Blind Guardian - Live Beyond The Spheres (CD Cover Artwork)
Di, 4. Juli 2017

Blind Guardian – Interview mit Marcus Siepen und Hansi Kürsch

Heavy Metal, Power Metal
23.07.2017
Blind Guardian - Live Beyond The Spheres (CD Cover Artwork)

Neues Live Album bereit – Blind Guardian bitten zum Interview

Am 7. Juli gibt’s ein Lebenszeichen der Krefelder Fantasy Metaller Blind Guardian: ihr neues Live Album wird ab diesem Datum in den Plattenläden zu finden sein. Aus diesem Grund stellen sich die Jungs den Fragen der Fachpresse – und Metalinside ist mittendrin!

Was macht man, wenn man einfach so einen Tag frei hat und kurz zuvor die Einladung zu einem Plausch mit einer der einflussreichsten Metal Bands Deutschlands erhält? Richtig: man setzt sich in den Zug und fährt „rasch“ nach Köln. Im gemütlichen „Rock Pit“ (ein cooles Lokal mitten in der City) werden Blind Guardian Sänger Hansi Kürsch und die beiden Gitarristen André Olbrich und Marcus Siepen den Medienleuten Red und Antwort stehen. Für mich ist erst mal etwas warten angesagt, das lässt sich mit ein paar Kölsch aber problemlos überbrücken. Schliesslich kann ich mich zu Marcus Siepen an den Tisch setzen, der mir äusserst offen mein Fragenbombardement beantwortet.

Marcus Siepen (MS): Du kommst aus der Gegend von Zürich? Ich hab Freunde da in der Nähe!

Kaufi (MI): Jup. Und ich arbeite für Metalinside, das grösste Metal-Webzine der Schweiz. Kennst du es?

MS: Nein, bis jetzt nicht.

MI: Muss man ändern! Ich darf jetzt hier also ein paar Fragen stellen…

MS: Gerne! (lacht)

MI: Zuerst mal würde ich gerne etwas in der Zeit zurückgehen. In Februar 2015 wart ihr auf der 70’000 Tons of Metal Kreuzfahrt. Kurz darauf habt ihr mit „Beyond The Red Mirror“ euer aktuelles Album veröffentlicht. Das ist jetzt zweieinhalb Jahre her. Danach folgte eine grosse Tour. Wo wart ihr da überall?

MS: Überall! Einmal um die Welt herum. Genauer gesagt: zweimal! Nordamerika, Südamerika, überall in Europa, Asien, Australien. Es waren ein paar neue Märkte mit dabei, wir haben das erste Mal in Taiwan gespielt. Und letzte Woche waren wir das erste Mal in Israel. Afrika hat dieses mal gefehlt, da haben wir vorher schon mal gespielt…

MI: In Afrika?? Echt jetzt?

MS: Wir haben in Pretoria gespielt (überlegt). Wann war das? 2013…? Das war ein Festival, 2012, 2013. Ich weiss nicht mehr genau, müsste nachgucken. Wir haben da in Pretoria, oder besser gesagt ausserhalb Pretoria gespielt. War geil!

MI: Wo wollt ihr noch hin? WO habt ihr noch nicht gespielt?

MS: Ähm, es gibt einiges. Ich würd gern in China spielen, ich würd gern in Indien spielen, ich würd gerne in weiteren afrikanischen Ländern spielen. Eigentlich überall, wo wir noch nicht waren! Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, erkunde gerne Gegenden, wo ich noch nicht war. Ich find’s auch immer sehr spannend in Städten oder Ländern zu spielen, wo wir nie waren – einfach weil du nie weisst, wie reagiert das Publikum. Auf was für Stücke reagieren sie, wie sind sie an sich drauf? Das Schöne ist halt: Wenn wir auf Tour sind, sind wir genau zweieinhalb Stunden pro Tag beschäftigt, den Rest sind wir Touristen. Schöner bezahlter Urlaub! (lacht)

MI: Tönt gut! Ich hab euch im letzten Mai zusammen mit Gloryhammer in Glasgow und Manchester gesehen. Stimmt das wirklich: das war die erste Show in Schottland??

MS: Ja. Ja, es ist wirklich wahr! Erstaunlicherweise haben wir überhaupt erst sehr spät in England gespielt. Wenn ich mich richtig erinnere, war das erste Mal bei der „Night At The Opera“. Da haben wir „Bloodstock“ geheadlint, obwohl zu dem Zeitpunkt kein einziges Album von uns offiziell in England erhältlich war. Damals waren wir noch bei Virgin, und die englische Virgin hatte – aus welchen Gründen auch immer – einfach keinen Bock auf uns. Wir waren damals einfach noch nicht auf dem Markt. Inzwischen haben wir mehrmals Bloodstock gespielt, auch dieses Jahr wieder. Ansonten haben wir bis zu dem Zeitpunkt immer nur London gespielt. Diese Shows waren immer fett. Und nun haben wir gesagt, dass wir nach der London Show im Rahmen der Tour noch mal sechs, sieben Shows durch’s UK machen. Dublin, da haben wir vorher auch schon gespielt. Aber Glasgow war das erste Mal.

MI: Ich erinnere ich: das Publikum da war der Wahnsinn! Ich hab einige Konzerte von euch gesehen, aber „Barbara Ann“ zum Schluss hab ich noch nie erlebt…

MS: War schon ’ne geile Show! (lacht) Spielen wir auch nicht so oft, das sind schon spezielle Momente.

