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Infinitas – Civitas Interitus (CD Cover Artwork)
Fr, 5. Mai 2017

Infinitas – Civitas Interitus

Folk Metal, Melodic Thrash Metal
11.09.2017
Infinitas – Civitas Interitus (CD Cover Artwork)

Musikalische Städtezerstörung mit Infinitas

Endlich hat es die 2009 gegründete Truppe Infinitas aus dem Muotathal geschafft. Anfang Mai dieses Jahres ist ihr Debütalbum erschienen.

Somit gibt’s nach der 2015er-EP «Self-Destruction» nun zehn neue Nummern auf die Gehörgänge. Mit dieser Konzeptscheibe berichten uns die Melodic / Folk Thrasher über die Zerstörung des fiktiven Mittelalter-Städtchens Lunatris. Wie sich die ganze Geschichte anhört, werde ich für euch in der nachfolgenden Plattenkritik gerne herausfinden.

DAS ALBUM – «Civitas Interitus»

Beim Einstiegs-Track «Chapter I: The Die Is Cast» erklingt zuerst ein Glockenturm. Schlägt da wohl bereits das letzte Stündchen von Lunatris? Anschliessend übernimmt ein Sprecher das Kommando. Zu meiner grossen Freude hat man sich bei der Wiedergabe des Textes für die Mundart entschieden. Es ist stets lobenswert, wenn sich Schweizer Bands in ihren Werken auf ihre Wurzeln berufen. Der Mann zeigt sich irritiert ab der von ihm beobachtenden Szenerie. Irgendetwas stimmt nicht. Bald einmal scheint er allerdings zu wissen, was Sache ist. Kollege Beelzebub himself scheint der Stadt seine Diener auf den Hals zu hetzen. In der zweiten Songhälfte dominieren schliesslich die instrumentalen Parts. Traurige Geigenklänge und sirenenartiger Gesang sind hörbar. Die Ruhe vor dem Sturm. Ein gelungener, im Stile eines Hörbuchs vorgetragener Albumeinstieg.

Vorbei ist’s mit der Gemächlichkeit bim direkt folgenden «Chapter II: Alastor». Jetzt wird ordentlich aufs Gaspedal gedrückt. Pirmin Betschart prügelt mit vollem Einsatz auf seine Schiessbude ein. Die Riff-Fraktion darf ebenfalls zeigen, was sie drauf hat. Danach setzt auch schon der Gesang ein. Bei weiblichen Vocals im Thrash Metal-Bereich bin ich stets ein wenig kritisch. Aber Frontmädel Andrea Bölls Stimmorgan passt wie massgeschneidert zu dieser Stilrichtung. Hammermässig. Die gelegentlichen Wechsel zu klargesungenen Passagen wirken ebenfalls äusserst beeindruckend und scheinen mit Leichtigkeit von statten zu gehen. Geige und Gitarre harmonieren ausgezeichnet. Weiter so!

«Chapter III: Samael» vereint die Welten des Thrash und des Folk Metal. Eine herrliche Symbiose. Soll noch einer behaupten, dass sich Gegensätze nicht anziehen würden. Andrea erhält dieses Mal an der Gesangsfront Unterstützung von männlichen Backing Vocals. Das Tempo bleibt nach wie vor hoch. Eine mitreissende Nummer. In einigen Rezensionen werden Infinitas gerne auch schon mal mit unseren Folk-Nationalhelden von Eluveitie verglichen. Dem kann ich ehrlichgesagt nicht zustimmen. Aus meiner Sicht erschaffen die Muotathaler auf ihrem Debütwerk bisher ihren ganz eigenen Sound.

