HIM by Ville Juurikkala
Mi, 6. Dezember 2017

HIM, Biters

X-Tra (Zürich)
26.12.2017
223
HIM by Ville Juurikkala

Adieu HIM 

Love Metal-Experte Ville Valo und seine Kumpels von HIM luden am Mittwochabend zur Dernière im Zürcher X-TRA. Gezündet wurde ein wahres Hitfeuerwerk. Allerdings wurde es in der rappelvollen Location teilweise etwas unangenehm. An der Performance der Finnen schnitten sich jedoch die Geister. Alle weiteren Infos entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Nikolaustag und gleichzeitig auch das 100-jährige Jubiläum der Unabhängigkeit Finnlands. Jep, HIM haben sich definitiv ein interessantes Datum für ihren Besuch in Zürich ausgesucht. Die Musik der Truppe hat meine Altersgeneration in deren Jugendzeit intensiv geprägt. Deswegen stellt die lange Warteschlange vor dem X-TRA für mich persönlich keine wirkliche Überraschung dar. Alle wollen sich von den Begründern des sogenannten «Love Metal» verabschieden. Richtig gelesen, HIM sind zurzeit auf Abschiedstournee. Nach 26 Jahren Bandhistorie soll nun endgültig Schluss sein. Doch komplett von der Bildfläche werden die Gothic-Rocker nicht verschwinden. Ein paar Mitglieder haben verlauten lassen, dass sie bereits an anderen Projektideen herumwerkeln. Diese Geschichte werden wir sicherlich im Auge behalten.

Ich kämpfe mich entschlossen durch die beinahe nicht enden wollende Masse an herumstehenden Körpern bis hin zur Bar auf der linken Bühnenseite. Klaustrophobiker sollten die Location heute Abend besser meiden. Aufgrund der vielen Mädels im Raum rechne ich insgeheim schon einmal mit etlichen Kreischattacken. Das eigene Trommelfell hat somit eine echt harte Bewährungsprobe vor sich. Doch bevor Ville und Co. eingreifen, darf ein Support-Act die Stimmung des Publikums an die Betriebstemperatur heranführen.

Biters

Beim Namen Biters fürchte ich mich ehrlich gesagt schon vor einem Twilight-Vampir-Verschnitt. Doch das sind unbegründete Ängste. Auf der Bühne stehen nämlich vier sympathische Jungs mit interessanten Langhaarfrisuren. Sieht mir fast schon nach Perücken aus. Zu hören gibt’s mitreissenden Rock n‘ Roll, der mit AC/DC- und Airbourne-Elementen angereichert ist. Gefällt mir sehr gut. Zwischen den Stücken brilliert Frontmann Tuk mit unterhaltsamen Sprüchen. So verrät er dem Publikum beispielweise, dass er Ville währen der ganzen Tour bisher erst zwei Mal zu Gesicht bekommen habe. Er sei ein ziemlich mysteriöser Mensch. Dann widmet er den Song «Gypsy Rose» seiner daheimgebliebenen Hündin und hat damit die Lacher auf seiner Seite. Der Vierer nutzt die ihm zur Verfügungen stehenden 30 Minuten und heizt der Zuhörerschaft ordentlich ein. Diese Amis würde ich mir jederzeit wieder ansehen beziehungsweise anhören.

HIM

Das riesige «Heartagram» im Hintergrund verrät es bereits, gleich werden HIM ein letztes Mal eine Schweizer Bühne betreten. Als die Lichter ausgehen, ertönt überall um mich herum ohrenbetäubendes Gekreische. Viel mehr Aktivitäten liegen in diesem engen Pulk aus Zuhörern allerdings auch nicht dran. Meinetwegen hätten die Veranstalter nicht zwingend bis unter das Dach füllen müssen. Das nimmt dem Konzerterlebnis ein bisschen die Wirkung. Doch konzentrieren wir uns besser auf die nun folgende Darbietung. Mit «Buried Alive By Love» legen die Finnen sogleich fulminant los. Ein Mix aus violettem, blauem und rotem Scheinwerferlicht erschwert jedoch die Sicht auf die Musiker. Zudem verleiht das der ganzen Sache eine melancholische Ader.

