Metalinside.ch - Kissin' Dynamite - Hall of Fame 2017 - Foto Nicky
Mi, 27. Dezember 2017

Kissin‘ Dynamite, Maxxwell

Hall of Fame (Wetzikon)
/ 02.01.2018

Schweisstreibender Jahresabschluss in Wetzikon

Die Schwaben von Kissin‘ Dynamite bitten zum Jahresende nochmals zum Tanz ins Zürcher Oberland. Ihre Buddys von Maxxwell machen den Einheizer. Das Resultat? Grossartige Mucke und völlig ausgepowerte Fans. Ein Jahresabschluss nach Mass!

Noch ist es leer im schicken Club. Und bevor man irgendwas macht, muss man sowieso erstmal präventiv gegen den Durst ankämpfen. Da gibt’s eine freudige Überraschung: Das Hall of Fame hat die Bierpreise gesenkt! Ich denke mal, dass die vorherigen hohen Preise nicht nur von mir kritisiert wurden – schön, hat man das geändert! Auf den Bechern gibt’s zwar jetzt Pfand, aber das ist nicht weiter tragisch. Die Zeit vertreibe ich mir zudem mit höchst interessanten Diskussionen mit Hall of Fame Main Man Pasquale, der mir spannende Dinge aus der Sicht der Promoter erzählt. Man hat als Fan oftmals kaum eine Ahnung, was alles an Arbeit und Geld hinter solchen Konzerten steckt…

Gilbi, Hef und Oli von Maxxwell schlurfen zwischendurch mal vorbei. Gilbi erzählt, dass sie am Tag zuvor mit die lautesten Reaktionen in der Bandgeschichte erhalten haben. Und Hef – mit eher kleinen Augen – meint noch, dass die After Show Party doch eine Weile gedauert hätte…

Maxxwell

Mittlerweile sind doch endlich ein paar Zuschauer an diesem unfreundlichen und nasskalten Winterabend eingetroffen. Maxxwell starten pünktlich um 20.30h in ihren Set und lassen mit „Heads Or Tails“ grad mal einen richtigen Ohrwurm auf Fans los. Mit „Slaphot“ folgt sogleich auch die erste Nummer der EP „XX“, von der schlussendlich fast die Hälfte des gesamten Programms stammen sollte. Die Stimmung steigt, die noch lichten Zuschauerreihen füllen sich langsam und mit „Man Of Steel“ haben die Luzerner den nächsten Trumpf in der Hand. Gilbi grinst sich eins, Oli schneidet hinter seiner Schiessbude gewohnt die verrücktesten Grimassen und Hef zaubert brillante Soli aus seinen sechs Saiten. Wenn die Jungs am Vortag effektiv zu lange gefeiert haben, dann lassen sie sich jetzt aber nichts anmerken!

„Schizophrenia“ – ebenfalls von „XX“ – ist eigentlich der einzige Song, der mich nicht packt. Doch direkt im Anschluss heisst es „She Is Mine“: Ein Song vom nächsten Album wird hier das erste Mal auf seine Live-Tauglichkeit getestet. Ein herrlicher Stampfer, gute Laune pur – Live-Test bestanden! Kollege Dutti braucht gleich Hilfe. Sein Kinn fällt auf den Boden und alleine kriegt er die Kauleiste nicht mehr zu… Grund dafür? „Independent“! Gilbi kündigt den Song für die „wahren Headbanger“ an und als er dann beim Refrain kurzzeitig seine böse Stimme auspackt, da staunen die werten Kollegen. Damit haben sie wohl nicht gerechnet… (Anm. Dutti: Nein, überhaupt nicht. Allerdings habe ich gegen solche Überraschungen nichts einzuwenden). Aber nicht nur deswegen ist „Independent“ heute eines DER Highlights. Der Song ballert live einfach alles weg!

Fast als Stilbruch würde ich danach „Nothing Changes My Mind“ bezeichnen. Oder als Ballade. Zumindest Halb-Ballade. Oder Power-Ballade. Gilbi sieht das zwar anders… Doch schnurzegal: Die „Queen Of The Night“ beendet nach 45 Minuten ein starkes Konzert von Maxxwell. Dem Wunsch nach Zugaben wird leider nicht stattgegeben – schade, denn „Partykings“ vermisst man an so einem Abend schon schmerzlich! Tja, das Publikum ist da offenbar noch zu verhalten… Die gute Laune lässt sich die Band allerdings nicht vermiesen, so sind alle Musiker auch lange nach Konzertende noch im Publikum und am Merch anzutreffen. Daumen hoch! (Anm. Dutti: Jep, gerne wieder!)

Kissin‘ Dynamite

Wenn es um Kissin‘ Dynamite geht, fällt es mir langsam schwer, neutral zu bleiben. Zu gut sind die Jungs, zu sehr haben die mich in den letzten Monaten und Jahren überzeugt, zu sehr bin ich zum Fanboy mutiert. So ist es heute bereits die vierte Show innert viereinhalb Monaten für mich. Wenn die also tatsächlich mal schwächeln würden, würde ich das vielleicht gar nicht merken…? Nun – solche Gedanken sind glücklicherweise überflüssig. Denn was Hannes und seine Truppe jetzt zeigen, ist schlicht der schiere Wahnsinn! Völlig neutral betrachtet! Doch der Reihe nach…

