Metalinside.ch - Highland Games Mitteland 2017 - Gloryhammer - Foto Kaufi
Sa, 22. Juli 2017

Highland Games – Gloryhammer, Freedom Call, Maxxwell

Rinderweid (Hägendorf, CH)
26.07.2017

Schottische Nationalspiele garniert mit Powermetal

Highland Games und Mittelaltermarkt – dies ist der ungewöhnliche Rahmen für einen Powermetal Abend, der eigentlich keine Wünsche offen lässt.

Oberhalb des solothurnischen Hägendorf finden an diesem Wochenende das erste Mal die Highland Games Mittelland statt. Im Rahmen davon treten Athleten an der IGHF Europameisterschaft in verschiedenen Disziplinen wie Steinstossen gegeneinander an. Bei den Battle Of Nations stehen sich Nationen in einer Art historischer Schlacht mit Rüstungen, Schildern und Schwertern gegenüber.

Umrahmt wird das alles von einem kleinen, aber feinen Mittelaltermarkt, welcher von Caligatus Feleus organisiert und betreut wird. Authentische Stände, Bogenschiessen, Dudelsack Musik, Ritterturnier, Falknershow und auch nach Konzertende weit nach Mitternacht brennt noch das eine oder andere Lagerfeuer. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei die Homepage www.caligatus-feleus.ch empfohlen!

Während die Verantwortlichen mit mehreren Tausend Besuchern über diese drei Tage rechnen, sind nicht wenige Leute extra für das Musikprogramm am Samstagabend angereist. Powermetal der edelsten Sorte steht auf dem Programm: sowas kann sich der geneigte Fan nicht entgehen lassen.

Maxxwell

Als Anheizer dürfen um 20 Uhr die Luzerner Maxxwell auf die Bühne. Anheizer ist hier allerdings eigentlich endgültig der falsche Begriff, denn Maxxwell sind weit mehr als das! Fronter Gilbi Melendez und seine Truppe legen mit „Heads Or Tails“ los wie die Feuerwehr und drücken von Beginn weg richtig aufs Gaspedal. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die heute einen besonders fetten Gig spielen wollen. „Man Of Steel“ ist der nächste Hammer, die Jungs grinsen und posen pausenlos. Vor allem Cyril an der Gitarre und Oli hinter der Schiessbude schneiden Grimassen im Sekundentakt (man kennt das ja!), Gilbi strahlt über beide Ohren und besticht auch durch coole Ansagen: „Ihr dürft ruhig näher kommen! Wir sind nur hässlich, wir beissen nicht!“

„Independent“ darf man schon fast als brutal bezeichnen, ganz klar der härteste Song des Abends. Das im direkten Anschluss folgende „Nothing Changes My Mind“ ist dafür ein krasser Stilbruch. Doch spätestens mit „Partykings“ geht’s im Zelt richtig ab und Gilbi klettert vorne auf die Absperrgitter – Kontaktaufnahme mit den Fans! „Queen Of The Night“ beendet einen begeisternden Auftritt standesgemäss, kein Wunder wird die Band mit riesigem Applaus und „Zugabe“-Rufen verabschiedet. Und weil der Zeitplan es zulässt, dürfen die Jungs tatsächlich diesen Wünschen Rechnung tragen! Das treibende „Black Widow“ ist somit der endgültige Schlusspunkt.

Ich habe in den letzten Jahren einige Auftritte von Maxxwell gesehen, und die Jungs scheinen immer besser zu werden! Eine weitere saustarke Performance – und jetzt dürfte dann vielleicht mal neues Material fällig sein… Eine neue CD würde sicher nicht nur ich begrüssen!

Setliste Maxxwell

  1. Heads or Tails
  2. Slapshot
  3. Man of Steel
  4. No Pain No Gain
  5. Independent
  6. Nothing Changes My Mind
  7. Trails of Hate
  8. Partykings
  9. Queen of the Night
  10. Black Widow*

*Zugabe

Freedom Call

Technische Probleme verzögern den Umbau. Die Musiker von Freedom Call huschen über die Bühne, die Techniker schrauben an Kabeln und Anschlüssen rum – da scheint noch einiges im Argen zu liegen. Doch plötzlich hat man den richtigen Knopf gefunden – Chris Bay strahlt ins Publikum und fordert einen Applaus für die Technik und nimmt den Fans das Versprechen ab, danach aber so richtig Gas zu geben…

Es ist somit also bereits halb zehn, als endlich das Intro „Metal Is For Everyone“ ertönt. Gitarrist Lars Rettkowitz und Basser Ilker Ersin flankieren Drummaschine Ramy Ali auf ihren Podesten, dann kommt auch Fronter Chris aufs Parkett und mit „Tears Of Babylon“ startet die Happy Metal Party. Die Nürnberger gehen erst mal auf Nummer sicher: „United Alliance“, „Union Of The Strong“, „Freedom Call“ – alles absolute Live-Granaten, die jeder Fan im Schlaf mitsingen kann. Die technischen Probleme sind vergessen, Party ist angesagt. Und neue Songs. „Hammer Of The Gods“ sowie der Titeltrack des aktuellen Werkes „Masters Of Light“ sind die ersten zwei Tracks, bevor mit „Carry On“ der einzige Beitrag von „Circle Of Life“ an der Reihe ist.

