Metalinside.ch - Nickelback - Hallenstadion Zürich 2018 - Foto Nicky
Di, 12. Juni 2018

Nickelback, Seether

Hallenstadion (Zürich, CH)
/ 30.06.2018

Kein Grund für «Nickel-Bashing» 

Kanadas erfolgreichster Rock-Export gastierte am Dienstagabend im Zürcher Hallenstadion. Das Publikum wurde mit einer sehenswerten Show belohnt. Im Gegensatz zu Nickelback konnte der Support-Act leider nicht wirklich überzeugen. Seether wurden vom Tontechniker förmlich im Stich gelassen. Die weiteren Details gibt’s im nun folgenden Metalinside-Bericht nachzulesen. 

Was muss einen dazu bewegen, ein Konzert der wohl meistverhassten Rock-Band unseres Planeten zu besuchen? Antwort: Eine andere Sichtweise auf die Dinge. An den Hasstiraden gegen Nickelback habe ich mich noch nie beteiligt. Wieso auch? Die Band bietet zweifelsohne beste Unterhaltung und sorgt an ihren Gig stets für eine ausgezeichnete Stimmung. Klar tauchen da in der Diskographie des Quartetts auch ein paar weichere Alben voller radiotauglicher Hymnen auf. Im Herzen sind und bleiben die Kanadier allerdings nach wie vor Rockstars. Unglücklicherweise hat sich dieses «Nickel-Bashing» über die Jahre hinweg zu einem echten Volkssport entwickelt. Insbesondere Anhänger der metallischen Mucke sind überhaupt nicht gut auf die Truppe zu sprechen. Aber scheinbar muss immer irgendeiner als Sündenbock herhalten. Davon können beispielsweise auch Sabaton oder Powerwolf ein Liedchen singen. Anyway, am Ende bleibt alles eine Frage des Geschmacks – und das ist auch gut so.

Heute Abend sieht’s wieder einmal nach einer ausverkauften Hütte aus. Das dürfte natürlich auch Veranstalter abc production AG freuen. Bereits im Foyer treffe ich auf etliche, bekannte Gesichter. So viel zum Thema Nickelback-Hass… Oder schämen sich etwa gar einige, dass sie von jemand anderem auf dieses Konzert mitgeschleppt wurden? Naja, vielleicht wird die Meinung dieser Leute in ein paar Stunden eine echte Kehrtwende durchmachen. Mit gewohntem Hopfentrunk in der Hand machen wir uns auf zu unseren Medienplätzen. Wie ist die Sicht auf die Bühne optimal. Bevor der Headliner jedoch zur Tat schreitet, dürfen Seether aus Südafrika das Einheizen übernehmen.

Seether

Die Herrschaften starten um 19.30 Uhr in ihr Set. Der hell leuchtende, grosse Seether-Schriftzug im Hintergrund ist definitiv ein Blickfang. Auf dem musikalischen Menüplan stünden eigentlich Rock und Alternative Metal. Schön wär’s… In Tat und Wahrheit müssen sich meine Gehörgänge mit einem mühsamen Soundbrei herumquälen. Ob der werte Herr Tontechniker mit seinen Gedanken schon irgendwo im bald anstehenden Strandurlaub weilt? Unterirdische Leistung des Mannes am Mischpult. Aus den Boxen kommt ausschliesslich nerviges Bass-Gedröhne. Schade für Seether, ab Konserve klingen ihre Stücke nämlich ganz angenehm.

Im Publikum will ebenfalls kaum Stimmung aufkommen. Zudem lässt die Interaktion zwischen Band und Fans ziemlich zu wünschen übrig. Wie mir eine Kollegin verrät, sei Frontmann Shaun Morgan ein sehr scheues Kerlchen und nicht der grosse Redner. Wahrscheinlich wird auch aus diesem Grund auf eine übermässige Beleuchtung der Bühne verzichtet. Überzeugend ist anders. Ich bin in Gedanken bereits so langsam beim Headliner.

Nickelback

Bei der Besorgung des Biernachschubs vernehmen wir plötzlich die Melodie von «Burning To The Ground». Bitte was? Die werden doch nicht etwa mit dieser Kracher-Hymne starten? Schnurstracks geht’s zurück zu unseren Plätzen – ohne einen Hopfentropfen zu verschütten. Glück gehabt – das Stück war lediglich der Soundtrack eines gezeigten Trailers. Den Kanadiern steht die gesamte Bühne zur Verfügung. Zudem sind als zusätzliche Show-Elemente ein paar Videoleinwände im Einsatz. Einem gelungenen Auftritt steht nun nix mehr im Weg. Hoffentlich muss ich dieses Mal keine bösen Worte über die Tontechnik verlieren.