MI: Im Winter letztes Jahr habt ihr dann diese „A Night With Blind Guardian“ Geschichte durchgezogen, bei dem ihr das ganze „Imaginations From The Other Side“ Album gespielt habt. Die Show im Z7 gehört zu den besten Konzerten des letzten Jahres!

MS: Hört man gerne! (lächelt) Ende 2015 waren wir ihm Rahmen der Tour in den USA unterwegs, zusammen mit Grave Digger. Da haben wir sieben, acht Wochen getourt. Dann kam das Angebot, genau ein Jahr später im Herbst 2016 nochmals eine Runde drüben zu drehen. Da es ja die gleiche Tour war und wieder mit Grave Digger als Support, haben wir gedacht, wir müssen irgendwie was anderes spielen. Klar, teilweise waren es andere Städte, aber New York oder San Francisco spielst du immer wieder. Wir wollten nicht mit dem selben Set innerhalb von einem Jahr nochmal auftauchen und das gleiche spielen. Da haben wir überlegt, was wir machen könnten. Wir sassen nach einer Show irgendwo in Polen im Backstageraum und haben uns unterhalten, da kam die Idee, wir könnten die Imaginations spielen. Zum einen: Es war grob 20-jähriges Jubiläum. Dann gibt’s die Verbindung, dass die Story auf „Beyond The Red Mirror“ auf „Imaginations“ bei drei Songs begonnen hat. Und die Umsetzung war relativ einfach, weil wir alle Stücke schon live gespielt haben, die konnten wir relativ einfach abrufen. In dem Moment, als wir das angekündigt haben, sind irgendwie sehr viele Leute durchgedreht! Ich hab so viele Nachrichten bekommen:  „Oh, ihr müsst ’ne Welttour machen! Ihr müsst nach welches Land auch immer kommen und das hier auch machen!“ (lacht) Das war so eigentlich gar nicht geplant, aber wie gesagt: Das Feedback war enorm positiv. Ich war zu einem gewissen Zeitpunkt noch ein bisschen skeptisch, weil zumindest wenn ich als Zuschauer an ein Konzert gehe, mag ich es eigentlich, wenn ich NICHT weiss, was passiert. Wenn du natürlich ankündigst, wir spielen Album XY – okee, dann sind zehn Songs schon mal bekannt. Aber das hat hervorragend funktioniert und ich muss auch sagen: Es macht auch enorm Spass das Album so zu spielen, weil die Dynamik innerhalb der Lieder ist eigentlich ideal für eine Live-Umsetzung.

MI: Ich find’s gut – ich hab’s genossen!

MS: Schön! (lacht)

MI: Ihr habt einen Song für ein Computerspiel aufgenommen, „Children Of The Smith“. Wie kommt das zustande?

MS: Wir sind angesprochen worden von der Firma. Es ist bekannt, dass André und ich sehr grosse Computerspiel-Fans sind. Wir hatten ja mit „Sacred Worlds“ damals auch schon für das Spiel „Sacred 2“ eine Zusammenarbeit mit der Computerspielszene. Wir sind dann eben angesprochen worden, ob wir Interesse hätten an diesem Spiel mitzuwirken. Ursprünglich wurden wir angefragt, ob wir ein Stück schreiben könnten. Da muss ich jetzt sagen: „Children Of The Smith“ ist kein Stück, das wir geschrieben haben. Wir haben gesagt, dass wir uns eine Zusammenarbeit durchaus vorstellen könnten, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt keine Zeit uns hinzusetzen und irgendwas zu komponieren, weil wir kurz vor der Tour waren. Wir haben uns mit den Machern mal getroffen und konnten in frühe Spielversionen reinsehen und uns ansehen, worum es überhaupt geht. Wir haben dann vorgeschlagen, dass Hansi und ich dann performen würden, aber das Stück müsste halt von ihrem Team komponiert werden, weil wir schlicht und ergreifend keine Zeit hatten, und das war dann in Ordnung. Im Endeffekt haben die Jungs das Stück dann komponiert, wir haben dann Demo Versionen davon bekommen, haben noch ein bisschen dran rum arrangiert. Ich hab im Endeffekt die Gitarren gespielt, Hansi hat gesungen und es war ein Riesenspass.

MI: Also das waren nur du und Hansi?

MS: Das waren nur Hansi und ich! Wie gesagt, es war ein Riesenspass. Ich bin seit… boah: ewigs Computerspiele-Fan und es ist immer eine interessante Erfahrung mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen man normalerweise nichts zu tun hat. Ich meine wir machen das seit 30 Jahren und verstehen uns blind, aber wenn jetzt ein Aussenstehender kommt, hat der vielleicht ganz andere Arbeitsweisen, andere Vorgänge, andere Ansichten. Das ist immer spannend und interessant zu sehen, wie das dann funktioniert. Aber wie gesagt: Es war ein grosser Spass, wir haben das entspannt bei uns zuhause im Studio eingespielt. Das Feedback der Leute war auch sehr positiv, von daher war’s eine coole Sache.

MI: Gehen wir in die Gegenwart. Ihr habt ein Live Album gemacht. Es ist 14 Jahre her seit „Live“, 12 Jahre seit der DVD.. äähh….

MS: Ääähm – Imaginations through the looking glass! Musste jetzt auch überlegen! (lacht) Wie hiess das Ding nochmal? Hehehe…

MI: Ich hab das neue Album grad wieder auf der Fahrt hierhin gehört, die Tracklist angeschaut – es sind wenige Songs mit dabei, die auf der letzten Live-Scheibe drauf waren.

