Metalinside.ch - Axel Rudi Pell - Z7 Summer Nights Open-Air 2018 - Foto Kaufi
Sa, 7. Juli 2018

Z7 Summer Nights Open-Air 2018 – Axel Rudi Pell, D.A.D., I’ll Be Damned

Z7 (Pratteln, CH)
16.07.2018

Was früher die Metal Dayz waren, nennt sich im Z7 nun schon seit einiger Zeit „Z7 Summer Nights“. Anstatt ein mehrtägiges Festival zu veranstalten, lässt der Konzerttempel lieber an einzelnen Tagen grössere Acts auf einer Open Air Bühne spielen. Das Konzept hat sich bewährt, kein Wunder also, dass dies auch in diesem Jahr fortgeführt wird.

Anfang Juli spielen grad während vier Tagen nacheinander diverse Acts: Epica und Crazy Diamonds waren schon da, am Sonntag folgen HammerFall und heute Samstag ist Gitarrenhexer Axel Rudi Pell zu Gast. Doch zuerst gibt’s natürlich ein Aufwärmprogramm…

I’LL Be Damned

Erstaunlich früher Konzertbeginn wurde da im Vorfeld kommuniziert: 18 Uhr! Klar, es ist Samstag, dennoch – dafür, dass „nur“ drei Bands spielen, ist dies schon zeitig. I’ll Be Damned haben die Aufgabe, die noch sehr spärlich gefüllten Zuschauerreihen auf Betriebstemperatur zu bringen. Komplett in schwarz gekleidet, teilweise noch mit schwarzen Krawatten sehen die Dänen ziemlich nerdig aus. Musikalisch ist das allerdings gar nicht meins, speziell der Gesang (eher Gebrüll) geht mir sehr schnell auf den Zeiger, auch wenn die Truppe ihr Handwerk sicher versteht. Ich bin dann mal weg.

In der Zwischenzeit begegnet mir Pontus Norgren, welcher mich herzlich begrüsst. Der HammerFall Gitarrist steht in der Z7 Küche und erzählt was von „schwedisch kochen“… Mal sehen, ob der Rest des morgigen Headliners auch noch auftaucht.

D.A.D. – Disneyland After Dark

Der frühe Konzertbeginn ist mittlerweile geklärt: I’ll Be Damned spielten fast eine Stunde und die Special Guests des Tages haben sogar fast eineinhalb Stunden zur Verfügung! Da man anschliessend auch beim Headliner mehr als einen 75-minütigen Alibi-Auftritt erwarten darf, kann man heute zweifellos von „Value for money“ sprechen!

Somit ist es bereits halb acht, als die zweite Kapelle aus Dänemark auf die Bühne darf. D.A.D. – oder auch Disneyland after Dark, wie es auf dem Backdrop heisst – stehen für pure Unterhaltung. Leider bin ich a) nicht so versiert bei dem Songmaterial und b) habe ich sie bislang immer nur bei relativ kurzer Spielzeit gesehen. Dies wird heute anders!

Als der Vierer loslegt, fällt als erstes wieder einmal das Outfit von Basser Stig Pedersen auf: Komplett in Rosa gekleidet, mitsamt passenden Converse Schuhen, bearbeitet er fortan seine zweisaitigen Bässe. Turnübungen auf dem Bassdrum inklusive. Gitarrist Jacob Binzer hingegen trägt schwarz mit Zylinder und brilliert zwischendurch bei seinen Soli. Fronter Jesper Binzer sieht mit schwarzen Jeans und blauer Jeansjacke insgesamt noch am „normalsten“ aus…

Nach dem Opener „Evil Twin“ folgt mit „Jihad“ bereits der erste Höhepunkt. D.A.D. zeigen hier und auch bei „Girl Nation“ im Anschluss, dass sie weit mehr sind als nur Comedy! Die Jungs haben einige richtig gute Songs in ihrer langen Karriere geschrieben, das darf man nicht vergessen. Allerdings – dies ist auch fast der einzige Kritikpunkt – spielen sie anschliessend eine Weile ein relativ softes und ruhiges Programm. Schade eigentlich, denn wenn man die Dänen von der Leine lässt, tönen sie am besten!

