Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) - Weil am Rhein 2017
Sa–So, 1.–2. Juli 2017

MITTELALTERLICH PHANTASIE SPECTACULUM (MPS) – SALTATIO MORTIS, FAUN U.M.

Drei Länder Garten (Weil am Rhein, DE)
11.07.2017
Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) - Weil am Rhein 2017

Von Rittern und Gauklern – Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Weil am Rhein

Das MPS ist nach eigenen Angaben das grösste wandernde Mittelalter-Festival der Welt. Wichtig ist für die Veranstalter das Motto „nicht authentisch, sondern phantastisch“. Es gilt also, eine möglichst phantastische, dem Mittelalter angelehnte Welt zu erschaffen, in der aber auch Cosplayer, Metalheads, Steampunks und viele mehr willkommen sind. Nach meinem ersten MPS-Besuch in Weil am Rhein im Mai dieses Jahres bin ich am 1. und 2. Juli für Metalinside nach Weil zurückgekehrt. 

Anfahrt & Camping

Die Anfahrt am Samstag dauert nicht allzu lange. Autobahn Richtung Z7, dann aber nicht die Ausfahrt nehmen, sondern weiter nach Basel, über die Grenze und bis zum Drei-Länder-Garten. Beim Befahren des Campingplatzes stutze ich: Wo das letzte Mal unzählige Wohnwagen- und Mobile, Zelte, Pavillons und Autos standen, befindet sich eine leere Wiese. Vom Mitarbeiter in oranger Weste lassen wir uns erklären, dass es nicht mehr möglich ist, das Auto auf den Campingplatz zu nehmen. Wir laden also aus und parkieren das Auto auf dem nahegelegenen Parkplatz des Laguna Schwimmbades. Genervt über die neuen Umstände bauen wir unser Zelt auf und fragen uns, wieso der Platz noch fast leer ist und wir um 11 Uhr erst das fünfte Zelt aufstellen. Tatsächlich hat es aber bei unserer Rückkehr auf den Campingplatz am Abend schon mehr Zelte. Gemäss Veranstalter wurde sogar die grösste Besucherzahl aller Zeiten des MPS Weil am Rhein erreicht!

Die Bands

Das Line-Up ist vielversprechend: Saltatio Mortis, Fiddler’s Green, Feuerschwanz, Faun, Mr. Hurley und die Pulveraffen, Saor Patrol, Koenix, Celtica Pipes Rock und Duivelspack geben sich die Ehre. Was mir allerdings weniger gefällt, ist die Running Order. Konnte ich beim letzten MPS alle Bands sehen, welche ich sehen wollte, werden mir diesmal gleich zwei der Acts verwehrt: Wer nämlich das Abendkonzert von Mr. Hurley und das Nachtkonzert von SaMo schauen will, verpasst unweigerlich die Konzerte von Fiddler’s Green und Feuerschwanz. Mir bleibt schleierhaft, wieso diese Bands nur ein einziges Konzert spielen (völlig untypisch fürs MPS) und wieso diese während den Hauptkonzerten stattfinden müssen…

Genug gemotzt! Jene Konzerte, die ich sehen kann, sind nämlich der Hammer!

Saltatio Mortis ziehen wie immer sowohl am Nachmittag als auch in der Nacht einen sehr grossen Teil der Zuschauer vor die MPS-Bühne und begeistern mit ihrer genialen Show voller Hits und viel Feuer. Auch wenn Trommler „Lasterbalk der Lästerliche“ über die Schweizer und insbesondere die Berner herzieht, wirkt die Headliner-Band wie immer äusserst sympathisch und rockt den Drei-Länder-Park mit einer Headliner-würdigen Show.

Mr. Hurley und die Pulveraffen spielen am Samstag gleich drei Konzerte. Die Piraten überzeugen mit ihren lustigen Kompositionen und bringen das Volk vor der Bühne zum Feiern. Einziger Negativpunkt aus meiner Sicht: Mein persönlicher Überhit „Blau Wie Das Meer“ kommt nur im letztem Set zum Zuge. Schade!

Faun spielen ebenfalls nur ein einziges Konzert, und zwar auf der Festivalbühne. Ich muss ehrlich sagen, dass mir  die Naturmusiker am Elu&Friends vor zwei Jahren und auch in Wacken besser gefallen haben. Trotzdem scheint das Publikum aber sehr begeistert zu sein.

Von Saor Patrol kannte ich eigentlich nur den Namen. Die Schotten spielen gleich sechs Konzerte. Zweimal bin ich vor Ort und lausche den Dudelsack-Klängen. Ihre Musik gefällt mir, jedoch werde ich sie nicht regelmässig hören wollen.