MS: Ist natürlich gewollt, man möchte nicht zweimal das Gleiche rausbringen. Wir hatten seit „Live“ drei neue Studioalben, die sollten natürlich auch vertreten sein.

MI: Wie läuft das den ab mit der Songauswahl? Mit den Aufnahmen? WO will man aufnehmen? Ich hab mindestens vier verschiedene Venues rausgehört…

MS: Ich hab irgendwann den Überblick verloren (lacht). Wir haben fast jedes Konzert der gesamten Tour aufgenommen. Für das Album haben wir uns im Endeffekt aber auf den ersten Europablock konzentriert. Da hatten wir jeden Tag dasselbe Recording Equipment dabei, dieselbe PA – was heisst, die Aufnahmequalität war sehr konsistent. Der Vorteil, wenn du so viele Shows aufnimmst: Du hast fast eine Garantie, dass du geile Versionen kriegst. Wenn du nur eine Show aufnimmst und an dem Tag dummerweise einer krank ist oder es gibt technische Probleme, dann hast du ein Problem. Das hatten wir halt nicht, wir konnten wirklich aus dem Vollen schöpfen.

Was die Setlist angeht: Wir haben uns im Vorfeld der Tour zusammengesetzt und überlegt, was können und wollen wir spielen. Wir wollten natürlich Songs vom neuen Album präsentieren. Dann hast du Klassiker, die du spielen musst, weil die Leute ansonsten durchdrehen. Und dann sind Sachen, die du teilweise noch nie oder schon sehr, sehr lange nicht mehr gespielt hast, zum Beispiel „The Last Candle“, was sehr selten gespielt war zu dem Zeitpunkt. Wir haben später auf der Tour – das ist jetzt auf dem Live Album zwar nicht vertreten – das erste Mal „Curse Of Feanor“ gespielt…

MI: Unter anderem auch im Z7!

MS: Du versuchst halt immer einen gesunden Mix aus alten und neuen Sachen zu machen Wir spielen ja relativ lange Shows, im Schnitt ist eine Show von uns zwei Stunden zehn, zwei Stunden zwanzig lang. Das bedeuetet wir spielen im Schnitt pro Abend 18 Stücke. Unsere Stücke sind halt auch relativ lang, aber wir haben glaub’s etwa 45 geprobt und vorbereitet, das heisst: wir haben die Setlist jeden Tag geändert. Es sind natürlich Sachen dabei, die jeden Tag gespielt werden, aber es waren ein paar Positionen im Set, wo wir immer variieren können. Dadurch kannst du natürlich wesentlich mehr Stücke aufnehmen im Verlauf der Tour. Zudem ist es auch für uns sehr, sehr wichtig, denn wenn wir jeden Tag die gleichen 18 Stücke spielen würden, wär’s eine stinklangweilige Routine, wenn du das über zwei Jahre jeden Tag machst. Sämtliche Spontanität wäre weg, das wäre dann irgendwie Fliessbandarbeit – und da haben wir keinen Bock drauf. Deshalb ist dieser Wechsel im Set auch für uns sehr wichtig. Und: Viele Leute kommen zu mehr als nur einer Show und sehen dann auch unterschiedliche Sets.

Über das eigentliche Aufnehmen denkst du irgendwann gar nicht mehr nach. Durch die Gewissheit, es werden eh alle Shows aufgenommen, kannst du sehr entspannt in den Gig reingehen. Wenn du wüsstest, es wird NUR heute aufgenommen, es entsteht das Live Album, bist du wahrscheinlich nervös, du versuchst besonders gut zu spielen, es beeinflusst irgendwie deinen Mindset. Aber dadurch dass eh jede Show aufgenommen wird, gehst du einfach auf die Bühne und spielst ’nen Gig. Das ist auch das Beste, was passieren kann: Wenn du gar nicht über die Aufnahme nachdenkst sondern einfach nur versuchst, eine geile Show zu spielen – wenn die dann aufgenommen wird: Wunderbar!

MI: Das Gute bei diesem Live Album – man hat jetzt „…And Then There Was Silence“, „The Ninth Wave“, „Sacred World“ UND „Wheel Of Time“ alle zusammen…

MS: Mit den vier Songs hast du schon drei andere Live Alben voll! (lacht)

MI: Genau! Aber ich hab nie eine Blind Guardian Show gesehen, an der alle vier gespielt wurden.

MS: Es gab eine!

MI: Echt??

MS: Die letzte Show auf dem ersten US Block!

MI: Da habt ihr ALLE vier gespielt??

MS: Da haben wir fast drei Stunden gespielt! Es war die letze Show, die wir in diesem Jahr gespielt haben, wo war das? In Tampa? Irgendwo in den USA. (Anm. Kaufi: Es war am 28. November 2015 in Orlando – was man im Nachhinein nicht alles rausfindet…^^) Hansi kam mit der Setlist an und wir so „Tickst du noch ganz sauber? Wie lange soll das sein?“ (lacht) „Ja, is ein bisschen länger, aber ist die Letzte“. Ok – alles klar! Und wir haben an dem Abend wirklich alle diese Songs im Set gehabt, wir standen um die 2 Stunden 50 auf der Bühne – aber wir haben auch das überlebt! (lacht)

MI: Herrlich! Im Z7 ist’s glaub’s immer „Sacred World“ – und „Wheel Of Time“ fehlt!

