Metalinside.ch - Crystal Ball - Hall of Fame Wetzikon 2018 - Foto Nicky
Sa, 26. Mai 2018

Crystal Ball, King Zebra, Felskinn

Hall of Fame (Wetzikon)
/ 29.06.2018

Hitparadenstürmer im Zürcher Oberland

Zwar ist es nicht das erste Mal, dass es die Luzerner Hardrocker Crystal Ball in die Schweizer Charts schaffen. Mit Platz 18 erreichen sie jedoch die bislang höchste Platzierung, „Crystallizer“ entwickelt sich somit womöglich zum erfolgreichsten Album der Bandhistorie und wird nun nach einer Tour mit Axel Rudi Pell auch in der Schweiz ausgiebig auf die Live-Tauglichkeit getestet.

Auf ins Zürcher Oberland! Nach einer vom Hörensagen äusserst erfolgreichen Plattentaufe zwei Tage zuvor im Kofmehl Solothurn (ich zweifle nicht, dass es stimmt!), beehren die Kristallkugeln nun das Hall of Fame in Wetzikon. Und auch das Vorprogramm ist heimisch: Mit Felskinn und King Zebra heizen zwei weitere Schweizer Bands dem Publikum ein. Für einen gemütlichen Abend sollte also gesorgt sein. Auch Metalinside Kollege Dutti taucht irgendwann mal auf. Aber seine Bierlieferungen in die erste Reihe klappen höchstens am Anfang des Abends… (Anm. Dutti: Jaja, Wink verstanden. Ich frage die gute Jessi einmal, ob sie uns beim nächsten Mal einen Zapfhahn nach vorne stellen kann. Dann sollten wir bestens versorgt sein, werter Kollege.)

Felskinn

Von Felskinn kenne ich nur den Namen. Und die Tatsache, dass da die Gitarrenfraktion von Maxxwell am Werke ist: Hef Häfliger und Cyrill Montavon. Wer jetzt – so wie ich – denkt, dass die Musik auch in diese Richtung geht, sieht sich schwer getäuscht. Die Mucke ist deutlich härter und moderner als Maxxwell. Und vor allem mit dem „moderner“ habe ich meine liebe Mühe. Dieses US Modern Metal Zeugs ist einfach nicht meins. Gut – neutral betrachtet liefern Andy Portmann (erinnert irgendwie an Chrigel von Eluveitie) (Anm. Dutti: Mütze sei Dank!) und der Rest von Felskinn eine gute Show ab, speziell Drummer Flavio Mezzodi ist wirklich mit Leib und Seele dabei. Meine Geschmacksnerven trifft das allerdings nicht – da freue ich mich lieber auf das nächste Werk von Maxxwell…

King Zebra

King Zebra sind mir vor kurzem das erste Mal im Z7 als Support von den Dead Daisies über den Weg gelaufen und vermochten zu überzeugen. Heute tun sie das erneut – und legen grad noch eine Schippe drauf!

Eric St. Michaels ist zweifellos ein Glücksgriff für die Zürcher Truppe. Und man darf gespannt sein auf das Album, welches im Herbst rauskommen soll… (Anm. Dutti: Jep, mit dieser neuen Scheibe könnten die Zebras definitiv ordentlich für Furore sorgen.) Generell sind King Zebra fest in den 80ern verwurzelt. Schon alleine der Ventilator am Bühnenrand ist einfach Old School! Die Mucke ist dementsprechend und gefällt nicht nur mir: Der Applaus zwischen den Songs nimmt stetig zu.

Die ganze Truppe hat richtig Spass, speziell „Crazy Jerry“ an der Gitarre gibt mächtig Gas. Musikalisch sticht heute vor allem „Star Attraction“ heraus, aber auch „Glamrock City“ und das Neil Young Cover „Rockin‘ In The Free World“ überzeugen vollends. Hach, ich mag dieses 80er Zeugs einfach! So gesehen sind die 40 Minuten viel zu schnell vorbei…

Setliste King Zebra

  1. Don’t Stop Me
  2. That’s What I Like
  3. Star Attraction
  4. Bombshell
  5. Glamrock City
  6. Bad Idea
  7. Rockin‘ in the Free World
  8. Firewalker
  9. Like A Hurricane

Crystal Ball

Kurz nach halb elf ist es Zeit für Crystal Ball. Das Hall of Fame ist mittlerweile recht gut gefüllt, das mag man der Band gönnen! Mit dem Titeltrack „Crystallizer“ entern Steven, Scott, Tony, Chris und Marcel die Bühne – doch was ist das? Der Sound ist ein Desaster! Von Steven’s Gesang ist praktisch nichts zu hören – Lippenlesen ist angesagt… Doch glücklicherweise sind hier alle Probleme blitzartig behoben, ab Titel Nummer 2 stimmt dann alles – und somit kann man nun in den „Vollgas-Modus“ schalten!

Als zweiter Song folgt die erste grosse Überraschung: „Anyone Can Be A Hero“! In den letzten Jahren war dies immer der Rausschmeisser – jetzt setzen die Innerschweizer ein starkes Zeichen, dass an der Setliste richtig umgebaut wird! Passend dazu auch die Klamotten von Steven: Während er früher jeweils zu diesem Song sein schwarz/weiss Hemd angezogen hat, trägt er dies heute von Beginn weg. Auch sonst scheint der Sänger zwiespältig: Sogar seine Schuhe sind farblich an das Hemd angepasst! Ein richtiger Showman – das passt!

