Metalinside.ch - Slayer - Komplex 457 Zürich 2017 - Foto Röschu
Di, 20. Juni 2017

Slayer, Poltergeist

Komplex 457 (Zürich, CH)
/ 26.06.2017

Die Schlächter machen Halt in Zürich

Die Schweiz leidet unter einer Hitze-Welle. Dies ist nicht nur mein subjektives Empfinden, sogar die Behörden geben Hitze-Warnungen heraus und empfehlen, sich am Mittag und Nachmittag körperlich nicht zu überlasten. Ist es also eine gute Idee, sich am Abend nach Zürich zu begeben und zu Poltergeist und Slayer abzugehen? Auf jeden Fall, und die Begründung ist ganz einfach: Slayääääääärrrr!!!

Ab in den Komplex!

Zum Glück ist es schattig vor dem Komplex. Denn die angekündigten verschärften Sicherheitskontrollen werden tatsächlich durchgeführt und es gibt entsprechende Warteschlangen. Auch wenn nicht wirklich allen klar ist, wo man anstehen muss (bei „Abendkasse / Gästeliste“ dürfen nur Frauen anstehen, bei „Vorverkauf“ nur Männer), geht die Kontrolle schnell voran und schon bald befinde ich mich seitlich vor der Bühne. Die Security bleibt trotz genervten Fans und grossem Ansturm ruhig und freundlich. Daumen hoch!

Im Komplex spukts – Poltergeist

Ich betrete den Komplex und die Vorband, Poltergeist aus Liestal, dröhnt bereits mit ihrem soliden Thrash Metal aus den Lautsprechern. Erstaunt schaue ich auf die Uhr und stelle fest, dass sie etwa fünf Minuten zu früh begonnen haben. Ich finde dies nicht weiter schlimm, denn die Mucke haut mich nicht wirklich vom Hocker. Daher bleibt mir Zeit, den Blick durch die Location schweifen zu lassen: Es sind noch nicht allzu viele Leute anwesend (z.B. nicht so wie damals, als Sabaton und Alestorm den Komplex zum Platzen brachten), aber es ist ja auch noch nicht allzu spät. Der Sound ist nicht der Wahn; der Mischer scheint noch mit den Drehern und Schaltern zu spielen. Mal hört man nur Vocals und Drums, dann wieder nur Bass und Drums, von den Gitarren hört man leider lange nichts. Der Anfang des Konzerts ist also nicht so gut wie erhofft, nach etwa 20 Minuten pendelt sich dann aber der Sound auf einem guten Niveau ein und auch das Publikum erwacht aus der Oh-Mann-es-ist-so-heiss-Starre. Die zweite Hälfte des Konzerts nutzen die Basler, um das Publikum so richtig für Slayer vorzuheizen.

Slay-DC? Slayer

Die Umbauphase scheint beendet zu sein, der Soundcheck ist durchgeführt. Schon seit dem Ende des Poltergeist-Gigs läuft AC/DC aus der Konserve. Dazwischen schreien Fans mit lauter Röhre entweder „Slayer! Slayer! Slayer!“ oder „Slayäääääärrr!“. Als dann „Thunderstruck“ aus den Boxen ertönt, werden die Lyrics spontan von „Thun-der“ zu „Slay-er“ geändert. Die Stimmung ist schon heiss!

Mit einiger Verspätung treten Tom Araya (Gesang, E-Bass), Kerry King (E-Gitarre), Gary Holt (E-Gitarre) und Paul Bostaph (Schlagzeug) auf die Bühne. Musikalisch wird das Erscheinen vom Repentless-Intro untermalt, gefolgt vom Titeltrack des aktuellen Albums. Slayer beweisen, dass man nicht nur das alte Material hören kann, sondern dass neue Songs auch live gut funktionieren können! Auch die Amerikaner kämpfen zu Beginn mit geringen Soundproblemen, so ist Kerrys Gitarre fast nicht zu hören. Jetzt hat der Mischer den Dreh aber schneller raus und schon gegen Ende des Songs ist der Sound eine Wucht! All jene, welche Angst hatten, der Komplex-Sound würde das Slayer-Feeling beeinträchtigen, können also auch getrost abfeiern.

Die Party steigt schon bei den ersten paar Takten: Mosh- und Circle Pits wechseln sich ab und es wimmelt von Crowdsurfern. Die Setliste der Thrash Metal Band birgt nur ganz grosse Hits (siehe unten): Von „The Antichrist“ und „Mandatory Suicide“ geht es über „Post Mortem“, „Take Control“ und „South Of Heaven“ zu den Überhits „Raining Blood“ und „Angel Of Death“. Für den 0815-Slayer-Fan bleiben wohl keine Wünsche offen, mir persönlich fehlen aber Songs von meinem Lieblings-Slayer-Album „Divine Intervention“. Naja, die habe ich mir auch nicht wirklich erwartet, trotzdem erhoffe ich sie mir bei jedem Slayer-Konzert sehnsüchtig.

Bleibt zu sagen, alles in allem war es ein Top Konzert. Auch wenn Dave Lombardo und Jeff Hannemann fehlen und die Herren langsam älter werden, wissen sie immer noch, wie man die Massen nach alter amerikanischer Schule zum Headbangen bringt!

Handys runter!

Ein Trend, der mich nicht nur an diesem Konzert störte, aber ganz speziell auffiel, sind die vielen Smartphones über den Köpfen des Publikums. Liebe Metalheads, lasst eure Mini-Computer doch bitte in der Hosentasche. Niemand wird eure 32-minütigen Videos in Augen- und Ohrenkrebs-Qualität reinziehen wollen. Und wenn ihr ein Slayer-Konzert ab Display sehen wollt, kauft euch eine Live-DVD. Kommt günstiger, ist bequemer und stört die anderen nicht!

Fanzit

Gut, gegen Ende noch kurz gemotzt, aber der Abend war klasse. Es war das erste Mal, dass ich Slayer ausserhalb eines Festivals gesehen habe. Tatsächlich muss ich zugeben, dass die Stimmung am eigenen Konzert noch ein Spürchen geiler ist und auch die Herren auf der Bühne ein bisschen mehr abgehen. Ach ja, so guten Sound hatte ich wohl an einem Slayer-Konzert auch noch nie erlebt. Poltergeist hat mich zwar nicht gross begeistert, aber wenigstens wurde mir während ihrem Konzert auch nicht langweilig. Ihren Hauptauftrag, das Publikum aufzuheizen, haben sie auf jeden Fall erfüllt. Kurz und knapp bleibt nur noch zu sagen: Slayäääääärrr!!

Setliste Poltergeist

  1. Writing On The Wall
  2. Back To Haunt
  3. And So It Has Begun
  4. Empty Inside
  5. Just Doin‘ My Job
  6. Patterns In The Sky
  7. Behind My Mask
  8. Nothing Lasts Forever

Setliste Slayer

  1. Repentless
  2. The Antichrist
  3. Disciple
  4. Mandatory Suicide
  5. Hallowed Point
  6. War Ensemble
  7. When The Stillness Comes
  8. You Against You
  9. Post Mortem
  10. Born Of Fire
  11. Dead Skin Mask
  12. Hate Worldwide
  13. Pride In Prejudice
  14. Take Control
  15. Seasons In The Abyss
  16. Spirit In Black
  17. South Of Heaven
  18. Raining Blood
  19. Chemical Warfare
  20. Angel Of Death

Fotos von Slayer, Poltergeist (Röschu)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 26.06.2017
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