Metalinside.ch - Night Demon - MS Connexion Complex Mannheim 2018 - Foto Kaufi
Di, 31. Juli 2018

Night Demon, SpiteFuel, Sons of Sounds

MS Connexion Complex (Mannheim, DE)
14.08.2018

Kontraste

Vor ein paar Tagen in Wien: Mehrere tausend Metalheads feiern die Götter Judas Priest.

Heute: Ein überschaubarer Haufen „verirrt“ sich in Mannheim ins MS Connexion Complex. Der Headliner heisst Night Demon. Man sagt zwar, dass das Trio die Zukunft des Metals sei. Musikalisch mag das vielleicht wirklich zutreffen – aber die Strahlkraft ist fraglos noch lange nicht stark genug. Nichtsdestotrotz: Es sollte ein äusserst unterhaltsamer Abend werden in dem gemütlichen Club…

Zugegeben: Mein Hauptgrund für den Trip hierhin sind die Co-Headliner SpiteFuel. Womit ich aber die beiden anderen Truppen aber nicht abemache will! Night Demon können wirklich was, Sons of Sounds hingegen kenne ich (noch) nicht.

Jedenfalls gibt’s ein zünftiges Begrüssungs-Hallo, als ich SpiteFuel mitsamt Aushilfe Jasmin Zimmermann und Manager Markus treffe. Erstmal also viel Schrott labbern („Scheiss Rockstars!“) und von mir gibt’s auch grad die Beschwerde, dass mir niemand einen Hopfentee aus dem Backstage mitgebracht hat! Dann halt mal ab an die Bar… Die Jungs kennen mich und wissen, dass das natürlich nicht ganz ernst gemeint ist. Wobei… jedenfalls ist’s ein wunderbarer Sommerabend und als plötzlich laute Musik von drinnen ertönt, muss ich selbstverständlich umgehend zum Dienst antreten!

Sons Of Sounds

Die Band ist mir kein Begriff. Mal das Internet befragen – und da heisst es, dass dies drei Brüder sind, seit über zehn Jahren aktiv und drei Alben haben sie auf dem Markt. Das Trio stammt aus dem Raum Karlsruhe, also auch fast ein Heimspiel heute.

Dass die Jungs Brüder sind, ist nicht unbedingt sichtbar: Zu unterschiedlich sehen H, Wayne und Morales aus. Vor allem Sänger / Basser Roman Beselt (das wäre dann „Morales“) vermittelt den Eindruck, dass er durchaus auch Verwandtschaft bei den Indianern hat.

Vor einer eher mageren Kulisse – vielleicht 40, 50 Nasen haben sich im heissen Raum versammelt – spielt das Trio ihren Rock, der ab und zu auch mal einen Schimmer 70er Jahre versprüht. Die eine oder andere Passage lässt mich beispielsweise an Led Zeppelin denken. Man merkt den Dreien auch an, dass sie wahrlich nicht das erste Mal auf einer Bühne stehen, die machen das recht gut und holen das Optimum aus der sicherlich nicht einfachen Situation. Und dafür, dass es so wenige Zuschauer sind, kriegen Sons of Sound ansprechende Unterstützung und Applaus, auch wenn Morales vor allem zu Beginn das Publikum etwas an den Bühnenrand bitten muss. Der von Kollege Dutti gerne erwähnte „Sicherheitsabstand“ ist also definitiv nicht ein Schweizer Phänomen….

Setliste Sons of Sounds

  1. One Sky
  2. Illumination
  3. Heart on Fire
  4. The Change
  5. Cosmic Queen
  6. Shamans

SpiteFuel

Es rumort bei SpiteFuel. Unfreiwillig zwar, die Band erlebt im Moment grad etwas schwierige Zeiten. Der überraschende Ausstieg von Sänger Stefan Zörner stellt den Rest vor die schwierige Aufgabe, urplötzlich einen Nachfolger zu finden. Und das, obwohl schon Gigs gebucht und bestätigt sind! So zum Beispiel der Auftritt heute… Aufgrund eines offensichtlichen Missverständnisses mussten die Heilbronner die Teilnahme am Metal United Festival absagen und zu allem Übel wurden sie auch beim Metal Crash Festival im Oktober ausgeladen. Da darf man schon gespannt sein, was die Band heute zeigen wird!

