Metalinside.ch - Steel Panther - Volkshaus Zürich 2018 - Foto Friedemann
Fr, 9. Februar 2018

Steel Panther, Fozzy

Volkshaus (Zürich, CH)
/ 27.02.2018

Das hat man(n) alles schon einmal besser erlebt 

Die Meister des derben, sexistischen Humors und Glam Metal – besser bekannt als Steel Panther – liessen den Feuchtigkeitsgrad in den Höschen von so mancher Konzertbesucherin am Freitagabend ordentlich ansteigen. Leider vermochten die vier Herrschaften den Schreiberling dieses Artikels für einmal nicht zu überzeugen. Selbiges gilt übrigens auch für den Support-Act Fozzy. Ihr wollt die Gründe wissen? Die nachfolgenden Zeilen werden euch diese liefern. 

Zürich, Pratteln, Wetzikon – ich freue mich sehr auf ein intensives Metal-Wochenende mit coolen Künstlern, etlichen Litern Hopfentee und genialen Konzert-Kumpels. Für den Auftakt geht’s ins Volkshaus zu Steel Panther und Fozzy. Erstgenannte durfte ich schon sechs Mal (oder sollte ich besser «sex» sagen?) live in Aktion erleben. Beste Unterhaltung war bei jedem Auftritt der Glam-Ikonen garantiert. Ein Mix aus derben Sprüchen und Songs mit Themen ohne Jugendfreigabe. Die neuste Platte «Lower The Bar» mag zwar nicht ganz mit den Über-Werken «Feel The Steel» oder «Balls Out» mithalten können, hat aber trotzdem solides Liedmaterial zu bieten. Ich bin schon gespannt, wie sich diese Hymnen live anhören werden. Über die Vorgruppe Fozzy ist mir dagegen kaum etwas bekannt. Weiterbildung ahoi!

Die Türöffnung wäre eigentlich auf 19 Uhr angesetzt gewesen. Allerdings heisst es für Erste vor der Location abwarten. Bereits in der Menschenschlange treffe ich auf bekannte Gesichter. Einige haben sich outfittechnisch bestens auf den heutigen Abend vorbereitet. Knallige Spandexhosen, Jacken mit Leopardenmuster und Rockstarperücken. Modisch wird das ein ziemlich schrilles Unterfangen werden. Im Innern der Location gibt’s zuerst einen Abstecher an die Garderobe und anschliessend folgt die Überprüfung des Merchandise-Angebots. Für einmal haut mich jedoch kein Artikel so wirklich aus den Socken. Dafür gebe ich dem Glücksrad der Kollegen von Souls Of Rock eine Chance und sacke prompt eine CD ein. Nice! So langsam dürften die musikalischen Darbietungen beginnen. Mein Grüppchen platziert sich auf der rechten Saalseite und wartet gespannt auf den Auftritt der ersten Truppe.

Fozzy

Im Hintergrund hängt ein gigantisches Fozzy-Backdrop. Aus aktuellem Anlass bin sehr froh darüber, dass die Herrschaften ihren Bandnamen für ihr Gastspiel in der Schweiz nicht ändern mussten. Diese ganze «Fuzetea – Fusetea»- Thematik ist für mich eh bloss ein grosser Witz. Aber lassen wir das. Bei den Rockern aus Atlanta gibt ein Mann die Töne an, der das Show-Business bestens kennt. Chris Jericho turnt nämlich hauptsächlich in Wrestling-Ringen herum. Doch heute Abend heisst es nicht «SmackDown!» sondern abrocken. Das gelingt dem Quintett leider nur mässig. Der Gesang des Frontmanns wirkt nicht kräftig genug. Der Mischer scheint ganz generell ausser Form zu sein, denn dieser Soundbrei ist mehr Qual als Hörvergnügen. Bei einem Song steht Chris plötzlich mit einer leuchtenden Jacke auf der Bühne und macht auf Weihnachtsbaum. Doch selbst diese Aktion kann das Ruder nicht mehr herumreissen. Das Publikum verharrt im altbekannten Salzsäulen-Modus. Bleibt zu hoffen, dass der Headliner im Anschluss einen besseren Job machen wird.

Steel Panther

Lautstarkes Gekreische läutet schliesslich um ca. 21.20 Uhr den Gig der stählernen Panther ein. Michael Starr, Satchel, Lexxi Foxx und Stix Zadinia zögern nicht lange und schicken zu Beginn gleich einmal mit «Eyes Of A Panther» locker vom Hocker einen ihrer grössten Hits ins Rennen. Klamottentechnisch erfüllen die vier Herren problemlos all die gängigen Glam-Klischees. Das erste neuere Stück lässt ebenfalls nicht sonderlich auf sich warten. «Goin’ In The Backdoor» – eine wunderschöne Ode an den analen Geschlechtsverkehr. Funktioniert live ganz gut (also der Song, nicht die Tätigkeit).

Danach folgt der erste obligate Plapper-Teil. Satchel scheint seine Schweizerdeutsch-Aufgaben offensichtlich gemacht zu haben. So bekommt das Publikum ein akzentreiches «Zeigt mir eui Brüscht» zu hören. Zudem verfüge Zürich über die «geilschte Schlampen». Aus diesen beiden Sätzchen wird dann kurzerhand ein improvisierter Mini-Song komponiert. Wer weiss, allenfalls ein Kandidat für den Bonus-Part des nächsten Albums? Der eingefleischte Fanther (so nennen sich die Anhänger der Band) kennt die anschliessend folgenden Sprüche und Witze bestens. Einige sorgen für Lacher, andere hat hat man inzwischen aber schon zu oft gehört. Michael muss sich wie so oft anhören, dass er lediglich über ein kleines Gemächt verfüge. Lexxy nutzt die Zeit inzwischen um sich mit seinem Mini-Spiegelchen zu schminken. In diesem Bereich dürfte der Vierer ruhig einmal ein paar neuer Gags einbauen.

