Metalinside.ch - Iron Maiden - Hallenstadion Zürich 2018 - Foto pam
Di, 10. Juli 2018

Iron Maiden, Tremonti

Hallenstadion (Zürich, CH)
/ / 18.07.2018

Iron Maiden in Zürich – oder wenn einem die Superlativen ausgehen

Kaufi: Sie sind unbestritten die grösste Heavy Metal Band der Welt. Seit über 40 Jahren führt Bandgründer Steve Harris Iron Maiden durch die ganze Welt. Unzählige Klassikeralben, Songs für die Ewigkeit, die jeder Metalhead einfach kennt und immer wieder grossartige, spektakuläre Bühnenshows – wenn sich die Eisernen Jungfrauen ankünden, dann füllen die Fans die Hallen und Stadien!

Dass die Schweiz ein teures Pflaster ist, ist kein Geheimnis. Als Iron Maiden ihre zwei Shows in Genf und Zürich angekündigt haben, dürften trotzdem einige Fans ob den happigen Eintrittspreisen (um die 120.- SFr. – Stehplatz notabene!) leer geschluckt haben und sicher hat der eine oder andere daher auch auf einen Ticketkauf verzichtet. Auch die Merchandise in der Halle hat ein entsprechendes Preisschild: 45 Stutz für ein T-Shirt ist eigentlich über meiner Toleranzgrenze. Eigentlich… Doch mehr dazu später.

Es ist ein wunderbarer Sommerabend in Zürich. Der ZSC Lions Platz ist voll mit Maiden Fans jeglichen Alters – die Spanne zwischen alt und jung dürfte riesig sein. Ein erstes Bierchen und dann gehen wir mal rein in die Halle. Man trifft viele alte Bekannte, man quatscht und frönt dem Hopfentee. Es sind nicht wenige da, welche Iron Maiden auf dieser Tour bereits gesehen haben. Unter anderem der Metalinside Mainman Pam, welcher heute den Fotograben unsicher macht. Ich habe mich im Vorfeld schwer bemüht, dass ich NICHTS erfahre über Setlist, Show und überhaupt. Ich wollte nicht gespoilert werden. Kein einfaches Unterfangen – denn nicht nur Pam würde mir gerne schon jetzt schmackhaft machen, was da bald kommen wird…

Dutti: Stimmt, selten kursierten im Vorfeld eines Konzertes so viele Spoiler. Auch ich musste versuchen, mich dem irgendwie zu entziehen. Aber wenn in solchem Masse über einen anstehenden Auftritt geschwärmt wird, kann dieser ja eigentlich bloss grandios werden, oder?

Tremonti

Kaufi: Eine Vorgruppe gibt’s auch. Tremonti. Hab ich mal am Rockavaria gesehen. Doch da es im Foyer so entspannt zu und her geht, bleib ich auch grad da. In Vergangenheit schwelgen, über den Headliner philosophieren und von den Metal Gods schwärmen (ja, ich meine jetzt Priest…) macht mehr Spass. Aber Kollege Dutti ist auch mal irgendwo rumgerannt – ohne Bier für mich. Vielleicht weiss er noch was zu Tremonti zu vermelden?

Dutti: Gibt’s da bei Metalinside etwa ein neues Job-Profil namens Bierlieferant? Wäre mir bisher ehrlich gesagt entgangen… ups! (Anm. Kaufi: Noch nicht. Pam – bitte einführen, Dutti bewirbt sich!) Anyway, kommen wir kurz auf den Kollegen Mark Tremonti zu sprechen. Dem Klampfer von Alter Bridge wird heute Abend die grosse Ehre zuteil, mit seinem eigenen Grüppchen für die grandiosen Jungfrauen eröffnen zu dürfen. Eine sowohl schöne wie auch gleichzeitig undankbare Aufgabe. Leider nehmen nämlich bloss die wenigsten aktiv Notiz vom Treiben auf der Bühne. Der Fokus liegt ganz klar auf dem danach aufspielenden Headliner, was die Frage aufwirft, ob man das Ganze nicht von Anfang an als „An evening with Iron Maiden“-Event hätte aufgleisen sollen. Nichtsdestotrotz ist anzufügen, dass Mister Tremonti einen soliden Job abliefert. Er nutzt die Zeit hauptsächlich dazu, um der Zuhörerschaft Material des aktuellen Werkes „A Dying Machine“ vorzustellen. Einige Headbanger-Momente sind durchaus vorhanden, aber die Mehrheit sehnt sich – wie bereits erwähnt – dem Ende dieses Vorgeplänkels entgegen.

