Metalinside.ch - Metallica - Palexpo Genève 2018 - Foto pam
Mi, 11. April 2018

Metallica, Kvelertak

Palexpo (Genève, CH)
/ 06.05.2018

Die «Four Horsemen» zu Gast in Genf 

Metallica beehrten nach vierjähriger Abwesenheit endlich wieder einmal die Schweiz. Am Mittwochabend traten sie im Genfer Palexpo vor rund 22’000 Zuschauern auf. Die Show war gewohnt ganz grosses Kino. Bei der Soundqualität und auch der generellen Organisation dieses Events gab’s allerdings den einen oder anderen Kritikpunkt. Alles Weitere entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht.

Dutti: Eine Akkreditierung für Metallica? Echt? Wie geil ist das denn? Damit hätten wohl weder Metalinside-Boss pam noch ich gerechnet. Doch wir stehen tatsächlich auf der Liste – als Knipser und Schreiberling. In genau solchen Momenten ist man verflucht stolz auf sein ehrenamtliches Metal-Journalisten-Dasein. Für genau solche Momente leben wir! In diesem Sinne: Auf nach Genf! Die Wahl des Austragungsortes sorgte bereits im Vorfeld für etliche, kritische Stimmen. Mir persönlich wären Zürich, Bern oder Basel auch lieber gewesen. Aber für eine Gruppe wie Metallica nehme ich die Pilgerreise in die Romandie gerne auf mich. Getreu nach dem Motto: «Man kann’s ja mal machen.». Zudem habe ich im Gegensatz zu vielen meiner Mitmenschen keine Sprachprobleme in der Westschweiz.

Während der langen Zugfahrt von Winterthur zum Lac Léman wird ausgiebig Musik gehört. Gerade die Texte der neueren Metallica-Nummern sitzen noch nicht richtig. Und man möchte sich vor Ort ja nicht gleich total blamieren. In Genf angekommen folgt umgehend der Bezug des Hotelzimmers. Fünf Minuten vom Bahnhof Cornavin entfernt – so lobe ich mir das. Ein bisschen Zeit für Entspannung muss ebenfalls noch sein. Danach geht’s in freudiger Erwartung mit dem Bus zum Palexpo-Gelände. In diesem Messekomplex findet übrigens jeweils auch der Genfer Auto-Salon statt. Der Weg zur Metallica-Halle ist gut ausgeschildert. Alternativ könnte man aber einfach auch der schwarzgekleideten Masse folgen. Am Tickethäuschen treffe ich schliesslich auf die Kollegen von Metalnews. Dank meiner Dolmetscherfähigkeiten erhalten wir problemlos unsere Pressekarten. Boss pam ist offenbar noch nicht vor Ort. Ich bin aber davon überzeugt, dass der Luzerner Car bald hier eintreffen wird.

Gemeinsam mit Metalnews-Kumpel Lars (nein, das ist nicht der Metallica-Drummer!) begebe ich mich dann zum Vorplatz der Halle. Ein Blick ins Merchandise-Sortiment ist sowieso immer Pflicht. Zu meiner grossen Freunde sind Schweissbänder im Angebot – richtige Monster-Dinger! Da muss ich sofort zuschlagen. Das Glück scheint mir hold zu sein, denn gemäss Aussage des Verkäufers erwische ich die allerletzten Exemplare. Anschliessend versuchen wir mit uns zum Verpflegungsstand durchzuschlagen. Aufgrund der dichten Menschenmasse ein schier aussichtsloses Unterfangen. Hier versagt die Organisation massiv. Man wartet eine gefühlte Ewigkeit auf seinen Hopfentee. Ein paar zusätzliche Getränkestände hätten definitiv nicht geschadet. Zudem wirkt das Personal ziemlich überfordert – beinahe so, als hätten sie nicht mit 22‘000 Besuchern gerechnet. Selbst nach der Türöffnung verteilt sich die Menschenmenge kaum. Trotzdem riskieren wir’s nochmals und holen uns Hopfentee-Nachschub. Danach versuchen wir so langsam in die Halle zu gelangen. Schnell ist nämlich kein Thema. Die lassen sich ganz schön Zeit bei der Zutrittskontrolle. Die Verbotsliste ist ja länger als im Knast: Keine Kameras, keine Getränke, keine Nahrungsmittel etc. Ein Wunder, dass wir nicht nackt in der Halle herumstehen müssen. Aufgrund dieses mühseligen Prozesses verpassen wir den Support-Act Kverlertak leider komplett. Halb so wild – erstens habe ich die Norweger auch schon live erlebt und zweitens sind mir Metallica heute Abend deutlich wichtiger.

