Pain - Dynamo Zürich 2017 (Flyer)
Sa, 29. April 2017

PAIN, DUST IN MIND, MXD

Dynamo (Zürich, CH)
06.05.2017
Pain - Dynamo Zürich 2017 (Flyer)

Brachialer Industrial Metal

Ein überaus gelungener Gig von Peter Tägtgren und seinen Mannen von Pain. Die Schweden schmetterten dem Publikum in souveräner Manier ihre brachialen Industrial Metal-Melodien entgegen. Bei den Vorgruppen konnten vor allem Dust In Mind überzeugen. Alles Weitere kann nun auf den nachfolgenden Zeilen nachgelesen werden.

Meh Suff!-Konzertabend zum Zweiten. Nach der gestrigen Moonspell-Show darf sich das Zürcher Publikum heute Abend an den Klängen von Pain erfreuen. Zur Abwechslung scheint auch wieder einmal die Sonne. Die angenehmen Temperaturen würden eigentlich auch einen Outdoor-Event möglich machen. Trotzdem begebe ich mich gerne ins Innere des Dynamos und schnappe mir an der Bar den ersten Hopfen-Smoothie des Abends. Heute Abend scheinen einige Kollegen aus der Westschweiz beziehungsweise Frankreich angereist zu sein.

Auf Pain bin ich dank Nightwish aufmerksam geworden. Während der Anette Olzon-Ära waren die Schweden ab und zu an Konzerten als Support-Act mit von der Partie. Peter Tägtgren ist sowieso ein waschechter Tausendsassa. Neben Pain ist er noch bei Hypocrisy und dem Projekt Lindemann aktiv. Auch als Produzent ist Peter ein ziemlicher Workaholic. Er hat beispielsweise schon Platten von Amon Amarth, Amorphis, Cradle Of Filth, Dark Funeral oder Sabaton mitproduziert. Ich bewundere den Kerl. Deswegen habe ich mich auf gegen das parallel im Z7 stattfindende Wolfsfest im Mini Z7 entschieden. Die beiden Vorgruppen sind mir dagegen (noch) kein Begriff.

MXD

Eröffnet wird der heutige Konzertabend von den aus der Westschweiz stammenden MXD. Die drei Herrschaften spielen eine Mischung aus Elektro-Rock und Crossover. Leider ist diese Combo so gar nicht mein Fall. Der zu dominante Bass übertönt alles andere. Die Lichteffekte sind absolut fotountauglich und fördern viel eher Epilepsie-Anfälle. Besonders auffallend ist lediglich Gitarrist Stéphane Grand. Mit seinen Muckis erinnert er mich sehr stark an Dwayne «The Rock» Johnson. MXD mögen vielleicht ins Vorprogramm von Pain passen, aber in mein persönliches Repertoire schaffen es die drei Herrschaften definitiv nicht. Das kann ja nur besser werden!

DUST IN MIND

Die nächste Truppe kommt aus Frankreich – genauer gesagt aus dem Städtchen Strasbourg. Dust In Mind wurden 2013 gegründet und spielen gemäss eigenen Angaben einen Mix aus Melodic Death und Industrial Metal. Anfang April haben sie ihr zweites Album veröffentlicht. Das Ding hört auf den Namen «Oblivion». Ich bin gespannt.

Um 21.10 Uhr betreten die jungen Franzosen die Bühne. Es folgt ein solider und mitreissender Auftritt. Sehr gut gefällt mir das Zusammenspiel der Stimmen von Jennifer Gervais und Damien Dausch. Sie sorgt für die klaren Passagen und er haut die fiesen Growls und Screams raus. Das erinnert mich an Bands wie Amaranthe oder In This Moment. Ähnlich wie Maria Brink nimmt Jennifer ebenfalls einige Outfit-Wechsel vor. Sei es einmal mit einer Mischung aus Domina und Burlesque oder einfach nur mit frecher Ledermütze. Dazu trägt sie zerrissene Netzstrümpfe. Musikalisch kann ich ab und an ebenfalls Elemente von Lacuna Coil erkennen.

Das Publikum ist etwas aktiver und auch der Saal wirkt plötzlich voller. Damien zeigt sich überrascht, wie viele Leute heute Abend der französischen Sprache mächtig sind. Das hätte er Zürich wohl nicht zugetraut. Nach gut 50 Minuten ist der gelungene Gig der Franzosen auch schon wieder zu Ende. Dust In Mind haben mich überzeugt. Direkt im Anschluss sichere ich mir am Merch-Stand noch ein Exemplar des «Oblivion»-Albums.

