Burning Witches (CD Cover Artwork)
Sa, 27. Mai 2017

BURNING WITCHES – BURNING WITCHES

Heavy Metal
25.05.2017
Burning Witches (CD Cover Artwork)

Feuer!

Überall schiessen Flammen aus dem Boden hervor. Die Hitze presst den Schweiss aus meinem Körper. Schreie gequälter Seelen dringen in meine Ohren. Vor mir erhebt sich ein rabenschwarzes Tor. Langsam und knarrend öffnen sich die riesigen Pforten und aus dem Schatten treten fünf Gestalten hervor. Allesamt bildhübsche Mädels. Doch nur ein Narr würde sich von der blossen Optik täuschen lassen. Bei den Damen handelt es sich nämlich um echte Hexen.

Werden sie meinem Körper nun die Seele rauben? Werde ich in diesem Flammen-Inferno elendig verrotten? Offenbar nicht. Die Hexen scheinen andere Pläne mit mir zu haben. Die Anführerin streckt ihre Hand aus. Es sieht so aus, als möchte sie mir etwas überreichen. Urplötzlich halte ich eine CD-Hülle in meinen Händen. Ein flammender Schriftzug erscheint und zaubert zwei Wörter herbei. Jetzt kann ich es deutlich lesen. Da steht «Burning Witches» geschrieben. Die fünf Hexen beginnen boshaft zu grinsen. Als die Anführerin mit ihren Fingern schnippt erscheinen neben mir aus dem Nichts zwei gigantische Boxen. Schallendes Gelächter ist zu hören. Kurz darauf bohren sich diabolische Melodien in meine Gehörgänge. Hexen-Metal!

Doch nach diesem lebhaften Einstieg folgt nun eine kleine Geschichtsstunde. Burning Witches sind eine «All Woman Swiss Heavy Metal Band» und wurden im Jahre 2015 von Gitarristin Romana Kalkuhl in Brugg ins Leben gerufen. Im Dezember desselben Jahres stiess mit Alea Wyss schliesslich das fünfte und letzte Mitglied zur Gruppe dazu. Nach einigen Auftritten fanden die Damen selbstverständlich auch genug Zeit, um fleissig an ihrer Debütplatte herumzuschrauben. Mit Kollege Marcel «Schmier» Schirmer von den deutschen Ur-Thrashern Destruction haben sie sich einen erfahrenen Mann für den Produzentenjob mit ins Boot geholt. Zur kurz darauf veröffentlichen 2-Track-Demo hat Metalinside-Kamerad Daniel Baratte bereits ein Review verfasst, welches ihr euch selbstverständlich ebenfalls auf unserer Seite zu Gemüte führen könnt. In ein paar Tagen soll nun jedoch das vollständige Studioalbum folgen. Als Release-Termin wurde der 27. Mai festgelegt. An diesem Abend soll dann auch im Zürcher Dynamo eine wilde Plattentaufe gefeiert werden. Doch genug geplaudert. Jetzt wollen wir endlich hören, was die Burning Witches auf ihrem gleichnamigen Erstlingswerk so alles zu bieten haben.

DAS ALBUM – «Burning Witches»

Die Hexen-Jagd wird mit der Nummer «Black Widow» eröffnet. Oha! Ein furioser Start mit starken Gitarrenriffs. Und da meldet sich auch bereits ein erstes Mal Seraina Telli zu (Gesangs-)Wort. Welch ein hoher Schrei. Das erinnert mich stark an eine weibliche Version eines gewissen Herrn Rob Halford – seines Zeichens Leitwolf der britischen Metal-Götter Judas Priest. Der Zuhörer erfreut sich hier an Heavy Metal in Reinkultur. Insbesondere die bissigen Screams von Seraina sind überaus beeindruckend. Da steckt Gesangstechnisch ebenfalls ein wenig Noora Louhimo (Battle Beast) drin. Die Gitarrenfraktion um Alea und Romana darf sich ebenfalls bereits ordentlich austoben. Ein geiler und eingängiger Opener.

