Metalinside.ch - Bullet - Z7 Pratteln 2018 - Foto Kaufi
Fr, 18. Mai 2018

Bullet, Screamer, Jesus Chrüsler Supercar

Mini Z7 (Pratteln, CH)
/ 12.06.2018

Schwedisches Triple im verkleinerten Z7 

Für einen Abend befand sich der Prattelner Konzerttempel komplett in schwedischer Hand angeführt von Bullet. Alle drei Truppen brillierten dank souveränen Auftritten und konnten so ihre hiesige Fangemeinde um ein paar Nasen erweitern. Vielleicht klappt’s dadurch dann beim nächsten Mal mit einem grösseren Publikumsaufmarsch. Details zu den Geschehnissen können wie gewohnt im folgenden Metalinside-Bericht nachgelesen werden.

Das verlängerte Pfingstwochenende wird am heutigen Freitag laut eingeläutet. Um sich die Gehörgänge ordentlich durchlüften zu lassen ist allerdings abermals ein Abstecher in die Nordwestschweiz von Nöten. Die angenehmen Temperaturen fordern regelrecht Outdoor-Aktivitäten. Leider kommt die Z7 Summer Nights-Freiluftbühne erst im Juli zum Einsatz. Bis dahin müssen die Fans weiterhin mit Hallenveranstaltungen vorliebnehmen. Ob ich heute alleine bin? Nein, endlich ist das berüchtigte Metalinside-Journalisten-Duo Kaufi/Dutti wieder einmal gemeinsam im Einsatz. Mein Kollege ist vorerst noch mit Grillbieren beschäftigt und wird erst auf den Auftritt der ersten Truppe zugegen sein. Es sei ihm gegönnt – wer würde bei diesem sommerlichen Ambiente nicht gerne ein köstliches Steak vom Grill geniessen wollen? Und dazu noch ein ausgekühltes Bierchen? Lecker! (Anm. Kaufi: Das mit dem Bierchen ist infolge Beibehaltung des Fahrausweises eher eine suboptimale Idee…). (Anm. Dutti: Vorbildich – so sind wir Metalinsider eben). Doch bevor es jetzt zu einem kulinarischen Exkurs kommt, versuche ich mich lieber wieder auf den musikalischen Teil des Abends zu fokussieren.

Die Z7-Crew hat heute drei Truppen aus dem Köttbullar-Land (ohje, schon wieder Essen) nach Pratteln eingeladen. Jesus Chrüsler Supercar (welch ein Bandname!) und Screamer sind mir noch kein Begriff. Mit dem Headliner Bullet hatte ich dagegen schon die eine oder andere Begegnung – zuletzt beispielsweise am letztjährigen Bang Your Head!!!-Festival. Für die einen ist Fronter Hell Hofers markantes Stimmorgan ein Segen, während sich andere davon regelrecht abschrecken lassen. Dass ich mich zur erstgenannten Gruppierung zähle Bedarf keiner weiteren Erläuterung, oder? Sonst wäre ich wohl kaum zum einzig wahren Schweizer Konzerttempel gepilgert.

Leider scheinen nicht viele diese Reise auf sich genommen zu haben. Gemäss Aussage des Veranstalters verlief der Vorverkauf ziemlich schleppend. Es wird mit höchstens 150 Rockern gerechnet. Hierzulande ist dies ein zugegebenermassen nicht mehr ganz unvertrautes Phänomen. Ich habe mich ja au schon in diversen Berichten kritisch über die schwachen Zuschauerzahlen geäussert. Ein Wundermittel dagegen hat allerdings noch niemand entdeckt. Dass der heutige Anlass im Mini Z7 stattfindet, ist aufgrund dessen keine wirkliche Überraschung. Nichtsdestotrotz bin ich grosser Unterstützer dieser verkleinerten Form der Konzertfabrikhalle und der daraus resultierenden, speziellen Atmosphäre. (Anm. Kaufi: Ich bin vor allem aufgrund der oftmals bescheidenen Lichtverhältnisse kein Fan vom Mini Z7. Ausser man macht es wie bei Eclipse und lässt die Bands trotz kleiner Variante auf der regulären Bühne spielen…). (Anm. Dutti: Mal schauen, wie deine heutigen Fotos dann daherkommen.).

Jesus Chrüsler Supercar

Weshalb ich stets versuche kurz nach Türöffnung vor Ort zu sein? Tja, mit der Kommunikation der Spielzeiten ist das beim Z7 leider so eine Sache – insbesondere jeweils im Falle der ersten Truppe. Und heute? Auf der Homepage und in der Facebook-Veranstaltung war überall von 20 Uhr die Rede. Jesus Chrüsler Supercar starten jedoch bereits eine Viertelstunde früher in ihr Set und müssen deswegen mit einer ziemlich überschaubaren Publikumstraube auskommen.