Die Präsentation des neuen Albums ist bis zur Hälfte der Show clever gemacht: Auf jeden neuen Titel folgt ein „alter“. Das gibt einen hervorragenden Mix und zeigt, dass sich Material der Marke „Gentleman’s Agreement“ oder „S.O.S.“ nicht hinter den älteren Titeln verstecken muss. Allerdings muss ich zugeben, dass meine persönlichen Favoriten vor allem „Back For Good“ sowie die Hits von „LifeRider“ sind – und alleine dafür, dass die „Gods Of Rock“ wieder im Programm sind, hat sich die Reise gelohnt!

Crystal Ball setzen an diesem Abend zudem erfreulicherweise nicht allzu sehr auf die softeren Geschichten. „Let Her Go With Love“ ist die erste und einzige Ballade – was mir nur recht ist. Hingegen graben die Jungs einen anderen Song aus, an dem nicht nur ich meine helle Freude habe. Steven meint, dass sie den lange nicht mehr spielten, weil niemand den Part von Noora Louhimo übernehmen wollte: „Eye To Eye“! Dass ich diesen Titel bei der Ansage peinlicherweise mit „Mayday!“ verwechsle, tut mir leid – ich gelobe Besserung und werde keine deplatzierten Rufe mehr tätigen…

„Hellvetia“ ist die nächste Nummer, die niemals fehlen darf. Steven bedankt sich im feuerroten T-Shirt mit Schweizer Kreuz für die Art, wie er in unserem Land aufgenommen wurde. Man merkt ihm an, dass er das auch wirklich ehrlich meint und nicht irgendwelche showmässigen Sprüche macht.

Schlag auf Schlag geht es weiter. Nachdem „Mayday!“ auch noch gespielt wird, folgt mit „Director’s Cut“ und „Suspended“ ein Doppelpack vom letzten Output „Déjà Voodoo“, Steven hat derweil sein rotes T-Shirt wieder gegen Schwarz / Weiss getauscht. Letztgenannter Song wird Real Madrid gewidmet, die an diesem Abend (leider) die Champions League gewonnen haben… „Alive For Evermore“ beendet danach den regulären Teil. Das Publikum im heissen Hall of Fame scheint schon recht ausgepowert zu sein, die „Zugabe“-Rufe sind erstaunlich spärlich… Aber natürlich ist das Ende noch nicht ganz da. „Déjà Voodoo“ darf keinesfalls fehlen und bildet auch die erste Zugabe, bevor mit „Paradise“ der endgültige K.O.-Schlag folgt.

Setliste Crystal Ball

  1. Crystallizer
  2. Anyone Can Be a Hero
  3. Curtain Call
  4. Back for Good
  5. Gentleman’s Agreement
  6. Hold Your Flag
  7. S.O.S.
  8. LifeRider
  9. Let Her Go with Love
  10. Gods of Rock
  11. Dr. Hell No
  12. Eye to Eye
  13.   Death on Holy Ground
  14. Hellvetia
  15. Mayday!
  16. Director’s Cut
  17. Suspended
  18. Alive for Evermore
  19. Déjà Voodoo*
  20. Paradise*

*Zugaben

Das Fanzit

Crystal Ball gehören definitiv zur Speerspitze des Schweizer Hardrocks und es ist zu wünschen, dass sie mit „Crystallizer“ im Rücken mindestens mal zu den Emmentalern Shakra aufschliessen können. Es wird Zeit für die Band, die nächste Stufe zu erklimmen – verdient hätten sie es allemal! Gut, an Fleiss mangelt es den fünf Herren ja nicht, wenn man sieht, mit welcher Pace sie ein Album nach dem anderen veröffentlichen. Doch auch live sind die Kristallkugeln eine saustarke Einheit, die Spass auf der Bühne hat, speziell Steven geht auch immer wieder auf Tuchfühlung mit den Fans. Die danken es im Anschluss daran, dass sehr viele nicht sofort verschwinden, sondern geduldig warten, um noch das eine oder andere Autogramm zu bekommen. Crystal Ball lassen sich diesbezüglich auch nicht lumpen und signieren sogar den Rücken einer jungen Dame…

Die Support Acts bieten ebenfalls gute Unterhaltung, wobei mir King Zebra halt musikalisch deutlich näher liegen als Felskinn. Insgesamt also ein prima Abend. Nur an der Bierlieferung in die erste Reihe, wenn der Headliner spielt, muss noch gearbeitet werden – gell, Dutti… (Anm. Dutti: Daran sind Crystal Ball «schuld». Hätten sie schlechter gespielt, hätte ich wohl ein paar Abstecher mehr zur Bar auf mich genommen. Aber wie heisst’s so schön? Hätte, hätte, Fahrradkette. Von dieser bärenstarken Show wollte ich einfach nix verpassen. Vielleicht klappt’s beim nächsten Mal mit der persönlichen Bierleitung bis hin in die erste Reihe.)

Fotos vom Konzert (Nicky)


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Crystal Ball, King Zebra, Felskinn
User Bewertung: 8.3/10

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Autor Bewertung: 8/10