Wie steht es um den darauffolgenden Titel-Track? Ist es bereits Zeit für den Scheiterhaufen? Vom Rhythmus her sind nun die Headbanger unter euch gefordert. Nackenmuskel-Training at it’s best. Insbesondere der Refrain lässt sich ohne zu zögern häuslich in den Gehörgängen der Zuhörerschaft nieder. In diesem Sinne: «Burn The Witch!» (aber bitte nur im übertragenen Sinn. Die Damen sollen uns doch bitte noch eine Weile erhalten bleiben). Seraina beweist sich abermals ohne Probleme in den höheren Tonlagen. Da könnte wohl so mancher Herr nicht einmal mit eingeklemmtem Skrotum mithalten.

Grob und aggressiv kommt dann schliesslich «Bloody Rose» um die Ecke. Da werden keine Gefangenen gemacht. Einmal mehr überzeugen die Witches mit einem eingängigen Refrain. Seraina zückt zwischendurch ihre nächste Waffe: Teuflische Growls. Respekt an die stimmliche Variation der Chef-Hexe. Alea und Romana kitzeln abermals alles aus ihren Saitenköniginnen heraus.

Im Gegensatz zu den vorangehenden Songs setzt «The Dark Companion» auf ruhigere Klänge. Eine Ballade? Wieso auch nicht. Nach den doch eher rasanteren Nummern ist eine Verschnaufpause sicherlich keine schlechte Sache. Seraina kann auch ganz sanft sein. Wirklich lange scheinen die Mädels allerdings nicht stillsitzen zu können. Nach einer Spielzeit von 01:16 Minuten folgt bereits wieder eine Temposteigerung. Im Galopp-Rhythmus reitet die Zuhörerschaft zum Ende des Songs. Erneut eine sack- ‘tschuldigung eierstockstarke Gesangsleistung der Front-Hexe.

Gerade einmal knappe 02:52 Minuten Spielzeit bringt «Metal Demons» auf die imaginäre Waage und sichert sich so den Podestplatz in Sachen kürzester Song auf dem Album. Offenbar scheint den Witches die Zeitknappheit bei dieser Nummer bekannt zu sein. Sie legen nämlich los wie die Feuerwehr. Ein weiteres Mal erleben wir einen fulminanten Rob Halford-Schrei, der durch Mark und Bein geht. Lala Frischknecht hämmert unermüdlich auf ihrer Trommelstation herum. Während Live-Shows ist dies sicherlich eine geeignete Mitmach-Hymne. Ich höre im Geiste bereits den ganzen Dynamo Saal folgende Worte schreien: «We Are Metal Demons!». Wie bereits angedeutet geht der Song aber leider viel zu rasch zu Ende.

Retter gesucht! Es folgt der Track «Save Me». Die Nummer würde ich nun am ehesten als Ballade durchgehen lassen. Obwohl die Hexen auch hier keine komplette Tempodrosslung vornehmen. Erfreuen dürfen wir uns an Serainas kräftigem und wundervollen Stimmorgan. Vor dem Gitarrensolo im letzten Song-Drittel ziehe ich ebenfalls meinen Hut. Wie ging das noch gleich mit Rock- und Metal-Bands? Sind die bekanntesten Stücke solcher Truppen nicht oftmals Balladen? Nur, dass das mal gesagt ist.

Heftiges Lala-Getrommle und markante Riffs eröffnen den Highspeed-Track «Creatures Of The Night». An der Mikrofonfront wird wieder munter geschrien. Definitiv eine weitere Nummer für die Headbanger-Fraktion. Dieser Song gehört ebenfalls in künftige Live-Setlists. An der Plattentaufe werden wir aber wohl logischerweise sämtliche Stücke in ihrer ganzen Pracht zu hören bekommen.