MS: Dumm gelaufen! (lacht) (Anm. Kaufi: meine Hirnzellen lassen mich manchmal auch im Stich – sie haben definitiv beide schon gespielt im Z7…)

MI: Die Reaktionen der Fans auf die neuen Songs… Es fällt schon auf: bei Songs wie „Imaginations From The Other Side“, „Majesty“ – all diese Klassiker, da reagiert das Publikum schon anders als auf die neueren Sachen.

MS: Erstaunlicherweise muss ich das relativieren zu einem gewissen Grad. Grundsätzlich ist es so, dass bei Stücken vom neuen Album die Reaktionen etwas gemässigter sind, weil zum einen kennen die Leute die Stücke vielleicht noch nicht so gut, kennen die Texte noch nicht, sie hören einfach mehr zu, weil es das erste Mal ist, dass diese Songs live gespielt werden… Aber ich muss sagen auf dieser Tour haben wir das alle, geschlossen als Band, anders empfunden. Wenn wir „The Ninth Wave“ oder auch „The Prophecies“ gespielt haben, waren die Reaktionen ziemlich ähnlich wie mit Klassikern. Was für uns natürlich eine geile Sache ist, denn es ist eine Bestätigung: Die Leute mögen das Lied. Sonst ist das immer ein Jahr später der Fall, wenn die Stücke dann nicht mehr „neu“ waren und das war diesesmal wirklich anders.

MI: Mir ist das einfach aufgefallen beispielsweise am Knockout Festival in Karlsruhe, Ende 2015 dürfte das gewesen sein – da ist das Publikum erst ab den Klassikern wie „Lord Of The Rings“ richtig durchgedreht. Umgekehrt finde ich selber „The Ninth Wave“ absolut grossartig!

MS: Ist für mich auch einer der Lieblingssongs auf der Tour gewesen. Da dies eine der Nummern ist, die wir mit siebensaitigen Gitarren spielen, ist es soundtechnisch eine ganz andere Wand. So tiefe Gitarren, du kriegst so einen Druck und das macht ganz einfach Spass und ist anders, als das was wir sonst gemacht haben.

MI: Dennoch – und es ist ja nicht nur ein „Problem“ von Blind Guardian, dass die neueren Sachen nicht so gut ankommen wie die Klassiker…?

MS: Ich weiss, was du meinst…

MI: Die Leute wollen fast nur die Klassiker hören! Paradebeispiel Sabaton: die haben „Metal Crüe“ auf der aktuellen Tour gekippt und wurden dafür kritisiert! Ich persönlich find’s allerdings gut…

MS: Du MUSST es irgendwann machen! Wir hatten zum Beispiel auf vielen Shows kein „Majesty“ gespielt. Wir hatten einige Shows dabei, wo wir kein „Valhalla“ gespielt haben. Und wir hatten sogar Shows dabei, wo wir keinen „Bard’s Song gespielt haben!

MI: (mir klappt ob dieser Aussage die Kinnlade runter) Ehrlich??

MS: Ja…

MI: Wow! Also ich hab ja nichts gegen diese Songs – aber genau diese Dinge finde ich als Fan extrem geil…

MS: Du musst solche Nummern auch mal auslassen, ansonsten wird dein Set immer statischer. Klar, ich weiss: Die Leute lieben den „Bard’s Song“, die Leute lieben „Valhalla“, sie lieben „Majesty“ – ich könnte dir jetzt eine Liste machen und wenn wir diese zehn, fünfzehn Stücke jeden Abend spielen wären die Leute glücklich, aber irgendwann wird es langweilig! Da musst du auch mal sagen: Weisst du was? Am Arsch, heute gibt’s keinen „Bard’s Song“! Punkt! Wo haben wir das gemacht? Tokio? Ich weiss nicht mehr, aber irgendwo haben wir gesagt: Nee, „Bard’s Song“ heute nicht. Natürlich – Du guckst ins Publikum und verabschiedest dich und die haben alle ein Fragezeichen über dem Kopf: „Moment, da fehlt doch noch was?“ Nein, wir sind fertig! (grinst) Du musst das machen… „Valhalla“ oder „Majesty“… „Majesty“ wurde geschrieben 1986. Irgendwann ist es einfach auch schön, einfach mal kein „Majesty“ zu spielen. Nicht, weil ich das Lied nicht mag – ich mag es sehr, es macht nach wie vor Spass – aber es ist auch schön, einfach mal eine Pause zu haben. Das haben wir auch mit anderen Nummern gemacht. Wir haben früher zum Beispiel sehr viel „The Script For My Requiem“ gespielt. Wir haben das dann die letzten Jahre gar nicht mehr live gespielt und es erst für diese Tour wieder ins Set mitgenommen.  Das macht dann auch wieder viel mehr Spass, wenn du sagen kannt: „Geil, jetzt hab ich Bock auf Requiem!“

MI: Es gibt einen Song – jetzt bin ich gespannt…: „Nightfall“. Ich habe Blind Guardian sicher fünfzehn mal live gesehen und „Nightfall“ ist bei JEDEM Konzert der dritte Song.

MS: Stimmt! (lacht schallend)

MI: Warum? Es ist bei jeder Show identisch – „Nightfall“ = Song Nummer 3!