Im Innern steht zuerst einmal die Toiletten-Suche auf dem Programm. Diese befinden sich im Untergrund des Gebäudes. Auf den Treppen kommt’s zu menschlichen Staus. Das Aufstellen von ein paar zusätzlichen WC-Anlagen wäre wünschenswert gewesen. Ansonsten macht die Halle aber einen soliden Eindruck. Die Besucherschar hat sich bestens verteilt. Ausserdem gibt’s es hier weitere Getränke- und Merchandise-Stände. Die Bühne befindet sich in der Mitte des Raums. Die vier Metal-Superstars dürfen sich somit auf einem 360 Grad-Spielplatz austoben. Rasch verwerfen wir den Plan, uns weiter nach vorne zu quälen. Hier hinten haben wir sowieso gute Sicht auf die Bühne. Des Weiteren sind – wie bereits erwähnt – Hopfenteequellen und Toiletten gleich in der Nähe. Von diesem Platz aus steht dem Konzertgenuss eigentlich nichts mehr im Wege. Beim Beobachten der Umgebung wird schnell klar, dass nicht nur eingefleischte Metallica-Anhänger zugegen sind. Events dieser Grössenordnung ziehen leider auch immer Konzerttouristen an, die sich oft ziemlich unbeholfen anstellen. Aber von denen lassen wir uns die Laune nicht verderben, oder?

Metallica

Dutti: Punkt 21 Uhr dröhnt das altbekannte Western-Intro «The Ecstasy Of Gold» aus den Boxen. Hühnerhaut pur! Mit diesem Stück von Ennio Morricone eröffnen James Hetfield, Kirk Hammett, Rob Trujillo und Lars Ulrich seit Jahren ihre Shows. Dem wird direkt die neue Kracher-Hymne «Hardwired» nachgeschmettert. Die Thrash Metal-Ikonen werden mit lauten Jubelrufen begrüsst. «We’re so fucked. Shit outta luck. Hardwired to self-destruct!» – glücklicherweise habe ich meine Texthausaufgaben gemacht. Der oftmals gescholtene Lars lässt es ordentlich krachen und James’ Gesang wirkt äusserst solide. Dummerweise scheint uns die Location selbst den Gig vermiesen zu wollen. Bald wird klar, dass das Ding normalerweise nicht für Konzerte benutzt. In Sachen Soundqualität herrscht nämlich ziemlich viel Luft nach oben. Schade, das ist einem Mitglied der legendären «Big Four» definitiv nicht würdig. Vielleicht wird’s ja noch ein bisschen besser.

Nach «Atlas, Rise!» wendet sich James erstmals ans Genfer-Publikum und begrüsst die Fans. Er verspricht uns, dass auch ältere Stücke den Weg in die heutige Setliste gefunden hätten (pam: Leider viel zu wenig …). Als Beweis folgt sogleich das starke «Seek & Destroy» vom 1983er-Silberling «Kill ‘Em All». Die zahlreichen, beweglichen Videowürfel oberhalb der Bühne veranstalten dazu ein farbenfrohes Lichtspiel. In Sachen Show-Elemente spielen die Amis definitiv in der Champions League. Hat jemand vom Klassiker gesagt? Vom zuvor erwähnten Album gibt’s «The Four Horsemen» gleich hinterher. Den Song habe ich ja noch nie live gehört. Was sagt unser Metallica-Experte pam dazu? Ist die Performance dieses Stücks eine Besonderheit?

pam: Für mich definitiv. Aber das gilt für jeden Kill ‚Em All Song (abgesehen von eben Seek & Destroy – welcher in den letzten Tourneen immer der Rausschmeisser war). Auf der aktuellen Tour wechseln sie den vierten Song mit unterschiedlichen Songs vom stärksten Debüt-Album aller Zeiten und anderen 80er Klassikern ab. In Stuttgart vor einer Woche war’s zum Beispiel bei der ersten Show „Motorbreath“ und bei der zweiten „Hit The Lights“. Somit definitiv ein Besonderheit, weil der Song nicht fix zu Setliste der aktuellen und auch der letzten Touren gehört. Aber das tolle ist bei Metallica, dass sie die Setliste während der ganzen Tour variieren (ausser eben die neuen Songs und die Must-Plays wie Master, One, Nothing, Bellz …) (Anm. Dutti: Jep, diese Variationen sind heutzutage definitiv keine Selbstverständlichkeit und werden auch von mir  stets sehr geschätzt).