So dauert es einen Moment, bis das Publikum – in dem sich nach wie vor grosse Lücken befinden! – wieder Feuer fängt. Angestachelt durch die deutschen Ansagen von Jesper („Verstehen Sie, was ich sage??“) gibt’s Anekdoten über die Abendschule von Drummer Laust, der da „immer Dienstags 19h Heavy Metal lernen muss“ – der gibt auch gleich ein kurzes Schmankerl zum Besten. Gut – diese Story gehört wohl zum Standartprogramm der Dänen, macht aber trotzdem Spass. Später darf Laust auch noch ein „richtiges“ Drum Solo zum besten geben – angefeuert von lauten „Laust, Du schaffst das!“ Rufen. Herrlich!

Musikalisch überzeugt gegen Ende dann vor allem „Monster Philosophy“, bevor mit der Übernummer „Sleeping My Day Away“ nochmals richtig Party gemacht wird. Doch noch ist nicht Schluss: Heute dürfen D.A.D. mal eine Sonderschicht schieben. Und die beginnen sie zu meiner grenzenlosen Freude mit dem saugeilen „Bad Craziness“! Endlich erlebe ich diesen Knaller auch mal live! Das eher bluesige „I Won’t Cut My Hair“ wäre meiner Meinung nach VOR „Bad Craziness“ zwar besser aufgehoben gewesen, so endet ein insgesamt dennoch starker Auftritt nach knapp 90 Minuten mit eher ruhigen Tönen.

Setliste D.A.D.

  1. Evil Twin
  2. Jihad
  3. Girl Nation
  4. A New Age Moving In
  5. Everything Glows
  6. Rim of Hell
  7. Grow Or Pay
  8. Riding With Sue
  9. Reconstrucdead
  10. Monster Philosophy
  11. I Want What She’s Got
  12. Sleeping My Day Away
  13. Bad Craziness*
  14. I Won’t Cut My Hair*

*Zugaben

Es bleibt nun gute halbe Stunde Zeit für die Zufuhr von Flüssignahrung (Kaffee – muss Müdigkeit bekämpfen!) und Smalltalk. Die Fussball WM ist bei den Leuten natürlich auch immer ein Thema und auf dem Pissoir schreit einer rum „Wer die Fussball WM schaut, unterstützt den Krieg in Syrien!!“ Ööhm… Dann wäre beispielsweise also der werte Kollege Dutti sozusagen ein Kriegstreiber? Läck, dann bin ich ja richtig froh, dass mir die WM mehrheitlich am Allerwertesten vorbei geht… Fuck Politics!

Axel Rudi Pell

Es ist 21.30h und langsam wird’s dunkel. Zum Intro „The Medieval Overture“ wird ein gigantisches Backdrop hochgezogen und mit einem funkensprühenden Knall startet der Headliner mit „The Wild And The Young“ in seinen Set. Als Fotograf hat man es allerdings nicht gerade einfach: Abgesehen von dem Gelände, welches suboptimal ist (kann man allerdings halt nicht ändern), präsentieren sich Axel Rudi Pell abwechselnd in rot / blau oder dann gleissendem weiss. Doch das grösste „Problem“ ist Fronter Johnny Gioelli. Einmal mehr. Keine Ahnung, wie viele Red Bull der Kerl vor der Show reingezogen hat: Einfach mal nur EINE Sekunde stillstehen kann der nicht! Kein Wunder ist der bereits nach wenigen Minuten komplett durchgeschwitzt… Gioelli spurtet von rechts nach links, von links nach rechts, an den Bühnenrand und zurück, mach Chest Bumping mit Basser Volker Krawczak und sogar mit dem Meister himself – und liefert dabei einmal mehr eine fantastische Gesangsleistung ab!

Apropos „Meister“:  Axel schnappt sich nach ein paar Songs das Mikrofon und fragt provokativ, ob wir hier an einem Rockkonzert oder sonst wo seien – es ist ihm viel zu leise! Ja, das Publikum ist bis zu diesem Zeitpunkt in der Tat eher verhalten, doch Axels Ansprache scheint die Fans tatsächlich etwas aufzurütteln.Dabei gibt es doch wahrlich genug Gründe zum Feiern! Das herrliche „Fool Fool“ hat wie immer einen frühen Spot im Programm und „Oceans Of Time“ sorgt für Hühnerhaut-Feeling. Ein grosses Highlight ist einmal mehr „Mystica“, welches mit Drum Solo ergänzt wird. Bekanntlich finde ich Drum Solos meistens (also fast immer…) überflüssig und belanglos, doch Bobby Rondinelli macht das heute schon recht stark, teilweise drischt er sogar mit baren Händen auf seine Felle ein.