Ins Auge sticht natürlich zuerst mal der Ersatz am Mikrofon. Hier ist Jasmin Zimmermann am Werk. Die Gesangslehrerin hat innert drei Wochen das Programm einstudiert, zwei Bandproben absolviert und singt heute das zweite und voraussichtlich letzte Mal mit SpiteFuel. Dass sie unter diesen Bedingungen einen analogen Teleprompter (diverse A4 Zettel am Bühnenboden…) benötigt, ist verständlich und sei ihr verziehen! Starkes Zeichen auch von Seite Band / Management: Sie trägt ein SpiteFuel Shirt, auf dem die Vornamen der Musiker stehen. Timo, Matze, Björn, Tobi, Jasmin!

An der gesanglichen Leistung gibt’s denn auch nichts auszusetzen. Zwar sind die Vocals – ob bewusst oder unbewusst – etwas in den Hintergrund gemischt, von einem dominanten Gesang kann man kaum reden. Aber das ist schlussendlich vielleicht gar nicht sooo schlecht. Denn zumindest ich hätte wohl (noch mehr) Vergleiche mit Vorgänger Stefan gesucht. Zu Beginn zeigt sich Jasmin denn auch etwas scheu, man merkt ihr an, dass sie sich solche Situationen kaum gewöhnt ist. Tolle Unterstützung gibt‘s dafür von Gitarrist Tobi Eurich. Immer wieder geht er zur Sängerin, animiert sie während dem er seine Haare fliegen lässt (Ventilatoren auf der Bühne – 80er Feeling, yesss!) und scheint generell etwas den Job als neuer „Bandleader“ übernommen zu haben. Gut – vielleicht liegt‘s auch am Bühnenaufbau, der die Band wie in zwei Teile trennt. In der Mitte hockt Drummer BJ, der dem Fotografen immer mal wieder den ausgestreckten Mittelfinger zeigt (Scheiss Rockstar!!) – aber dafür kriegt das Bier dann auch der Gitarrist und nicht der Schlagzeuger. Ätsch!

Auf der einen Seite stehen nun also Jasmin und Tobi, auf der anderen Matze, die coole Sau am Bass, und der zweite Gitarrist Timo, heute „nur“ mit Georg Lynch Gedächtnis-Gitarre, von der edlen „Wicked Sensation“ Klampfe keine Spur. Timo, du weisst, was du in Winnenden mitzubringen hast…

Während Timo und Matze mehrheitlich auf ihrer Seite bleiben, kennt Tobi nix und läuft dem schmalen Bühnenrand entlang zur anderen Seite – Dreierposing mit Klampfen: Die Fotografen verdanken das! Auch aufgrund solcher Aktionen ist der Blondschopf DER Dreh- und Angelpunkt auf der Bühne, das dürfte Jasmin auch nochmals etwas Druck wegnehmen.

Bleibt noch das musikalische Programm. „Dreamworld Collapse“ ist immer noch unter meinen Top 3 Alben dieses Jahres. So gesehen ist es etwas schade, dass es eher wenige Songs sind, die hier zum Zug kommen. Basser Matze erläutert mir später, dass viele Dinge ohne Samples nicht machbar sind. Solche sind allerdings kein Thema bei SpiteFuel, die Jungs gehen raus und man kriegt genau das, was man sieht. Konsequente Einstellung – zu der es auf beide Seiten Argumente gibt. Ich werde mich hüten zu sagen, dass dies jetzt gut oder schlecht ist! Einzig dass „Dreamworld Collapse Pt II“ deswegen nicht gespielt werden kann, finde ich schon verdammt schade.

Die Setliste hat jedoch auch so natürlich viel Gutes zu bieten! „Brick By Brick“ ist stark, „Whorehouse Symphony“ ebenso und einer meiner Favoriten ist seit jeher „Devil’s Darling“. Die 50 Minuten vergehen schlussendlich wie im Flug, vielleicht auch deshalb, weil ich ausnahmsweise mal durchgehend fotografieren darf. Und das hat dann doch den Nachteil, dass man sich fast zu wenig auf die Mucke konzentriert… aber wirklich nur „fast“! Meine Frau, der Manager und die immer noch nicht sehr zahlreiche Zuschauerschaft haben jedenfalls Spass und SpiteFuel kriegen völlig zurecht viel Applaus zum Ende!