Im Gegensatz zu Karlsruhe, Gossau oder dem Z7 müssen die Schwaben in Sachen Bühnenbild heute kleine Brötchen backen, denn die Bühne ist schlichtweg zu klein für ihre Aufbauten. Doch wer braucht das schon, wenn man das Triple „Highlight Zone“, „Money, Sex And Power“ und „DNA“ zum Auftakt hat? Von der ersten Sekunde an trumpfen Kissin‘ Dynamite mit ungeheurer Spielfreude. Sehr beeindruckend Fronter Hannes: Was der mit seiner Stimme macht, ist einfach nur zum Staunen. (Anm. Dutti: Auch hier komme ich aus dem Staunen kaum mehr heraus.) Die höchsten Töne trifft er mit Leichtigkeit, obwohl er (so gut es auf der kleinen Bühne halt geht) dauernd in Bewegung ist. Auch Jim und Steffen haben mächtig Spass, sogar der sonst eher zurückhaltend wirkende Ande kann sich das Grinsen selten verkneifen. (Anm. Dutti: Mit seinem Outfit schrammt er sowieso immer wieder knapp an einem «Nippel-Blitzer» vorbei.) Und hinter der Schiessbude gibt Andi mit der Präzision einer Schweizer Uhr den Takt an.

So um die 200 Personen dürften mittlerweile im Club sein und die Stimmung steigt von Minute zu Minute, es kocht, als ob der Laden proppenvoll wäre! Die Schwaben heizen derweil weiter ein. Mit Nummern wie „Love Me, Hate Me“, „Somebody To Hate“ oder „Operation Supernova“ ist das auch kein Problem. Äusserst erfreulich: Heute ist wirklich nur Vollgas angesagt, keine einzige Ballade steht auf der Setliste! Jawoll – SO geht das!

„Living In The Fastlane“ ist ein Bonustrack auf dem aktuellen Album „Generation Goodbye“. Im süddeutschen Radio hat sich der Song offenbar zu einem Hit entwickelt, also nimmt man den doch gerne auch ins Live-Programm auf. In der Schweiz ist es heute somit die Premiere.

In der ersten Reihe hab ich glücklicherweise keine Handyfilmer und –knipser vor mir. Hannes meint, dass sie mittlerweile irgendwas in der Art von „Anti-Smartphone Polizei“ (die genaue Bezeichnung ist mir entfallen, sorry…) seien. Und es scheint zu wirken: Zumindest bei Kissin‘ Dynamite sind die Dinger langsam wirklich verpönt. Sehr gut!

Viel zu früh kündigt Hannes mit „Ticket To Paradise“ den letzten Song an. Das Ende ist nahe und dank dem Blick auf den Zettel auf dem Bühnenboden, weiss ich bereits, dass ein ganz grosses Highlight fehlen wird: „Six Feet Under“ ist nicht dabei, weil irgendwas mit den akustischen Gitarren schiefgelaufen ist. Schade! Doch das Doppel „I Will Be King“ und „Flying Colours“ gibt dem feierwütigen Publikum auch so den endgültigen Rest. Auch Nicky – heute als Fotografin ebenfalls im Einsatz – ist hin und weg und schwärmt zuhause noch davon, was für „ein saugeiles Konzert“ das gewesen ist. Einzig die doch recht kurze Spielzeit von gut 80 Minuten ist ein Kritikpunkt. Darauf angesprochen meint Drummer Andi nach der Show grinsend: „Oh, echt nur 80 Minuten? Hab ich zu schnell gespielt??“ Nun ja: Allfällige Alternativen („V.I.P. In Hell“! „Addicted To Metal“!) hätte es schon gegeben… Aber was soll’s – Jammern darf man heute nun wirklich nicht!

Hannes, Jim, Ande, Steffen und Andi stellen sich später dann noch den Fans, unterschreiben bereitwillig alles Mögliche, posen für Fotos und machen Smalltalk. Alles äusserst entspannt und sympathisch. Dem sagt man wohl Fan-Nähe! (Anm. Dutti: Kollege Kaufi und ich mischen uns ebenfalls unter die Meute und wechseln mit dem einen oder anderen Kissin’ Dynamite-Mitglied noch ein paar Worte. Ganz sympathische Kerlchen.)

Das Fanzit

Fanbrille hin oder her: Im Moment gibt es wohl nur ganz wenige Bands, die auf dem Live-Sektor wirklich ernsthaft gegen Kissin‘ Dynamite anstinken können! Die Truppe überzeugt von A bis Z, scheissegal unter welchen Bedingungen! Ob heute im kleinen Club als Headliner oder vor 11 Tagen mit Festival-Set vor mehreren tausend Fans – Kissin‘ Dynamite sind derzeit kaum zu stoppen! Man darf jetzt schon gespannt sein, was im nächsten Herbst passieren wird, wenn sie bei den Wolfsnächten mit Powerwolf unterwegs sind…! (Anm. Dutti: Vielleicht stehen die Saarbrücker Wölfe und die Schwäbischen Dynamitstangen dann für einen Song ja sogar gemeinsam auf der Bühne? Who knows? Es wird so oder so sicherlich eine geniale Geschichte.)

Setliste Maxxwell

  1. Heads or Tails
  2. Slapshot
  3. Man of Steel
  4. No Pain No Gain
  5. Schizophrenia
  6. She Is Mine
  7. Independent
  8. Nothing Changes My Mind
  9. Queen of the Night

Setliste Kissin‘ Dynamite

  1. Highlight Zone
  2. Money, Sex & Power
  3. DNA
  4. Running Free
  5. She’s a Killer
  6. Love Me, Hate Me
  7. Deadly
  8. She Came She Saw
  9. Somebody to Hate
  10. Operation Supernova
  11. Living in the Fastlane
  12. Sex Is War
  13. Hashtag Your Life
  14. Steel Of Swabia
  15. Ticket To Paradise
  16. I Will Be King*
  17. Flying Colours*

*Zugaben

Fotos von Kissin‘ Dynamite, Maxxwell im Hall of Fame 2017 (Nicky)


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Kissin‘ Dynamite, Maxxwell
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