Serious Black - Tour 2017
Do, 21. September 2017

Serious Black, Herman Frank, StormHammer

Dynamo Werk 21 (Zürich, CH)
12.10.2017
Serious Black - Tour 2017

Proberaum- statt Konzertatmosphäre 

An diesem Donnerstagabend machten gleich drei Truppen aus dem Heavy/Power Metal das Werk 21 in Zürich unsicher. Dumm nur, dass das leider kaum irgendein Schwein interessiert hat. Mögliche Gründe für das Fernbleiben der Fans und weitere erwähnenswerte Aktionen der Protagonisten werden im nachfolgenden Konzertbericht ausführlich beschrieben. 

Der gestrige Auftritt der legendären Rolling Stones steckt mir definitiv noch in den Knochen. Aber die Show muss ja bekanntermassen weitergehen und deshalb bin ich bereits wieder unterwegs nach Zürich. Ziel der Reise ist der gemütliche Dynamo-Keller. Definitiv ein ziemliches Kontrastprogramm zum Stadion Letzigrund am Vortag. Angelockt haben mich alte Bekannte. Die Rede ist hierbei von der internationalen Power Metal Band Serious Black rund um Sänger Urban Breed, die ich eigentlich schon seit Beginn ihrer Karriere auf meinem Radar habe und verfolge. Das erste Aufeinandertreffen gab’s Anfang 2015 im Z7. Damals waren die Jungs als Support-Act der mächtigen HammerFall unterwegs. Doch seither haben sich ein paar Dinge geändert. Vorbei sind die Zeiten der «ewigen» Vorgruppe. Serious Black haben sich für heute Abend die Headliner-Position gesichert. Auf der laufenden Europarundfahrt werden sie von StormHammer und Herman Frank unterstützt. Bis jetzt sind mir diese beiden Truppen allerdings (noch) kein Begriff. Das sollte sich jedoch im Verlaufe des Abends hoffentlich ändern.

Eine halbe Stunde vor Showbeginn treffe ich am Ort des Geschehens ein. Der grosse Andrang scheint bisher ausgeblieben zu sein. Auch im Innern der Location dasselbe Bild. Komme ich am Ende gar in den Genuss eines Privatkonzerts? Momentan stiefeln bloss Musiker und Crew-Mitglieder durch die Räumlichkeiten. Das wirkt ehrlichgesagt schon ein wenig irritierend. Die Bardame kann sich dieses ungewöhnliche Phänomen ebenfalls nicht erklären. Ist Veranstalter Meh Suff! etwa zu sehr von der üblichen Schiene abgewichen? Primär verbindet man diesen Namen ja mit Black, Death und Thrash Metal-Gigs. Oder sind nun alle pleite aufgrund der überteuerten Rolling Stones-Tickets? Wohl kaum, denn die «rollenden Steine» ziehen jetzt nicht unbedingt dasselbe Publikum an wie die Kollegen von Serious Black und Co. Ist das Datum schuld? Ebenfalls unwahrscheinlich. Einige stürzen sich ja bereits am Donnerstagabend ins Nachtleben. Vielleicht sind die auftretenden Bands noch zu unbekannt – was ich aber ehrlichgesagt ebenfalls kaum glauben kann. Anyway, lassen wir die Spekulationen vorerst beiseite und widmen uns den musikalischen Darbietungen.

STORMHAMMER

Ein persönlicher Negativrekord. StormHammer müssen tatsächlich vor nur DREI Zuschauern den Konzertabend eröffnen. Die Münchner können einem richtig leid zu tun. Verständlicherweise ist der Fünfer nicht gerade hell begeistert, gibt aber nichtsdestotrotz ordentlich Gas. Auch die drei Fans vor der Bühne sind mit vollem Elan bei der Sache. Sie versuchen mit aller Macht, die Leere des Raums vergessen zu machen.

Für die aktuelle Tour übernimmt Matthias Kupka (sonst Emergency Gate und Sinnestäter) den Job am Mikro. Der eigentliche Sänger – Jürgen Dachl – hat die Band im April dieses Jahres verlassen. Der Ersatzmann scheint sich jedoch hervorragend und problemlos ins bestehende Gefüge eingegliedert zu haben. Er strahlt jedenfalls eine solide Bühnenpräsenz aus. «Wann habt ihr Schweizer eigentlich Feierabend?», fragt Matthias nach dem ersten Song in die Runde. Irgendwie hoffen alle noch auf Zuwachs in Sachen Publikum. Nach zwei weiteren Songs zähle ich dann immerhin schon sechs Personen. Es sei kein schlechtes Zeichen, wenn man die Fan-Anzahl bereits nach den ersten paar Songs verdoppeln könne, meint schliesslich Basser Horst Tessmann. Dabei huscht sogar ein Grinsen über sein sonst eher ernst dreinblickendes Antlitz. Mit seinen Flammenzungen-Hosen setzt er optisch sowieso ein Zeichen.

