Primordial - Z7 Pratteln 2018
Mi, 18. April 2018

Primordial, Moonsorrow, Der Weg einer Freiheit

Z7 (Pratteln, CH)
28.04.2018
Primordial - Z7 Pratteln 2018

Die Nacht der langen Songs 

An diesem Mittwochabend gab’s im Z7 mit Primordial Melodien aus den Bereichen Black, Folk und Pagan Metal zu hören. Zudem gingen sämtliche Akteure phasenweise mit echten Monster-Hymnen ins Rennen. Allerdings vermochten nicht alle Truppen gleichermassen zu überzeugen. Sämtliche Details entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Es geht nicht anders. Nach dem gestrigen Machine Head-Abriss muss ich heute schon nochmals kontrollieren, ob eine meiner Lieblingshallen die ganze Geschichte auch wirklich unbeschadet überstanden hat. Dass dabei zufälligerweise gleich noch ein paar Konzerte stattfinden, kommt mir selbstverständlich äusserst gelegen. Die «Heathen Crusade»-Tour legt in Pratteln einen Zwischenstopp ein. Dahinter stecken die Truppen Primordial, Moonsorrow und Der Weg einer Freiheit. Mit den beiden Erstgenannten bin ich bereits vertraut. Abermals werden die Pforten bereits um 18.30 Uhr geöffnet. Da heute keine Mitfahrgelegenheit nach Winterthur zugegen ist, bin ich darüber allerdings nicht unglücklich. So besteht nämlich die Chance, einen vernünftigen Teil des Headliner-Auftritts noch miterleben zu können.

Mit einem ähnlichen Ansturm wie gestern ist wohl nicht zu rechnen. Dazu sind die aufspielenden Gruppen nicht populär genug. Trotzdem erblicke ich zahlreiche Moonsorrow-Shirts. Die Finnen scheinen die grösste Gefolgschaft nach Pratteln zu locken. Ehrlich gesagt bin auch ich primär wegen ihnen hier. In der Merchandise-Ecke sind alle drei Akteure mit diversen Artikeln vertreten. In Gedanken sehe ich den Inhalt meiner Geldbörse abermals schrumpfen. Doch damit das zur Realität wird, müssen die Musiker zuerst überzeugende Auftritte abliefern. Da der erste Act mit seiner Show bald beginnen wird, orientiere ich mich so langsam in Richtung Bühne. Unterwegs folgt der obligate Boxenstopp an der Hopfentee-Station. Nun bin ich bestens gerüstet für die folgenden Darbietungen.

Der Weg einer Freiheit

Die Würzburger Schwarzmetaller Der Weg einer Freiheit dürfen sich als erste Band auf der Konzertfabrik-Bühne austoben. Fünf Stücke bekommen wir während ihres dreiviertelstündigen Auftritts um die Lauscher geballert. Die längste Nummer – «Zeichen» – erstreckt sich über 12 Minuten. Der Sound des Quartetts ist eine interessante Mischung aus Atmosphäre generierenden Teilen und gelegentlichem Blastbeat-Feuerwerk. Frontmann Nikita Kamprad übernimmt neben dem Gitarrenspiel auch den Krächz-Job am Mikrofon. Die Wiedergabe der Texte erfolgt ausschliesslich in deutscher Sprache, welche sich – aus meiner Sicht – sowieso hervorragend dazu eignet. Das runde Logo des «Finsterre»-Albums – welches im letzten Jahr veröffentlicht wurde – ziert als Dekoration den Mikroständer. Die Jungs legen einen sehr soliden Auftritt aufs Parkett und empfehlen sich dadurch zweifelsohne für weitere Gastspiele in Hel(l)vetien.

Moonsorrow

Während der Umbauphase dröhnt ein zugegebenermassen etwas gewöhnungsbedürftiges Hörspiel aus den Boxen. Ein offenbar überaus betrunkener Finne klagt über seine diversen Leiden. Ist die ganze Geschichte zu Anfang noch ziemlich witzig, beginnt sie einem mit der Zeit leider auf den Sack zu gehen. Deswegen nutze ich die Zeit für ein kurzes Auslüften auf dem Vorplatz der Location. Diese sommerlichen Temperaturen mögen im April zwar eher ungewöhnlich sein, aber ich geniesse es nichtsdestotrotz in vollen Zügen.