Beeindruckend einmal mehr: Drummer Ramy Ali. Wie der Kerl hinter seinen Kesseln wütet, ist einfach fantastisch zum Zuschauen! Das ist Schwerstarbeit, keine Frage. Und trotzdem hat auch er immer ein Grinsen oder Lachen im Gesicht. Happy Metal indeed! Doch nicht alles ist ganz happy, zumindest für mich. Einerseits spielen Freedom Call wieder „Mr.Evil“, und auch beim 667sten mal kann ich damit einfach nix anfangen. Gut, ist Geschmackssache. Andererseits geht mir das Verhalten einiger Fans gehörig auf den Zeiger. Stichwort „Kindergarten“, doch dazu später mehr.

Was mir bei Freedom Call auffällt: sie spielen sehr gerne Songs, die den Abschluss ihrer CDs bilden. Das machen generell doch eher wenige Bands, doch die Deutschen liefern hier mit „A Perfect Day“ (von „Legends Of The Shadowking“), „High Up“ (von „Masters Of Light“) und „Power & Glory“ (von „Land Of The Crimson Dawn“) gleich ein Dreierpack, unterbrochen nur von einer Metal-Messe in Form von „Metal Is For Everyone“. Auch „Far, Far Away“ (von „Dimensions“) war bei früheren Shows im Set, der fehlt heute allerdings. Irgendwie schade – das Dudelsack-Intro hätte doch prima zum Anlass gepasst…

Mit „Warriors“ und „Land Of Light“ („Ich will euch springen seeeeh’n!“) stehen dann die zwei obligaten Songs im Programm, mit denen die Happy Metaller ihre Konzerte beenden und so verabschieden sich Chris, Lars, Ilker und Ramy nach 75 Minuten schweisstreibender Action. Zurecht werden sie vom Publikum gefeiert – und da hat es schliesslich sogar Fans darunter, die extra aus Italien angereist sind!

Setliste Freedom Call

  1. Metal Is for Everyone (Intro)
  2. Tears of Babylon
  3. United Alliance
  4. Union of the Strong
  5. Freedom Call
  6. Hammer of the Gods
  7. Masters of Light
  8. Carry On
  9. Mr. Evil
  10. A Perfect Day
  11. High Up
  12. Metal Is for Everyone
  13. Power & Glory
  14. Warriors
  15. Land Of Light

Gloryhammer

Prepare for epic Battles! Endlich wieder einmal ein Headliner Auftritt der Fantasy Metaller von Gloryhammer! Endlich mal mehr als „nur“ 60 Minuten! Wobei: Wenn ich so überlege, dann ist das der erste 90-minütige Gig überhaupt, den ich von der Band zu sehen bekomme… Überfällig! Und nach der grossartigen Show beim Bang Your Head!!! vor einer guten Woche sind die Erwartungen enorm.

Um 23.15h wird’s dunkel, das Intro „Infernus Ad Astra“ ertönt und Ben Turk, Paul Templing, James Cartwright und Michael Barber betreten die Bühne. Mit den ersten Tönen von „Rise Of The Chaos Wizards“ spurtet schlussendlich Thomas Winkler auf die Bühne, wie immer in grün/gelb gekleidet und mit futuristischer Sonnenbrille. Die Jungs sind hoch motiviert und bringen das Zelt gleich richtig zum Beben. Bei „Legend Of The Astral Hammer“ kommt ein ganz fieser Gobblin mit Hammer auf die Bühne, der auf Prince Angus McFife losgeht. Doch der Held gewinnt den Kampf, der Hammer hingegen überlebt nur lädiert.

Im Publikum sind derweil einige Leute wohl etwas übermotiviert: neben mir artet es kurzfristig fast zu einer richtigen Schlägerei aus, und hinter mir veranstaltet der Kindergarten ein wildes, übles und total sinnbefreites Rumgeschubse. Mehrmals kriege ich das im Verlauf der Show in meinem Rücken zu spüren, Ist nicht wirklich angenehm. Liebe Kinder: wenn ihr umsverrecken eure Aggressionen loswerden wollt, dann geht an ein Hardcore, Metalcore, Punk Konzert. Aber moshen und pogen hat beim Powermetal NICHTS verloren! So gesehen ist’s bedenklich, welche Fans Bands wie Gloryhammer oder auch meine schwedischen Helden von Sabaton anziehen. Schade.

Aber zurück zur Action auf der Bühne. Gloryhammer haben heutzutage auch ihren Set, den sie durchziehen. Auf „Hail To Crail“ folgt „Questlord Of Inverness, Ride To The Galactic Fortress!“, hier ist wieder ein Fritzli gesucht und gefunden, der crowdsurfend zum Bierstand geht. Mit einem grossen Humpen kommt er zurück und Angus befüllt mit dessen Inhalt den Hootsman. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass James nicht ganz so glücklich darüber ist – scheint nicht wirklich gutes Bier zu sein. (Ich verkneife mir jetzt sämtliche Kommentare zum „Quöllfrisch“…) (Anm. Dutti: Vielleicht musste der arme Kerl in Balingen das von dir verhasste Fürstenberg zu sich nehmen und kämpft seither mit Störungen seiner Hopfentee-Geschmacksnerven. Anm. von pam: Ja besser verkneifen.)