Iron Maiden

Kaufi: Es geht auf 21 Uhr zu. Die Spannung im Hallenstadion ist enorm, es dürften wohl so um die 12‘000 Leute sein, die nur noch eines wollen: MAIDEN! Der Jubelschrei, als das Licht ausgeht, ist ohrenbetäubend. Selbst auf den Sitzplätzen schreit jeder los, als das alt bekannte Intro „Doctor, Doctor“ abgespielt wird. Dann das Bühnenbild: Ich wähne mich fast im falschen Film… Tarnnetze, militärisches grün, eigentlich ein Schlachtfeld? Fehlt nur noch der Panzer und man könnte meinen, dass hier eine schwedische Kriegsmaschine aufmarschieren wird… „Churchill’s Speech“ ertönt und kein Panzer, sondern ein Flugzeug erscheint über der Bühne, während Steve Harris, Dave Murray, Adrian Smith und Jannick Gers die Bühne stürmen. Drummer Nicko McBrain ist hingegen noch hinter einem dieser Tarnnetze versteckt und darf erst nach einigen Songs einen ersten Blick aufs Publikum werfen. Und dann ist da noch der Sänger: Bruce Dickinson kommt mit Fliegerjacke und Pilotenkappe auf die Bühne und zeigt sofort, wer hier der Chef ist!

Vor der Tour haben die Briten einige Überraschungen in der Setlist versprochen. Und bereits mit der zweiten Nummer halten sie dieses Versprechen: „Where Eagles Dare“! Ein winterliches Hintergrundbild, Bruce in entsprechender Winterjacke und die Fans flippen das erste Mal aus. Keine Überraschung ist dafür „2 Minutes to Midnight“, welches aus zig tausend Kehlen lauthals mitgesungen wird. Und ich merke: Stimme ölen wird sehr bald nötig sein! (Anm. Dutti: Dito. Ich sehe morgen schon einen «heiseren» Bürotag auf mich zukommen).

Das erste und einzige Mal an diesem Abend nimmt sich der Fronter kurz Zeit und spricht mit dem Publikum. „Any people from France? Any people from Belgium?“ Ja, Frankreich steht im WM Finale… „Any people from Scotland??“ Hunderte schreien wieder los, was Bruce mit einem hämischen „lying Bastards!“ quittiert. Er erzählt von der Schweiz, von Freiheit – und das neue Backdrop sowie die vorherige Frage lassen erahnen, dass jetzt wahrhaftig ein Titel aus der „Blaze-Ära“ gespielt wird. Jawohl: „The Clansman“! Wie viele andere Fans bin ich mit den beiden Alben „The X-Factor“ und „Virtual XI“ nie richtig warm geworden. Aber die eine oder andere Killernummer gibt es da dennoch zu finden und „The Clansman“ gehört ohne Wenn und Aber dazu. Euphorie macht sich breit im Hallenstadion, während Dickinson mit einem grossen Säbel in der Hand die Fans beeindruckt.

„The Trooper“ hingegen ist der nächste Klassiker, der wohl wirklich niemals fehlen darf. Wäre mal interessant rauszufinden, ob der wirklich mal NICHT gespielt wurde… Es ist zudem Zeit für Eddie’s ersten Auftritt. Mit roter Uniformjacke und Tornister auf der Bühne attackiert das Maskottchen doch tatsächlich den Sänger! Der hat aber a) immer noch seinen Säbel von vorhin und ist b) sicherlich der bessere Fechter als das grosse Ungetüm! Beste Unterhaltung, als Bruce auch mal zwischen den Beinen von Eddie durchrennt. Schlussendlich wird nicht nur die Britische, sondern auch die Schweizer Fahne geschwenkt!

Vor der Show habe ich mich lange mit Michael Vaucher, seines Zeichens Gitarrist der Fribourger Powermetaller Emerald, unterhalten, der die Maiden-Show in Genf für die Kollegen des Tracks Magazine gesehen und rezensiert hat. Irgendwann erwähne ich dabei, dass „Revelations“ auch mal ein toller Song wäre, den zumindest ich noch nie live gehört habe. Dass sich Michael bei dieser Aussage wohl ein heftiges Grinsen verkneifen muss, bemerke ich zum Glück nicht. Ich geh sprichwörtlich in die Knie, als diese Göttergabe aus dem Jahr 1983 nun tatsächlich gespielt wird! Freudentränen.