Das nun folgende «Chapter IV: Labartu» setzt dagegen voll auf die Atmosphären-Schiene. Für einen Moment kann sich der Zuhörer entspannen und in mittelalterliche Welten eintauchen. Grosses Kino, welches da von der Instrumentalfront abgeliefert wird. Doch das ist nicht alles. Nach rund zweieinhalb Minuten wird das Tempo abermals angekurbelt. Eine wilde Folk-Sause beginnt. Untermauert wird die ganze Geschichte von primär klar gesungenen Passagen. Die Dame hinter dem Mikro verfügt definitiv über ein interessantes, abwechslungsreiches Stimmenspektrum. Mit einer Spielzeit von beinahe achteinhalb Minuten zählt «Chapter IV: Labartu» zudem zu den längeren Stücken des Albums.

Die strapazierten Nackenmuskeln könne sich bei «Chapter V: Aku Aku» wieder ein wenig regenerieren. Das fast ausschliesslich instrumentale Liedchen kommt gänzlich ohne Überraschungen aus. Im Gegensatz zum vorangegangen Track wird man hier nicht urplötzlich unsanft aus seinen Träumen gerissen. Die beiden G’s – Gitarre und Geige – entpuppen sich als die prägenden Protagonisten. Da steckt richtig viel Gefühl drin.

Von Wellengeräuschen stürzen wir uns danach in den Track «Skylla». Markante Riffs treffen auch wieder auf Folk-Klänge. Von der Gesangsart her muss ich hier nun trotzdem einen Vergleich mit Eluveitie respektive Cellar Darling tätigen. Andrea erinnert hier schon stellenweise an eine gewisse Anna Murphy. Eine solide Nummer, die mich aber nicht so intensiv packt wie die vorangehenden Songs. Mir fehlt der wuchtige «vom-Stuhl-hau»-Moment. Daran ändert auch der melancholische Schlussteil nichts. Ganz am Ende hört es sich so an, als würden wir eine rappelvolle Taverne betreten.

Die Headbanger sind dann wieder bei «Chapter VII: Rudra» gefragt und gefordert. Rasant geht’s zur Sache. Für mich ein zwingender Kandidat für die Setlisten der anstehenden Auftritte der Band. Madame Böll erhält ein weiteres Mal männliche Unterstützung an der Gesangsfront. So kommt die ganze Sache äusserst kraftvoll um die Ecke. Besonders faszinierend finde ich erneut das wundervolle Geigenspiel. Wer mit der Genre-Definition Melodic Thrash Metal nicht viel anfangen kann, findet in diesem Song ein aussagekräftiges Beispiel.

Zugegebenermassen verlangen Infinitas und ihr Debütsilberling für das volle Verständnis eine gewisse Allgemeinbildung. Seien es Lateinkenntnisse (Infinitas = Unendlichkeit; Civitas Interitus = Die Zerstörung der Stadt) oder Wissen über mythologische Angelegenheiten (Alastor = griechischer Rachedämon; Labartu = babylonische Dämonin, die Krankheit und Tod verursacht). Mit «Chapter VIII: Morrigan» widmet die Band der keltischen Göttin (auch bekannt als «Grosse Königin») ein Ständchen. De Instrumentalfraktion ist für einen gemächlichen Auftakt besorgt. Die Gitarre duelliert sich mit folkloreartigen Melodien. Nach 105 Sekunden kommt’s schliesslich zu einer überraschenden Tempozunahme. Jetzt geht erneut die Post ab. In Sachen Gesang gibt’s sogar gewisse Ausflüge ins Königreich des Symphonic Metal. Mit diesen opernhaften Passagen ist man bei mir sowieso stets an der richtigen Adresse. Da stellen sich einem sogleich die Nackenhärchen auf. Wir haben somit einen weiteren Kandidaten für die anstehenden Auftritte der Truppe.

Der eingefleischte Metalhead denkt bei «Chapter IX: Amon» ziemlich sicher zuerst an Johan Hegg und seine Wikingerkumpels von Amon Amarth. Doch der Song hat nicht wirklich viel mit den Schweden zu tun. Mit einer Spielzeit von 08:28 Minuten zählt er allerdings zu den grösseren Kalibern der Infinitas-Platte. Auf den schwermütigen Geigen-Einstieg folgt nach rund einer Minute eine Temposteigerung. Nun dominieren eher die Gitarrenriffs. Andrea meldet sich selbstverständlich ebenfalls nochmals zu Wort. Auch die Nackenwirbel der Zuhörerschaft werden insbesondere in der zweiten Songhälfte ein weiteres Mal beansprucht. Die Innerschweizer präsentieren sich äusserst facettenreich.