Wenn meine persönliche Statistik nicht lügt, ist es in der Tat vier Jahre her, seit ich Axel Rudi Pell das letzte Mal live gesehen habe, das wäre dann die Jubiläumsshow auf dem Bang Your Head!!! gewesen. Seit der letzten Show im Z7 ist es noch länger… Doch einiges ist konstant. Das Grinsen und die Freude von Keyboarder Freddy Doernberg beispielsweise. Oder die blonden Haare des Meisters. Oder eben die sportlichen und gesanglichen Qualitäten des Frontmannes. Die Setlist hingegen ist umgekrempelt, im Zentrum stehen natürlich einige Songs des aktuellen Werkes „Knights Call“. „Long Live Rock“ ist wie erwartet eine Hymne, während das Doppel „Game Of Sins / „Tower Of Babylon“ die Bühne in Flammen taucht. Auch Pontus Norgren – mittlerweile von Drummer David Wallin sekundiert – geniesst die Show.

Eventuell trügt meine Wahrnehmung nun etwas, weil ich mich zwischendurch fast zu sehr aufs Fotografieren konzentriere, aber insgesamt habe ich den Eindruck, dass das der Anteil an Solos ziemlich runtergeschraubt wurde im Vergleich zu früheren Shows. Klar, Axel steht immer mal wieder im Spotlight, aber ich empfinde das alles heute sehr kurzweilig und nicht unnötig in die Länge gezogen.

Ebenfalls erwähnt werden muss zudem der Soundmensch. Egal, wo man auf dem Platz steht: Es tönt glasklar, prima abgemischt und alle Details hört man raus. Das war übrigens auch bei D.A.D. der Fall. Kompliment!

Ein letztes Mal heute läuft mir der HammerFall Gitarrist über den Weg. Definitiv nicht mehr ganz nüchtern (um es gemässigt auszudrücken) erzählt er, dass der Rest seiner Band übelst vom Jet Lag geplagt längst in tiefen Schlaf gefallen ist. Doch er hält durch und freut sich auf die Show am nächsten Tag – sagt’s und futtert weiter seinen Cervelat…

Um 23 Uhr steht das „Carousel“ still und mit viel Applaus verabschieden sich Axel Rudi Pell erstmal von der Bühne. Doch der Abschied ist kurz, es folgt der mittlerweile wohl obligate Zugaben-Block: „The Masquerade Ball“ und „Cashbah“, zweifellos zwei der stärksten Nummer im Repertoire des Blondschopfs, werden wie gewohnt als Medley dargeboten, wobei nochmals exzessiv von den Flammenwerfern Gebrauch gemacht wird. Die Hymne „Rock The Nation“ bildet den ebenfalls gewohnten Abschluss einer ebenfalls gewohnt starken Show. Im Funkenregen und mit einem letzten Knall schicken Axel, Jonny, Volker, Freddy und Bobby die Zuschauer auf den Heimweg.

Setliste Axel Rudi Pell

  1. The Medieval Overture (Intro)
  2. The Wild and the Young
  3. Wildest Dreams
  4. Fool Fool
  5. Oceans of Time
  6. Only the Strong Will Survive
  7. Mystica (mit Drum Solo)
  8. Long Live Rock
  9. Game of Sins / Tower of Babylon
  10. The Line
  11. Warrior
  12. Edge Of The World / Truth & Lies / Carousel
  13. The Masquerade Ball / Cashbah*
  14. Rock The Nation*

*Zugaben

Das Fanzit

Wer zu Axel Rudi Pell geht, kann nichts falsch machen! Egal, ob der Namensgeber, sein Sänger oder seine weiteren „Sidekicks“: Die Truppe liefert einfach gute Qualität! Das Programm ist stets ein toller Mix aus neuen Songs und alten Klassikern und dass da manche Songs in einem Medley zusammengefasst werden ist bei diesem Backkatalog, den ARP vorzuweisen hat, sicher auch nicht die schlechteste Idee. Da für einmal eine grosse Open Air Bühne zur Verfügung steht, kann wieder mal eine amtliche Pyroshow eingesetzt werden. Zudem vermögen auch D.A.D. mit ihrer (fast-)Headliner Show zu überzeugen.

Erstaunlich ist eigentlich nur der Publikumsaufmarsch. Dafür, dass es Samstagabend bei besten äusseren Bedingungen ist, sind vielleicht 1‘500 Zuschauer eher mager. Wenn man bedenkt, dass Axel Rudi Pell schon mehrfach die Halle ausverkauft haben… Mal sehen, wie voll es einen Tag später bei HammerFall und Shakra wird…

Fotos vom Konzert-Abend (Kaufi)


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