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Mind Patrol - Treibhaus Luzern 2018
Fr, 20. April 2018

Mind Patrol (Plattentaufe), Total Annihilation, Ticket To Nowhere

Treibhaus (Luzern, CH)
02.05.2018
Mind Patrol - Treibhaus Luzern 2018

Entgegen aller Prognosen 

Sie haben es endlich getan! Das Debütscheibchen der Luzerner Truppe Mind Patrol ist seit Freitag erhältlich. Dieses Ereignis musste selbstverständlich mit einer anständigen Plattentaufe ordentlich zelebriert werden. In diesem Zusammenhang rockten die «Against All Predictions»-Erzeuger gemeinsam mit ihren Kumpels von Total Annihilation und Ticket To Nowhere das in der Nähe des Vierwaldstättersees gelegene Jugendkulturhaus in Grund und Boden. Alle weiteren Details entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Oh, diese Location hat definitiv ihren Reiz. An diesem sonnigen Freitagabend bin ich zum ersten Mal Gast im Luzerner Treibhaus. Der gemütliche Garten lädt sogleich zum Verweilen ein. Und was darf in dieser Szenerie keinesfalls fehlen? Korrekt, eine eisgekühlte Blondine. Allerdings sind die meisten Anwesenden nicht nur zum Hopfenteeschlürfen hier. Die schwarzgekleidete Zunft sehnt sich nach ein bisschen Krach. Sie werden glücklicherweise schon bald auf ihre Kosten kommen. Organisiert haben den heutigen Event die vier Jungs der Thrash/Heavy Metal-Truppe Mind Patrol. Der Anlass? Die Veröffentlichung ihrer Debütplatte «Against All Predictions». Ganze sechs Jahre liessen sich Yves, Christian, Emil und Mättu damit Zeit. Ein Faulheitsvorwurf wäre jedoch unangebracht. Seit ihrer Gründung ist die Band ständig auf Achse und spielt Gigs en masse. Stundenlang im Studio herumzusitzen sei eigentlich nicht ihr Ding, wie die Herrschaften kürzlich in einem Radiointerview zugaben. Nun hat es aber doch noch funktioniert – selbst, wenn eigentlich niemand mehr so richtig daran geglaubt hat.

Mind Patrol beschreiten das heutige Abendprogramm allerdings nicht alleine. Unterstützung gibt’s von den beiden Taufpaten Total Annihilation und Ticket To Nowhere. Erstgenannte zählten für mich zu den Abräumern der diesjährigen Swiss Metal Masters in Wohlen. Auf dieses Wiedersehen freue ich mich riesig. Support-Act Nummer zwei ist mir dagegen gänzlich unbekannt. Mal schauen, wie sich die Ettiswiler so anstellen werden.

Der Konzertsaal will natürlich ebenfalls noch ausgecheckt werden. Rund 250 Personen finden hier Platz. Fall es heute Abend rappelvoll werden sollte, dürfte sich durchaus die eine oder andere Schweisslache am Boden bilden. Auf der rechten Seite befinden sich die Merchandise-Stände. Keine Frage – ein Exemplar von «Against All Predictions» muss definitiv in meine Sammlung. Christian warnt mich beim Kauf noch, ob ich mir das Ganze wirklich antun möchte. Ironie und Galgenhumor scheinen für ihn definitiv keine Fremdwörter zu sein. Am anderen Ende des Raumes befindet sich eine kleine Galerie. Hier werden dann später wohl die «VIPs» Platz nehmen. Ich richte meinen Blick nun aber Richtung Bühne. Der musikalische Teil des Abends wird demnächst beginnen.

Ticket To Nowhere

Post-Hardcore und Symphonic Metal? Ui! Zweifelsohne keine alltägliche Mischung. Ob das gut gehen kann? Darauf kann ich mit einem lautstarken «Ja!» antworten. Die fünf Musiker legen einen grundsoliden Auftritt aufs Parkett. Insbesondere die Stimme von Frontmädel Daniela Bucheli bereitet mir viel Freude. Phasenweise driftet sie regelrecht ins opernhafte ab. Klampfer Eric Lindegger steuert als Kontrastprogramm jeweils ein paar bissige Growls bei. Diese Gesangsmischung trifft bei meiner Wenigkeit eigentlich immer ins Schwarze.

Leider erfährt die Zuhörerschaft nach den ersten paar Songs, dass Eric heute zum letzten Mal mit Ticket To Nowhere auf der Bühne steht. Von Trauer fehlt jedoch jede Spur. Sämtliche Bandmitglieder agieren mit sichtbarer Spielfreude und ermöglichen ihrem Kollegen dadurch einen gelungenen Abgang. Während einer Pause gibt Eric ein «Backen-Schlag-Mikrofon-Geräusch» zum Besten und hat damit umgehend die Lacher auf seiner Seite. Hoffentlich bleibt uns die sympathische Truppe auch weiterhin erhalten.  Irgendwo wird sich sicherlich ein passender Ersatzmann auftreiben lassen.

Total Annihilation

Huhu, Total Annihilation, wo steckt ihr? Dichter Nebel umhüllt die ganze Bühne. Dabei brauchen sich diese Herren definitiv nicht zu verstecken. Ungebremst donnert der Basler Thrash/Death-Zug durch das Treibhaus. Resultat ist ein äussert intensives Trainingsprogramm für alle anwesenden Nackenmuskeln. Songs der Marke «Big, Fat, Lying, Bastards» sind in etwa mit einem brutalen Faustschlag in die Kauleiste zu vergleichen. Die Headbanger in den Publikumsreihen sind mit vollem Elan bei der Sache. Gitarrist Jürgen Schmid weist in Sachen Optik durchaus Ähnlichkeiten zu einem gewissen Kerry King (Slayer) auf.