Doch noch ist nicht Schluss. Ganze 13:42 Minuten dauert der letzte Track des Albums. «Chapter X: A New Hope» (nein, das hat nichts mit dem gleichnamigen Star Wars-Film zu tun) darf somit zurecht als echter Brocken bezeichnet werden. Die Zerstörung von Lunatris scheint vorbei zu sein. Unser Protagonist vom Intro-Song ist wieder zu hören. Er teilt der Zuhörerschaft seine Zukunftspläne mit. Ab in ein neues Land. Alles soll dort neu aufgebaut werden. Uns so segelt unser Held – wunderschön musikalisch untermauert – einem neuen Abenteuer entgegen. Dazu passen die nun aufkommenden Wellengeräusche natürlich hervorragend. Aber jetzt bloss nicht ungeduldig werden und den Song wegdrücken. Da kommt nämlich noch etwas! Die letzten vier Minuten gehören hauptsächlich Laura Kalchofner und ihrer E-Blockflöte. Zusammen mit ihren Kollegen performt sie nämlich eine alternative Version des Songs «Chapter III: Samael», welche sich ebenfalls absolut hören lassen kann. Ein gelungenes Finale.

FAZIT

Infinitas liefern mit «Civitas Interitus» ein bärenstarkes Debütalbum. Es gelingt den Muotathalern die sich beiden sonst eher fremden Stile Thrash und Folk Metal problemlos miteinander zu kombinieren. Sowohl die kräftige, variantenreiche Stimme von Frontfrau Andrea Böll als auch die talentierte Instrumentalfraktion sind treibende Faktoren für die anständige Qualität der musikalischen Werke von Infinitas. Konzeptalben geniessen zwar nicht immer überall hohe Popularität, aber bei dieser Truppe sehe ich da keine Schwierigkeiten. Die Band dient als weiterer Beweis dafür, wie lebhaft doch eigentlich unsere Schweizer Metal-Szene ist. In diesem Jahr sind wir beispielsweise mit Platten von Emerald, Chainer und den Burning Witches ja glücklicherweise schon ziemlich verwöhnt worden. Mal schauen, was für Perlen im restlichen Jahr noch das Licht der Welt erblicken werden.

All diese Truppen haben allerdings etwas gemeinsam. Sie brauchen unbedingt eure Unterstützung. Eine Kaufempfehlung für die oben analysierte Scheibe kann ich sorglos abgeben. Doch es gibt noch weitere Support-Möglichkeiten. Dazu zählen sicherlich auch Konzertbesuche. Infinitas werden beispielsweise am 16. September zusammen mit Lagerstein und The Privateer in der Met-Bar in Lenzburg zu Gast sein. Vorbeischauen lohnt sich!

Reinhören und portofrei bestellen

Trackliste Infinitas – Civitas Interitus

  1. Chapter I: The Die Is Cast
  2. Chapter II: Alastor
  3. Chapter III: Samael
  4. Chapter IV: Labartu
  5. Chapter V: Aku Aku
  6. Chapter VI: Skylla
  7. Chapter VII: Rudra
  8. Chapter VIII: Morrigan
  9. Chapter IX: Amon
  10. Chapter X: A New Hope

Line Up – Infinitas 

  • Andrea Böll – Vocals, Percussion
  • Laura Kalchofner – e-Recorder, Background Vocals
  • Pauli Betschart – Bass, Background Vocals
  • Pirmin Betschart – Drums, Vocals, Percussion, Clarinette
  • Selv Martone – Guitar, Virtual Instruments

Video Infinitas – Samael


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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11.09.2017
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