Opeth - Les Docks 2017 (Flyer)
Di, 20. Juni 2017

Opeth, Caligula’s Horse

Les Docks (Lausanne, CH)
14.07.2017
Opeth - Les Docks 2017 (Flyer)

Ich bin an diesem Dienstag zum ersten Mal im « Les Docks » in Lausanne und bin so beeindruckt, dass ich der Location einen kurzen eigenen Abschnitt in meinem Bericht schenke.

Nebst unkompliziertem Einlass, ist die Location vielleicht vergleichbar mit der Grösse des „Kiffs“ in Aarau. Die Akustik war an diesem Abend sehr gut. Natürlich weiss ich nicht, ob das immer so ist. An den Bars bekommst du eine grosse Auswahl an Getränken zu normalen Preisen. Wo an anderen Orten nur Bar gezahlt werden kann, ist es hier auch möglich mit der Karte zu zahlen. Sehr symphathisch. Die Bands erlebt man also „hautnah“ und die Grösse des Clubs trägt zur Tuchfühlung bei. Das einzige Manko am heutigen Abend: Die grosse Hitze. Kein Wunder wenn es draussen über 30 Grad heiss ist. Trotzdem wäre hier eine gemässigte Klimaanlage sicher eine gute Investition.

Caligulas Horse

Pünktlich kommen die Band-Mitglieder der australischen Band auf die Bühne. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrungswerte mit dieser Band, also öffne ich mich einfach mal dem, was da kommen wird. Bereits nach ein paar Minuten ist für mich etwas klar: Heute habe ich eine weitere Band entdeckt, welche es sich mit ihrem Engagement verdient hat, meine Ohren während des Konzertes aber sicher auch im Nachgang zu erfreuen.

Die Band wird in den Geschichtsbüchern des Metals als „progressive alternative Rockband“ bezeichnet. Die Bezeichnung macht es für mich schon klar; Die Aussies sind nicht 100% genau in etwas einzuordnen. Dafür ist das, was da von der Bühne kommt zu komplex und zu divers. Dies mag jetzt negativ tönen, soll es aber überhaupt nicht: Satte druckvolle Riffs, mit einer weichen gefühlsvollen Stimme des Sängers Jim Grey. Dieser deckt sowohl die seichten wie auch die härteren Parts mit seiner variablen Stimme ab, ohne Schreien oder Grunzen zu müssen.

Symphathisch macht die Band auch, dass Vocalist Jim Grey die Zuschauer schnell mit seinen Sprüchen während der Songpausen hinter sich scharrt. So erzählt er zum Beispiel, dass er die Augen nicht geschlossen habe, da er sich im Song vertieft hat, sondern weil er einen riesen Jetlag habe. Das Publikum lacht und Mr. Grey erntet Szenenapplaus. Das Publikum scheint auch von der Musik beeindruckt zu sein. Kein Wunder, denn die verspielten Melodien werden von zeitweisen sehr harten und direkten Parts gebrochen, was dann auch genau die optimale Mischung ausmacht.

Will man ein Haar in der Suppe suchen, könnte ich einzig anmerken, dass der Sänger vielleicht manchmal einen Tick zu soft rüberkommt. Dies ist jedoch motzen auf hohem Niveau. Denn die Musiker hauen aus ihren Instrumenten extrem gute Klänge raus. Auch die Zusammenarbeit passt auf den Punkt genau. Musikalisch also sonst nichts zu bemängeln. Somit ist der Support-Slot der Band in Windeseile rum und die Band bedankt sich artig. Das mittlerweile sehr zahlreiche Publikum würdigt den Auftritt mit einem langen Schlussapplaus. Aufgabe zu 100% erfüllt.

Die Band aus Australien ist auch nach dem Konzert sehr nahbar, darum schnappe ich mir auch sofort den Sänger um ihm noch drei Fragen zu stellen. Hier seine Antworten dazu:

Metalinside (Domi) : Ist das eigentlich das erste Mal in der Schweiz für euch? Wie erlebt ihr die Schweiz? Das Schweizer Publikum?

Jim Grey: Das erste Mal in der Schweiz waren wir bereits im 2015 mit der Tour zu unserem Album „Bloom“. Wir haben damals als Support unsere norwegischen Bandkollegen von „Shining“ unterstützt. Wir waren damals sehr willkommen und auch heute fühlen wir das Gleiche wieder. Schon alleine die Fahrt vom Flughafen durch euer Land reicht um zu sagen: Wir kommen wieder.

MI: Ihr bringt bald ein neues Album auf den Markt. Kannst du uns etwas darüber erzählen?

Jim Grey: Ja, das stimmt. Unser neues Album wird „In Contact“ heissen. Auf den Markt wird es am 15. September kommen. Es wird ein Konzeptalbum werden. Ein weiterer grosser musikalischer Schritt vorwärts für uns. Das Album wird einiges härter als „Bloom“ ausfallen, soviel kann ich euch schon mal versprechen. Das heisst aber nicht, dass die bittersüssen Passagen und die farbigen musikalischen Aspekte deshalb flöten gehen.

MI: Wenn ich eure Musik höre, dann frage ich mich, was da genau für Einflüsse auf euch als Musiker wirken? Welche Bands haben euch inspiriert? Wie würdest du euren Stil definieren?

Jim Grey: Wir haben sehr ein breites Spektrum an Einflüssen auf unsere Band, dass siehst du absolut richtig. Darum kann ich hier auch nicht alle aufzählen. Ich selber bin ein grosser Opeth und Pain of Salvation Fan und dass schon eine lange Zeit. Ihre Musik hat mich zu dem gemacht was ich heute bin und in die Band miteinbringen kann.