Mind Patrol stehen später ganz klar unter Druck. Mit Total Annihilation haben sie sich einen sackstarken Support-Act mit ins Boot geholt. Gegen Ende des Gigs servieren Yves und Co. ihren Basler Kollegen dann noch ein paar «Bier-Schoppen». Nette Geste oder doch eher ein verzweifelter Versuch, die Thrash-Abrissbirne aus der Nordwestschweiz ins Stocken zu bringen? Spielt schlussendlich alles keine Rolle, denn die Hopfenbehälter landen ziemlich schnell im Publikum und werden dort dankend vernichtet.

Mind Patrol

Kurz nach 22 Uhr übernimmt schliesslich der Headliner das Kommando. Auch bei Mind Patrol zählt Thrash Metal zu den Königsdisziplinen. Unbekümmert und mit viel Einsatzwillen geht das Quartett zu Werke. Standardgemäss gibt’s «Against All Predictions» in voller Länge zu hören – aber nicht nur das. Ein paar andere Stücke schaffen es ebenfalls in die Setliste. «Warfare» und «Drinking Song» stechen im ersten Showteil besonders hervor. Basser Emil ist eindeutig der Paradiesvogel auf der Bühne. Das liegt unter anderem an seiner auffälligen Hippie-Hose. Zudem ist er zu Beginn mit Flipflops unterwegs. Später geht’s barfuss weiter, was auf der inzwischen ziemlich rutschigen Unterlage gar kein leichtes Unterfangen ist. Ein Sturz auf den Allerwertesten bleibt glücklicherweise aus.

Nach «Machine Society» ist es endlich soweit: Zeit für die Plattentaufe! Doch die vier Jungs scheinen den wichtigsten Gegenstand in der Hitze des Gefechts tatsächlich vergessen zu haben. Deshalb fragt Yves etwas kleinlaut in Richtung Merchandise-Stand, ob man ihnen wohl ein Exemplar ihres Werks bringen könne. Begossen wird «Against All Predictions» schliesslich mit Rimuss – zumindest gemäss Aussage der Band. Kinderschampus anstatt Bier oder Jägermeister? Mind Patrol machen’s möglich. Äusserst unterhaltsam gestaltet sich auch die nachfolgende Dankensrede. Der Frontmann kramt dazu seine Gelehrtenbrille hervor. Prof. Dr. phil. lic. iur. Yves und seine Mitstreiter bedanken sich bei einer ganzen Armee von Menschen. Unter anderem gibt’s auch lobende Worte für einen örtlichen Pizzalieferanten. Offenbar wurden während der Schaffensphase von «Against All Predictions» etliche Italo-Fladen in den Proberaum der Band geliefert. «Danke liebe Eltern, dass ihr solche Chaoten gezeugt habt» – ebenfalls eine Aussage, die den ganzen Raum zum Lachen bringt.

Im Anschluss soll allerdings wieder die Musik im Vordergrund stehen. Musiker und Zuhörerschaft mobilisieren die letzten Kräfte für den finalen Akt dieses Konzertabends. Christian kitzelt weiter munter Soli aus seiner Saitenkönigin heraus. Drummer Mättu wird während des gesamte Gigs ziemlich im Dunkeln zu lassen. Nichtsdestotrotz gibt er seinen Kollegen brav den Takt an. «Doomsday» und «Till We Die» zählen in dieser zweiten Etappe zu den überzeugendsten Tracks. Beim letztgenannten Song kann Yves sein kräftiges Stimmorgan nochmals hervorragend zur Schau stellen. Das Publikum fordert dann noch energisch ein Bass-Solo – und sie kriegen es auch. Besser könnte der Vierer seinen starken Auftritt gar nicht ausklingen lassen.

Das Fanzit

Mind Patrol zeigten eine gelungene und äusserst unterhaltsame Plattentaufe. Die Songs von «Against All Predictions» haben die Live-Prüfung eindeutig bestanden. Das Luzerner Treibhaus entpuppte sich als sehr angenehme Location. Nichtsdestotrotz waren für mich – einmal mehr – Total Annihilation die Abräumer des Abends. Da mussten sich die Gastgeber warm anziehen. Ich muss mir unbedingt einmal eine Headliner-Show dieser Truppe gönnen. Welche Schweizer Kapelle feiert wohl als nächstes eine Plattentaufe?

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Ticket To Nowhere

  1. Dead Empathy
  2. Sweet Parasites
  3. Three Times
  4. Pointless Prophecy
  5. Hagwon
  6. My Apocalypse (Escape The Fate)
  7. Playing Badass

Setliste – Total Annihilation

  1. Intro
  2. Brainless Pigs
  3. Extinction
  4. Big, Fat, Lying, Bastards
  5. Panic
  6. Experience The Terror
  7. Silent Warfare
  8. Day Z
  9. War, Death, Suffering
  10. Solace For The Weak

Setliste – Mind Patrol

  1. Intro (Welcome To Hell)
  2. Warfare
  3. All-In
  4. Fire In My Eyes
  5. Soulkeeper
  6. Drinking Song
  7. Machine Society
  8. Plattentaufe
  9. Arising
  10. Generation Penetration
  11. Schizophrenia
  12. Doomsday
  13. Till We Die

Wie fandet ihr das Konzert?

02.05.2018
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