Songtechnisch seht vor allem der im März veröffentlichte Silberling «Welcome To The End» im Fokus. Es handelt sich dabei bereits um das sechste Studioalbum der Truppe. Beim Sound trifft solider Power Metal auf eine Prise Iced Earth. Matthias wagt mit seinem kräftigen Stimmorgan ab und an sogar Ausflüge in die Welten der Growls und Screams. Trotz kaum existierender Publikumsreihen klappt das Mitgrölen bei der Hymne «Holy War» überraschend gut. Das freut auch den Herrn am Mikro. Dieser sucht anschliessend die Nähe zu den Fans und steigt von der Bühne hinunter. Ob gemeinsames Headbangen oder Luftgitarrenduelle, der Frontman beteiligt sich hochmotiviert an sämtlichen Aktivitäten.

Nach einer halben Stunde ist die ganze Geschichte leider bereits zu Ende. StormHammer haben trotz schwierigen Bedingungen überzeugt und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. Allenfalls werden sie nun aber über eine fixe Verpflichtung von Matthias nachdenken müssen. Meines Erachtens würde er ausgezeichnet zur Truppe passen. Lassen wir uns überraschen, wie die Zukunft dieser Parteien dann am Ende aussehen wird.

HERMAN FRANK

Der nächste Act des Abends wird auf den Tour-Plakaten als «Special Guest» angepriesen. Der deutsche Klampfen-Meister Herman Frank erlangte vor allem für seine Engagements bei Accept und Victory Bekanntheit. Aktuell treibt er auf Solo-Pfaden sein Unwesen. Daraus resultierte im vergangenen Jahr das Werk «The Devil Rides Out». Doch ganz allein geht’s dann eben doch nicht. Deswegen hat sich der gute Mann Verstärkung an Bord geholt. Er teilt sich die Bühne mit André Hilgers (Drums – Anm. von pam: Ex-Rage), Heiko Schröder (Gitarre), Tomcat Kintgen (Bass) und Rick Altzi (Gesang). Den Letztgenannten kenne ich unter anderem auch dank seiner Stammband Masterplan. Stimmlich ist der Schwede auch bei diesem Auftritt wieder eine Wucht. So macht das Zuhören Spass. Die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Gesangsabmischung können glücklicherweise rasch behoben werden. Währenddessen kitzelt der «Herminator» munter ein Solo nach dem anderen aus seiner Saitenkönigin heraus. Zweifelsohne ein Meister seiner Zunft.

Die drei Herman Frank-Soloplatten «Loyal To None», «Right In The Guts» und das bereits erwähnte «The Devil Rides Out» prägen die heutige Setliste. Mir bleibt insbesondere das neuere Stück «Ballhog Zone» in den Gehörgängen kleben. Das Ding strotzt nur so vor Metal. Verflucht geil! Aber auch bei anderen Stücken fliegen die Haare nur so durch die Gegend. Wer sich so eine Truppe entgehen lässt, ist wirklich selbst schuld.

SERIOUS BLACK

Nun wird’s magisch. Der Höhepunkt des Abends schreitet zur Tat. Endlich haben sich auch ein paar Nasen mehr in den Dynamo-Keller verirrt. Nichtsdestotrotz sind 30 Zuhörer dieser genialen Affiche nicht wirklich würdig. Aber Serious Black lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und eröffnen ihr Set standardgemäss mit der Song-Combo «Temple Of The Sun / Akhenaton» vom 2015er-Debütwerk «As Daylight Breaks». Dadurch wird die Zuhörerschaft gleich einmal wachgerüttelt. Sänger Urban Breed und Gitarrist Dominik Sebastian haben sich die Magie-Thematik der aktuellen Scheibe offenbar auch modisch zu Herzen genommen. Beide tragen schwarze Zylinder. Häschen werden jedoch keine hervorgezaubert. Dominik erhöht den Coolness-Faktor zusätzlich noch mittels Sonnenbrille. Basser und Bandleader Mario Lochert darf selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Christian Münzner – der Blondschopf an der zweiten Klampfe – ist für mich ein Neuling im Serious Black-Line Up. Die Keyboard-Klänge kommen dagegen ausschliesslich ab Band. Kollege Jan Vacik scheint die aktuelle Reiserei nicht mitzumachen.