MS: Ja, wir müssen da mal was dran tun! (lacht) Keine Ahnung, wann wir die nächste Tour machen, da denk ich vielleicht anders – aber wenn du mich jetzt fragst: „Nightfall“ wäre zum Beispiel ein Song, den ich auf der nächsten Tour gar nicht spielen würde. Den haben wir seit er draussen ist immer gespielt, das wäre jetzt so ein Fall, wo ich sagen würde: Jetzt mal ’ne Pause. Ich weiss – es ist eine Mega-Nummer! Ich liebe die Nummer, die Fans lieben die Nummer, wenn die alle mitsingen geht die Sonne auf – alles gut! Aber wie gesagt: Irgendwann muss man auch mal an solche Stücke rangehen.

Mit der 3? Keine Ahnung. Wir fangen meistens mit dem Opener des aktuellen Albums an. Das ist „The Ninth Wave“, vorher was „Sacred World“ – auch keine schnelle Nummer, sondern eher Midtempo. Danach hauen wir meistens irgendwas schnelles raus, und nach dem schnellen passt dann „Nightfall“: gemütlich, singen und überhaupt… Du versuchst natürlich einen Spannungsbogen, ’ne Dynamik in die Show zu bringen. Deshalb ist die Reihenfolge der Stücke extrem wichtig. „Nightfall“ funktioniert auf der 3! (lacht) Man hätte aber auch „Mordred’s Song“ spielen können. Aber ja – „Nightfall“ ist unsere 3, das kann ich nicht leugnen. (lacht)

MI: Eine Frage als Fan…  Zuerst: ich muss gestehen, dass ich erst mit der „A Night At The Opera“ zu Blind Guardian gestossen bin, also relativ spät…

MS: Es sei dir verziehen! (lacht)

MI: Danke! Aber jetzt: warum lässt ihr dieses Album – ausser „Silence“ – immer links liegen? Und warum spielt ihr „Somewhere Far Beyond“ nie live?? (Anm. von pam: Endlich, ich dachte schon, dass Kaufi das nicht fragt …)

MS: Auf der letzten Tour gespielt!

MI: „Somewhere Far Beyond“??

MS: Natürlich!

MI: Wann Wo Wie?

MS: Also nicht auf dieser Tour, sondern auf der zum „At The Edge Of Time“ Album.

MI: Dann wünschen ich und mein Chef (Anm. vom pam: hehe, danke!) bei Metalinside beim nächsten Besuch im Z7 „Somewhere Far Beyond!“

MS: Also auf der letzten Tour haben wir „Somewhere Far Beyond“ ganz regulär im Set gehabt, und haben’s deshalb diesesmal NICHT im Set gehabt. Dumm gelaufen…
„A Night At The Opera“ – jaa… (studiert)

MI: „Under The Ice“!

MS: „Under The Ice“ könnte dieses Jahr tatsächlich noch passieren! Könnte – ich verspreche nichts! (grinst) Von dem Album hat „…And Then There Was Silence“ natürlich eine Sonderstellung. Es ist die längste Nummer, die wir je gemacht haben, ist extrem komplex…

MI: Und macht Spass!

MS: Macht Spass, ja! Das Witzige war, dass damals viele Leute kamen und sagten „ja, geile Nummer, aber sowas könnt ihr unmöglich live spielen!“. Am Arsch! Wir können! (lacht schallend) Und sogar ganz gut! Und wenn du mit der einen Nummer schon eine Viertelstunde im Set abdeckst – in der Zeit kannst du drei andere Nummern spielen. Damit ist „Opera“ halt schon halb abgefrühstückt. Wir haben viel „Punishment Divine“ auf vergangenen Touren gespielt, wir haben „Under The Ice“ damals gespielt, wir haben „Soulforged“ damals gespielt…

MI: „Precious Jerusalem“…?

MS: Nein, das haben wir live noch nicht gespielt! Aber wie gesagt: „Under The Ice“ könnte bei den nächsten paar Shows noch mit reinrutschen, wir schauen mal. Das ist dann vielleicht bei der nächsten Tour: da lassen wir „Silence“ vielleicht weg, weil wir das die letzten Jahre gespielt haben, das macht dann wieder Raum für genug andere Sachen. Du versuchst natürlich immer irgendwie die Platten abzudecken und wenn du da die eine Platte schon mit 15 Minuten drin hast, nimmt das Plätze für andere Songs weg.

MI: Ihr seid jetzt seit über 30 Jahren unterwegs. Erzähl mal: irgendwelche denkwürdige, aussergewöhnliche, spezielle Momente auf einer Tour.

MS: Es sind so viele Sachen… (studiert) Was mir auf dieser Tour extrem aufgefallen ist, weil es immer wieder bei einem Song passiert ist, dass Leute, wenn wir „Lord Of The Rings“ spielen, in Tränen ausbrechen, weil das für sie so ein emotionaler Moment ist – da krieg ich Gänsehaut. Ich halte das nicht für die beste Nummer die wir je gemacht haben – es ist eine coole Nummer, ja. Aber einfach zu sehen, wie du mit einem deiner Lieder die Leute berühren kannst, ist schon beeindruckend. Dann Tourerlebnisse: immer wieder, wenn du in ein Land kommst, wo du noch nicht warst… Wir waren letzte Woche grad in Israel, das erste Mal. Mit Orphaned Land, Freunde von uns, bei ihnen vor der Haustür spielen… Supergeiles Publikum gehabt, war eine richtig geile Show. Wir waren letztes Jahr in Taiwan das erste Mal. Das sind definitiv Highlights.