Mit dem Titel-Track des aktuellsten Silberlings «Feed The Machine» schreiten Chad Kroeger und seine drei Kumpels zur Tat. Drummer Daniel Adair thront effektiv auf einem maschinenähnlichen Gerät. Doch Nickelback scheinen dem neuen Material nicht wirklich zu vertrauen. Dieser Start-Track bildet gemeinsam mit «Song On Fire» die einzigen beiden neuen Nummern des Abends. Ansonsten setzt man ausschliesslich auf die altbewährten Hymnen. Ich persönlich habe nix dagegen einzuwenden. Insbesondere die 2005er-Platte «All The Right Reasons» – meiner Meinung nach neben «Silver Side Up» (2001) die beste Scheibe der Kanadier – ist gleich mit vier Liedern in der Setliste vertreten. Bei «Photograph» schwirren tonnenweise Polaroidfotos über die Bildschirme, die unterhaltsame Momenten aus dem Band-Alltag zeigen. Das Publikum erweist sich als äusserst textsicher und singt brav mit. So auch bei den wunderschönen Balladen «Far Away» und «Lullaby». Texteinblendungen auf den Screens wären gar nicht nötig. Hater würden hier wohl wieder von Weichspüler-Mucke sprechen, aber das dürfte im Hallenstadion keine Seele interessieren. Die Menge lauscht und geniesst. Bei «Lullaby» tauscht Frauenschwarm Ryan Peake seine Klampfe sogar gegen das Piano.

Seether können heute Abend einiges von ihren Tour-Buddies lernen. Souverän sucht Chad immer wieder den Dialog mit dem Publikum. Er und Ryan entpuppen sich mit der Zeit als talentierte Witzerzähler. Dazwischen werden die Stimmbänder immer wieder mit Jägermeister-Shots geölt. Bassist Mike Kroeger (Chads Halbbruder) und Trommler Daniel überlassen das Gequatsche lieber ihren beiden Kollegen und halten sich zurück. Die Spielfreude steht aber allen vier Musikern deutlich ins Gesicht geschrieben. Ein kleiner «Exot» hat sich ebenfalls noch in die Setliste eingeschlichen. «Hero» ist ein von Chad allein geschriebenes Stück und wurde als Soundtrack für die Spider-Man Verfilmung aus dem Jahre 2002 verwendet. Bei «Rockstar» hat schliesslich ein junges Mädel aus dem Publikum ihren grossen Auftritt. Sie darf den Song gemeinsam mit der Band performen und macht dabei einen soliden Job. Um das Ganze kinderfreundlich zu gestalten wird spontan die Passage mit dem «drug dealer» zum «milk dealer» umgewandelt. Ob das Mädel nicht bereits im Voraus über ihren Auftritt Bescheid wusste, sei jetzt einmal dahingestellt. Ich möchte ja niemandem die Illusion rauben.

Auch Nickelback bleiben nicht komplett von Soundschwierigkeiten verschont. Glücklicherweise können diese aber rasch wieder behoben werden. Mit «Animals» und dem Überhit «How You Remind Me» wird das Ende des regulären Gig-Teils nochmals ziemlich rockig gestaltet. Als zusätzliches Show-Element werden ebenfalls noch Rauchsäulen ins Rennen geschickt. Soll es das bereits gewesen sein? Nein, die vier Herren haben zwei letzte Pfeile im Köcher. Deswegen gibt’s als Zugabe «Gotta Be Somebody» und «Burn It To The Ground» auf die Lauscher. Bei letztgenannter Nummer gibt’s wie gewohnt kein Halten mehr. Selbst die Sitzplatz-Menschen erheben sich und mutieren zu ausgelassenen Partymäusen. Danach ist endgültig Schicht im Schacht. Der Headliner hat in diesen 105 Minuten klar bewiesen, wer hier der Boss ist.

Das Fanzit

Seether kamen aufgrund der katastrophalen Soundverhältnisse überhaupt nicht auf Touren und erwischen sich insgesamt als schwacher Opening-Act. Vielleicht sollten Nickelback beim nächsten Mal wieder Daughtry mit ins Boot holen. Schliesslich hat das bereits 2012 ausgezeichnet funktioniert. Die Kanadier selbst boten wie gewohnt eine hammermässige Show. Nach wie vor schäme ich mich überhaupt nicht, ein Anhänger dieser Band zu sein. Die Stimmung im Publikum hätte allerdings ruhig noch ein bisschen besser sein dürfen. Zudem habe ich mitbekommen, dass die Fotografen heute Abend einen schweren Stand hatten. Aufgrund der Vorgaben der Band bzw. des Managements musste scheinbar aus dem Publikum heraus geknipst werden. Deswegen habe ich da so meine Zweifel, ob Metalinside-Kollegin Nicky ein paar brauchbare Schnappschüsse hinbekommen hat (Anm. der Redaktion: Keine Chance mit dieser Vorgabe).

Setliste – Nickelback

  1. Feed The Machine
  2. Woke Up This Morning
  3. Photograph
  4. Far Away
  5. Something In Your Mouth
  6. Someday
  7. Lullaby
  8. Figured You Out
  9. Song On Fire
  10. Hero
  11. Million Miles An Hour
  12. Rockstar
  13. When We Stand Together
  14. What Are You Waiting For?
  15. Animals
  16. How You Remind Me
  17. Gotta Be Somebody*
  18. Burn It To The Ground*

*Zugabe

Fotos vom Konzert (Nicky)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 30.06.2018
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