Dutti: Eines der besten Alben der Bandgeschichte (pam: Der Musikgeschichte!) ist zweifelsohne «Master Of Puppets» aus dem Jahre 1986. Weshalb dieses heute jedoch mit dem Song «Welcome Home (Sanitarium)» erstmals präsentiert wird, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Da gäbe es – gerade auf dieser Platte – durchaus bessere Kandidaten (pam: Hm, es gibt meiner Meinung nach auf Master kein schlechter Song und ich find Sanitarium ganz geil … aber grundsätzlich welche Band kann es sich erlauben, vom besten Album aller Zeiten «nur» zwei Songs zu spielen bzw. in Stuttgart sogar nur einer ?!? Meine Meinung dazu: Es sollte nicht erlaubt sein). (Anm. Dutti: «Death Magnetic» – gemäss eigener Aussage eine von James‘ Lieblingsplatten – kommt heute überhaupt nicht zum Zug). Danach folgt erneut ein Block mit neuen Nummern, die live nicht aller gleichermassen überzeugen können (pam: Das sind leider die Hängermomente der Hardwired-Tour – es sind definitiv zu viele neue Songs und zu viele, die Live einfach nur Durchschnitt sind. Da erwarte ich von Metallica einfach mehr). Dafür braucht’s dann schon wieder ein Stück der Marke «For Whom The Bell Tolls». Rob hüpft gekonnt mit seinem Bass über die Bühne und Kirk glänzt mit ausgezeichneten Fingerfertigkeiten an seiner Saitenkönigin. Die Herrschaften nutzen den ihnen zu Verfügung gestellten Platz effektiv vollends aus und sind ständig in Bewegung. Lars kann da gezwungenermassen nicht ganz mithalten, aber dafür dreht sich sein Schlagzeug-Podest ab und am im Kreis herum (pam: Es wird immer wieder um einen Viertel gedreht, so dass egal wo man steht, Lars mindestens für einen Viertel des Konzerts frontal vor einem trommelt).

Auf dieser Tour lassen sich Metallica in jedem Land zur Cover-Version eines lokalen Stücks hinreissen (pam: Bei welchem Rob – er singt jeweils auch – und Kirk ihren Special-Auftritt haben). Für die Schweiz bedienen sie sich diesbezüglich bei echten Metal-Legenden. So bekommen wir den Celtic Frost-Song «Procreation Of The Wicked» zu hören, den Rob und Kirk auch als Hommage an den verstorbenen Martin Eric Ain verstehen. Tolle Geste! (pam: Vor allem toll, weil es andernorts – zum Beispiel in Deutschland – eher zweifelhafte Geschichten sind mit «Marmor, Stein …» und «Major Tom». Das ist zwar witzig, aber die sicher für alle überraschende Wahl in Genf finde ich für ein (Thrash-)Metal-Konzert definitiv die bessere.).

Was haben wir heute Abend noch nicht gesehen? Korrekt, Pyros! Glücklicherweise gibt’s da einen Song namens «Fuel», mit welchem Metallica jeweils intensive Feuerstürme entfachen können. Gesagt, getan. Die Hitze der Flammen ist sogar bis in den hinteren Raumbereich deutlich zu spüren. Beim anschliessenden «Moth Into Flame» greift der Vierer weiter in die Show-Trickkiste. Urplötzlich sausen leuchtende Drohnen durch die Luft. Diese sollen als Motten-Simulation dienen. Gelungene Sache (pam: Mit Schweizer Technologie umgesetzt …). Gleichwohl stellt sich mir an dieser Stelle trotzdem die Frage, was James und Co. bei ihren Auftritten als wichtiger erachten: Show oder Musik? (pam: Hm, da bin ich jetzt nicht ganz gleicher Meinung, für eine Band der Grösse und Budget halten sie sich mit zu viel Beigemüse eher zurück, die vielen kleinen Video-Würfel über den Köpfen der Band find ich eine einzigartige Bereicherung).

