Metalinside.ch - Cradle Of Filth - Z7 Pratteln 2018 - Foto Steve
Sa, 10. Februar 2018

Cradle Of Filth, Moonspell

Z7 (Pratteln, CH)
/ 27.02.2018

Geniales Duo begeistert das Publikum des einzig wahren Schweizer Metal-Tempels 

Meine Fresse, da hat sich am Samstagabend aber ein verdammt düsteres Pärchen gesucht und gefunden. Die Wände des Z7 bebten ordentlich. Verantwortlich dafür waren die Extreme Metaller Cradle Of Filth und die Portugiesen von Moonspell. Details zu diesem durchwegs gelungenen Konzert-Event entnehmt ihr wie gewohnt dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Nach der gestrigen Steel Panther-Pleite hoffe ich für den heutigen Abend auf eine etwas gelungenere Veranstaltung. Einmal mehr führt mich meine Pilgerreise in die Nordwestschweiz in den Kanton Baselland. Die Massen sollen mittels einer unheiligen Allianz bestehend aus Oberkreischer Dani Filth und seinen Mitstreitern sowie Vampirfürst Fernando Ribeiro und seinen Gefährten ins Z7 gelockt werden. Diesem Ruf scheinen tatsächlich einige Metalschädel gefolgt zu sein. Vor der Halle bildet sich nämlich eine nicht zu verachtende Warteschlange. Aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar. So eine tolle Affiche sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Moonspell habe ich im vergangenen Jahr in Zürich zuletzt live erlebt. Das sieht bei Cradle Of Filth schon ein bisschen anders aus. In diesem Fall musste ich doch ein paar Jährchen auf das heutige Wiedersehen warten. Beide Bands sind jeweils mit einer neuen Platte am Start. Insbesondere «Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay» – das Werk der britischen Extreme/Symphonic Black Metaller – hat mich regelrecht aus den Socke gehauen. Mal schauen, ob sich ein paar Tracks dieser Scheibe in die Setliste verirrt haben.

Moonspell

Einen Support-Act scheint es offenbar nicht zu geben. Somit geht’s ohne Apéro direkt zum ersten Teil des Hauptganges. Begleitet von sphärischen Klängen betritt Moonspell-Frontmann Fernando lediglich mit einer Laterne bewaffnet die Bühne. Zusammen mit dem Hut, den er trägt, wirkt der Portugiese beinahe wie ein Totengräber. Die dramatische Aufmachung macht in Zusammenhang mit dem Silberling definitiv Sinn. «1755» befasst sich mit den tragischen Naturkatastrophen, welche Lissabon am 1. November des genannten Jahres heimgesucht haben. Ein gnadenloses Trio in Form eines Erdbebens, Grossbrandes und eines Tsunami zerstörte die Stadt beinahe komplett. Die ersten vier Tracks, die uns das Quintett um die Lauscher ballert, stammen allesamt vom neuen Album. Vorgetragen werden diese übrigens ausschliesslich in der Landessprache der Truppe. Bei einer Nummer trägt der Mann am Mikro zudem eine mittelalterliche Schnabelmaske.

Moonspell legen eine sackstarke und beeindruckende Performance aufs Parkett (unter anderem sogar mit einem Laserstrahl schiessenden Kruzifix). Die Soundwelle trifft die Zuhörerschaft mit einer solchen Wucht, dass so manch einer beinahe aus den Latschen kippt. Ich bin umringt von staunenden Gesichtern. Fernandos markantes Gothic-Stimmorgan bohrt sich regelrecht in die anwesenden Gehörgänge. Das hört sich eigentlich genau so an, wie auf Platte – was im Falle dieser Band definitiv als Kompliment zu verstehen ist. Gitarrist Ricardo Amorim brilliert mit seinen coolen Soli und Tastenklimperer Pedro Paixão sogt stets für die passende Atmosphäre. Ganz so stark hatte ich die Jungs von der Iberischen Halbinsel ehrlich gesagt nicht in Erinnerung. Heute reissen sie die Hütte jedoch regelecht mit vollem Elan ab. Allerdings möchten uns Fernando und Co. älteres Songmaterial ebenfalls nicht vorerhalten. Aufgrund dessen kommen wir in den Hörgenuss von Hymnen wie «Night Eternal», «Opium», «Alma Mater» und «Full Moon Madness». Spätestens zu diesem Zeitpunkt befindet sich das gesamte Z7 im Bann der Düstermetaller. Am Ende bedanken sich die Herrschaften nochmals artig beim Publikum und auch ich kann diesbezüglich nur Folgendes sagen: «Obrigado, Moonspell!».

