Orphaned Land - Galvanik Zug 2018
Sa, 17. März 2018

Orphaned Land, Road To Jerusalem, Subterranean Masquerade, Lunarsea

Galvanik (Zug, CH)
10.04.2018
Orphaned Land - Galvanik Zug 2018

Clash of Cultures: Orient trifft Innerschweiz!

Orphaned Land besetzt schon seit mehreren Jahren einen wichtigen Platz in meinen Playlists, trotzdem konnte ich sie bisher noch nie live erleben… Dies hat sich am 17. März geändert. Kobi und seine Mannen kamen aber nicht alleine in die Galvanik in Zug. Sie wurden begleitet von den drei Bands Road To Jerusalem, Subterranean Masquerade und Lunarsea. Auch wenn die Bands alle aus unterschiedlichen Ecken dieser Welt stammen, haben sie etwas gemeinsam: ihre Metalmusik ist alles andere als konventionell. Was sich am zweitletzten Tourtag abgespielt hat, lest ihr hier im Bericht. 

Spätestens als der Zeitplan für diesen Konzertabend veröffentlicht wird, ist mir klar: Es handelt sich nicht um «Orphaned Land & Support», sondern viel mehr um einen 4 Bands starken Tourtross, bestehend aus vielen sehr talentierten Musikern, die bereit sind, Europa zu erobern! Ich höre also in die drei mir unbekannten Bands rein und bereite mich so geistig auf das Konzert vor.

Vor der Galvanik steht ausser den zwei Securities kein Mensch. Kein Wunder, schliesslich regnet es in Strömen! Auch drinnen ist die Besucherzahl aber spärlich – zumindest noch jetzt, um circa halb acht. In zwanzig Minuten soll die erste Band auf der Bühne stehen. Nach einem Schwenk an die Bar positioniere ich mich also ganz vorne rechts vor den grossen Bassboxen.

Road To Jerusalem

Der Name der Band lässt orientalische Musik erahnen. Weit gefehlt! Der Experimental Rock der in Schweden gegründeten multinationalen Band verspricht «a new fresh approach to heavy music». So fällt mir auch tatsächlich keine Band ein, mit der sich RTJ vergleichen lassen würden. Die jazzig angehauchte Musik scheint aber die (zugegeben noch immer viel zu wenigen) Besucher mitzureissen. Den Takt mitzuklopfen/stampfen/headbangen ist schwierig, die vielen rhythmischen Verschiebungen spielen einem da einen Streich. Dies ist aber nicht weiter schlimm; solange die Musiker selber verstehen, was sie spielen, ist ja alles klar! Bühnenpräsenz haben sie auf jeden Fall und ich persönlich vergucke mich ins Drumming von Schlagzeuger Per Moller Jensen. Nach ein wenig mehr als einer halben Stunde ist aber schon wieder Schluss. Ich werde auf jeden Fall erneut in diese Art von Musik reinhören – ob ich mich damit anfreunden werde, wird die Zeit zeigen.

Subterranean Masquerade

Plötzlich geht alles ganz schnell. Dutzende Personen stehen auf der Bühne und treiben den Umbau voran. So reicht die Pause auch tatsächlich nur dafür, kurz die Toilette aufzusuchen. Solch schnelle Wechsel zwischen den Bands sorgen für mehr Spielzeit. Lobenswert!

Schon bald erklingen, auch wenn dieses Mal der Name nicht daraufhin weist, orientalische Klänge. Gepaart mit dem Aussehen von einigen Musikern (vor allem Sänger Davidavi «Vidi» Dolev, aber auch Gitarrist Tomer Pink) lassen die von Vidi geschwungen Räucherstäbchen eine authentisch wirkende orientalische Atmosphäre entstehen. Subterranean Masquerade können aber auch anders, und das beweisen sie nur wenige Momente später: Mit bösen Drumbeats, kreischenden Gitarren und optimal zu Vidis Klargesang passenden Growls aus der Kehle von Eliran Weizman bringen sie die Besucher zum Ohrgasmus. Korrekt, es stehen zwei Frontmen auf der Bühne und beide haben das Publikum zusammen fest im Griff! Dabei verlassen sie ihre orientalische Welt während keinem Moment. Da haben die Isreali die richtigen Mengenverhältnisse aus dem Geile-Mucke-Rezept erwischt!