Nach „Magic Dragon“ gibt’s die erste Änderung im Vergleich zu Balingen. Respektive die erste Ergänzung. „Gobblin King Of The Darkstorm Galaxy“ sorgt für gute Laune, bevor mit „Apocalypse 1992“ der längste Song des Abends ansteht. Während die Band auch diese selten gespielten Songs gnadenlos runterzockt, scheint bei Fronter Thomas irgendwas nicht ganz zu stimmen. Bei „Amulett Of Justice“ präsentiert er der Crowd den Stereo-Effekt, den er „im Jahre 992 in Dundee erfunden hat!“ Doch stimmlich ist auch hier was nicht in Ordnung. Thomas erklärt mir später, dass sein In-Ear Monitoring ausgefallen ist und er danach eine Weile quasi „taub“ singen musste. Nun ja – technische Probleme kann’s halt geben, ist ja auch kein professioneller Club hier, der die perfekte Infrastruktur hat. Von daher: alles halb so wild. Und Spass machen Songs wie „Quest For The Hammer Of Glory“ sowieso! Übrigens: diese Nummer dürfte gerne öfter gespielt werden…

Nachdem Thomas eine Setliste schon mal verschenkt hat, geht’s mit „The Hollywood Hootsman“ zurück in die Spur. Das obligate Trinkduell zwischen dem Hootsman und Zargothrax steht an. James hat immer noch den grossen Humpen vor sich und man merkt ihm an, dass er aufgrund dessen Inhalt keine wirklich grosse Lust hat… Sein Gesichtsausdruck spricht Bände, während Michael grinsend mit einer Dose Quöllfrisch auf den Start wartet… Schlussendlich findet das Duell doch statt, aber James‘ Shirt und sein Bass weisen rasch erhöhte Spuren von Feuchtigkeit auf, auch Michael schafft seine Dose nicht. Ein mageres Unentschieden und ein nasser Bühnenboden ist das Resultat! Mit gequältem Grinsen lässt sich der Hootsman bei „seinem“ Song feiern…

Zeit, dass sich auch der Sänger vorstellt: „Angus McFife“ wird zum Triumphzug und mit „Universe On Fire“ wird grad noch ein Brikett nachgelegt. Thomas‘ Probleme sind ganz offensichtlich ebenfalls weg. Und er zeigt wieder einmal eindrücklich, welch grossartiger Sänger er ist! Das Volk feiert und kann kaum genug kriegen. Und doch ist das Ende nun schon fast gekommen. Doch zuerst gibt’s noch eine Invasion der Einhörner: eine intensive Version von „Unicorn Invasion Of Dundee“ bläst beinahe das Zelt weg. Meine Fresse, ist das geil! Kein Wunder, dass sich die Jungs schnell zu einer Zugabe hinreissen lassen. Thomas‘ Ansage über einen Song „von alten, schrumpfligen Männern“ wird direkt mit lautem „WIZARDS!“ Geschrei aus dem Publikum beantwortet. Thomas strahlt und gibt die Bestätigung…

Mit der – heute imaginären – Krönung des Hootsman und der Nationalhymne von Unst endet ein geniales Konzert von Gloryhammer und ein genialer Konzertabend insgesamt. Die Verantwortlichen haben hier wirklich Grosses geleistet – Kompliment!

Setliste Gloryhammer

  1. Infernus Ad Astra
  2. Rise of the Chaos Wizards
  3. Legend of the Astral Hammer
  4. Hail to Crail
  5. Questlords of Inverness, Ride to the Galactic Fortress!
  6. Magic Dragon
  7. Goblin King of the Darkstorm Galaxy
  8. Apocalypse 1992
  9. Amulet of Justice
  10. Quest for the Hammer of Glory
  11. The Hollywood Hootsman
  12. Angus McFife
  13. Universe On Fire
  14. Unicorn Invasion Of Dundee
  15. Wizards*
  16. National Anthem of Unst

* Zugabe

Es ist bald Ein Uhr. Draussen blitzt es bedrohlich, das Zelt leert sich rasch. Eigentlich wollte ich noch auf die Jungs von Gloryhammer warten für einen kleinen Schwatz, aber die müssen offenbar sehr früh wieder raus und wollen rasch ins Hotel, was durchaus verständlich ist. Also mach ich mich auch besser vom Acker (im wahrsten Sinne des Wortes!), bevor hier ein Gewitter das alles in einen Sumpf verwandelt. Und ich freu mich schon auf das nächste Treffen – Hoots! Hoots! Hoots!

Fotos vom Konzertabend der Highland Games Mitteland (Kaufi)


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Autor Bewertung: 8/10