Empyrium, Helrunar und Sun Of The Sleepless - Dynamo Werk 21 Zürich 2018
So, 7. Oktober 2018

Empyrium, Helrunar, Sun Of The Sleepless

Dynamo Werk 21 (Zürich, CH)
07.11.2018
Empyrium, Helrunar und Sun Of The Sleepless - Dynamo Werk 21 Zürich 2018

Schwarzmetallischer Sonntagabend im Werk 21-Gewölbe 

Im Fokus standen mit Empyrium und Sun Of The Sleepless zwei Projekte des deutschen Musikers Markus Stock, den die meisten in der düsteren Szene aber wohl eher unter seinem Pseudonym «Ulf Theodor Schwadorf» ein Begriff sein. Komplettiert wurde das Trio durch die Black Pagan Metaller Helrunar. Wem es gelungen ist, das ausverkaufte Werk 21 von sich zu überzeugen, könnt ihr den nachfolgenden Zeilen entnehmen. 

«Sold Out»-Status erreicht. Es wird keine Abendkasse geben. Hui, damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Die Meh Suff!-Leute wird’s jedoch zweifelsohne freuen. Scheinbar scheinen die Truppen des heutigen Abends doch einen gewissen Popularitätsgrad aufzuweisen. Bis zu meiner Person ist dieser allerdings noch nicht durchgedrungen. Ich befinde mich heute Abend abermals auf Entdeckungsreise.

Headliner Empyrium konzentriert sich auf dieser aktuellen Tour auf die frühe Schaffensphase von 1994 bis 1998. Das Album «Songs Of Moors & Misty Fields» soll beispielsweise in seiner vollen Länge vorgetragen werden. Dem Mastermind der Band – Schwadorf – bin ich übrigens schon einmal im Werk 21 begegnet. Im Vor knapp einem Jahr war er mit The Vision Bleak in Zürich zu Gast. Ähnlich wie heute, ging ich frei von Erwartungen an die Show und wurde sehr positiv überrascht. Das dürfte sich meinetwegen am heutigen Abend gerne wiederholen. Sun Of The Sleepless – der Opener – ist übrigens ein weiteres Kind von Schwadorf. Der gute Mann wird somit eine Doppelschicht einlegen müssen. Der dritten Gruppe des Abends bin ich schon einmal im Rahmen eines Meh Suff! Winter-Festivals begegnet. Unglücklicherweise war der alkoholische Pegel damals bereits viel zu hoch und aufgrund dessen bekam ich die Darbietung von Helrunar bloss am Rande ein bisschen mit. Bei dieser zweiten Chance versuche ich definitiv nüchterner ans Werk zu gehen.

Uns Journalisten kann man es nie wirklich recht machen. Bei zu schwach besuchten Locations reklamieren wir, aber auch in ausverkauften Hütten wird gemotzt. Ein rappelvolles Werk 21 ist allerdings effektiv kein Vergnügen. Immer wieder kommt es zu Staus und Gedränge. Ein Blick auf die Merch-Angebote kann trotzdem irgendwie erhascht werden. Oho, da ist definitiv gutes Zeugs dabei. Sollte eine der Truppen brillieren, werde ich hier sicherlich das eine oder andere Frankenstück liegenlassen. Ein paar Bierchen dürfen es an der Bar schon sein. Davon gibt’s ja nicht gleich einen Vollsuff. Anschliessend schleichen meine Kollegin und ich Richtung Bühne. Dummerweise müssen wir aber aufgrund des ausgeprägten Publikumsandrangs vorerst am hinteren Ende des Raumes in Stellung gehen.

Sun Of The Sleepless

Ulf Theodor Schwadorf zum Ersten. Die anwesenden Lauscher kommen in den Genuss von atmosphärischem Schwarzmetall, wie man ihn kennt und liebt. Gemächlicher, stimmungsvolle Passagen wechseln sich konstant mit temporeichen Knüppel-Abschnitten ab. Ausschweifendes Mähnenschütteln unterlasse ich jedoch. Schliesslich möchte man der vor sich stehenden Person ja nicht unbedingt mit einem fehlgeleiteten Kopfstoss gleich das Licht ausknipsen. Konzerte dieser Art ziehen irgendwie jedes Mal grossgewachsene Menschen an. Da bekunde selbst ich mit meinen 180 Zentimetern Mühe, durchgehend freie Sicht auf die Bühne zu haben. Somit widme ich mich gelegentlich unfreiwillig dem Studium der zahlreichen Hinterköpfe. Davon ist glücklicherweise die Leistung der Band keinesfalls beeinträchtigt. Diese 40 Minuten bieten beste Unterhaltung und werden im Anschluss eine ziemliche Plünderung der Merch-Artikel zur Folge haben. Ein Exemplar der 2017er-Scheibe «To The Elements» kann ich mir gerade noch so sichern.