Nach etwa 20 Minuten Gerede kommt endlich wieder einmal ein Song. Bei «Asian Hooker» machen Steel Panther keinen Hehl aus ihrem tiefschwarzen (und perversen) Humor, denn es wird tatsächlich ein asiatisches Mädel auf die Bühne geholt. Tja, exakt aufgrund solcher Aktionen liebt oder hasst man die Herrschaften. Wie bereits angedeutet ist «Lower The Bar» heute Abend mit ein paar Songs in der Setliste vertreten. Insbesondere «Wasted Too Much Time» oder «That’s When You Came In» zünden live irgendwie gar nicht. Dafür brilliert «Poontang Boomerang» umso mehr. Dummerweise haben auch die Jungs von Steel Panther mit ziemlichen Soundproblemen zu kämpfen. Schade eigentlich, denn Schwächen dieser Art kennt man vom Zürcher Volkshaus sonst eigentlich kaum.

Steel Panther sind jedoch mehr als nur pure Show. Gerade Michael und Satchel würde ich durchaus als talentierte Musiker einstufen. Letztgenannter lässt der Masse mit einem unglaublichen Gitarrensolo die Kinnladen auf den Boden klatschen. Zwischendurch bezieht er sogar das Schlagzeug mit ein. In beeindruckender Manier kitzelt der Klampfer Melodien der bekanntesten Rockgrössen (Iron Maiden, Judas Priest, Scorpions, Metallica, Guns N’ Roses) aus seiner Saitenkönigin heraus. Sackstark! Anschliessend folgt abermals ein längerer Sprücheklopfer-Abschnitt. Mir ist bewusst, dass dies bei den Jungs einfach dazugehört, aber heute Abend übertreiben sie es damit für meinen Geschmack massiv. Da ist ja Tobi Sammet (Avantasia/Edguy) geradezu harmlos dagegen. Wirklich unterhaltsam ist aber definitiv Michaels Imitation von Ozzy Osbourne. Die Bewegungen sehen tatsächlich aus wie beim Original. Da hat jemand offenbar intensives Videostudium betrieben.

Bei «17 Girls In A Row» sind dann wie üblich die Mädels gefragt. Also, schleunigst ab auf die Bühne und den Popo schwingen. Wir wollen etwas sehen! Doch unglücklicherweise erweisen sich die Zürcher Damen als ausserordentlich prüde. Wieso haben die bitte so viele Klamotten an? Und es kommt noch bitterer. Nackte Brüste gibt’s nämlich überhaupt keine zu sehen. Entschuldigung Ladies, das gehört bei einer Steel Panther-Show einfach zum guten Ton. Selfies mit den Musikern scheinen heutzutage allerdings wichtiger zu sein. Was ist bloss aus den «echten» Fanthers geworden? Da bin wohl nicht nur ich enttäuscht. Michael, Satchel, Lexxy und Stix hätten sicher zweifelsohne ebenfalls gerne an ein paar weiblichen Rundungen ergötzt. Werte Damen, das muss beim nächsten Mal deutlich besser werden. Mit einem Zugaben-Block bestehend aus «Community Property» und «Party All Day (Fuck All Night)» ihren Auftritt.

Das Fanzit

Ohje, das war leider die schlechteste Steel Panther-Show, die ich bisher erleben durfte. Michael und Co. haben einen ziemlich schwachen Tag eingezogen. Selbiges gilt übrigens auch für den Tontechniker und die Vorgruppe. Wo lagen denn die Probleme? Tja, der mühsame Soundbrei verunmöglichte einen echten Hörgenuss. Zudem haben es die Herren Starr und Co. mit ihren Geplapper-Passagen für einmal deutlich übertrieben. Die Setliste musste ebenfalls ohne gewisse Kracher auskommen. Wo blieben beispielsweise «Fat Girl Thar She Blows)», «Turn Out The Lights», «Gold-Digging Whore», «Bukkake Tears» oder «Ten Strikes You’re Out»? Vielleicht wäre beim nächsten Gastspiel in der Schweiz eine «An evening with Steel Panther»-Show ein Thema. Dann bliebe genügend Zeit für das Klopfen frecher Sprüche und das Song-Material in gleichem Masse. Boykottieren werde ich den Vierer nach nur einem schlechten Auftritt nämlich keinesfalls. Aber beim nächsten Aufeinandertreffen ist eine Leistungssteigerung Pflicht. Das Barpersonal des Volkshauses bekleckerte sich an diesem Abend übrigens ebenfalls nicht gerade mit Ruhm.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Fozzy

  1. Intro – War Pigs (Black Sabbath Song)
  2. Judas
  3. Drinkin With Jesus
  4. Sin and Bones
  5. Painless
  6. Spider In My Mouth
  7. SOS (ABBA-Cover)
  8. Lights Go Out
  9. Bad Tattoo
  10. Sandpaper

Setliste – Steel Panther

  1. Eyes Of A Panther
  2. Goin’ In The Backdoor
  3. Asian Hooker
  4. Party Like Tomorrow Is The End Of The World
  5. Wasted Too Much Time
  6. Poontang Boomerang
  7. Gitarrensolo (Satchel)
  8. That’s When You Came In
  9. Weenie Ride
  10. 17 Girls In A Row
  11. Gloryhole
  12. Death To All But Metal
  13. Community Property*
  14. Party All Day (Fuck All Night)*

*Zugabe

Fotos Steel Panther, Fozzy im Volkshaus Zürich 2018 (Friedemann)


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Steel Panther, Fozzy
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Autor Bewertung: 8/10