Angra - Z7 Pratteln 2018
Sa, 14. April 2018

Angra, Geoff Tate’s Operation: Mindcrime, Halcyon Way, Ravenscry

Z7 (Pratteln, CH)
21.04.2018
Angra - Z7 Pratteln 2018

Progressiver Abend mit Zusätzen 

Grillbieren war an diesem Samstag definitiv ein Thema. Doch am Abend musste ein bisschen Krach her. Glücklicherweise war das Z7 in Pratteln zur Stelle und sorgte mit gleich vier Truppen für einen Gehör-Härtetest. Die weiteren Infos entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Wettertechnisch sind Indoor-Events heute strenggenommen keine Option. Doch da die Z7-Crew ein durchaus interessantes Bandpaket nach Pratteln gelotst hat, muss der geneigte Konzert-Freund trotzdem über einen Abstecher in die Nordwestschweiz nachdenken. Auch ich werde meiner «Zweitwohnung» aufgrund dessen wieder einmal einen Besuch abstatteten. Mit den Akteuren des Abends bin ich bisher nur teilweise in Berührung gekommen. Ravenscry waren im November des letzten Jahres gemeinsam mit Kobra And The Lotus im Hall Of Fame zu Gast und bei Operation: Mindcrime hütet ein gewisser Geoff Tate das Mikrofon, der im vergangenen Sommer Tobias Sammet’s Avantasia-Gefolgschaft angehörte. Die letzte Begegnung mit Fabio Lione – seines Zeichens Sänger von Angra – liegt sogar erst ein paar Wochen zurück. Da war er noch Teil von Luca Turillis Rhapsody Reunion. Somit dürfte ihm die Z7-Bühne noch bestens vertraut sein.

Mit flüssiger Dosennahrung in der Hand warte ich kurz vor 19 Uhr auf den ersten Act des Abends. Der einzig wahre Schweizer Metal-Tempel ist ziemlich schwach besucht. Ehrlich gesagt bin ich nicht sicher, ob der grosse Ansturm noch folgen wird. Die Veranstaltung findet im «3/4-Z7» statt – ein klares Indiz für einen eher mässig gelaufenen Vorverkauf. Naja, die Hütte muss ja schliesslich nicht jedes Mal unbedingt rappelvoll sein. Geniessen kann man die Konzerte so oder so.

Ravenscry

Unsere Reise beginnt mit einer Dosis Alternativ Metal aus der Ewigen Stadt. Leider will mich der Sound der Römer heute einfach nicht packen. Nix da mit herüberspringenden Funken. Woran es genau liegt, kann ich allerdings auch nicht erklären. Die hübsche Sängerin Giulia Stefani verfügt eigentlich über eine wundervolle Stimme. Unglücklicherweise ruft sie deren volles Potenzial viel zu selten ab. Zudem macht sie mir etwas zu penetrant Werbung für die Merchandise-Ecke. Stimmt die Leistung der Band, kommt der Kaufrausch bei der Zuhörerschaft automatisch. Nach dieser halbstündigen Darbietung bleibt meine Geldbörse jedoch freiwillig in der Hosentasche. Schade, denn der Auftritt damals im Hall Of Fame hat gezeigt, dass die Italiener definitiv Potenzial haben.

Halcyon Way

Im Vorfeld der heutigen Veranstaltung habe ich es endlich geschafft, ein paar Hörproben der auftretenden Bands reinzuziehen. Das Material der Amis von Halcyon Way hat dabei richtig Laune gemacht. Ihr mit Heavy Metal-Zusätzen versetzter Progressive Metal ist nicht zu verachten. Aber ohje, was läuft denn bitteschön da gerade alles schief? Soundtechnisch ist die ganze Sache eine echte Katastrophe. Der band-eigene Mischer scheint mit den hiesigen Gepflogenheiten überhaupt nicht zurechtzukommen. Die fünf Jungs machen gute Miene zum bösen Spiel und versuchen ihr Set trotz widriger Umstände irgendwie durchzuziehen.

Lead-Gitarrist Jon Bodan ist mit Sonnenbrille und Irokesenfrisur eindeutig die coolste Socke auf dem Platz. Schliesslich teilt uns Sänger Steve Braun mit, dass sein Kumpel am Bass – Skyler Moore – heute Geburtstag feiert. Selbstverständlich folgt aus den Publikumsreihen umgehend das dazu passende Ständchen. Hoffentlich können die Amis bei unserer nächsten Begegnung auf eine exzellente Soundqualität bauen. Dann klappt’s sicherlich auch mit einem mitreissenden Auftritt.

Geoff Tate’s Operation: Mindcrime

Geoff Tates Abgang (oder Rauswurf) bei Queensrÿche hatte eine eher mühsame Folgegeschichte. Es kam zu einem Rechtsstreit zwischen ihm und seinen ehemaligen Bandkollegen. Zwischenzeitlich waren sogar zwei Queensrÿche-Versionen unterwegs. Glücklicherweise konnten sich alle Parteien eines Tages aussergerichtlich einigen. 2014 benannte Geoff sein Projekt schliesslich in Operation: Mindcrime um. Den selben Namen trägt übrigens auch die Queensrÿche-Scheibe aus dem Jahre 1988. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Albums, wird die Truppe heute Abend ausschliesslich Song dieses Werks zum Besten geben. Aufgrund dessen kommt die Zuhörerschaft in den Genuss von bärenstarken Hymnen wie «Eyes Of A Stranger», «I Don’t Believe In Love» oder des Titel-Tracks selbst.