Koenix spielen ebenfalls sechs Konzerte, von welchen ich aber nur das zweitletzte am Sonntagnachmittag sehe. Auch hier offenbart sich mir eine für mich ganz neue Band. Bald wird mir auch bewusst: die Jungs sind Schweizer und singen sogar auf Schweizerdeutsch! Hut ab! Auch wenn nicht viele Zuschauer vor der Bühne stehen, geben die Jungs Gas und bringen das Volk zum Tanzen.

Celtica Pipes Rock haben mich insofern begeistert, dass sie (wie der Name schon sagt) keltische Elemente wie Dudelsack und Geige mit Rockelementen wie Schlagzeug, Gitarre und Bass vermischen. Auch wenn es viele solcher Bands gibt, schaffen es Celtica Pipes Rock irgendwie, aus der Masse herauszustechen. Besonders gut gefällt mir die ab und zu auftauchende Kombination von Dudelsack und Doublebass. Hier gibt es leider auch einen kleinen Negativpunkt: Irgendwo in einem Stück sind sich die Musiker nicht ganz einig über den Rhythmus, was man aber mehr sehen als hören kann. Ansonsten allerdings ein Top Spektakel!

Zu Duivelspack verschlägt es mich auch mal, mehr als fünf Minuten bleibe ich aber nicht vor der Bühne. Das Programm wirkt mir zu kindisch, auch wenn ich im Nachhinein beim Recherchieren feststellen muss, dass es sich gar nicht um eine Kinderband handelt.

Wie bereits erwähnt, konnte ich die beiden übrigen Bands (Fiddler’s Green und Feuerschwanz) leider nicht sehen. Trotzdem hat mir das musikalische Programm an dieser Ausgabe des MPS sehr gefallen. Favoriten waren für mich klar Mr. Hurley und die Pulveraffen. Auch Saltatio konnten mich wieder sehr begeistern, aber das bin ich mir inzwischen gewohnt (die Jungs machen wirklich Hammershows!)

Das Nebenprogramm

Wer schon einmal auf dem MPS war, kennt Bruder Rectus, den Tod, den hässlichen Hans sowie deren Kumpanen bestimmt schon. Jeden Morgen eröffnet Rectus das Festival mit seiner Morgenmesse. Dabei werden tapfere Mannen zu Rittern geschlagen, Frevler geteert und gefedert und das Publikum unterhalten. Leider verpassen wir die Morgenmesse am Samstag, da wir auf dem Camping mehr Zeit brauchen als geplant. Am Sonntag können wir die Show jedoch geniessen und lassen uns als „Teil der Gemeinde“ verzaubern. Einige Stunden später besuchen wir dann noch Des Bruder Rectus Märchenstunde. Der Hässliche Hans erzählt ein Märchen von zwei Schwestern (Bruder Rectus und eine Frau aus dem Publikum), von welchen eine umgebracht wird und in die Hölle zum Teufel (Mann aus dem Publikum) und seiner Grossmutter (der Tod) kommt. Auch ausserhalb dieser beiden Programmpunkte zeigen sich die MPS-Charaktere immer wieder und faszinieren die Besucher.

An fast zehn Auftritten versucht das Gauklerduo Forzarello, das Publikum mit Jonglage, Trommeln, Witz und Humor zu unterhalten. Als Lückenfüller sind sie absolut tauglich, jedoch bin ich von den Gauklern nicht wirklich begeistert. Ihre Show wirkt ein wenig lahm, was sich auch an den nicht allzu zahlreich anwesenden Zuschauern bemerkbar macht. Innerlich ziehe ich den Vergleich zum Kraftjongleur Bagatelli, der am letzten MPS vor Ort war und mich in seinen Bann zog. Gegen ihn haben Forzarello leider keine Chance.

Wie es der Name vermuten lässt, ist das Puppentheater Kiepenkasper nun tatsächlich ein Act für Kinder. Beim Vorbeilaufen schaue ich einige Minuten zu, wie der Künstler mit verschiedenen Handpuppen die Kinder fasziniert. Für die Kleinen sicherlich top!

Nachdem ich beim letzten MPS leider alle Auftritte des „Achim – Falkner der Herzen“ verpasste, konnte ich dieses Mal wenigstens einige Minuten zuschauen. Der Falkner führt seine Greifvögel vor und die Zuschauer sind begeistert. Wer von den Tieren fasziniert ist, muss bei einem MPS-Besuch unbedingt bei Achim vorbeischauen!