Das Motörhead-Shirt von Frontmann Robban Bergeskans gibt schon einmal die musikalische Richtung vor. Lemmy und Co. scheinen für das Schaffen des Vierers tatsächlich eine überaus wichtige Inspirationsquelle gewesen zu sein. Die Jungs selbst bezeichnen ihren Stil jedoch als Death ‘N’ Roll. Die dreckigen Riffs gepaart mit Robbans rauer Stimme vermögen durchaus zu gefallen. Gitarrist Pär Jaktholm brilliert zudem mit seinem Gitarrenkabel im Retro-Telefon-Look. Mit der Rockoper «Jesus Christ Superstar» hat das Ganze aber herzlich wenig zu tun. Keine Ahnung, wie die Herrschaften damals 2011 auf ihren Bandnamen gekommen sind. Ich tippe einmal unverblümt auf eine trinkfreudige Nacht im Proberaum.

Jesus Chrüsler Supercar nutzen die ihnen zu Verfügung stehende halbe Stunde um uns Tracks ihrer beiden Werke «Among The Ruins And Desolate Lands» und «35 Supersonic» zu präsentieren. Neben den mehrheitlich rockigeren Passagen schleichen sich ebenfalls gelegentliche Stoner- und Doom-Elemente in die einzelnen Stücke ein. Anhängern von Motörhead kann ich diese Band sorglos weiterempfehlen. Ein grundsolider Auftritt. Selbst die ganze Grossen scheinen an das Potenzial der Schweden zu glauben, denn die vier Jungs werden von der Wacken Foundation unterstützt und gefördert.

Screamer

Ui, was kommt jetzt? Ein «Looney Tunes»-Intro lässt grundsätzlich auf eine Spass-Truppe schliessen, die das Leben alles andere als ernst nimmt. Fehlannahme meinerseits. Es folgt nämlich ein 40-minütiger Abriss mit dem Einsatz von purem, schwedischen Schwermetall. Mit «Screamer» startet die auf denselben Namen hörende Truppe fulminant in ihr Set. Die inzwischen etwas besser besetzten Publikumsreihen lassen ihre Mähnen ungebremst durch die Gegend fliegen. Auch meiner Wenigkeit bleibt die Spucke weg. Sackstark, was das Quintett hier abliefert.

Einige Gitarrenmelodien der Jungs lassen durchaus Vergleiche mit den legendären Iron Maiden zu – und das ist definitiv kein Grössenwahnsinn. Screamer gehen hervorragend gelaunt zu Werke. Die gute Laune färbt auch rasch auf das Publikum ab. Besonders zwischen Klampfer Anton Fingal und Bassist Fredrik Svensson Carlström scheint die Chemie zu stimmen, denn die beiden sind immer wieder für ein Spässchen zu haben. Mit Andreas Wikström verfügt die Band aber auch über einen starken und talentierten Sänger. Gerade bei den Screams in den oberen Tonlagen macht er eine tolle Figur. Als zusätzliches Show-Element setzen die Jungs zudem auf Nebelmaschinen an den Bühnenrändern.

Die seit 2009 aktive Truppe hat bisher drei Studioalben veröffentlich. Das aktuellste Erzeugnis hört auf den Namen «Hell Machine» und ist seit Februar des vergangenen Jahres in den Plattenläden erhältlich. Die von diesem Silberling stammende Nummer «Monte Carlo Nights» entpuppt sich als mitreissende Live-Hymne. Aber auch die älteren Tracks sind absolut hörenswert. Screamer sind DIE Entdeckung des heutigen Konzertabends und ich freue mich auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen.

Bullet

Kollege Kaufi weiss in Sachen Bullet sicherlich besser Bescheid als ich. Schliesslich hat er die Kapelle aus Südschweden schon mehrmals live erlebt und ebenfalls die eine oder andere Bullet-Platte in seiner Sammlung. Bei einem Gig in Zürich sei offenbar sogar einmal eine Schleifmaschine während der Show zum Einsatz gekommen. Mehr Metal geht eigentlich nicht. Ob sich dieses Ereignis beim heutigen Gig wiederholen wird? Vorerst sieht es nicht danach aus. Allerdings ist der Platz auf der Mini Z7-Bühne natürlich auch limitiert.