Auch showmässig liefern die sieben Herren einiges: Immer wieder begibt sich Eliran, der im Kontrast zu den anderen Bandmitgliedern mit einem weissen Shirt ausgestattet ist, runter ins Publikum. Davidavi treibt es indessen eher in die Höhe. Er springt via Lautsprecher an die Decke und schwingt sich an der Technik-Stange hin und her. Die Vögel (die mit dem weissen f auf blauem Grund…) zwitschern, dass dies bereits am Nachmittag geprobt wurde. Der Drummer ist auch eine Nummer für sich, die Spielfreude ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Eigentlich sollte da Orphaned Land-Drummer Matan Shmuely sitzen, aus verständlichen Gründen hat dieser mit Yalon Schori aber für Ersatz hinter der Schiessbude gesorgt. Für die letzten beiden Songs darf dann gefühlt das halbe Publikum auf die Bühne – was für eine Party!

In der nächsten und der übernächsten Bandpause komme ich dann ins Gespräch mit einigen Subterraneans, unter anderem Shouter/Screamer/Growler Eliran. Er ist, neben dem «Tour-Mitglied» Vidi (der Kjetil Nordhus vertritt), der Neueste in der Band (Eintritt 2015) und schwärmt von der Schweiz. Am Tag zuvor spielten sie in Saint Maurice, daher spricht er mich auch auf die Sprachenvielfalt in unserem Land an. Eliran ist so begeistert von der Atmosphäre, der Gastfreundschaft, dem Käse und der Infrastruktur in der Schweiz, dass er so schnell wie möglich zurückkommen will – sei es mit seiner Band oder alleine!

Lunarsea

Die Galvanik ist inzwischen ziemlich gut gefüllt. Als dritte und letzte Vorband spielen an diesem Abend die italienischen Lunarsea. Mit ihrem Stil – bösem Death Metal – passen sie irgendwie nicht ganz in den Tourtross und leider scheint sich ihre Begeisterung nicht so richtig auf das Publikum zu übertragen. Die nötige Bühnenpräsenz wäre auf jeden Fall vorhanden. Auch optisch macht das Konzert richtig Spass: drei Klischee-Italiener, gepackt in EMP-Klamotten, mit Gitarre, Bass und Mic, ein böse schauender Drummer, und jeder von ihnen geniesst den Moment spürbar. Musikalisch scheint es aber irgendwie nicht richtig hinzuhauen. Die Musik wirkt (aufgrund der Abmischung) zu breiartig, und ausgenommen von einigen richtig geil gespielten Momenten fehlt einfach der nötige Funke. Es geht um wenige Zehntelsekunden und live dürfen Fehler passieren, aber die Musiker sind nicht immer ganz im gleichen Rhythmus. Der böse schauende Drummer wirkt auch tatsächlich entweder stark übermüdet oder völlig high, eventuell liegt das Fehlen der richtigen Tightness ja an ihm… Auf jeden Fall begibt sich die Stimmung während diesem Abend auf einen kurzen Tauchgang.

Orphaned Land

Endlich ist es so weit: die bereits von drei Vorbands angekündigten «mighty Orphaned Land» werden gleich auf die Bühne kommen. Es ertönen die ersten Klänge zum Opener des letzten Albums «Of Unsung Prophets & Dead Messiahs» und die vorderen Reihen stehen kurz vor dem Ausrasten. «The Cave» ist die thematische Einführung ins Konzeptalbum und scheint beim Publikum direkt anzukommen. Als zweiter Song folgt der Opener und Namensgeber des vorletzten Albums «All Is One», mit dem Orphaned Land auch in Europa grossen Erfolg hatten.

Blickfang auf der Bühne ist der Riese Kobi Farhi, Sänger, Ideologe und Kopf der Band. Mit seinem an Jesus erinnernden Aussehen und dem grossen Amulett um den Hals ist auch ihm der Nahe Osten anzusehen. A propos Kobi: Selten habe ich einen Sänger gesehen, der so viel Ruhe und Konzentration mitbrachte und dabei trotzdem noch selber mitfeiern und das Publikum zum Tanzen bringen konnte. Hut ab!