Nicht genug Überraschungen? Nun gibt’s das nächste richtige Goodie für eingefleischte Fans. „For The Greater Good Of God“! Ein Titel von dem grossartigen „A Matter Of Life And Death“ – der schiere Wahnsinn und das Bühnenbild wandelt sich vom Kriegsschauplatz zur Kathedrale. „The Wicker Man“ ist der einzige Beitrag vom damaligen „Comeback“-Album „Brave New World“ – und wenn man an diesem Abend wirklich etwas kritisieren will, dann die Tatsache, dass hier nicht der Titelsong oder „Ghost Of The Navigator“ im Set ist. Aber das ist jetzt wirklich das Haar in der Suppe gesucht….

Vielleicht die Hälfte der Show ist vorbei. Keine Spur von Abnützungserscheinungen, keine Schwächen sind auszumachen. Im Gegenteil. Nochmals ein Song aus der Blaze-Ära kommt zum Zug: Das fantastische Epos „Sign Of The Cross“! Wenn man Bruce hier singen hört, kommt man unweigerlich zur Überzeugung, dass Steve Harris diese Nummer damals für seinen „alten“ Sänger geschrieben hat. Ich will nicht gegen Blaze schiessen oder so: Aber es tönt mit Dickinson einfach um Welten besser! Bruce selbst rennt nun mit Priesterkutte und leuchtendem Kreuz über die Bühne, im Hintergrund hält ein feuriger Eddie eine Kette, daran hängt ein mit Totenkopf verziertes Kreuz. Hier wird nun auch das erste Mal die Pyroshow getestet – und das nicht zu knapp!

Irgendwann aber müssen dann doch mal noch die alt bekannten Hits kommen, oder? Wobei – nein, es ist eigentlich auch so perfekt! Zumal nun eine meiner absoluten Lieblingsnummer aller Zeiten kommt und ich die endlich, endlich auch mal live erleben darf: „Flight Of Icarus“! Seit 35 Jahren liebe ich diesen Song abgöttisch und ich scheine nicht der einzige zu sein. Es brodelt in der Halle, als ein riesengrosser Ikarus mit seinen Schwingen erscheint, während der Frontmann mit Flammenwerfern über die Bühne marschiert! Mir gehen langsam die Worte aus, um dieses Spektakel zu beschreiben. Es ist einfach unfassbar geil, was die Briten hier vom Stapel lassen! (Anm. Dutti: Maiden testen hier den Wortschatz von uns Schreiberlingen gnadenlos aus. Die Superlative sind auch bei bald einmal Mangelware. Überragend, was uns hier geboten wird. Ein echtes Spektakel, welches seinesgleichen sucht).

Als danach die ersten Klänge von „Fear Of The Dark“ ertönen, rastet die komplette Halle endgültig aus. Persönlich finde ich zwar, dass Iron Maiden einige stärkere Songs geschrieben haben – doch es gibt auf der Welt kaum einen besseren Live-Song. Egal von welcher Band! Diese Atmosphäre, diese Dramatik: Unübertreffbar! Ein weiteres Highlight an einem Abend, der nur so damit gespickt ist…

„Fear Of The Dark“ leitet nun auch langsam das Finale ein – fertig mit Überraschungen, jetzt gibt’s nur noch die Songs, die eigentlich nie fehlen dürfen. „The Number Of The Beast“ lässt Zürich brennen, im wahrsten Sinne des Wortes und zu „Iron Maiden“ taucht auch Eddie nochmals auf, dieses Mal als gigantischer und beweglicher Monsterschädel, während auch hier überall Flammen hochschiessen.

Natürlich ist dies nicht das Ende und auch der Zugaben-Block ist selbstredend von der allerbesten Güteklasse. „The Evil That Men Do“ ist der (leider einzige) Vertreter des Überalbums „Seventh Son Of A Seventh Son“, direkt im Anschluss folgt der für mich und unzählige Maiden-Freaks beste Song überhaupt: „Hallowed Be Thy Name“! Bruce im Käfig, Bruce am Galgenstrick, Bruce gesanglich immer noch absolut perfekt. Die Fans feiern und ich bin sprachlos. Der endgültige Schlusspunkt setzt – natürlich – „Run To The Hills“, und wer jetzt noch nicht feiert, der ist wohl schon gestorben. Unter minutenlangem Applaus und zu Monthy Pythons „Always Look On The Bright Side Of Life“ verabschieden sich Iron Maiden von ihren Fans, die wohl allesamt noch mehr Maiden-Sound ertragen hätten!