Wie so oft versteckt Ville seine Haarpracht unter einer Mütze. Auch Basser Mikko «Mige» Paananen schwört auf eine fischerhutähnliche Kopfbedeckung. Im Gegensatz zu vergangenen Live-Auftritten hat Drummer Jukka «Kosmo» Kröger dieses Mal keine Plexiglaswand vor der Nase und freie Sicht auf das Publikum. Rechts neben ihm haut Janne «Burton» Puurtinen munter in die Tasten seiner Instrumente. Gitarrist Mikko «Linde» Lindström ist selbstverständlich ebenfalls am Start und lässt seine Saitenkönigin regelmässig aufheulen.

«Heartache Every Moment», «Wings Of A Butterfly», «Gone With The Sin», «Wicked Game», «Poison Girl», «Heartkiller» – die fünf Herren lassen definitiv absolut nichts anbrennen. Die Hitmaschinerie läuft auch Hochtouren. Dieses «Best Of»-Set quer durch die Diskographie der Finnen stellt so ziemlich die gesamte Zuhörerschaft problemlos zufrieden. Auf ein paar wenige Nasen scheint die Darbietung eine einschläfernde Wirkung zu haben und sie verlassen irgendwann im Verlaufe des Auftritts den Saal. Kann ich teilweise nachvollziehen. Aber HIM sind nun einmal nicht gerade für Hochgeschwindigkeits-Nummern bekannt. Darüber hätte man sich im Vorfeld der Veranstaltung ja auch ruhig informieren können.

Ville ist stimmlich stark unterwegs. Bei gewissen Songs zeigt er sich jedoch etwas arg experimentierfreudig bei der Abänderung der Tonlagen. Zwischendurch entfährt ihm sogar ein wilder Schrei. Mehrheitlich mimt er allerdings den scheuen, geheimnisvollen Schmusesänger. Wer kann es ihm verübeln? Mit dieser Masche erobert er schliesslich seit Jahren die Herzen der Mädels. Die Publikumsinteraktion zwischen den einzelnen Songs ist aber ganz klar noch ausbaufähig. Das Gebrumme seiner Bassstimme versteht man kaum.

Überaus emotional wird’s schliesslich bei der HIM-Überhymne schlechthin: «Join Me In Death». Smartphones, Feuerzeuge, alles andere was irgendwie leuchtet, wird in die Höhe gehalten. Das textsichere Publikum ist auch hier voll und ganz bei der Sache. Mit «Right Here In My Arms» und «The Funeral Of Hearts” endet der offizielle Teil der Show. Eigentlich hätte diese Nummer bereits als gelungener Schlussstrich genügt, aber HIM servieren den Fans nochmals einen kleinen Nachschlag in Form des Billy Idol-Meisterwerks «Rebel Yell» und – zum endgültigen Abschluss – das Stück «When Love And Death Embrace».

Das Fanzit

War es das wirklich? Wie diverse andere Bands schon mehrfach bewiesen haben, muss eine Abschiedstournee nicht immer endgültig sein. Lassen wir uns diesbezüglich überraschen. Jedenfalls boten an diesem Mittwochabend beide Bands solide Shows. HIM zündeten ein Hitfeuerwerk sondergleichen. Die Sound-Abmischung hätte allerdings etwas besser sein dürfen. Am mühsamsten war jedoch die überfüllte Location. Das wurde stellenweise richtig ungemütlich. Na dann, in diesem Sinne: «Adieu HIM».

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Biters

  1. Low Lives
  2. Restless Hearts
  3. Stone Cold Love
  4. Gypsy Rose
  5. Hallucination Generation
  6. American Girl
  7. Loose From The Noose
  8. Heart Fulla Rock N Roll
  9. 1975

Setliste – HIM

  1. Buried Alive By Love
  2. Heartache Every Moment
  3. Your Sweet 666
  4. The Kiss Of Dawn
  5. The Sacrament
  6. Tears On Tape
  7. Wings Of A Butterfly
  8. Gone With The Sin
  9. Soul On Fire
  10. Wicked Game
  11. Killing Loneliness
  12. Poison Girl
  13. Bleed Well
  14. Heartkiller
  15. Join Me In Death
  16. Stigmata Diaboli
  17. In Joy And Sorrow
  18. Right Here in My Arms
  19. The Funeral Of Hearts
  20. Rebel Yell (Billy Idol-Cover)*
  21. When Love and Death Embrace*

*Zugabe


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