MI: Was möchtest du zum Schluss den Lesern von Metalinside.ch noch sagen?

Jim Grey: Danke für allen Support. Wir können es nicht erwarten, nach der Veröffentlichung von „In Contact“ wieder zurück nach Europa zu kommen. Bis dahin: Passt auf euch auf und auch auf die anderen.

Opeth

Herr Ackerfeld ist und bleibt ein absoluter Perfektionist. Läuft es mal nicht nach Wunsch, dann merkt man es dem Genie ziemlich schnell an. Dann verändert sich die Mimik des sonst so ruhigen Gesichts merklich und man spürt die Unzufriedenheit. Beobachtet auch heute beim ersten Song; Noch nicht alles läuft zum Start des Konzerts nach Plan, obwohl das dem Publikum egal ist, man hört und sieht nichts was nicht stimmen könnte. Perfektionisten aber wohl schon 😉

Denn der Start ist mit «Sorceress» eigentlich ein garantierter Funkenflug. Spätestens nach dem zweiten Song «Ghost of Perdition» wird klar, dass auch heute wieder alte Hits den Weg in die Setlist gefunden haben. Nachdem sich die Band ja in den letzten Jahren vermehrt dem «Retro»-Rock zugewendet hat, haben viele Fans der früheren Generation immer wieder Angst, Ackerfeld könnte die alten Hits mit Growls plötzlich sein lassen. Ein Genie wie er weiss aber natürlich, wie er die Menschen bei der Stange hält…

Ich mag mich vielleicht wiederholen, denn es ist nicht das erste Mal, dass ich über ein Konzert der Jungs aus Schweden berichte. Ich gebe auch zu, dass ich die Band über alles Liebe. Ich versichere euch aber auch ich wäre kritisch, könnte ich es überhaupt sein. Denn auch heute erleben wir in Lausanne ein nahezu perfektes Konzert. Dazu trägt das grössenteils Westschweizer-Publikum ganz viel bei. Bereits nach ein paar Songs ertönen «Opeth»-Sprechchöre und der Applaus nach den Songs will fast nicht versiegen.

Die Band ist absolut eingespielt, kein Wunder; Der letzte Besetzungswechsel ist auf das Jahr 2011 datiert. Es ist unbestritten, dass sich in den progressiven Gefilden, in welchen sich Opeth bewegen, solche Bandverhältnisse auszahlen. Es braucht deshalb unter den Bandmitgliedern während des Konzerts auch kaum Kommunikation. Trotzdem oder genau darum verpasst keiner der Musiker auch nur einen Einsatz oder trifft die falschen Töne. Ackerfeld macht aber jederzeit klar, wer der Boss der Band ist. Er dirigiert die verschiedenen Musiker, gibt Anweisungen, hat die Kontrolle über die Geschehnisse. Wahrscheinlich ist Ackerfeld jedoch nicht einer derjenigen, welche die übrigen Bandmitglieder klar unter sich stellt, den sonst wäre in den letzten Jahren sicher mehr Wechsel im Bandgefüge beobachtbar gewesen.

Monsieur Ackerfeld scheint nach dem leider nicht so gelungenen Start trotzdem das Lächeln wiedergefunden zu haben. Zum Glück, denn seine trockenen Sprüche und Witze während der Songpausen gehören genauso zu einem Opeth-Konzert wie die 99 Luftballons zu Nena. Konzentriert zocken sich die routinierten Schweden durch das Konzert und jagen den Fans in den vordersten Reihen sowie dem ganzen weiteren Publikum im Les Docks musikalische Wellen entgegen, welche gelegentlich bis zu Hühnerhaut führen oder dem Kopf den Befehl «Headbangen» geben.

Nebst ruhigeren und neueren Songs wie «Cusp of Eternity» spielen Opeth auch Klassiker wie «Heir Apparent» oder «The Drapery Falls». Viel zu schnell nähert sich dieses Konzert jedoch dem Ende. Deshalb ist es manchmal nicht leicht Fan von progressiveren Bands zu sein. Songs mit Überlänge gibt’s halt mal, leider endet dann ein Konzert bereits nach gefühlten 2 Songs. Ein besonderes «Schmankerl» gibt’s aber noch zum Schluss; Deliverance wird in ganzer Länge gezockt. Eine Zugabe, die sich gewaschen hat.

27 Jahre Bandgeschichte, Musik in Perfektion, Leidenschaft pur….

Fanzit

Einmal mehr muss als Fanzit wieder konstatiert werden: Opeth ist ein absolut verlässlicher Live-Garant. Ich habe noch kein Konzert von Opeth erlebt, welches wirklich «schlecht» war.  Vielleicht gab es solche Momente ganz früh in der Bandgeschichte mal, aber in den letzten Jahren sicher nicht mehr.  Die Klasse der Musiker blitzt jederzeit durch und die verschiedenen Songs werden nicht nur runtergezockt, sondern mit Leidenschaft und musikalischem Feingefühl intoniert. Eben Musik mit einem perfekten Reifegrad, professionell, abgeklärt, kompetent. Danke, Opeth, see you soon again!

Setliste Caligulas Horse

  1. Black Unicorn
  2. Devilspeed
  3. Hollow Mountain
  4. Repent
  5. Firechild
  6. Sanctimony
  7. Blood of Oceans
  8. Pyromancer

Setliste Opeth

  1. Sorceress
  2. Ghost of Perdition
  3. Demon of the Fall
  4. The Wilde Flowers
  5. In My Time of Need
  6. Cusp of Eternity
  7. Heir Apparent
  8. Era
  9. The Drapery Falls
  10. Deliverance*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

14.07.2017
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