Das Fanzit

Kaufi: Eigentlich fehlen mir wirklich die Worte. Ich kenne gar nicht so viele Superlativen, wie man für dieses Konzert benötigen würde… Eine von A bis Z perfekte Show! Hochmotivierte Musiker, die sich allesamt in Bestform befinden. Als überragender Leader zeigt sich Fronter Bruce Dickinson, welcher immer wieder zu den Songs passende Klamotten trägt. Sei dies die Pilotenkappe bei „Aces High“, oder das Priestergewand bei „Sign Of The Cross“ – es stimmt einfach alles. Doch auch die übrigen Bandmitglieder brillieren ohne Ende. Steve feuert seine Bass-Salven ins Publikum, Nicko ist hinter seinen Kübeln kaum zu sehen, aber dafür zu hören – und grinst immer wieder gerne zwischen den Songs hinter seiner Schiessbude hervor. Und das Gitarrentriple um Dave Murray, Adrian Smith und den immer tänzelnden Jannick Gers zaubert fantastische Soli in die Zuhörerschaft.

Das alles ist garniert mit einer Bühnenshow, die seinesgleichen sucht. Sehr positiv finde ich die Tatsache, dass all die diversen Backdrops noch richtig Old School sind: Also riesige Stoffvorhänge – jede andere Band hätte wohl hier mit Videoscreens gearbeitet! Analog statt digital – ist in diesem Fall zweifellos die bessere Wahl!

Zu Beginn habe ich die hohen Preise etwas angeprangert. Doch wer nun dieses Spektakel gesehen hat, wird mir zustimmen, dass es jeden verdammten Rappen wert war! Auch wenn man das sicher nicht eins zu eins vergleichen kann / darf: Für Musicals zahlt der Besucher auch locker mal 150 Stutz, da motzt auch keiner. Nein, ich will hier jetzt auch keine Diskussion über Konzertpreise starten. Einfach nochmals: Hier rechtfertigt das Gebotene den (zugegeben) hohen Preis! Ich kratze noch das letzte Geld zusammen und muss mir noch einen Stutz pumpen von Metal Factory Kollege Köbeli, damit ich schlussendlich halt doch eines der genialen T-Shirts käuflich erwerbe… In diesem Sinne: UP THE IRONS!

Dutti: Sprachlosigkeit ahoi! Das war schlichtweg Weltklasse! Für solche Darbietungen bin ich gerne bereit, den entsprechenden Preis zu bezahlen. Doch genau wie Kollege Kaufi möchte ich jetzt nicht näher auf dieses Thema eingehen. Das ist eindeutig Diskussionsstoff für andere Artikel. Maiden haben abermals bewiesen, dass sie zurecht zu den besten Bands dieses Planeten zählen. Was Bruce und Co. einigen ihrer Kollegen voraushaben, sind zweifelsohne die ungebrochene Spielfreude und die scheinbar niemals leeren Energietanks. In dem Alter und mit diesen Erfolgen im Rücken ist dies nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Beim Merchandise-Kauf habe ich mich für einmal auf ein Schweissband beschränkt. Allerdings kann sich dieses ebenfalls sehen lassen.

Pam: Ich kann mich da nur anschliessen. Wobei ich fast noch mehr schwärme bei meiner Review von Maiden am Sweden Rock Festival 2018 (folgt in wenigen Tagen auf diesem Kanal). Somit lass ich hier meine Fotos für mich sprechen. Ich hoffe, die können nur ansatzweise wiedergeben, was wir zumindest während den ersten drei Songs erlebt haben heute Abend. Und übrigens, wieso bringt eigentlich nie jemand mir Bier?

Setliste Iron Maiden

  1. Doctor Doctor (Intro)
  2. Churchill’s Speech (Intro)
  3. Aces High
  4. Where Eagles Dare
  5. 2 Minutes to Midnight
  6. The Clansman
  7. The Trooper
  8. Revelations
  9. For the Greater Good of God
  10. The Wicker Man
  11. Sign of the Cross
  12. Flight of Icarus
  13. Fear Of The Dark
  14. The Number Of The Beast
  15. Iron Maiden
  16. The Evil That Men Do*
  17. Hallowed Be Thy Name*
  18. Run To The Hills*
  19. Always Look On The Bright Side Of Life (Outro)*

*Zugaben

Fotos Iron Maiden und Tremonti – Hallenstadion 2018 (pam)


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Iron Maiden, Tremonti
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