Metalinside.ch - Europe - Komplex 457 Zürich 2018 - Foto Nicky
Mo, 1. Oktober 2018

Europe, King King

Komplex 457 (Zürich, CH)
/ 27.10.2018

Zweite Runde der «Walk The Earth»-Tour 

Im November des vergangenen Jahres begeisterten Joey Tempest und seine Mannen noch das Z7-Publikum in Pratteln. Am Montagabend versuchten die schwedischen Hard Rock-Legenden nun dasselbe mit der Zürcher-Zuhörerschaft anzustellen. Ob ihnen dies geglückt ist und wie das neue Lieblingswort des Europe-Fronters lautet, erfahrt ihr im nachfolgenden Konzertbericht. 

Der Wochenstart fällt oftmals harzig aus. Hat man allerdings in den Abendstunden eine Veranstaltung in Aussicht, geht die Arbeit schon ein bisschen leichter von der Hand. Europe promoten nach wie vor ihren aktuellen Silberling «Walk The Earth» und möchten diesen ebenfalls ihren Fans in Zürich schmackhaft machen. Ort des Geschehens? Das Komplex 457. Ui, für eine Truppe dieses Kalibers eher eine kleine Location, aber ich bin der letzte Mensch, der sich über so etwas kritisch äussert. Es ist immer schön zu sehen, wenn grosse Namen der Szene sich an solch exklusiven Club-Gigs versuchen. Hoffen wir einfach einmal, dass der Sound in einer angenehmen Klangfarbe daherkommen wird. Metalinside ist übrigens wie damals in Pratteln mit Doppelbesetzung vor Ort. Dieses Mal kümmert sich Nicky um den Fotograben, während ich wie gewohnt die Schreibarbeit abdecke.

Zwei Dinge fallen mir gleich zu Beginn auf, der hintere Teil des Raumes wird offenbar gar nicht erst genutzt (somit scheint der Verkauf nicht so rosig gelaufen zu sein) und an der Bar wird neuerdings mit Depotbechern gearbeitet. Sinnvolle Geschichte, den die bisher verwendeten Becherchen landeten jeweils nur allzu oft auf dem Boden. Aber die Geschichte mit den mässigen Zuschauerzahlen bereitet mir ein wenig Kopfzerbrechen. Wann wird wohl die grosse Masse auftauchen? Oder ist man in Altstetten an einem Montagabend etwa noch nicht im Konzertmodus? Naja, abwarten und Hopfentee schlürfen. Aus den Boxen dröhnen zur Einstimmung Songs von Altmeister Ozzy Osbourne und Nickelback. Ach ja, fast vergessen. Europe sind heute Abend nicht allein unterwegs. Vor dem Headliner gibt’s zuerst eine Vorgruppe zu bestaunen.

King King

Und diese bereits erwähnten Aufwärmer starten um Punkt 20 Uhr in ihr Set. Der schottische Vierer hört auf den Namen King King und spielt Blues Rock. Insbesondere Gitarrist und Sänger Alan Nimmo macht aus seiner Herkunft keinen Hehl, denn der gute Mann steht im Kilt auf der Bühne. Weitaus beeindruckender als seine modischen Eskapaden ist allerdings sein optimal zum Genre passenden Stimmorgan. Hammermässig! Aber an Alan ist auch ein kleiner Klampfen-Gott verlorengegangen. Zudem beherrscht er all die gängigen «Guitar Faces». Bei den Ansagen zwischen den einzelnen Nummern erweist sich der Schotte als überaus sympathisches Kerlchen. Mit ihm würde ich zweifelsohne jederzeit in einem Glasgower Pub einen Humpen heben gehen. Die restlichen King King-Mitglieder sind Lindsay Coulson (Bass), Wayne Proctor (Schlagzeug) und Jonny Dyke (Keyboard). Der Herr am Tieftöner macht seiner Art alle Ehre. Ohne eine Miene zu verziehen spielt er seine Parts ganz gelassen runter.

King Kong äh sorry… King King haben bisher vier Studioalben veröffentlicht. Das aktuellste Werk «Exile & Grace» hat auch bereits wieder ein Jährchen auf dem Buckel. Die einzelnen Tracks machen Laune, wenngleich das Tempo im Anschluss bei Europe sicherlich zunehmen wird. Alan haut ein paar packende Gitarren-Soli raus. Dass einige Besucher just diese Stellen als Einladung verstehen, um einfach einmal frech darauf los zu plaudern, ist mir ein Rätsel. Klappe halten und geniessen, danke! Nach dieser gelungenen Dreiviertelstunde erachte ich ein Wiedersehen mit den Schotten als absolut realistisch.