Nach «Ocean Land» folgt der zweite Song des erst im Januar erschienenen Albums: «We Do Not Resist». Kobi beschreibt diese Nummer als wild und wütend, und das ist dann während dem Song auch durch und durch zu spüren. Da stecken nicht einfach irgendwelche Lyrics dahinter, die Band meint das wirklich. Kein Wunder haben die Israeli mit ihren Thematiken und ihrem Geist der Völkervereinigung schon einige Preise eingeheimst (sogar Petitionen für einen Nobelpreis gibt es…).

Bei “Like Orpheus”, der ersten Single vom neuen Album, fehlt mir persönlich dann das gesangliche Zusammenspiel von Kobi und Blind Guardians Hansi Kürsch, mit dem der Song aufgenommen wurde. Kobi gibt sich Mühe und bekommt das Ganze auch recht gut hin, hier bemerkt man – vor allem im Vergleich zum Rest des Konzerts – aber leider grosse Abstriche gegenüber der Studioaufnahme. Es geht weiter, langsame Schunkel-Songs mit orientalischem Touch und härtere Metalsongs wechseln sich ab und langsam neigt sich der Abend dem Ende zu. Subterranean-Sänger Vidi darf auch nochmals auf die Bühne (bei anderen Konzerten hingegen performte Eliran die Growls von «We Do Not Resist», die Abwechslung war also auf dieser Tour sicher vorhanden).

Der Auftritt endet mit dem Doppel «Norra el Norra» / «Ornaments Of Gold», nach welchem sich die Truppe schnell von der Bühne verabschiedet. Kurz vorher stellt Kobi aber noch klar: «We will come back. And we will continue to spread the message of unity, love and brotherhood”. So in etwa…

Das Fanzit

Absoluter Hammer! Der heutige Abend hatte sehr viel zu bieten. Musikalisches Talent und jede Menge Bühnenpräsenz (bei allen Bands) dominierten den Abend! Kurze Umbaupausen, eine gute Lichtshow und die ausser bei Lunarsea sehr gute abgemischten Klänge trugen ihren Teil dazu bei. Die Spielzeit von Lunarsea hätte man meiner Meinung nach auch gut auf die anderen drei Bands aufteilen können. DIE Neuentdeckung des Abends war für mich Subterranean Masquerade, die live absolut spitze waren und bei denen ich garantiert nicht zum letzten Mal am Konzert war. Von mir aus könnten sie schon bald, am besten zusammen mit Orphaned Land, wieder zurückkehren!

Nachtrag zu Suberranean Masquerade

Subterranean Masquerade geben am 6. April bekannt, dass sowohl Drummer Matan Or-El Shmuely als auch Fronter Kjetil Nordhus die Band verlassen, da sie dank ihrem Engagement bei Orphaned Land bzw. Green Carnation nicht mit den Live-Ambitionen der Band mithalten können / wollen. Ersetzt werden die beiden durch die an den 20 Shows bereits vorgestellten Yalon Schori und Vidi Dolev.

Setliste Road To Jerusalem

  1. Andromeda’s Suffering
  2. Ragtime Woman
  3. Under Your Skin
  4. Widowmaker
  5. Worms
  6. Them
  7. Village
  8. Poison Ivy

Setliste Subterranean Masquerade

  1. Early Morning Mantra
  2. Reliving The Feeling
  3. Place For Fairytales
  4. Nomad
  5. As You Are
  6. Hymn Of The Vagabond
  7. Specter (Outro)

Setliste Lunarsea

  1. Phostumos
  2. 3 Pieces Of Mosaic
  3. Metamorphine
  4. Five-Sided Platform Shape
  5. In A Firmness Loop Day
  6. Magnitude 9.6
  7. The Apostate
  8. Beside The Driver
  9. As Seaweed

Setliste Orphaned Land

  1. The Cave
  2. All Is One
  3. The Kiss Of Babylon
  4. Ocean Land
  5. We Do Not Resist
  6. Let The Truce Be Known
  7. Like Orpheus
  8. Birth Of The Three / Olat Ha’tamid
  9. Propaganda / All Knowing Eye
  10. Sapari
  11. In Thy Never Ending Way
  12. Norra el Norra / Ornaments Of Gold

Wie fandet ihr das Konzert?

10.04.2018
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