Wer bei den Heerlagern  vorbeiläuft, kann wunderschöne, ans Mittelalter angelehnte Camps sehen, in der in erster Linie Besucher des MPS ihre Zeit verbringen. Wer Lust hat, kann sich für ein Heerlager anmelden und wie in alten Zeiten campen.

Desweiteren finden Fechtturniere der Fechtkampfgruppe Fictum, ein Bruchenballturnier, eine Gewandungsprämierung, ein Ritterturnier, ein Tanzworkshop und ein Drehleier/Dudelsack-Workshop statt. Messerwerfen, Bogenschiessen etc. sind sowieso verfügbar. Das MPS bietet also genug Unterhaltung für beide Tage und es wird einem nie langweilig.

Der Markt

Auch wenn das MPS viele musikalische Highlights und ein tolles Nebenprogramm bietet, ist es schlussendlich immer noch ein Markt. Die verschiedenen Stände haben ein extrem breites Sortiment: von Steampunk Gegenständen (fertiggebaut und Einzelteile) über Uhren, Waffen und Instrumente zu LARP Utensilien wird alles angeboten. Ebenfalls erhältlich sind alle möglichen Kleidungsstücke: Leinenhosen, Leinenhemden, Umhänge, Blusen, Kilts, Schuhe, Gürtel, Taschen und andere Accessoires. Wer sich also komplett einkleiden will, schnappe sich ein wenig Geld und tobe sich auf dem Markt aus.

Essen & Trinken

Was wäre ein Festival ohne ein breites kulinarisches Angebot? „Breit“ scheint für das MPS wichtig zu sein. Am MPS bekommt man nämlich nicht nur den typischen Festival-Food wie Burger, Pommes Frites, Burritos und die vom WOA bekannten Fleischspiesse. Auch exotischere Spezialitäten wie Langosch (frittierter Teigfladen mit Belag) und Baumstriezel (verzierte Teigrollen) sind zu haben. Definitiv ein Muss!

Was am MPS am meisten getrunken wird, ist klar: Met in allen Geschmäckern und Farben. Viel dazu beigesteuert wird von den „Beerenweine“-Kutschen, welche übrigens bei dieser Ausgabe restlos ausgekauft wurden (Notiz an mich selber: Beim nächsten Mal schon am Samstag kaufen, was du nach Hause nehmen willst!). Ebenso wurden die Vorräte der „Drachenschänke“ leergetrunken. Ansonsten sind auch viele andere Flüssigkeiten zum Probieren da: das MPS bietet an verschiedenen Ständen ein breites Angebot an verschiedenen Bieren, Kaffees und Softgetränken.

Sicherheit

Was mir am MPS nun beide Male aufgefallen ist, sind die speziellen, von anderen Festivals abweichenden Regelungen in Sachen Sicherheit. Wasserflaschen, ja sogar Met und anderes in Glasflaschen sind erlaubt. Essen? Kein Problem, rein damit! Grösse deiner Tasche? Ist doch egal, ob diese grösser ist als A4 oder ob sie nun offizielles Merchandise ist oder nicht. Feuer auf dem Gelände ist auch kein Problem, und Hunde darf man sowieso mitnehmen. Sogar der Veranstalter Gisbert Hiller läuft mit seinen Golden Retrievern über das Gelände.

Tönt speziell und als wäre keine Kontrolle über die Sicherheitslage vorhanden. Trotzdem fühlt man sich zu keinem Zeitpunkt unsicher, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass es ja nicht ein reines Festival, sondern vor allem auch ein Markt ist. Hier ein grosses Lob an die Veranstalter!

Fanzit

Das MPS hat mit mir wohl einen weiteren regelmässigen Besucher gewonnen. Die Daten für die beiden Termine in Weil für 2018 sind bereits bekannt und wenn möglich werde ich diese Wochenenden im Drei-Länder-Park verbringen. Insbesondere freut es mich, dass bereits Verbesserungen bezüglich des Campingplatzes angekündigt wurden (auch wenn ich lieber in Fussdistanz als mit dem Shuttle-Bus unterwegs bin). Ob es dann mal für ein anderes MPS (eventuell sogar „das fette Ö“ in Hamburg-Öjendorf oder einen der Weihnachtsmärkte) reichen wird, lasse ich offen.

Kurz gesagt: Wer noch nie da war, muss unbedingt mal hin! Wer schon da war, wird selber wieder hin wollen! Denn das MPS ist phantastisch! Danke Gisi & Team für diese tollen Events!


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