Cradle Of Filth

Der zweite Act ist nach dieser überragenden Vorarbeit zweifelsohne gefordert. Kann das Sextett von der Insel mit Moonspell mithalten? Diese Frage wird bereits beim ersten Track «Gilded Cunt» mit einem lautstarken «Ja!» beantwortet. Im Zentrum des Geschehens steht umgehend Frontmann Dani. Er mag vielleicht kein Hüne sein, allerdings kompensiert der Cradle Of Filth-Anführer mangelnde Grösse problemlos mit seinem brutalen Stimmorgan. Die schrillen Schreie sind Giftpfeile für die Gehörgänge. Vielen geht dieses Gekreische jeweils mit der Zeit ziemlich auf den Geist. Glücklicherweise gehören ich und auch ein Grossteil des Z7-Publikums heute Abend nicht zu dieser Kategorie. Schliesslich zählt diese spezielle Gesangstechnik zu den Markenzeichen der Band. Einige Fans versuchen ihr Idol ab und zu nachzuahmen, aber in diesem Bereich kann ihm wohl niemand das Wasser reichen. Für sein Mikro kennt der Meister offenbar nur zwei Positionen: Bei den Schreien hält er es beinahe einen Kilometer von sich entfernt in die Luft und bei allen anderen Passagen scheint Dani das Ding beinahe auffressen zu wollen.

Wie gewohnt setzten die Briten auf ein furchteinflössendes Erscheinungsbild. Corpsepaint, Nieten, grimmige Blicke – kurz gesagt das ganze Paket. Als simple Schwarzmetallkapelle hat sich Sechser allerdings noch nie abstempeln lassen. Sie sehen ihr musikalisches Schaffen eher in den Genres Extreme, Gothic und Symphonic Black Metal. Mit Keyboarderin Lindsay Schoolcraft ist übrigens auch eine Dame mit von der Partie. Leider bekommen wir sie von unserer Position auf der rechten Hallenseite praktisch nie zu Gesicht. Mit ihren klaren, opernhaften Gesangseinlagen ist sie zudem für das Kontrastprogramm zum teuflischen Mister Filth himself verantwortlich. Ganz an die Leine hat man offenbar Martin «Marthus» Skaroupka genommen. Der gute Mann muss nämlich hinter einer Plexiglaswand vor sich hin trommeln. Als einzige Showelemente setzen Cradle Of Filth lediglich ab und an auf Rauchsäulen. Mehr ist ehrlich gesagt aber gar nicht nötig. Auch so kann die Darbietung der Truppe verdientermassen als grossartig bezeichnet werden.

«Heartbreak And Seance», «You Will Know The Lion By His Claw» und «Achingly Beautiful» – jep, das neuste Werk aus der «filth’schen» Höllenschmiede ist lediglich mit drei Songs in der heutigen Setliste vertreten. Angesichts der enormen Qualität dieser Scheibe hätte diese Zahl meiner Meinung nach ruhig etwas höher sein dürfen. Das ist allerdings jammern auf hohem Niveau. Das Publikum bekommt einen guten Mix quer durch die gesamte Diskographie der Briten zu hören. Dabei wechselt das dämonische Sextett zwischen weniger bekannten Nummern und Über-Hits der Marke «Nymphetamine Fix» oder «Her Ghost In The Fog» munter hin und her. Alles in allem ein absolut überzeugender Gig, der in Form von «From The Cradle To Enslave» einen würdigen Abschluss findet.

Das Fanzit

Ein weiteres Konzert-Highlight des laufenden Jahres! An diesen Abend werde ich mich wohl noch eine Weile gerne zurückerinnern. Sowohl Moonspell als auch Cradle Of Filth überzeugten durch ausgezeichnete Leistungen. Der pure Abriss! Aufgrund des engen Kopf-an-Kopf-Rennens konnte ich am Ende keinen klaren Tagessieger ausmachen. Schreihals Dani und seine Kollegen hätten gerne noch ein paar zusätzliche Stücke von ««Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay» raushauen dürfen. Den Portugiesen hätte ich dagegen ein bisschen mehr Spielzeit gegönnt. Man hätte die ganze Geschichte ja auch als Doppel-Headliner-Tour aufziehen können. Moonspell waren heute Abend nämlich definitiv mehr als bloss ein Opener. Also in dieser Form dürfen beide Truppen sehr gerne bald wieder in die Schweiz zurückkehren. Einmal mehr souverän war auch das Z7. Soundqualität, Barpersonal und die gesamte Organisation an sich – es hat schlichtweg alles gepasst.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Moonspell

  1. Em Nome Do Medo
  2. 1755
  3. In Tremor Dei
  4. Desastre
  5. Night Eternal
  6. Ruínas
  7. Opium
  8. Evento
  9. Todos Os Santos
  10. Alma Mater
  11. Full Moon Madness

Setliste – Cradle Of Filth

  1. Intro – Ave Satani
  2. Gilded Cunt
  3. Beneath The Howling Stars
  4. Blackest Magick in Practice
  5. Heartbreak And Seance
  6. Bathory Aria: Benighted Like Usher / A Murder Of Ravens In Fugue / Eyes That Witnessed Madness
  7. Dusk And Her Embrace
  8. The Death Of Love
  9. You Will Know The Lion By His Claw
  10. A Bruise Upon The Silent Moon
  11. The Promise Of Fever
  12. Achingly Beautiful
  13. Nymphetamine Fix
  14. Her Ghost In The Fog
  15. Born In A Burial Gown
  16. From The Cradle To Enslave

Fotos von Cradle Of Filth, Moonspell im Z7 Pratteln 2018 (Steve)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 27.02.2018
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Autor Bewertung: 9/10
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