre eine Setliste im Stile der Live-CD/DVD «For The Sake Of Revenge» aus dem Jahre 2006 ideal. Oder wie 2015. Da gingen Sonata auf Tournee und diese stand ganz im Zeichen ihres ersten Albums «Ecliptica». So eine Tour könnten sie meinetwegen gerne auch einmal für das Album «Silence» machen.

Vorerst werde ich Live-Auftritte von Sonata Arctica nun allerdings boykottieren. An Festivals könnte man ja noch bei ihnen vorbeischauen. Falls sie dann nicht überzeugen, gibt es in der Regel ja genügend Ausweich-Möglichkeiten in Form von anderen Bands. Sollten sie irgendwann wieder einmal ein geniales Power Metal-Album raushauen, könnte ich mir einen Konzertbesuch allerdings wieder vorstellen. Bis dahin muss ich mich wohl damit genügen, dass Sonata auf CD momentan stärker klingen als während Live-Shows. Dann schmeissen wir doch einmal «Ecliptica» oder «Silence» in die eigene Musik-Anlage und erfreuen uns an den alten, mächtigen Sonata-Hymnen.

Des Weiteren hätte ich als Abschluss noch einen kleinen Appell an die Konzertbesucher: Meinen Fotografen-Kollegen blieb während der Auftritte der beiden Vorbands der Zutritt zum Fotograben leider vermehrt. Somit mussten sie mitten in der Menge herumstehen und versuchen, an tolle Bilder heranzukommen. Bitte macht den Fotografen doch jeweils etwas Platz und steht nicht einfach doof im Weg herum. Die Jungs und Mädels machen ja schliesslich nur ihren Job.

Setliste – Striker

  1. Crossroads
  2. Former Glory
  3. Locked In
  4. Lethal Force
  5. Phoenix Lights
  6. Out For Blood
  7. Born To Lose
  8. Full Speed Or No Speed
  9. Fight For Your Life

Setliste – Sonata Arctica

  1. Intro
  2. Closer To An Animal
  3. Life
  4. The Wolves Die Young
  5. In Black And White
  6. Tallulah
  7. Fairytale
  8. FullMoon
  9. Among The Shooting Stars
  10. No More Silence Intro + Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited
  11. We Are What We Are
  12. The Power Of One
  13. Misplaced*
  14. I Have A Right*
  15. Don’t Say A Word*
  16. Vodka-Medley*

*Zugaben


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2.5/5 - (1 vote)
01.03.2017
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