MI: Wie sind denn die Unterschiede der Crowds? Also Südamerika soll ziemlich wild sein…

MS: Die Leute reagieren in Ländern unterschiedlich. Südamerika – die singen so unglaublich laut. Ich erinnere mich, als wir das erste Mal in Sao Paolo gespielt haben. Wir konnten uns auf der Bühne nicht hören, weil die so laut gesungen haben. Wir standen da „Wat geht denn hier ab?“ Dann hast du zum Beispiel die USA, die sehr agressiv sind, insofern… Wir hatten eine Wall of Death beim „Bard’s Song“! Du hast ohne Ende Circle Pits, du hast Crowdsurfer da drüben, also wesentlich aggressiveres Publikum – also aggressiv nicht im Sinne, dass sie sich prügeln oder so. Aber so Sachen passieren da am laufenden Meter. Ich könnt mir nirgendwo auf der Welt ’ne Wall of Death beim „Bard’s Song“ vorstellen! Aber da passiert’s tatsächlich. Du sitzt dann da, spielst die Nummer und denkst so „Hallo? Hört ihr zu, was wir grade spielen?“ Dann waren wir jetzt gerade Israel, Griechenland, Italien. Südeuropa ist auch sehr gesangsstark. Es ist unterschiedlich. Aber das macht auch den Reiz aus. Du spürst wirklich Unterschiede, je nachdem wo du unterwegs bist und das ist auch gut so!

MI: Wie ist das privat? Hört ihr da überhaupt Musik, wisst ihr was abgeht in der Metalszene?

MS: Ja! Also ich hör den ganzen Tag Musik, ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen, wobei ich nicht nur Metal höre. Für mich gibt’s genau zwei Arten von Musik: die, die ich mag und die, die ich nicht mag. Wenn ich ein Lied mag, ist es mir scheissegal, ob es Metal, Pop, Rock, Punk oder was-auch-immer ist. Wenn es irgendwas hat, was mich anspricht – wunderbar. Wenn es das nicht hat, dann ist es mir auch scheissegal, von wem es ist, dann mag ich’s halt nicht. Aber im Metal höre ich alles, von den alten Klassikern, mit denen ich gross geworden bin – Iron Maiden, Black Sabbath, Rainbow bis hin zu Behemoth… Wie gesagt: alles was mir gefällt. Aber ich höre auch sehr viele Sachen, die mit Metal gar nichts zu tun haben. Von Joe Bonamassa, über Pink FLoyd, Jethro Tull, Tori Amos – egal!

MI: Du bist auf dem Laufenden? Neue Iced Earth beispielsweise schon gehört?

MS: Nein, dadurch dass wir jetzt unterwegs waren, hab ich die noch nicht gehört werd ich mir noch anhören. Aber ich versuche auf dem Laufenden zu bleiben. Ich meine, du kannst nicht alles hören, weil einfach zu viele Platten rauskommen, aber natürlich: Wenn Freunde von uns Platten rausbringen, ist man immer neugierig. Aber auch so, wenn ich merke, dass eine Band für Aufsehen sorgt – aus welchem Grund auch immer – bin ich neugierig und hör’s mir an.

MI: Die neue Orden Ogan?

MS: Hab ich auch noch nicht gehört. Aber das ist jetzt zum Beispiel eine Band, die ich mag! Ich bin auf die aufmerksam geworden, weil irgendwo in der Presse stand „das sind die einzig legitimen Nachfolger von Blind Guardian“. Und ich dachte so: „Nachfolger? Uns gibt’s doch noch!“ Und Seeb (Levermann, Sänger von Orden Ogan, Kf) war das soo peinlich. Als ich ihn das erste Mal getroffen habe, kam er ganz kleinlaut: „Hör mal, ich hoffe du bist nicht böse…“ „Hör mal Seeb, alles gut! Ich hab mich kaputt gelacht!“ „Ja, ich hab das so gar nicht gesagt…“ „Eh, es ist scheissegal, mein Gott.“ (schallendes Gelächter)

MI: Tobi (Kersting, Gitarrist von Orden Ogan, Kf) sagt genau das gleiche. „Was haben wir mit Blind Guardian gemeinsam? Vielleicht etwas das Epische, aber sonst gar nichts…“

MS: Das hab ich Seeb auch gesagt! Ich hab gesagt „ihr klingt überhaupt nicht wie wir! Ok, ihr habt Chöre. Wenn Chöre jetzt heisst, ihr klingt wie wir – ok. Aber es ist musikalisch was ganz anderes!“ Ich hab jetzt das eine Video gesehen…

MI: Gunman.

MS: Gunman, genau. Coole Nummer! Ist eine Platte, die ich mir definitiv anhören werde. Wie gesagt, ich mag die Band! Sind liebe Leute, von daher: alles gut!

MI: Was machst du eigentlich, wenn du nicht für Blind Guardian arbeitest? Ferien? Fussball schauen? Computerspiele spielen offenbar!

MS: Kommt vor, ja! (lacht) Fussball nicht so… Ich geniesse die Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn. Weil wir in unserem Beruf oft weit weg sind von der Familie, geniesst du dein Familienleben umso mehr, wenn du dann zuhause bist. Wir pendeln halt zwischen diesen Extremen: Entweder sind wir zwei Jahre weg oder wir sind zwei Jahre zuhause. Da führe ich ein ganz normales Leben: Ich spül Geschirr, ich bring den Müll runter, ich geh einkaufen. Ich geh auf Konzerte, lese Bücher, geh ins Kino, wir reisen gerne, schauen uns die Welt an, besuchen Freunde… Wir haben viele Freunde, die teilweise im Ausland leben, da besuchen wir uns gegenseitig und geniessen einfach unsere Zeit. Ein ganz normales Leben!