Und jetzt bin ich gespannt wie nur was auf den neuen Sänger. Offenbar ist da der Nachfolger gefunden und der soll im September in Winnenden die erste Show spielen! Meine Wenigkeit wird das keinesfalls verpassen… Zumal noch ein zweites, äusserst zugkräftiges Argument mich dahin zieht. Battle Beast. Aber das ist Zukunft…

Setliste SpiteFuel

  1. Purified
  2. Iconic Failure
  3. Under Fire
  4. Whorehouse Symphony
  5. Tainted
  6. Brick By Brick
  7. The Secret
  8. Never Surrender
  9. Devil’s Darling
  10. Sleeping with Wolves
  11. Privilege of Power

Night Demon

Als das kalifornische Trio seinen Auftritt (wie gewohnt mit „Welcome To The Night“) beginnt, sind vielleicht 150 Leute im Saal. Sogar ein Banner des Night Demon Fanclubs wird über der Absperrung präsentiert! Was einmal mehr negativ auffällt: Es ist brutal laut. So laut, dass es stellenweise richtig scheppert. Liebe Soundleute – weniger ist manchmal wirklich mehr… In diesem Punkt lobe ich mir die Begrenzungen in der Schweiz.

Es ist verdammt heiss und so wie Night Demon hier loslegen, ist es kein Wunder, dass die drei Musiker innert Kürze schweissüberströmt auf der Bühne stehen. Die körperlichen Tätigkeiten tun ihr übriges: Speziell Jarvis übt sich einmal mehr dem höchst intensivem Nackenmuskeltraining. Der Schweiss spritzt nur so rum…

Im Fokus des musikalischen Programms steht das aktuelle letztjährige Werk „Darkness Remains“, von welchem insgesamt acht Songs gespielt werden. Mit „Lightning To The Nations“ ist auch eine Hommage an die alten Helden von Diamond Head dabei, dafür fehlt heute im Vergleich zum Bang Your Head!!! das Scorpions Cover „In Trance“.

Schuldig im Sinne der Anklage und es ist auch nicht gegen Night Demon gerichtet, aber ich bin trotzdem recht schnell draussen vor der Halle, höre mir den Sound im Hintergrund an und unterhalte mich derweil mit SpiteFuel. Immer wieder hört man von drinnen jedoch grossen Applaus, „Black Widow“ singe ich selber vor der Tür etwas mit. Falsch zwar, aber egal. Die Fans haben zweifellos eine gute Zeit. Und die Amerikaner liefern ganz offensichtlich, egal ob sie auf den grossen Bühnen wie in Balingen oder ein paar Tage später in Wacken stehen oder in einem kleinen Club wie heute.

Verbundenheit zum Underground ist ebenfalls wichtig – so erfahre ich später, dass Night Demon „Darkness Remains“ dem kurz zuvor überraschend verstorbenen Mark Shelton (Manila Road) widmen. Als die Show zu Ende ist und die Fans aus der Halle kommen, sieht man lauter zufriedene Gesichter. Night Demon überzeugen demnach, und eigentlich hätte ich gerne auch mehr gesehen. Aber irgendwie ist’s einfach auch grad toll, an dem schönen Sommerabend einfach nur mit ein paar glatten Leuten („Rockstars“…) zu quatschen. Da Night Demon zudem ja recht aktiv sind auf den europäischen Bühnen, werden die mir ganz sicher bald wieder irgendwo begegnen…

Setliste Night Demon

  1. Welcome to the Night
  2. Hallowed Ground
  3. Full Speed Ahead
  4. Dawn Rider
  5. Save Me Now
  6. Ancient Evil
  7. Life on the Run
  8. Stranger in the Room
  9. The Howling Man
  10. Stranglehold
  11. Lightning to the Nations
  12. Black Widow
  13. Curse Of The Damned
  14. Screams In The Night
  15. The Chalice
  16. Flight Of The Manticore
  17. Darkness Remains
  18. Heavy Metal Heat
  19. Night Demon

Das Fanzit

Auch wenn ich schlussendlich weniger als erwartet vom Headliner mitbekommen habe, so hat sich die Reise nach Mannheim trotzdem gelohnt. Halt vor allem wegen SpiteFuel. Die Heilbronner haben was, können was und es ist zu wünschen, dass sie mit ihrem neuen Sänger dann nochmals ein gutes Stück vorwärts kommen! Und Night Demon? Eben, die trifft man sicher bald wieder, und dann schau ich’s mir auch wieder komplett an, versprochen!

Fotos vom Konzert-Abend (Kaufi)


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Night Demon, SpiteFuel, Sons of Sounds
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14.08.2018
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