Kurz nach acht Uhr hat sich die Halle dann tatsächlich nochmals ein bisschen gefüllt. Alle sind gespannt auf den Mond-Kummer. 14 Minuten, 15 Minuten, 7 Minuten, 7 Minuten, 15 Minuten und 16 Minuten – willkommen in der Monster-Hymnen-Welt von Ville Sorvali und seinen Kumpels. In diesem Zusammenhang sind einige meiner Fotografenkollegen überrascht, dass sie sich so lange im Graben aufhalten dürfen. Tja, bei der Musik von Moonsorrow kann man schon einmal jegliches Zeitgefühl verlieren. Zudem hat die knipsende Zunft eine weitere Herausforderung zu bewältigen; die Finnen übertreiben es ein bisschen mit dem Einsatz von Rauchsäulen und der Nebelmaschine. Keyboarder und Drummer sind schon bald kaum mehr zu sehen. Ob das erzeugen von brauchbarem Bildmaterial unter diesen Umständen überhaupt möglich ist?

Und wie sieht’s mit der Leistung des Fünfers aus? Im vergangenen Jahr waren die Jungs am Party.San Open Air einfach nur lahm. Der Auftritt am Meh Suff! Metal-Festival überzeugte dagegen auf ganzer Linie. Heute wird die Achterbahnfahrt leider fortgesetzt. Songtechnisch vermag lediglich «Suden Tunti» zu überzeugen. Der Rest wirkt mit der Zeit öde und einschläfernd. «Jumalten Kaupunki» oder «Sankaritarina» (mit seinen hühnerhautauslösenden Mitmach-Passagen im Refrain) würden die Show definitiv aufwerten. Leider werden beide Songs heute Abend nicht berücksichtigt. Mühsame Soundprobleme runden den schwachen Auftritt der Finnen schliesslich ab.

Primordial

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass der letzte Zug in die Heimat noch nicht ruft. Rund eine halbe Stunde des Headliners sollte ich gemäss Plan miterleben können. Immerhin etwas. Die irischen Folk Metaller drücken sofort auf die Tube. Freunde, genau so hat ein würdiger Headliner zu spielen. Davon können sich Moonsorrow definitiv eine Scheibe abschneiden. Aushängeschild von Primordial ist zweifelsohne Sänger A.A. Nemtheanga. Das Energiebündel flitzt ungebremst auf der Bühne herum. Optisch erinnert er mich durchaus an Behemoth-Fronter Nergal.

Die Truppe möchte der Zuhörerschaft primär ihr kürzlich erschienenes Werk «Exile Amongst The Ruins» schmackhaft machen. Ich kenne mich mit dem neuen Material nicht wirklich aus. Allerdings machen die Songs im Live-Gewand einen sehr starken Eindruck. Die allseits bekannte Überhymne «Gods To The Godless» aus dem Jahre 2000 folgt bereits an zweiter Stelle und ich bin dankbar, dass ich diese noch erleben darf. Primordial werde ich mir in Zukunft ganz klar wieder einmal gönnen – das steht jetzt schon fest.

Das Fanzit

Erneut ein gelungener Konzertabend im einzig wahren Schweizer Metal-Tempel. Der Weg einer Freiheit und Primordial konnten vollends überzeugen. Den Auftritt hätte ich mir gerne noch bis zum Schluss angeschaut. Enttäuschend waren dagegen die Finnen von Moonsorrow. Sie hatten zwar die meisten Zuschauer, aber ihre Songs konnten bei der Mehrheit kein Feuer entfachen. Das muss beim nächsten Mal unbedingt besser werden. Die Fotografen dürften mit den Lichtverhältnissen nicht wirklich zufrieden gewesen sein. Keine Ahnung, ob da viel brauchbares Bildmaterial erzeugt werden konnte.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Der Weg einer Freiheit

  1. Einkehr
  2. Skepsis (Part I)
  3. Zeichen
  4. Requiem
  5. Aufbruch

Setliste – Moonsorrow

  1. Pimeä
  2. Ruttolehto (incl. Päivättömän Päivän Kansa)
  3. Suden Tunti
  4. Kivenkantaja
  5. Mimisbrunn
  6. Kuolleiden Maa

Setliste – Primordial

  1. Nail Their Tongues
  2. Gods To The Godless
  3. Exile Amongst The Ruins
  4. No Grave Deep Enough
  5. To Hell Or The Hangman
  6. As Rome Burns
  7. Stolen Years
  8. Traitors Gate
  9. Where Lie The Gods
  10. Upon Our Spiritual Deathbed
  11. The Coffin Ships
  12. Empire Falls

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Primordial, Moonsorrow, Der Weg einer Freiheit
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