MI: Schönes Schlusswort! Besten Dank für das Gespräch!

MS: Sehr gerne!

In der Zwischenzeit ist Hansi Kürsch „frei“ geworden. Weil ich auf meiner Fragenliste noch etwas drauf notiert habe, wo er die richtige Ansprechperson ist, darf ich auch den Sänger noch mit ein paar Fragen zutexten. Doch zuerst einmal „schwelgen“ wir in Erinnerungen…

MI: Hallo Hansi! Zweieinhalb Jahre ist’s her..

Hansi Kürsch (HK): Ich weiss, dass wir uns mal gesehen haben…

MI: Das war die Pressekonferenz auf der Kreuzfahrt. Ich und der Kanadier…

HK: Richtig! Dachte, es war ein Amerikaner. Ihr wart die einzigen zwei da… Komische Geschichte, war auch noch das Captain’s Dinner – ah, egal! (grinst)

MI: War in der Tat komisch. Die Liste von Leuten, die Interviews mit euch machen wollten, war viel, viel länger…

HK: Ja, aber das war auch irgendwie frech. Wir hatten zuvor da ja noch die Listening Session…

MI: Ja, die war aber cool! Genau, danach durften die Journis ja noch Fragen stellen…

HK: Genau! Aber die Listening Session war cool, hat Spass gemacht!

MI: Marcus hat mir schon viele Fragen zum Live-Album beantwortet…

HK: Find ich gut! Dann muss ich nichts mehr sagen! (lacht)

MI: Von dir will ich eigentlich wirklich etwas anderes wissen. Erstmal: Hörst du privat überhaupt Musik oder bist du so mit Blind Guardian absorbiert? Interessiert du dich, was in der Musikwelt passiert?

HK: Ich interessiere mich sehr dafür! Ich gehöre auch zu den Musikern, die tatsächlich diese Inspiration brauchen. Gar nicht so sehr um eine Idee – eine Idee im klassischen Sinne – zu bekommen, sondern um diese Stimmung zu verstehen, die es da gibt. André ist da komplett anders, der schottet sich ab. Andre sagt „ich möchte keine andere Musik hören. Zumindest über bestimmte Zeiträume, wenn ich komponiere.“ Ich bin da total offen, ganz ehrlich, mir macht das gar nichts. Ich hör von Heaven Shall Burn bis Gregory Porter (Anm. Kaufi: das ist ein amerikanischer Jazz-Sänger) alles, das ist mir vollkommen egal. Ich bin begeistert von allen alten 60er, 70er Jahren Sachen, die man immer wieder entdecken kann.

MI: John Fogerty hat grad kürzlich Rock The Ring gerockt…

HK: John Fogerty, Creedence Clearwater Revival! Oder auch die Kameraden von den Eagles, wenn die Solo-Geschichten gemacht haben. Aber natürlich auch neue Sachen.

MI: Hast Du die neue Iced Earth Scheibe schon gehört?

HK: Ich hab bis jetzt nur „Seven Headed Whore“ gehört. Und den fand ich gut.

MI: Warum ich frage: Demons & Wizards! Ist das ein Thema, dass Du irgendwann wieder was mit Jon Schaffer zusammen machst?

HK: Ja! Wir haben uns schon länger wieder damit auseinander gesetzt. Wir haben in den letzten Monaten erste ganz kleine Ideen ausgetauscht. Jon hat mir zwei Song-Konstrukte geschickt, zu denen ich jetzt meinen Senf dazugegeben hab. Der Ball liegt im Moment bei Jon im Spielfeld, der jetzt ja unterwegs ist. Wir sehen uns in wenigen Tagen, dann wollen wir mal schauen, wie wir im laufenden Jahr und vor allem Anfang nächsten Jahres tatsächlich die Sachen wieder an den Start bringen. Ich hab total Bock, Jon auch – könnte mir vorstellen, dass es explodiert! Also kreativ! Ich bin im Moment, aufgrund der Wochen die hinter uns liegen, etwas ausgebrannt. Aber grundsätzlich funktionieren alle Sachen ordentlich. Wir sind am Orchester-Album dran, machen da riesige Fortschritte. In der Sache mit Jon hab ich die ersten Gehversuche gemacht. Ein paar Gast Appearances wird’s geben die nächsten Wochen und wir haben auch mit dem Songwriting fürs nächste reguläre Blind Guardian Album angefangen. Da sind die Schlagzeug Aufnahmen, das läuft parallel zu den Orchesteraufnahmen, die ich mache – ich kann ja keine 24 Stunden singen. (grinst) Klar – Blind Guardian ist die Hauptpriorität, aber Demons & Wizards hat dann im nächsten Jahr unsere volle Aufmerksamkeit!

MI: Das gibt sicher eine interessante Geschichte!

HK: Glaub ich auch! Auch für Festivals oder so! Hat man nicht oft gesehen, wird man nicht oft sehen. Und die Sachen sind dennoch so komplex, dass man sich darauf einspielen muss.

MI: Du hast Gastauftritte erwähnt. Da kommt mir in den Sinn: Ist es ein Thema, dass du mal was bei Avanatsia beisteuerst? Oder willst du nicht, kannst du nicht oder hat Dich Tobi gar nicht gefragt? (Hansi lacht) Du wärst sicher ein Kandidat für irgendwas bei Avantasia!