Bullet nehmen uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit – zumindest in Sachen Outfits. Diese Klamotten erinnern doch ziemlich stark an die 80er. Der Bandname prangert in Form eines Retro-Leuchtschilds im Hintergrund an der Wand. Soundtechnisch geht’s ebenfalls Oldschool zu und her. Da steckt an allen Ecken und Enden unverkennbar AC/DC drin. Die jüngere Generation würde wohl eher von Airbourne sprechen. Dazu noch eine interessante Anekdote: Die Australier haben die Schweden zu Beginn ihrer Karriere als Vorbilder bezeichnet. Lustigerweise haben Joel O’Keeffe und Co. Bullet in Sachen Popularität inzwischen längstens überholt. Dass der heutige Auftritt der nordischen Schermetaller in einem mittelmässig besuchten Mini Z7 stattfindet, spricht diesbezüglich Bände.

Das kürzlich erschienene Album «Dust To Gold» dominiert wenig überraschend die Setliste. Kollege Kaufi hat sich das Ding im Rahmen einer Plattenkritik bereits ausführlich zu Gemüte geführt. Mit sieben von zehn Punkten hat’s am Ende für eine solide Note gereicht. Live macht das neue Material auch keinen schlechten Eindruck. Es sind allerdings die älteren Geschichten, welche von der Zuhörerschaft frenetisch abgefeiert werden. Stellvertretend dafür sei beispielsweise «Rolling Home» erwähnt. Die Mehrheit der Klassiker kommt dann allerdings erst später in einem überragenden Zugaben-Block zum Zug. Mit «Pay The Price», «Heading For The Top», «Turn It Up Loud» und – selbstverständlich – dem alles andere in den Schatten stellenden «Bite The Bullet».

Ähnlich wie zuvor Screamer sind auch sämtliche Kugeln bestens gelaunt. Die beiden Gitarristen Hampus Klang und Alexander Lyrbo grinsen regelmässig ins Publikum. Fronter Hell Hofer wirkt ebenfalls sympathisch, obwohl er in etwas ungewöhnlich aussehender, buckliger Haltung durch die Gegend latscht. Er wird nicht müde zu betonen, wie dankbar er den anwesenden Fans und der Location ist. Im Gegensatz zu gewissen US-amerikanischen Truppen wirkt diese Aussage keinesfalls gekünstelt. In der Bühnenmitte ist übrigens ein Teleprompter versteckt. Allerdings kann ich beim Bulle-Boss während des gesamten Auftritts keine Textschwächen feststellen. Gibt’s trotzdem irgendwelche Kritikpunkte? Jap, zum einen komme ich effektiv nicht in den Genuss der Schleifmaschinen-Show und zum anderen ist die Spielzeit zu bemängeln. 75 Minuten sind für einen Headliner doch eher recht knapp. An mangelndem Material kann es ja nicht liegen. Da dürften beim nächsten Mal gerne noch ein paar Extraminütchen dazukommen.

Das Fanzit

Ein rundum gelungener Schweden-Abend in Pratteln. Mini Z7-Gigs sind einfach jedes Mal eine spezielle und tolle Angelegenheit. Meine Band-Wissensdatenbank konnte erneut um ein paar zusätzliche Namen erweitert werden. Für ihr nächstes Gastspiel auf helvetischem Boden wünsche ich allen drei Truppen einen anständigen Publikumsaufmarsch.

Setliste – Jesus Chrüsler Supercar

  1. Intro
  2. Lucifer
  3. Death Row Blues
  4. I Can Get It
  5. Killing Machine
  6. Down, Down, Down
  7. Flesh And Bones
  8. God Gave Me Nothing
  9. Let It Roll
  10. Pitchfork
  11. Jesus Chrüsler Supercar
  12. Before I Turn You Down

Setliste – Screamer

  1. Screamer
  2. On My Way
  3. Lady Of The Night
  4. Adrenaline Distractions
  5. Can You Hear Me
  6. Demon Rider
  7. Can You Hear Me
  8. Keep On Walking
  9. Monte Carlo Nights
  10. Rock Bottom

Setliste – Bullet

  1. Speed And Attack
  2. Ain’t Enough
  3. Rogue Soldier
  4. Wildfire
  5. Riding High
  6. Rolling Home
  7. Storm Of Blades
  8. Stay Wild
  9. Dusk Til Dawn
  10. Dr. Phibes
  11. Fuel The Fire
  12. Highway Love
  13. Dust To Gold
  14. Pay The Price*
  15. Heading For The Top*
  16. Turn It Up Loud*
  17. Bite The Bullet*

*Zugabe

Fotos Bullet, Screamer – Z7 2018 (Kaufi)


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User Bewertung: 9.3/10

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