Wer jetzt denkt, dass die Herrschaften nur Stücke vom kürzlich rausgehauenen «Magic» zum Besten geben, wird schlagartig eines Besseren belehrt. «Mirrorworld» und «As Daylight Breaks» sind nämlich ebenfalls mit einigen Nummern vertreten. Gerade die Titel-Hymne der Spiegelwelt-Platte generiert einige Mitsing-Momente («Don’t Let Go!»). Urban braucht sein Mikro bloss gegen das Publikum zu richten und schon erhält er tatkräftige Unterstützung am Gesang. Ziemlich Ähnlich verhält sich das Ganze dann auch beim Liedchen «Serious Black Magic». So erlebt das Werk 21 doch noch etwas Stimmung.

Meine Wenigkeit kommt ebenfalls in den Genuss von einer kleinen Dosis Rampenlicht. Plötzlich zeigt Mario auf mich und winkt mich zu sich heran. Was ist denn jetzt los? Unter seiner Anleitung darf ich ihn bei einem Stück bei seinem Bassspiel unterstützen und mit meinem Finger die richtige Saite drücken. Coole Aktion! Glücklicherweise scheine ich die ganze Angelegenheit trotz fehlender musikalischer Begabung nicht ruiniert zu haben. Währenddessen genehmigt sich Urban ein Schlückchen aus seiner Granini-Flasche. Mario hegt allerdings so seine Zweifel, ob der Schwede da wirklich Fruchtsaft konsumiert. Egal, was sich in diesem Flüssigkeitsgemisch verbirgt, die Gesangsleistung leidet zu keiner Sekunde darunter.

Den Zugaben-Block leitet Alex Holzwarth mit einem Drum-Solo ein. Die Power Metaller setzen zum Abschluss ausschliesslich auf die Qualitäten ihres Erstlingswerks. Auf «I Seek No Other Life» folgt die bahnbrechende Über-Hymne «High And Low». Das Mini-Publikum gerät ebenfalls nochmals richtig in Ekstase. Das Outro erfolgt zu den Klängen von «As Daylight Breaks». Anschliessend verlassen die metallischen Magier die Bühne und verschwinden im Backstage-Bereich. 

FAZIT

Musikalisch war das ein absolut gelungener Konzertabend. Beide Vorgruppen konnten sich einen Platz in meiner persönlichen Metal-Sammlung sichern. Noch eine Stufe besser war dann allerdings der Auftritt des Headliners. Serious Black haben sich erneut gesteigert und man darf zurecht gespannt sein, wohin die Reise noch gehen wird.

Enttäuschend war dagegen der absolut desolate Publikumsaufmarsch an diesem Abend. Damit können sowohl der Veranstalter als auch die Musiker nicht wirklich zufrieden sein. Herman Frank betonte zwar, dass er solch intime Gigs extrem schätzt. Irgendwie möchte ich ihm das aber nur teilweise glauben.

Ob die Kombination Meh Suff! und Heavy/Power Metal effektiv kein erfolgsversprechendes Modell ist, wird sich wohl das nächste Mal beim Battle Beast-Konzert Mitte November zeigen. Metalinside wird dann sicherlich wieder vor Ort sein und euch anschliessend wie gewohnt gerne mit Infos zur Zuschauerzahl und den üblichen Ereignissen versorgen.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – StormHammer

  1. Intro
  2. Black Clouds
  3. Northman
  4. Road To Heaven
  5. Holy War
  6. Welcome To The End
  7. The Law

Setliste – Herman Frank

  1. Roaring Thunder
  2. Right In The Guts
  3. Welcome To Hell
  4. Ballhog Zone
  5. Welcome To The Show
  6. Shout
  7. Running Back
  8. Starlight
  9. Falling To Pieces
  10. Can’t Take It

Setliste – Serious Black

  1. Temple Of The Sun / Akhenaton
  2. Older And Wiser
  3. Mr. Nightmist
  4. Mirrorworld
  5. Trail Of Murder
  6. I Can Do Magic
  7. Heartbroken Soul
  8. Serious Black Magic
  9. The Life That You Want
  10. Castor Skies
  11. Lone Gunman Rule
  12. This Machine Is Broken
  13. Now You’ll Never Know
  14. As Long As I’m Alive
  15. Setting Fire To The Earth
  16. Burn! Witches Burn!
  17. I Seek No Other Life
  18. High And Low
  19. Outro – As Daylight Breaks

Wie fandet ihr das Konzert?

12.10.2017
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