Europe

Der markant weisse Mikrofonständer von Rolf Magnus Joakim Larsson – wie der Europe-Frontmann mit bürgerlichem Namen heisst – steht bereit und wartet auf seinen Einsatz. Dann ist es soweit. Mic Michaeli haut ein erstes Mal in seine Tasten und läutet damit das erste Lied des Headliners ein: «Walk The Earth». Mit Sonnenbrille und Cowboy-Hut ausgestattet ist er für mich bereits jetzt schon die coolste Socke des ganzen Raums. Die meisten Blicke sind nichtsdestotrotz auf Herrn Tempest gerichtet, der abermals eine engagierte Performance zeigt. Seine obligaten Mikrofon-Jonglier-Aktionen dürfen dabei keinesfalls fehlen. Respekt dafür, dass sein Werkzeug dabei nie auf den Bühnenboden kracht. Gesundheitlich scheint Joey jedoch nicht hundertprozentig auf der Höhe zu sein. Die Indizien dafür? Die gelegentlichen Versuche zur Unterdrückung von Hustenanfällen und der Konsum von Heissgetränken. Arg beschädigt scheint seine Stimme aber glücklicherweise nicht zu schein. In mein Ohr dringen zumindest keine schiefen Töne. Mit seinen schweizerdeutschen Sprachbrocken sorgt der Schwede beim Publikum immer wieder für Lacher. Sein neues Lieblingswort lautet offenbar «Wahnsinn!». Damit beschreibt Joey heute Abend nämlich so ziemlich alles.

Ein paar kleinere Änderungen hat die Setliste im Vergleich zum Z7-Gig erfahren. Die prägendste Anpassung ist definitiv die Wiederaufnahme der Hymne «Carrie». Ein Beweis dafür, dass man bei Europe nicht bloss nur bei diesem ominösen einen Song, der immer ganz zum Schluss gespielt wird, emotional werden kann. Zahleiche Fans liegen sich in den Armen und singen den Refrain lautstark mit. Eine wundervolle Szenerie. Da ist selbst ein eisenharter Metalhead wie meine Wenigkeit ein bisschen berührt. Beim Gitarrensolo wagt sich John Norum nach vorne und ins Rampenlicht. Ansonsten hält er sich mehrheitlich im Hintergrund und scheint regelrecht am Schlagzeug von Ian Haugland zu kleben. Basser John Levén wirkt da schon deutlich aktiver.

Nach rund 100 Minuten steht schliesslich der Zugaben-Block an. Den Auftakt macht hier «Cherokee», welches bei der Zuhörerschaft nochmals Jubelrufe auslöst. Der echte Kracher kommt dann allerdings als «grande Finale». In der Musikwelt wird wohl kein anderer Countdown so frenetisch gefeiert. Mit Fanfaren werden wir direkt zurück in die 80er-Jahre katapultiert. Eine überragendes Meisterwerk, welches einfach jedes Mal ein Hühnerhaut-Garant ist. Nichtsdestotrotz warte ich gespannt auf den Tag, an welchem die Schweden «The Final Countdown» bereits etwas früher ins Rennen schicken. Kollege Kaufi durfte dies ja vor zwei Jahren im Zürcher Volkshaus erleben. Vielleicht erlebe ich dieses Ereignis ja auch noch. Schliesslich sind Europe in letzter Zeit ziemlich fleissig unterwegs. Allein in den letzten zwei Jahren durfte ich die Truppe schon drei Mal live erleben.

Das Fanzit

Der Sound im Komplex hat gehalten – halleluja! Sowohl King King als auch Europe brillierten durch ansprechende Performances. Der Publikumsaufmarsch war dagegen wieder ein bisschen mau. Erst im letzten Drittel der Headliner-Show konnte von einer so richtig mitreissenden Stimmung gesprochen werden. Mögen Zürcher etwa keinen Hard Rock? Waren Europe in letzter Zeit zu oft bei uns zu Gast? Oder lag’s schlichtweg am Montag? Eindeutig beantwortet können diese Fragen nicht werden. Insgesamt war die ganze Geschichte Ende November des vergangenen Jahres in der Konzertfabrik eine Spur genialer.

Setliste – King King

  1. She Don’t Gimme No Lovin
  2. Waking Up
  3. Long History Of Love
  4. Rush Hour
  5. You Stopped The Rain
  6. Stranger To Love

Setliste – Europe

  1. Walk The Earth
  2. The Siege
  3. Rock The Night
  4. Hole In My Pocket
  5. Last Look At Eden
  6. Pictures
  7. Firebox
  8. Ready Or Not
  9. Turn To Dust
  10. Sign Of The Times
  11. Vasastan
  12. GTO
  13. Carrie
  14. Nothin‘ To Ya
  15. Drum Solo
  16. Danger On The Track
  17. War Of Kings
  18. Superstitious
  19. Cherokee*
  20. The Final Countdown*

*Zugabe

Fotos Europe, King King – Komplex 457 Zürich 2018 (Nicky)


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Europe, King King
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