Mit Charme und Melone – aber ohne Schirm – stolziert Geoff entspannt auf der Bühne herum. Der Kerl verfügt nach wie vor über ein überragendes Stimmorgan. Selbst in den hohen Tonlagen sind kaum Schwierigkeiten auszumachen. Zudem hat sich der Frontmann mit jungen, talentierten Musikern umgeben, die ihr Handwerk bestens zu verstehen scheinen. Gerade Kieran Robertson entpuppt sich als echtes Energiebündel. Geoffs Tochter Emily darf ihrem Vater bei einem Song ebenfalls unter die Arme greifen. Das Gesangstalent scheint offenbar in der Familie zu liegen. Anschliessend düst sie aber sofort wieder zurück zum Merchandise-Stand. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Operation: Mindcrime-Artikel nach diesem genialen Auftritt äusserst gefragt sein werden.

Angra

Mitte Februar haben die Brasilianer von Angra mit «Ømni» ihr achtes Studioalbum veröffentlicht. Dieses ist heute Abend immerhin mit vier Songs in der Setliste vertreten. In Sachen Sound macht das Sextett einen Spagat zwischen Power und Progressive Metal. Mit dem Italiener Fabio Lione haben die Herrschaften ein Sänger-Ass in ihren Reihen, dass genau weiss, wie es eine geschickte Performance an den Tag legen kann. Am Keyboard scheint jemand Doppelschichten schieben zu müssen. Bruno Sa stand nämlich vor ein paar Minuten bereits mit Operation: Mindcrime auf der Bühne.

Der Headliner legt einen äussert soliden Auftritt an den Tag. Packende Hymen sind unter anderem «War Horns» oder «Insania». Zu letztgenannter Nummer hat Fabio noch eine spannende Anekdote für uns parat. Exakt denselben Namen wie der Song trägt auch ein Wein, den Mister Geoff Tate höchstpersönlich auf seinem Gut produziert. Unterhaltsame Ansagen scheinen dem Angra-Sänger generell sehr leicht von der Hand zu gehen. So wird auch während der Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder ab und an gelacht. Wir erfahren beispielsweise, dass Drummer Bruno Valverde genau so alt ist, wie die Band an sich. Mit 27 Lenzen ist er das mit Abstand jüngste Mitglied der Truppe.

Den ultimativen Höhepunkt sparen sich die Herrschaften bis zum Zugabe-Block auf. Dort folgt dann die Darbietung des Queensrÿche-Stücks «Silent Lucidity». Dadurch kommt Fabio zu einem Duett mit seinem grossen Idol Geoff Tate. Mit «Carry On / Nova Era» beenden Angra schliesslich ihren 75-minütigen Auftritt.

Das Fanzit

Abermals ein mehrheitlich gelungener Konzertabend in der Prattelner Konzertfabrik. Insbesondere Angra und Geoff Tate’s Opertaion: Mindcrime konnten dank überzeugenden Auftritten punkten. Dies blieb den Jungs von Halcyon Way aufgrund von mühsamen Soundproblemen leider verwehrt. Ravenscry kamen überhaupt nicht auf Betriebstemperatur. Für einen Samstagabend blieb der Publikumsaufmarsch bis zum Schluss eher bescheiden.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Ravenscry

  1. Hypermnesia
  2. Coral (As Seen By Others)
  3. The Mission
  4. The Witness
  5. Oscillation
  6. Nobody
  7. Missing Words

Setliste – Halcyon Way

  1. Intro
  2. Bloody But Unbowed
  3. Hatred Is My Cause
  4. Eviserate The Morning Sun
  5. Save Your Tears
  6. Blame
  7. Desecration Day
  8. 10’000 Ways
  9. Home

Setliste – Geoff Tate’s Operation: Mindcrime

  1. Anarchy-X (Queensrÿch-Cover)
  2. Revolution Calling (Queensrÿche-Cover)
  3. Operation: Mindcrime (Queensrÿche-Cover)
  4. Speak (Queensrÿche-Cover)
  5. Spreading the Disease (Queensrÿche-Cover)
  6. The Mission (Queensrÿche-Cover)
  7. Suite Sister Mary (Queensrÿche-Cover)
  8. The Needle Lies (Queensrÿche-Cover)
  9. Breaking the Silence (Queensrÿche-Cover)
  10. I Don’t Believe in Love (Queensrÿche-Cover)
  11. Waiting For 22 (Queensrÿche-Cover)
  12. Eyes Of A Stranger (Queensrÿche-Cover)

Setliste – Angra

  1. Dr. Tyrell’s Death (Vangelis-Cover)
  2. Nothing To Say
  3. Travelers Of Time
  4. Angels And Demons
  5. War Horns
  6. Acid Rain
  7. Final Light
  8. Insania
  9. Drum Solo
  10. Lisbon
  11. Magic Mirror
  12. Silent Lucidity (Queensrÿche-Cover) (mit Geoff Tate)*
  13. Rebirth*
  14. Carry On / Nova Era*

*Zugabe


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