HK: Ich will nicht „irgendwas“ sein! (lacht) Tobi hat mich schon beim ersten Album angehauen. Ich hatte auf einer der ersten Edguy Scheiben das erste Mal Kontakt mit denen und hab da auch mitgeholfen, durfte meinen Senf zu bestimmten Sachen abgeben und auch zwei, drei Zeilen singen. Also wir haben schon einen recht engen Kontakt. Ein paar andere von den Edguy Leuten sind Blind Guardian Fans, da gibt’s die Connection, und wir mögen uns auch. Ich wurde dann beim ersten Avantasia Album angefragt, ich glaub es war das erste. Aber da lief gerade diese erste Demons & Wizards Phase und ich musste ablehnen. Das hat Tobi damals pauschal so empfunden, dass ich nicht zur Verfügung stehen könnte oder würde und hatte dann bis vor anderthalb Jahren nicht mehr angefragt. Vor anderthalb Jahren hat er mich dann eben gefragt, ob ich mir das irgendwann mal vorstellen könnte. Ich hab grundsätzlich signalisiert, dass es funktionieren könnte. Ich war jetzt aber bei Ayreon, keine Ahnung wo Tobi überhaupt steht mit seinen Sachen. Es ist ähnlich wie mit den Iced Earth und Blind Guardian Sachen. Wir haben eine Zeit lang alles parallel veröffentlicht, konnten touren, konnten Demons & Wizards machen – da hat alles geklappt. Dann haben sich die Schedules total auseinander entwickelt und so ist es auch mit Avantasia. Mal sehen! Ich bin offen, Tobi möchte auch irgendwann und wenn der Song da ist…

MI: Wenn man so schaut, wen Tobi alles gehabt hat, dann fehlen nur noch wenige Namen. Du bist einer, der zweifellos zu dieser Gilde gehört!

HK: Wobei, es ist schon eine andere Art zu singen, die ich habe! Ayreon (Anm. Kaufi: Ich nehme mal an, er meint Arjen Lucassen…) zum Beispiel ist ein Songwriter, der sehr genau darauf achtet und die Songs in die richtige Richtung transferiert. Dir werden die Häppchen in den Mund gelegt! Tobi weiss, er müsste in eine bestimmte Richtung gehen und da muss er auch ein, zwei Songs haben. Es geht ja mehr auch um die Idee. Es bringt nix, mich einen Meat Loaf Song singen zu lassen.

MI: Soweit ich das beurteilen kann, ist Tobi zu sowas durchaus in der Lage. Für Geoff Tate hat er einen Song massgeschneidert, oder auch für Marco Hietala – denen hat er die Nummern auf den Leib geschrieben.

HK: Ah, ich trau ihm das auch zu! Aber der Zeitpunkt muss stimmen und die Muse muss dich in diese Richtung küssen. Ich muss nicht – aber ich kann! (grinst)

MI: Ich hab mit Marcus schon darüber geredet, wo überall in der Welt ihr schon gespielt habt. Ihr seid zum Beispiel eine der wenigen Metal Bands, die schon in Südafrika gespielt haben. Viele Bands sagen, es lohnt sich nicht dahin zu fahren – Aufwand und Ertrag stimmen nicht…

HK: Ich sehe das auch bei China und Indien. Beides Länder, in denen wir noch nicht gespielt haben. Da haben wir keine Chance. Südafrika hingegen hat tatsächlich gepasst! Es hat drei Tage gedauert und klar – für drei Tage war der Aufwand immens. Aber wir wollten das einfach machen. Indien und China hab ich noch kein Angebot gesehen für uns, bei dem ich sagen kann wir kämen plus / minus Null raus.

MI: Metallica und Maiden sind wohl die einzigen Bands, die in China spielen können…

HK: Aber die investieren Geld.

MI: Umgekehrt: Die können sich das auch leisten.

HK: Ich hab mal einen Bericht gehört im Radio über die Stones. Gut, ist schon ein paar Jahre her, war die erste Stones Tour, aber man sprach schon davon, dass China der nächste grosse Markt sein wird, man kann da kompensieren was hier verloren geht… Das war dann so: Die Stones haben natürlich bestimmte Ansprüche, haben in verhältnismässig grossen Stadien gespielt. Und wie haben sie die gefüllt? Sie haben den grössten chinesischen Künstler vor sich spielen lassen den es gibt und der ein riesen, riesen, riesen Stones Fan ist! Die Stones kannte keiner von den 50‘000… Etwas übertrieben jetzt, aber auch die Stones ziehen da keine 50‘000 Leute…

Der „offizielle“ Teil ist vorbei und so plaudern Hansi und ich noch etwas, unter anderem ist die 70‘000 Tons of Metal Cruise nochmals ein Thema. Während André offenbar kein Problem hätte, jedes Jahr auf das Schiff zu gehen, ist Hansi vor allem aus organisatorischer Sicht etwas skeptischer eingestellt. Und als Fan will man ja auch nicht jedes Mal das gleiche Line Up. Aber was natürlich toll wäre: Blind Guardian auf dem Schiff, Iced Earth auf dem Schiff – ergibt Demons & Wizards auf dem Schiff! Hansi meint: „Oh ja! DAS wäre wirklich was. Was haben wir jetzt? 2017, 18? Wer weiss, 2019?“ Huii, wenn das zustande kommen sollte..!

Besten Dank an Marcus Siepen und Hansi Kürsch für die unterhaltsamen Gespräche und an Michael Müller für die Betreuung!

23.07.2017
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