Den Schlussspurt nehmen die Amis mit dem Dreierpaket «Sad But True», «One» und dem überragenden «Master Of Puppets» in Angriff. Im nachfolgenden Zugaben-Block ballern die Thrasher nochmals ein Trio auf die Lauscher. Schliesslich findet der zweistündige Auftritt mit «Enter Sandman» sein Ende. Ich verdufte bereits bei den ersten paar Klängen, um einen möglichst nicht-vollgestopften Bus zum Bahnhof zu erwischen.

Das Fanzit

Dutti: Showtechnisch spielten Metallica einmal mehr alles und jeden an die Wand. Auch mit der Setliste war ich ziemlich zufrieden. Einzig die durchzogene Soundqualität im Palexpo sorgte immer wieder für Stirnrunzeln. In Sachen Organisation war insbesondere die Situation auf dem Hallenvorplatz eine Zumutung. Vielleicht findet das nächste Schweizer Gastspiel der «Four Horsemen» ja wieder in Zürich statt. Ich hätte nix dagegen. Und was meint pam zum grössten Indoor-Event unseres Landes?

pam: Als Fan will man nie zu hart über seine grössten Helden richten. Aber wenn ich da möglichst objektiv bleibe, dann wars gut. Gut, aber nicht überragend. Die Halle selbst versprüht weniger Charme als eine leere Fabrikhalle oder ein Automobilsalon ohne Autos. Zwar toll, beim grössten Indoor-Konzert der Schweiz beizuwohnen und umso cooler, wenn dieser Rekord eine Metal-Band aufstellt. Aber für die Show selbst und vor allem Stimmung war es kein Gewinn. Ich sags ungern als bevorzugter Stehplätzer, aber es fehlt eine Tribüne, die dem ganzen einen Rahmen gibt. Grad wenn wie bei Metallica die Bühne in der Mitte der Halle steht. Und dann die Band selbst – die kann mehr. Das war nicht ihre beste Performance – vor allem, die inzwischen zum Glück stark gekürzte, Drums-Session aller Bandmitglieder geht schon fast ins Peinliche. Das haben viele andere schon viel besser gezeigt. Das hätte eine Band wie Metallica nicht nötig und vor allem wenn dabei ein mittelmässiger Song noch unnötig in die Länge gezogen wird. Und da kommt mein grösster und wohl subjektivster Kritipunkt: Die Setliste. Die Hälfte des Konzerts steht man einfach da und lässt es über sich ergehen, bis endlich wieder mal so ein richtiger Brecher kommt. Aber da bin ich wohl zu stark Old School. Das sehen ein paar sicher anders. Mein Fanzit: Es war jetzt mein Viertes Konzert der Four Horsemen auf der aktuellen Hardwired-Tour. Und ich werd mit der einfach nicht warm. Nach dieser Tour wäre es definitiv endlich wieder Mal Zeit für eine so richtige Best-Of-Tour – so wie es Maiden immer wieder macht (Anm. Dutti: Da wären wir beide wohl ebenfalls mit grösstem Vergnügen wieder mit von der Partie, nicht wahr? Nummern à la «Fade To Black», «Blackened», «Hit The Lights» oder «Ride The Lightning» würde ich in der Tat gerne erneut im Live-Gewand hören. Für pam dürfte es dann wahrscheinlich eher seiner persönliche Überhymne «Orion» sein).

Setliste – Metallica

  1. Intro – The Ecstasy Of Gold (Ennio Morricone Song)
  2. Hardwired
  3. Atlas, Rise!
  4. Seek & Destroy
  5. The Four Horsemen
  6. Welcome Home (Sanitarium)
  7. Now That We’re Dead
  8. Dream No More
  9. For Whom The Bell Tolls
  10. Halo On Fire
  11. Procreation Of The Wicked (Celtic Frost-Cover; performed von Kirk und Rob)
  12. Last Caress (Misfits-Cover)
  13. Fuel
  14. Moth Into Flame
  15. Sad But True
  16. One
  17. Master Of Puppets
  18. Spit Out the Bone*
  19. Nothing Else Matters*
  20. Enter Sandman*

*Zugabe

Fotos Metallica in der Palexpo Genève 2018 (pam)

Video Metallica – One (Genève)


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