PAIN

Um 22.30 Uhr ertönt plötzlich der Billy Idol-Hit «Rebel Yell» aus den Boxen. Kurz darauf betreten Pain die Bühne und ernten ein erstes Mal frenetischen Applaus. Neben Peter Tägtgren (Gesang/Gitarre) sitzen heute Abend Jonathan Olsson (Bass), David Wallin (Drums) und Greger Andersson (Gitarre) im Boot. Die Schweden eröffnen ihr Set mit der Nummer «On Your Knees (Again)» vom Debütalbum aus dem Jahre 1997. Die neueren Pain-Werke kenne ich nicht sonderlich gut. Deswegen freut mich die Berücksichtigung von solch alten Hymnen umso mehr. Im Vorfeld der «Coming Home Tour Part II» wurden die Fans ja via Facebook gefragt, welche Songs sie denn gerne hören würden. Auch ich habe bei diesem Voting mitgemacht und mehrheitlich ältere Geschichten vorgeschlagen.

Als nächstes folgt der Track «End Of The Line» von der 1999er-Platte «Rebirth». Diese Scheibe enthält sowieso einige Schätze. Selbstverständlich werden auch Nummer aus dem neusten Werk «Coming Home» in die Setliste integriert. Pain schaffen es allerdings, ein ausgezeichnetes Gleichgewicht zwischen alt und neu zu erzeugen. Die Soundqualität ist top. Peter steht übrigens während des gesamten Auftritts in eine Zwangsjacke gekleidet auf der Bühne. Ganz normal ist der Typ sowieso nicht.

Die Lachmuskeln werden schliesslich beim neuen Song «Call Me» gefördert. Peter fragt in die Runde, wer denn so alles ein Handy besitzt. Gewöhnt schweizerisch folgen die Antworten eher spät und zögerlich. «Just one guy? Awesome», ist Peters leicht ironische Antwort darauf. Der gute Herr solle ihn doch bitte anrufen. Ehe dieser etwas entgegnen kann, geht der Song auch schon los. Damit hat das Publikum aber nicht zum letzten Mal gelacht. Plötzlich taucht am rechten Bühnenrand eine Puppe auf, die geradesogut aus der «Muppet Show» hätte stammen können. Gesicht und Outfit sind jedoch unverkennbar. Es ist eindeutig ein Abbild des Sabaton Frontmanns Joakim Brodén. Im Videoclip zu diesem Song ist er übrigens ebenfalls in dieser Form zu sehen (und hören). Seine Stimme wird dann ab Band eingespielt. Meinetwegen hätte er gerne auch in natura auftauchen dürfen.

Auch im weiteren Showverlauf werden zahlreiche altgediente Pain-Hymnen berücksichtigt. «Suicide Machine», «Monkey Business» oder «Just Hate Me». Ebenfalls nicht fehlen darf natürlich der Über-Song «Same Old Song». Bei all diesen älteren Geschichten singt das Publikum jeweils wacker mit. Das entlockt sogar dem sonst so ernst dreinblickenden Peter ab und an ein Grinsen. Ohne Zugabe lassen die Fans ihre Helden keinesfalls ziehen. Und Pain haben zum Abschluss nochmals zwei kraftvolle Asse im Ärmel: «On And On» und das ultimative «Shut Your Mouth».

FAZIT

Pain waren absolut top und auf Dust In Mind habe ich definitiv ein Auge geworfen. Die Entwicklung dieser jungen Band werde ich gerne weiterverfolgen. MXD waren dagegen – zumindest was meinen Geschmack angeht – «en ziemliche seich». Abschliessende möchte ich mich beim Meh Suff!-Team für zwei gelungene und süffige Konzertabend bedanken. Insbesondere die Headliner konnten in beiden Fällen effektiv überzeugen. Ich freue mich bereits jetzt auf die nächsten Schreibeinsätze an euren Events.

Setliste – MXD

  1. Parashit
  2. Ding Dong
  3. Extrospection
  4. Fuel
  5. Z(H)ero
  6. Bulldozer Baby
  7. Veloce
  8. X-Tra Krishna
  9. Hockenheim

Setliste – Dust In Mind

  1. Get Out
  2. Spreading Disease
  3. Lullaby
  4. Never Look Back
  5. Mrs Epilepsy
  6. I’m Different
  7. Oblivion
  8. Born To Fight
  9. The Slave of Man
  10. Coward

Setliste – Pain

  1. Intro (Rebel Yell – Billy Idol)
  2. On Your Knees (Again)
  3. End Of The Line
  4. Pain In The Ass
  5. Zombie Slam
  6. A Wannabe
  7. Call Me
  8. It’s Only Them
  9. Suicide Machine
  10. Monkey Business
  11. The Great Pretender
  12. Coming Home
  13. Same Old Song
  14. Just Hate Me
  15. Dirty Woman
  16. I’m Going In
  17. On And On*
  18. Shout Your Mouth*

*Zugabe


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06.05.2017
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Autor Bewertung: 8/10
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