Helrunar

Sichtprobleme dürften bei Helrunar keine Probleme darstellen, denn wir können uns ungehindert vorne links platzieren. Der ergraute Anführer des Quintetts – Skald Draugir – stellt gleich zu Beginn klar, dass sie keine Pagan-Band seien. Naja, stimmt aus meiner Sicht nicht so ganz. Sie spielen durchaus Pagan Metal, reichern diesen aber zusätzlich mit schwarzmetallischen Elementen an. Ich muss mich offiziell bei Helrunar für meinen Bericht – sprich die drei Sätzchen – über ihren Auftritt beim letztjährigen Meh Suff! Winter-Festival entschuldigen. Die Band ist nämlich richtig gut und haut ordentlich auf die Kacke. Endlich haben auch die Headbanger ausreichend Platz, um sich austoben zu können.

Wenn beim Sänger jeweils lediglich noch das Weiss seiner Augen sichtbar ist, sieht es beinahe so aus, als wäre er von irgendwelchen dämonischen Mächten besessen. Unermüdlich krächzt er in sein Mikro und trumpft zwischen den einzelnen Songs mit frechen Ansagen auf. Einmal wird das Publikum beispielsweise gefragt, ob sie für Viking Metal à la Bathory bereit seien. «Nicht diesen Trinkhorn-Schlager-Scheiss. Ich spreche von echtem Viking Metal», meint Skald Draugir mit grimmigem Blick. Wen er mit dieser Kritik gemeint haben könnte, lasse ich an dieser Stelle einmal offen.

Mit vier Liedern dominiert der erst vor ein paar Tagen erschiene Silberling «Vanitas Vanitatvm» die Helrunar-Setiste. Aber auch Nummern wie «Magdeburg brennt» oder die Zugaben-Hymne «Älter als das Kreuz» kommen bei der Zuhörerschaft verdammt gut an. Nach dieser überragenden Leistung versteht es sich von selbst, dass meiner Sammlung unbedingt ein paar Artikel des Fünfers hinzugefügt werden müssen.

Empyrium

Ulf Theodor Schwadorf zum Zweiten. Im Gegensatz zu Sun Of The Sleepless ist mir die ganze Geschichte dieses Mal leider zu atmosphärisch. Ich kämpfe des Öfteren mit Müdigkeitserscheinungen. Immerhin sind die Mehrheit der restlichen Besucher den Headliner-Auftritt voll und ganz zu geniessen. Meine Digicam bleibt übrigens heute den ganzen Abend lang unbenutzt. Schliesslich möchte ich in dieser engen Location für allfällige Foto- oder Videoaufnahmen niemandem die Sicht versperren. Vor dem Zugaben-Block entschliesse ich mich dann für einen verfrühten Abgang. Das ist einfach zu lasch. Aber ich durfte ja bereits zwei geniale Bands erleben und habe somit keinen grossartigen Grund zur Wehklage.

Das Fanzit

Sun Of The Sleepless und Helrunar konnten auf ganzer Linie überzeugen. Bei Empyrium fehlte mir dagegen etwas die Durchschlagskraft. Mit einem ausverkauften Werk 21 werde ich mich wohl nie so richtig anfreunden können, aber am Ende findet man trotzdem oftmals irgendwo ein schlaues Plätzchen mit guter Sicht auf die kleine Bühne. Zur Not könnte man Events, bei denen der Vorverkauf super läuft, ja entweder auch in den Dynamo Saal oder beispielsweise ins Hall Of Fame nach Wetzikon verlegen.

Setliste – Helrunar

  1. Saturnus
  2. Devils, Devils Everywhere
  3. Als die Welt zur Nacht sich wandt
  4. Nebelspinne
  5. Blutmond
  6. Raune mit der Tiefe
  7. Da brachen aus böse Blattern, am Menschen und am Vieh
  8. Magdeburg brennt!
  9. Landsknecht
  10. Älter als das Kreuz

Wie fandet ihr das Konzert?

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07.11.2018
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