Es ist angerichtet. Ihr Kinderlein kommet. Die Hexen möchten euch verspeisen. Passend dazu gibt’s den Track «We Eat Your Children». Na dann «bon appétit». Welch fieser Lacher, den der Zuhörer da zu Beginn des Songs zu hören bekommt. Böse Gitarrenriffs und Soli dürfen bei solch einer Geschichte selbstverständlich keinesfalls fehlen. Also, wer von seinen lästigen Bälgern genug hat, findet in den Burning Witches sicherlich dankbare Abnehmerinnen.

«Creator Of Hell» vereint einige Spielarten des Metal in sich. Die Witches setzen primär auf die Marke Heavy Metal. In diesem Track – und auch bei den meisten anderen dieser Platte – sind aber auch ab und an gewisse Elemente des Thrash und Power Metal deutlich hörbar. Mähnen schütteln wird bei diesem Teufelswerk ebenfalls wieder zum Thema. Ein wuchtiger Stampfer!

Ob eurer Name auf der «Deathlist» steht, werden euch wohl nur die Witches selbst verraten können. Tempo und Aggressivität zählen auch bei dieser Nummer zu den wichtigsten Zutaten für den Zaubertrank der fünf Hexen. Mit einer Spielzeit von 05:19 Minuten sind wir zudem beim längsten Stück des gesamten Albums angelangt. Ein erstes Mal höre ich nun zwischendurch auch den Bass von Jay Grob. Sie scheint sich bisher wohl eher dezent im Hintergrund versteckt gehalten zu haben. Ab und an kristallisieren sich insbesondere bei den Gitarren-Parts teilweise leichte Einflüsse von Iron Maiden heraus.

Einen Pfeil haben die Mädels noch im Köcher. Den Albumabschluss bildet eine Coverversion der Judas Priest-Hymne «Jawbreaker» aus dem Jahre 1984. Burning Witches zollen hier unverkennbar ihren Idolen Tribut – und das in äusserst beeindruckender Manier. Sämtliche Mitglieder des Hexenzirkels mobilisieren ein allerletztes Mal ihre Kräfte und holen nochmals alles aus sich heraus. Ein gelungenes und würdiges Finale!

FAZIT

«Burning Witches» – das ist viel mehr als bloss fauler Hexen-Zauber. Die fünf Mädels zeigen auf ihrer Debütplatte frischen und kraftvollen Heavy Metal und werden die Szene sicherlich ziemlich aufmischen. Auf dem Scheiterhaufen müssen diese Hexen noch lange nicht brennen. Stattdessen wünsche ich ihnen eine lange und erfolgreiche Karriere. Den ersten grösseren Meilenstein werden sie mit der Veröffentlichung ihres Erstlingswerks zweifelsohne erreichen. Ich bin überaus stolz auf die Schweizer Metal-Szene. Mit dem Emerald-Silberling «Reckoning Day» und nun auch dieser Burning Witches-Scheibe haben in diesem Jahr zwei verflucht geile Werke das Licht der Welt erblickt.

Dieses Review hat euer Interesse an den brennenden Hexen geweckt? Kein Problem. Wie zuvor bereits erwähnten feiern die Mädels die Plattentaufe ihres Silberlings am Samstag, 27. Mai im Zürcher Dynamo. Vorbeischauen lohnt sich!

Reinhören und portofrei bestellen

Trackliste Burning Witches – Burning Witches

  1. Black Widow
  2. Burning Witches
  3. Bloody Rose
  4. The Dark Companion
  5. Metal Demons
  6. Save Me
  7. Creatures Of The Night
  8. We Eat Your Children
  9. Creator Of Hell
  10. The Deathlist
  11. Jawbreaker (Judas Priest-Cover)

Line Up – Burning Witches

  • Jay Grob – Bass
  • Lala Frischknecht – Drums
  • Seraina Telli – Vocals
  • Alea Wyss – Guitars
  • Romana Kalkuhl – Guitars

Video Burning Witches – Burning Witches


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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25.05.2017
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